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Vom Traumwagen der „Goldenen 20er“ zum Bugatti Veyron des VW-Konzerns


Italienischer Markenname, französischer Produktionsstandort, deutscher Hersteller, mit dieser überaus internationalen Mischung spiegelt der geschichtsträchtige Sportwagenbauer Bugatti beispielhaft die Umbrüche in der globalisierten Automobilwelt von heute wider. In der Ära von Unternehmensgründer Ettore Bugatti gehörten die auffällig designten und üppig motorisierten Kleinserienwagen der 1920er und 1930er Jahren zu den Traumwagen ihrer Epoche. Die Limousinen wurden zum Sinnbild von automobilem Luxus auf der Straße, während die Sportwagen dank ihrer Erfolge auf den Rennstrecken Europas den Namen Bugatti zur Legende werden ließen. Für solche historischen Bugatti zahlen Sammler heute Liebhaberpreise. Die Kriegsereignisse und die kostenintensive Art der Produktion im Manufakturbetrieb führten jedoch dazu, dass Bugatti Mitte der 1950er Jahre vom Markt verschwand. Viele Jahrzehnte blieben die Markenrechte ungenutzt. Erst im Jahr 1992 lebte die Marke unter italienischer Regie mit dem Bugatti EB110 wieder auf. Ende der 1990er Jahre kaufte dann der Wolfsburger VW-Konzern die Markenrechte und plante am historischen Produktionsstandort im Elsass eine neue Manufaktur. Dort lief schließlich im Jahr 2005 die Fertigung des von VW entwickelten Supersportwagens Bugatti Veyron an.


Dank technischer Innovationen wird die Marke Bugatti zur Rennwagenikone


Die unternehmerisch mutige Idee der Wolfsburger, inmitten des Trends zu sparsamen Fahrzeugen eigene Technologien für eine 1000 PS-Rennmaschine zu entwickeln, hätte dem Ingenieur und Designer Ettore Bugatti gefallen. Denn nachdem der Mailänder im Jahr 1909 im elsässischen Molsheim die nach ihm benannte Automanufaktur gegründet hatte, schuf er sich schnell den Ruf eines Technik-Freaks, der weniger an rationalem wirtschaftlichen Kalkül als an der kompromisslosen Umsetzung des technisch Machbaren interessiert war. Seit der zigarrenförmigen Rennmaschine Bugatti Type 10 des Jahres 1908 fuhren die Modelle aus Molsheim regelmäßige Siege in allen wichtigen europäischen Rennen ein und sorgten mit ihren technischen Innovationen für Furore. In den 1920er Jahren stellte Ettore Bugatti den ersten Serienmotor mit acht Zylindern her, der im T30 zur Rennwagenikone wurde und im Jahr 1921 im ersten Straßenmodell der Marke, dem Bugatti T28, Premiere feierte.


Die große Zeit der Limousinen und Tourenwagen von Bugatti


In den „Goldenen Zwanzigern“ etablierten sich die hubraumstarken Limousinen und Cabriolets von Bugatti im Segment der Luxusfahrzeuge. Vom Bugatti T44 mit seiner Achtzylindermaschine und drei Litern Hubraum konnte der Kleinhersteller bis in die 1930er Jahre mehr als 1000 Einheiten absetzen. Zweiter Verkaufserfolg wurde der 135 PS-Tourenwagen vom Type 57, der bis ins Kriegsjahr 1939 gebaut wurde und mit dem der Rennfahrer Pierre Veyron den letzten Sieg der Marke Bugatti einfuhr. Das verdiente Geld floss dabei allerdings auch in weniger erfolgreiche Prestigeprojekte, wie den Bugatti Royale, der als eine Art Stretch-Limousine mit 300 PS neue Maßstäbe in der Luxusklasse setzen sollte, von dem dann jedoch nur ein halbes Dutzend gebaut wurden. Auch mit dem technisch noch auf dem Bugatti T57 basierenden Nachkriegsmodell Type 101 von 1951 konnte die nach dem Tod des Firmengründers im Jahr 1947 von der Familie weitergeführte Firma nicht mehr an alte Erfolge anschließen. Mit einem Prototyp für den Rennbetrieb endete Mitte der 1950er Jahre die Bugatti-Produktion.

Mit dem EB 110 und dem Veyron lebt die Marke Bugatti wieder auf


In der Autoindustrie mit legendären Namen Geld zu verdienen, stellte sich auch Jahrzehnte später als nicht so einfach heraus. Der italienische Unternehmer Romano Artioli zog unter dem Markennamen Bugatti Ende der 1980er Jahre eine neue Produktion auf, kaufte wenig später die britische Traditionsmarke Lotus dazu - und ging 1995 mit seinem Supersportwagen-Duo Pleite. Ein Modell immerhin wurde fertiggestellt: der Bugatti EB 110. Der Allradler im Lamborghini-Gewand leistete mit seinem 3,5 Liter V12-Aggregat 560 PS (411 kW) und wurde in einer Auflage von knapp 300 Fahrzeugen im italienischen Werk gebaut. Im Jahr 1998 sicherte sich der Volkswagen-Konzern die Namensrechte an Bugatti und siedelte die Produktion seines Prestigeprojekts Bugatti Veyron wieder an der historischen Fertigungsstätte im Elsaß an. Im Jahr 2005 wurde dort das erste Coupé des Bugatti Veyron ausgeliefert. Vier Jahre später stellte VW den Supersportwagen mit 1001 PS (736 kW) und über 400 km/h Höchstgeschwindigkeit als Bugatti Veyron Grand Sport als Roadster vor.

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