Der Rolls Royce unter den Traktoren – Hürlimann

Die 1929 von Hans Hürlimann im schweizerischen Wil gegründete Hürlimann Traktorenfabrik gehört seit 1977 zum italienischen Landmaschinenkonzern Same Deutz-Fahr. Bis zur Übernahme wurden an verschiedenen Standorten in der Schweiz Traktoren und Ackerbaugeräte hergestellt. Nach dem Verkauf der Firma durch die Familie wurden die Produktionsstätten nacheinander geschlossen und die Produktion an den italienischen Stammsitz von Same in Treviglio verlegt. 2015 sind viele Modelle von Hürlimann baugleich mit anderen Konzernmarken des Same Konzerns, wie Lamborghini. Gebrauchtfahrzeuge sprechen insbesondere Sammler an.



Hürlimann unter Hürlimann Regie

1929 gründete Hans Hürlimann seine eigene Firma, nachdem er zwei Prototypen des 1K8 entwickelt und vorgestellt hatte. Bis 1931 wurden von diesem Modell mehrere hundert Stück in Wil produziert. Angetrieben wurde der Traktor von einem 1-Zylinder-Motor von Bernard. Er leistete 8 PS und in einer modifizierten Version 10 PS. Diese Version wurde als 1K10 verkauft. Um dem Bedarf stärkerer Traktoren zu begegnen, entwickelte Hürlimann 1931 den 1K18, der von einem 4-Zylinder-Diesel von Zürcher angetrieben wurde. Trotz der zugekauften Motoren wiesen die Traktoren einen hohen Eigenfertigungsgrad auf, da viele Teile in den eigenen Werkstätten produziert wurden.Hierzu gehörten beim 1K18 unter anderem das Getriebe und die patentierte Bereifung. Das Getriebe, welches zum großen Teil aus Gussteilen bestand, hatte 3 Vorwärts- und ein Rückwärtsgang. Die Bereifung bestand aus Metallrädern, die von Hürlimann patentierte Gummistollen aufgespannt hatten.Ab 1937 produzierte Traktoren wurden vollständig mit eigenentwickelten Motoren ausgestattet. Diese Motoren hatten 2, 4 und ab 1938 auch 6 Zylinder. Mit dem 4T42 brachte Hürlimann den ersten Schweizer Traktor mit Differentialsperre, Einzelradbremsung und 5-Gang-Getriebe auf den Markt. Ab dem 5T50 wurden alle Traktoren mit vier Pneureifen ausgestattet.Zusätzlich wurden ab 1933 Traktoren speziell für die Industrie gebaut. Diese waren in der Regel mit einem festen geschlossenen Fahrerhaus ausgestattet und erreichten mit ihren leistungsstärkeren Motoren Geschwindigkeiten von 70 km/h. Ein Beispiel hierfür ist der 6B100 von 1937, der einen 6-Zylinder-Benzinmotor mit 100 PS eingebaut hatte.



1939 und die Ära der Dieselmotoren

Ab 1939 wurden in die Traktoren eigene Dieselmotoren eingebaut, die ab 1944 die Benzinmotoren vollständig ersetzten. Während des Zweiten Weltkriegs wurden zusätzlich verschiedene Modelle mit Holzgasantrieb gebaut, die der Treibstoffknappheit entgegenwirken sollten. Ab 1946 wurde die D Serie auf den Markt gebracht. Sie war durchgehend mit Dieselmotoren und Einzelradbremsung ausgestattet. Eine Besonderheit, die bereits bei den Modellen vor dem Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam, ist die Kupplung, die sich ein Pedal mit der Fußbremse teilte. Zusätzlich waren die Traktoren mit einem 85-Grad-Einschlag der Vorderräder ausgestattet, was den Wendekreis der Traktoren minimierte. Der D100 war das beliebteste Modell dieser Reihe. Er hatte 28 PS, die ein 2-Zylinder-Dieselmotor leistete. Das Topmodell D500 leistete 85 PS. Als Industrietraktorenversion fuhr der D500 bis zu 65 km/h Spitzengeschwindigkeit. Für die Industrie wurde er mit einer vollständig geschlossenen Fahrerkabine und einem Doppeltrommelgewinde ausgestattet, welches speziell für die Traktoren von Hürlimann entwickelt wurde. Dieses Modell war vor allem bei den Holzarbeitern beliebt, da mit der Seilwinde große Stämme aus dem Wald gezogen werden konnten.1947 kam der D600 in der Reihe dazu, der vor allem für den Export entwickelt wurde. Dieser hatte einen 4-Zylinder-Motor mit 5,5 l Hubraum, der bis zu 65 PS leistete. Eine Besonderheit dieses Modells war das Hubwerk, welches Geräte bis zu 2,5 t anheben konnte.Für die Schweiz wurde Anfang der 1950er Jahre die H-Baureihe entwickelt. Sie wurde mit Petrol betrieben – einem Nebenprodukt aus der Erdölproduktion. Dabei musste der Traktor mit Benzin gestartet werden und lief danach mit Petrol. Petrol brauchte keinen Vergaser und war im Einkauf günstiger. Das kleinste Modell dieser Serie, der H10, leistete bis zu 26 und das größte Modell, der H19, bis zu 45 PS aus 4-Zylinder-Motoren.



Auch für Ackergeräte ist Hürlimann bekannt

Neben den Traktoren baute Hürlimann ab 1939 auch Ackergeräte. Das erste Gerät war die patentierte Seitenegge, die wie ein Mähwerk seitlich am Traktor angebracht wurde. Dies erlaubte gleichzeitiges Pflügen und Eggen. Nach dem Krieg kamen dann Seitenmähwerke, Graszettern und ein Motorrechen für die Heuarbeit hinzu. Nach dem Verkauf an Same wurde deren Produktion eingestellt. In den 1960er Jahren erhöhte Hürlimann die Leistung der Traktoren und hatte mit dem D800 zeitweise den stärksten Traktor Europas auf dem Markt. Er leistete aus 6,2 l Hubraum bis zu 100 PS. Diese Leistung erlaubte den gleichzeitigen Einsatz eines Fünfscharpfluges und einer über 2 m breiten Seitenegge. Auch gebraucht sind die originalen Hürlimann Traktoren sehr beliebt und, je nach Ausstattung, sehr teuer in der Anschaffung. Gerade die Hürlimann-Gebrauchtfahrzeuge von vor dem Zweiten Weltkrieg sind sehr selten, da damals die Stückzahlen noch relativ niedrig waren. Diese Gebrauchtfahrzeuge erfreuen sicherlich jeden Traktor-Sammelfan.



Hürlimann als Teil des Same Konzerns

Nach der Übernahme des Unternehmens durch Same entstanden viele Modelle, die baugleich zu anderen Fahrzeugen im Same-Konzern waren. Mit der H-Serie, die in den 1980er Jahren auf den Markt kam, änderte sich die typische Hürlimann-Farbe Rot in ein helles Grün. Die Motoren wurden durch 3-, 4- und 6-Zylinder-Dieselmotoren aus dem Same-Programm ersetzt. So hatte beispielsweise der H361 einen 3,2-Liter-3-Zylinder mit einer Leistung von 60 PS. Verbaut wurde hier eine 12-Gang-Schaltung, die eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 30 km/h ermöglichte. Ab den 1990er Jahren bekamen die Traktoren in der Modellbezeichnung ein X. Die Leistung der Traktoren stieg in dieser Zeit bei den großen Modellen auf über 100 PS und die Anzahl der Gänge auf bis zu 45 Vor- und Rückwärtsgänge beim XA657. Ein Beispiel für die Baugleichheit der Modelle ist die XE-Reihe. Sie ist nahezu baugleich zu den Same Argon und den Lamborghini-Chrono-Modellen. Die unter Same Ägide gebauten Fahrzeuge sind gebraucht unter Landwirten sehr beliebt und gerade die kleinen Modelle kommen bei den Bergbauern oftmals zum Einsatz, da sie als sehr robust gelten. Allerdings macht gerade diese Robustheit die Hürlimann Gebrauchtfahrzeuge sehr hochpreisig.

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