Kässbohrer – vom Omnibus zur Pistenraupe

Die Kässbohrer Fahrzeugwerke zählen zu den deutschen Pionieren im Nutzfahrzeugbau. Ursprünglich als Familienunternehmen gegründet, entwickelte sich die Firma zur zweitgrößten deutschen GmbH, deren Fahrzeuge im In- und Ausland bis heute hoch geschätzt werden. Zu den begehrtesten Kässbohrer Gebrauchtwagen zählen die Setra-Omnibusse und der Pisten-Bully.



Die Anfänge

Die Kässbohrer Wagenfabrik wurde 1893 als Familienunternehmen gegründet. Neben der Produktion von Fahrzeugteilen für andere Hersteller wurde schon bald die Entwicklung von eigenen Fahrzeuganhängern und Omnibussen vorangetrieben. Während dieser Zeit erhielt das noch junge Unternehmen sein erstes Patent über einen kombinierten Omnibusaufbau für Personen- und Gütertransporte. Weitere Meilensteine waren die Entwicklung eines vollgummibereiften Lastwagen-Anhängers (1922) sowie der erste Zweiseiten-Kippanhänger mit zwei in der Längsachse angeordneten Kippwinden (1924).



Omnibusse aus Ulm

Obwohl die Produktion sich nicht auf Omnibusse beschränkte, ist es doch dieser Fahrzeugtyp, mit dem das Ulmer Unternehmen für gewöhnlich in Verbindung gebracht wird. Tatsächlich hat Kässbohrer sehr viel zur Entwicklung und Weiterentwicklung dieser Fahrzeuggattung beigetragen. So verließen bereits 1928 die ersten mit Schiebedächern und kompletter Oberteilverglasung ausgestatteten Omnibusse das Werk. Es waren die Goldenen Zwanziger und Ausflüge mit dem Omnibus standen hoch im Kurs. Eine Entwicklung, von der Kässbohrer deutlich profitierte. Auch die darauf folgende Weltwirtschaftskrise sowie die fast vollständige Zerstörung der Firmengebäude während des Zweiten Weltkriegs konnten dem Erfolg keinen Abbruch tun. Bereits 1948 waren 850 Mitarbeiter für das Ulmer Unternehmen tätig.



Die Setra-Omnibusse

1951 entwickelte Kässbohrer mit dem S8 einen der ersten, selbsttragenden Omnibusse. Dieser besaß eine in sich stabile und verwindungssteife Karosserie, wodurch ein separater Grundrahmen überflüssig wurde. Der S8 legte gleichzeitig den Grundstein für die hauseigene Omnibus-Marke Setra, die sich schnell zum Inbegriff für hochwertige, komfortable Omnibusse entwickelte. Mit dafür verantwortlich war das hohe Ausstattungsniveau, das weit über dem Standard der europäischen Reisebusse jener Zeit lag. Dies wurde auch in den USA bemerkt, wo das Reiseunternehmen Greyhound gerade einen Vertrag mit General Motors über eine Belieferung mit dem neuartigen Reisebus PD 4501 abgeschlossen hatte. Als Folge begab Greyhounds Hauptkonkurrent, Continental Trailways, sich nun ebenfalls auf die Suche nach einem Reisebus mit einzigartigem Design. Nachdem Gespräche mit mehreren inländischen Herstellern fruchtlos verlaufen waren, nahm Continental Kontakt mit Kässbohrer auf. Man wurde sich einig und so konnte Kässbohrer bald mehrere hundert Exemplare der Setra-Reisebusse in die USA exportieren. Diese erhielten die Bezeichnungen Golden Eagle und Silver Eagle und legten den Grundstein für die bis heute in den USA hoch angesehenen Eagle-Reisebusse. Der große Erfolg der Setra-Modelle führte dazu, dass Kässbohrer die Entwicklung stetig vorantrieb. So wurden die Busse in den sechziger Jahren immer größer. Das rundliche Erscheinungsbild wurde 1967 durch eine kantigere Linienführung ersetzt. Zur Einzelradaufhängung in Doppelquerlenker-Bauweise gesellten sich 1973 serienmäßige Scheibenbremsen für die Vorderräder. 1972 wurden die Henschel-Dieselmotoren durch 235 kW starke Dieselmotoren von Daimler-Benz abgelöst. Die neue Modellreihe hörte auf den Namen S 200 (die Ziffer steht für die Anzahl der Sitzplätze) und konnte mit WC, Küche und Klimaanlage geordert werden. Die S-200-Busse führten zusätzlich eine neue Art der Raumlüftung ein. Diese nutzte die natürliche Druckverteilung um den Bus und führte über Luftöffnungen oberhalb der Seitenfenster Frischluft zu, die dann über Unterdruck im vorderen Teil des Busses wieder abgeführt wurde. Das Resultat war eine konstante Versorgung mit Frischluft, bei der die Fahrgäste von Zugluft verschont wurden. 1976 erhielt die 200er-Serie erstmals eine ungeteilte Windschutzscheibe und die Busse waren nun als Hochboden- und Hochdeckermodelle erhältlich. Für erneutes Aufsehen sorgte Kässbohrer, als sie 1984 als erster Nutzfahrzeughersteller ihre Reisebusse ab Werk mit ABS ausstatteten und mit dem Slogan „Auf Wunsch gegen Minderpreis“ die Option anboten, darauf zu verzichten.



Der S 200 – Kässbohrers beliebtester Neu- und Gebrauchtwagen unter den Bussen

Der S 200 wurde zur Messlatte für alle europäischen Hersteller von Reisebussen. Er konnte in verschiedenen Größen und Ausführungen (unter anderem als Kombibus) geordert werden. Als Antrieb dienten Motoren von Daimler-Benz (später auch MAN) mit wahlweise sechs, acht oder zehn Zylindern. Auch ein Turbolader wurde angeboten. Zu den seltener anzutreffenden Gebrauchtwagen von Kässbohrer zählt der dreitürige Stadtbus S 300 N. Dieser war mit einem querstehenden Heckmotor und ZF-Antriebskomponenten versehen, fand jedoch keine große Verbreitung. Gleiches gilt für den S 216 HDS. Der Versuch, einen „Superhochdecker mit Wespentaille“ zu erschaffen, beschränkte sich dann nur noch auf einen Prototypen, sodass der Erfolg der 200er-Serie für Kässbohrer zwar zum Segen wurde, andere Entwicklungen aber auch überschattete. 1991 erschien die 300er-Serie, die mit einem neuartigen System von Rückspiegeln arbeitete, bei denen es nun keinen toten Winkel mehr gab.



Der Pistenbully – ein weiterer beliebter Gebrauchtwagen von Kässbohrer

Auch wenn die Geschichte von Kässbohrer augenscheinlich von Omnibussen dominiert wird, darf der Pistenbully nicht ausgelassen werden. Dabei handelt es sich um ein Pistenfahrzeug, das neben dem Personentransport in Skigebieten auch zur Präparierung von Loipen und Skipisten verwendet werden kann. Der Pistenbully erschien 1969 auf dem Markt und machte Kässbohrer zum Marktführer für Pistenraupen.



Ende und Neuanfang

Der Trend zur Globalisierung sowie stetig wachsender Konkurrenzdruck führten dazu, dass 1993 die Auflösung des Unternehmens begann. Dabei gingen die einzelnen Fahrzeugsparten auf andere Hersteller über. So ist Setra heute eine Marke von Daimler-Benz, während der Pistenbully nunmehr von der Kässbohrer Geländefahrzeug AG produziert wird, die eigens gegründet wurde, um die Produktion der Kässbohrer-Geländefahrzeuge fortzusetzen. Mit der 1995 gegründeten Kässbohrer Transport Technik GmbH gibt es in Österreich wieder einen Fahrzeughersteller, der auf die Familie Kässbohrer zurückgeht.



Die Fahrzeuge von Kässbohrer als Gebrauchtwagen: Pistenbully und Co. gebraucht kaufen

Die Erzeugnisse des deutschen Herstellers standen stets für hohe Qualität und waren nicht nur einmal ihrer Zeit voraus. Von daher überrascht es nicht, dass sie auch gebraucht sehr gefragt sind und nach wie vor ihren festen Platz bei Transportunternehmen besitzen oder im verschneiten Gebirge zu sehen sind.

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