Dampfmaschinen und Glühkopfmotor machen Lanz zum führenden Hersteller

Die mit 1000 PS größte fahrbare Dampfmaschine der Welt, die erste Ganzstahl-Dreschmaschine, einer der ersten serienmäßigen Allrad-Schlepper mit dem klingenden Namen Bulldog - dem historischen Landmaschinenhersteller Lanz aus Mannheim hatte es an innovativen Ideen für neue Produkte nie gemangelt. Aus einem kleinen Reparaturbetrieb für landwirtschaftliche Geräte schufen Heinrich Lanz (1838 - 1905) und sein Sohn Karl (1873 - 1921) bis zum Ende des Ersten Weltkriegs den größten europäischen Landmaschinenhersteller. Groß geworden mit der Dampfmaschinentechnik seit Einführung der ersten dampfbetriebenen Futterschneidmaschine im Jahr 1867, eroberte Lanz mit dem Serienbau von Glühkopfmotoren in Traktoren ab 1923 bis in die 1950er Jahre hinein in vielen Ländern der Welt bedeutende Marktanteile.

Im Jahr 1956 übernimmt John Deere die Mehrheit von Lanz

Während sich Lanz-Anwendungen wie der Allradantrieb für Traktoren überall durchsetzten und die Geschichte landwirtschaftlicher Nutzfahrzeuge prägten, konnte sich die Lanz AG im neuen Zeitalter der Dieselmotoren nicht dauerhaft etablieren. Das amerikanische Unternehmen John Deere kaufte den deutschen Konkurrenten 1956 auf und ersetzte den Lanz Bulldog in den Jahren danach durch seine eigenen Diesel-Schlepper. Nach dem Jahr 1960 verschwand der Markenname Lanz endgültig von Traktoren, Mähdreschern, Strohpressen und Kombiladern. Die Lanz-Fertigungsstätten in Mannheim jedoch blieben erhalten und stellten einen der wichtigsten Produktionsstandorte von John Deere außerhalb der USA dar.

Beginn der Serienfertigung der ersten Lanz Bulldog im Jahre 1923

Mehr als 200.000 Lanz Bulldog liefen in den fast vierzig Jahren seiner Produktion in Mannheim vom Band. Im Jahr 1923 stellte der Lanz-Ingenieur Fritz Huber den ersten Schlepper mit dem einzylindrigen Glühkopfmotor vor. Das Revolutionäre am ersten Lanz Bulldog der HL-Baureihe mit 12 PS war die Verbindung des mit vielerlei Kraftstoffen zu betreibenden Motors mit der kompakten Bauweise des Schleppers. Im harten landwirtschaftlichen Alltag erwies sich das Konzept als äußerst praxistauglich, nicht zuletzt weil die Glühkopfmotoren leicht zu warten waren. In einer Zeit, in der Diesel knapp und teuer war, ließ sich der Lanz Bulldog mit Rohöl, Teeröl oder Pflanzenöl betreiben.

Die verschiedenen Baureihen der Lanz Bulldog

Ebenfalls im Jahr 1923 brachte Lanz den ersten seriengefertigten Bulldog HP heraus. Diese technisch weiterentwickelten Schlepper verfügten über eine Knicklenkung sowie Allradantrieb und stellten einige Zeit das Topmodell der Lanz Bulldog dar. Im Jahr 1929 wurde die hochpreisige HP-Serie durch den preiswerteren Lanz Bulldog HR mit Hinterradantrieb ersetzt. Diese großen Lanz Bulldogs mit zunächst 28 PS, in den letzten Baureihen als HR 9 bis zu 55 PS, wurden zur erfolgreichsten Traktorenserie des Herstellers. Im Jahr 1939 ergänzte Lanz seine Schlepper um den kleinen 15-PS "Bauern-Bulldog", der erstmals mit einem Hubwerk für verschiedene Anbaugeräte ausgelierfert wurde. Kurz darauf folgte die mittlere Baureihe der Lanz Bulldog HN.

Die Lanz Bulldog sind heute begehrte Sammlerobjekte

Vermarktet wurden die verschiedenen Modelle der Lanz-Traktoren als Acker-und Ackerluft-Bulldog, als Eil-Bulldog für den Transportschlepper mit festem Führerhaus und Schnellgang, als Gummi-Bulldog für das Modell mit Vollgummibereifung und als Doppel-Bulldog für den Schlepper mit Zweiganggetriebe. Erst Mitte der 1950er Jahren stellte Lanz die Produktion seiner Schlepper auf verbrauchsärmere und laufruhigere Dieselmotoren um. Der Lanz D 4016 von 1957 war der letzte Bulldog, der vom neuen Mehrheitseigentümer John Deere unten dem Markennamen Lanz verkauft wurde. Heute sind die Lanz Bulldog hochbegehrte Sammlerstücke und die Attraktion auf jeder Landwirtschaftsschau.
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