Zettelmeyer Baumaschinen GmbH: von der Dampfwalze über Traktoren zum Radlader

Die Zettelmeyer Baumaschinen GmbH mit Sitz in Konz war ein renommierter Hersteller von Baumaschinen und wurde Anfang der 1990er Jahre in mehreren Stufen von dem schwedischen Konzern Volvo übernommen. Nachdem das Unternehmen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts als Hersteller und Betreiber von Dampfwalzen bekannt wurde, gab es in den 1930er Jahren einen regelrechten Boom mit der Herstellung von Straßen- und Ackerschleppern mit Dieselantrieb. Nach der vollständigen Zerstörung der Werkanlagen zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Unternehmen in den 1950er Jahren neu aufgebaut und die Entwicklung und Produktion wurde allmählich von Dieselschleppern auf Baumaschinen verlagert. Der Hersteller konzentrierte sich dabei vor allem auf ein breites Sortiment von Radladern. Mehreren Besitzwechseln in den 1970er und 1980er Jahren folgte 1990 schließlich der Einstieg des schwedischen Volvo Konzerns, der zunächst 25 Prozent der Unternehmensanteile erwarb und 1994 die restlichen Anteile aufkaufte.


Der Beginn der eigenen Dampfwalzenproduktion

Hubert Zettelmeyer gründete mit dem Kauf einer Dampfwalze im Jahr 1897 die Firma Zettelmeyer und betrieb sie zunächst selbst für den Straßenbau. Nach ersten Erfahrungen im Geschäft mit Dampfwalzen, Dampflokomobilen und Lohndreschmaschinen, die er durch einen Service- und Reparaturbetrieb sowie Vertrieb für den englischen Maschinenhersteller Clayton & Shuttleworth machte, begann Zettelmeyer 1909 die Entwicklung und den Vertrieb eigener Dampfwalzen. Auch nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Produktion von Dampfwalzenzügen bis 1929 fortgesetzt. Dampfwalzenzüge sind Komplettsysteme, welche die Dampfwalze, den Kohlentender und den Bauwagen zur Unterbringung der Straßenbaumannschaft beinhalten. Heute gibt es diese Fahrzeuge nur noch als Gebrauchtwagen, sie sind jedoch aufgrund des hohen Alters sehr selten. Im Zuge der Geschäftsausweitung wurde das Unternehmen 1925 in die Zettelmeyer AG umgewandelt.


Wirtschaftlicher Boom durch Dieselschlepper Z1 und Z2

Die auch in Deutschland voranschreitende Mechanisierung in der Landwirtschaft und im Transportgeschäft brachte eine zunehmende Nachfrage nach Traktoren mit sich. Sohn Peter Zettelmeyer übernahm 1930 die Firmenleitung und startete kurz darauf die Produktion der Schlepperserie Z1 und Z2. Beide Modelle sind in rahmenloser Blockbauweise konstruiert und unterscheiden sich nur leicht voneinander. Der Z1 ist als Ackerschlepper für die Landwirtschaft konzipiert wohingegen der Z2 als Straßenschlepper mit einer großen Sitzbank für die Aufnahme von einer oder zwei weiteren Personen neben dem Fahrer. Beide Modelle mit einem Leergewicht von ungefähr 2000 kg werden von einem wassergekühlten Deutz Reihen-4-Takt-Dieselmotor mit zwei Zylindern angetrieben und haben eine Leistung von 20 PS. Später wurde diese auf 22 PS erhöht. Der Z1 und der Z2 sind mit einem 4-Gang-Getriebe ausgerüstet und verfügen über eine Differenzialsperre sowie über eine Zapfwelle für den mobilen Antrieb externer Geräte oder von Anbaugeräten. Der Bau der beiden Schlepper brachte dem Hersteller einen großen wirtschaftlichen Erfolg ein. Bereits im ersten Produktionsjahr wurden über 500 Traktoren produziert. Nach dem Wiederaufbau der in den letzten Kriegstagen völlig zerstörten Werksanlagen in Konz wurde die Produktion des Z1 und Z2 in leicht modifizierter Optik wieder aufgenommen. Die Kühlerpartie wurde abgerundet, um dem Geschmack der 1950er Jahre zu entsprechen. Die Produktion der Schlepper endete 1957, daher sind sie heute nur noch als Gebrauchtwagen erhältlich.


Radlader von Zettelmeyer für weitere Erfolge

Noch während der allmählich auslaufenden Produktionsphase der Dieseltraktoren Z1 und Z2 stieg die Zettelmeyer AG in die Produktion von Baumaschinen ein. Auf der Industriemesse in Hannover präsentierte das Unternehmen 1953 seinen ersten Hublader mit einer maximalen Ladehöhe von 2,80 m. In der Folgezeit wurde eine breite Palette von Radladern entwickelt und gefertigt. Zettelmayer hatte 1968 somit im Vergleich mit anderen deutschen Herstellern das breiteste Radladerprogramm in seinem Portfolio. Ab der Mitte der 1950er Jahre exportierte das Unternehmen außerdem in Länder wie Brasilien, Kolumbien, Mexico, Indien und Indonesien. Baumaschinen und Radlager aus den 1950er bis 1970er Jahren werden gebraucht kaum noch angeboten und sind entsprechend selten.


Rezession Ende der 1960er und mehrfacher Eigentümerwechsel

Die Wirtschaftsrezession in Deutschland Ende der 1960er Jahre zeigte auch bei Zettelmeyer Wirkung. Als erste Maßnahme wurde 1971 die Sparte Straßenbau verkauft. 1975 erfolgte die Übernahme durch die IBH, einen Baukonzern mit Sitz in Mainz, der in rasantem Tempo durch den Zukauf finanzschwacher Baumaschinenfirmen wuchs und 1984 selbst eine spektakuläre Insolvenz verursachte. Daher stand 1984 ein erneuter Eigentümerwechsel an Herrn H. Harms bevor, einem Makler aus Hamburg. Die Fertigung der Radlader wurde weitergeführt und zusätzlich wurden hydraulische Stützstreben für den Bergbau neu ins Programm aufgenommen. 1987 erfolgte dann ein weiterer Eigentümerwechsel an Walter Eder, Inhaber der Eder Maschinenfabrik. Ab 1990 begann der schwedische Volvo Konzern schließlich die Übernahme von Zettelmeyer in mehreren Schritten. Die Fusion mit Volvo wurde 1994 durch Aufkauf sämtlicher Anteile abgeschlossen und Zettelmeyer wurde in die Sparte des Volvo Construction Equipment (Volvo CE) eingegliedert.


Erneute Prosperitätsphase unter Volvo CE

Unter dem Dach von Volvo Construction Equipment erlebte das ehemalige Zettelmeyer Unternehmen eine erneute Prosperitätsphase. Außer Radladern, die unter anderem auch vom Technischen Hilfswerk eingesetzt werden, befinden sich nun Bagger und Straßenwalzen im Programm. In einer separaten Produktionslinie werden auch Raupenbagger für den Vertrieb in den USA und in europäischen Ländern hergestellt.


Zettelmeyer Radlader in gebrauchtem Zustand

Zettelmeyer Radlader werden in gebrauchtem Zustand auch aus der Zeit vor der Übernahme durch Volvo angeboten. Häufig sind funktionstüchtige Modelle bei Gebrauchtwagen zu finden, die von 1976 bis in die 1990er Jahre gefertigt wurden. Es handelt sich dabei meist um die Produktreihen ZL 401, ZL 601, ZL 4002 und ZL 3000. Das Flaggschiff, der ZL 4002, wird von einem Cummins Dieselmotor mit 240 PS angetrieben. Die Schaufel hat ein Fassungsvermögen von 3,5 m3. Der Radlader verfügt über eine sogenannte Knicklenkung, bei der nicht direkt die Räder angesteuert werden, sondern ein Mittelgelenk, das zur Lenkung dient. Das kleinste Modell aus der Zettelmeyer Radlader-Serie aus der Zeit vor der Übernahme durch Volvo CE ist der ZL 401. Es handelt sich hierbei um einen Radlader mit einem Dienstgewicht von 3,05 Tonnen. Der ZL 401 wird von einem Deutz Dieselmotor mit 35 PS angetrieben. Der Gebrauchtwagen verfügt ebenfalls über eine Knicklenkung wobei die Schaufel 0,5 m3 fasst.


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