Führerschein Klasse A1

fahrschule

Die Geburt der Fahrerlaubnis für Leichtkrafträder wirkte für manche Zeitgenossen nicht nur als Aprilscherz, weil sie auf den 1. April 1980 datiert war. Plötzlich konnten 16- und 17jährige Jugendliche einen Führerschein für ein Fahrzeug erwerben, das vornehmlich ihre erwachsenen Väter nur fahren durften, wenn sie Inhaber eines Motorradführerscheins waren. Allerdings sorgte eine Sonderregelung dafür, dass dies zunächst nur sehr selten passieren konnte. Wer vor dem besagten Stichtag einen Führerschein der Klasse 4 (50 cm³ Mopeds, Mokicks) oder 3 (Pkw) erworben hatte, durfte die Leichtkrafträder dennoch fahren. Betroffen waren aber jene, die – aus welchen Gründen auch immer – erst nach dem besagten April einen Führerschein ansteuerten oder versuchten, ihn wiederzuerlangen.

In der Praxis handelte es sich bei den 80ern um recht flotte Kleinmotorräder, die sich deutlich von den 50ern absetzten. Ihre Karriere begann nicht gerade rühmlich. Viele Unfälle sorgten für exorbitante Versicherungsbeiträge. Ein 50-PS-Motorrad war oft billiger zu versichern. Dass es gerade 80 cm³ und 80 km/h Spitze sein mussten, war eine Idee deutscher Motorradhersteller, die sich gegen eine Größenordnung von 100 oder 125 cm³ wehrten. Bei den 80ern fingen alle mehr oder weniger bei Null an. Das Gesetz legte sogar die Höchstdrehzahl für die Leistungsobergrenze fest: 6000/min. Eine Folge daraus war leider auch, dass hier Zweitakter den Markt beherrschten. Mit dem Wechsel auf 125 cm³ und (bis zu) 11 kW zum 14.2.1996 kehrte dann nach und nach wieder Ruhe in die Wohnsiedlungen ein. Auch die Geruchsbelästigung nahm ab. Viertakter sind nicht zwangsläufig leiser, laufen aber gleichmäßiger und ruhiger. Der Klang wird von vielen als angenehmer empfunden, während hochgezüchtete Zweitakter stets angestrengt klingen. Selbst die Versicherungstarife entspannten sich. Seit 2013 ist die Geschwindigkeit nicht mehr begrenzt; das vorgegebene Leistungsgewicht von maximal 0,1 kW/kg verhindert Rennmaschinen.

Mit der Änderung 1996 wurde aus der Führerscheinklasse 1b die Fahrerlaubnis A1. Die Klasse 1b war sozusagen nach 1a (Motorrad mit Leistungsbeschränkung bis 27 PS, später 34 PS) die zweite eingeschränkte Fassung von 1. Nach dem Wechsel von 1 auf A für die unbegrenzten Motorräder rückte A1 als erste Ausbaustufe dahinter. Mit A2 erwirbt man die zweite Stufe mit 18 und mit 20 den Klasse-A-Führerschein.

Allerdings muss hier sehr genau hingeschaut werden. Der Führerschein A1 ist nicht Teil des Stufenführerscheins. Wer mit 18 die Klasse A2 erwirbt und sie 2 Jahre besitzt, kann mit einer kurzen Prüfung Klasse A erwerben. Das Vorhandensein der A1 hilft beim Erwerb der Klasse A2 amtstechnisch nicht. Aller Wahrscheinlichkeit wird die Erfahrung mit der 125er zusätzliche Fahrstunden ersparen, um beispielsweise überhaupt ein Gefühl für ein motorisiertes Zweirad zu bekommen. Aber für das Leichtkraftrad benötigt man mit 16 einen vollständigen Führerscheinlehrgang und mit 18 einen erneuten, sofern man dann das Führen der bis zu 48 PS starken Motorräder anvisiert. Auch eine Mofabescheinigung ist hier – amtlich gesehen – keine Erleichterung.

 

Wie man zum Führerschein A1 gelangt

Anmeldung

Bei der Anmeldung muss ein Antrag auf Erteilung eines Führerscheins gestellt werden. Die Vordrucke hat die Fahrschule und reicht sie, ausgefüllt, bei der Führerscheinstelle des Straßenverkehrsamtes ein. Dazu gehören auch noch Passbild, Sehtest, Personalausweis (Kopie), Nachweis über die Absolvierung eines Erste-Hilfe-Kurses (alternativ auch “Sofortmaßnahmen am Unfallort”) und Kopien vorhandener Führerscheine. Hierbei ist zu beachten, dass die Prüfbescheinigung fürs Mofa offiziell kein Führerschein darstellt.

Ausländische Fahrschüler benötigen zudem Meldebescheinigung und Aufenthaltsbestimmungsnachweis sowie die vorhandenen Führerscheine im Original. Ergänzend sollen amtliche Übersetzungen vorliegen.

 

Theorie

Der Unterricht kann sich auf 16 Einheiten mit je 90 Minuten erstrecken, wobei zwölf Termine allgemeiner Stoff sind und vier weitere Termine das Motorradfahren in den Focus stellen. Es geht dabei um Verkehrszeichen, Rechtsfragen, Energiesparen, Fahrverhalten und -physik. Die Unterrichtseinheiten bereiten zudem intensiv auf die Theorieprüfung hin, in der das Wissen mit Fragebögen geprüft wird. Dazu meldet man sich in der Regel an, wenn man die Testbögen fehlerfrei lösen kann.

 

Praxis

Der Praxisunterricht konzentriert insbesondere beim “Motorrad”- Führerschein auf die Beherrschung des Zweirades. Wer bis dahin nur Fahrrad und (unfrisiertes) Mofa gefahren ist, kennt sich mit dem Straßenverkehr schon einigermaßen aus und kann mit einem gemäßigten Tempo von bis zu 30 km/h daran teilnehmen. Tempo 100 ist dagegen schon ein anderes Kaliber. Obwohl es Leichtkraftrad heißt, ist diese Maschine mit rund 100 kg schon recht schwer. Gewicht und Antrieb können schon die Beherrschung außer Kraft setzen.

Zum Übungsprogramm gehören Pflichtaufgaben wie die Beherrschung des Leichtkraftrades bei Kurvenfahrten und beim Bremsen. In der Anlage 2 zur Prüfungsrichtlinie werden die notwendigen Aufgaben fast auf den Millimeter genau beschrieben. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen für A und A1 kaum. Als Sonderfahrten stehen zwölf 45-Minuten-Touren (5 x Überlandfahrt, 4x Autobahn, 3x Dunkelheit) an.

 

Prüfung

In der Prüfung werden in der Regel die Teilnehmer gründlich nach ihrer Fahrtüchtigkeit getestet. Dazu gehören auch die Bremsübungen und Slalomfahrten.

Sind theoretische und praktische Prüfung bestanden, wird der Führerschein Klasse A1 ausgehändigt und berechtigt fortan zum Führen dieses Fahrzeugtyps. Nach alter Väter Sitte sagen die erfahrenen Biker: Jetzt beginnt man, fahren zu lernen.

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