Studie: Elektro-Roller von Smart und Mini – Per E-Roller nach China

Daimler und BMW wagen auf dem Pariser Autosalon (2. bis 17.

Oktober 2010) den Blick über den Auto-Tellerrand und präsentieren jeweils einen Elektroroller. Während die strombetriebenen Zweiräder hierzulande noch eher selten anzutreffen sind, gehören sie in China mittlerweile zum Straßenalltag, wie vor 20 Jahren das Fahrrad. Keine Frage, dass die Deutschen einen Teil des Kuchens abhaben wollen. Daimler und BMW mögen zwar die ersten deutschen Hersteller sein, die sich an einen Elektro-Roller wagen, doch kann von einer Vorreiter-Rolle nicht die Rede sein. In jedem Baumarkt können die strombetriebenen Zweiräder – vornehmlich aus China – für wenige Tausend Euro erstanden werden; wer etwas mehr investieren will, findet beim Fachhändler eine breite Auswahl. Und in China selbst sind sie bereits fest etabliert; nur profitieren die deutschen Hersteller nicht davon.

Schwerpunkt Design

Die Sache mit der Reichweite

                            Die 100 Kilometer Reichweite, die Mercedes für den Smart escooter veranschlagt, sind für einen Elektro-Roller im Stadtverkehr völlig ausreichend. Momentan sieht die Realität allerdings noch etwas anders aus: Der ADAC hat im Sommer 2010 mehrere bereits verfügbare E-Roller getestet (target=undefined). Das Ergebnis: Die Besten schafften durchaus praxistaugliche 75 Kilometer, zweien der getesteten Scooter ging schon nach 20 Kilometern der Strom aus. Insgesamt erreichte keiner das Testurteil „sehr gut“. Bleibt zu hoffen, dass BMW und Mercedes diese Ergebnisse berücksichtigen, wenn sie ihre E-Roller bauen.                         

Was den China-Rollern, die technisch einwandfrei funktionieren, fehlt, ist das gewisse Etwas beim Design. Und genau da setzen die deutschen Hersteller an und bieten mit den Studien Mini Scooter E Concept und Smart escooter zwei durchgestylte Roller an, mit denen der junge, dynamische Mitzwanziger von seiner mit Apple-Geräten vollgestellten Maisonettewohnung standesgemäß ins Büro fahren kann, ohne sich seines Zweirads genieren zu müssen.

Beide Hersteller orientierten sich beim Design an ihren Autos. Der Mini wartet mit kugelrunden Leuchten, organisch nach außen gewölbten Formen und den Mini-typisch kleinen Rädern, kurzen Überhängen und großem Radstand auf. Manche Schalter wurden ebenso von dem Kleinwagen übernommen wie der zentrale Tacho und das vom Countryman bekannte Ablagensystem, das an der Rückseite des Scooter-Schildes Sonnenbrillen und Kleinkram festhält.

Eco und Ego

Nach Paris bringt Mini zwei Exemplare des Scooter E Concept mit. Der „Eco“ erinnert mit seiner grau-gelben Lackierung an den Mini E , mit dem momentan die E-Mobilität auf vier Rädern erprobt wird. Der „Ego-Scooter“ ist dagegen als nobler Einsitzer in Dunkelgrün und Cognacbraun gehalten und soll vor allem alleinstehende Banker, angehende Rechtsanwälte und BWL-Studenten ansprechen. Ihren dritten Streich bringen die Münchner gar nicht mit nach Paris, sondern haben den im Geiste der Mods) gestalteten Roller mit zahlreichen Zusatzscheinwerfern nur bei einer Vorpremiere in London gezeigt.

Besonders stolz sind die Entwickler auf ihre Kabel-Lösung: Liegt es bei Elektrofahrzeugen meist im Kofferraum, musste man für den Scooter einen anderen Weg finden. Zusammen mit den Akkus ist es hinter dem Sitz verstaut und lässt sich wie bei einem Staubsauger einfach rausziehen. Wie lange die vollgeladenen Akkus übrigens halten sollen und wie schnell der Scooter E fährt, darüber schweigt sich BMW noch aus.

100 Kilometer Reichweite

Etwas konkreter wird man bei Smart. Ein 4 Kilowatt/6 PS starker Radnaben-Elektromotor am Hinterrad treibt den escooter an und ermöglicht eine Maximalgeschwindigkeit von 45 km/h. Die Reichweite beziffert Mercedes mit rund 100 Kilometern, danach muss der Roller für drei bis fünf Stunden an eine haushaltsübliche Steckdose. Auch der Smart orientiert sich optisch an seinem vierrädrigen Bruder Fortwo und spielt ebenfalls mit der Farbgebung des Elektro-Smarts, ist aber nicht ganz so durchgestylt wie der Mini.

Ganz im Sinne der erhofften, trendigen Kundschaft dürfte ein Technik-Schmankerl sein, dass sich bei beiden Herstellern wiederfindet. Gestartet werden die Elektroroller nämlich per iPhone, dass in eine spezielle Dockingstation am Lenker eingelegt wird. Während bei Mini das Mobiltelefon während der Fahrt „nur“ Navigationsaufgaben übernimmt, dient es im Smart zugleich als Tacho, zeigt Ladestand der Batterie und Reichweite an und ermöglicht den Online-Zugang bei Zwischenstopps.

Zukunft ungewiss

Ob sich die beiden Autobauer dazu durchringen können, die E-Scooter zur Serienreife zu bringen, ist noch völlig offen. In Anbetracht des großen chinesischen Marktes, der von deutschen Herstellern momentan gar nicht bedient wird, scheint es aber nicht ganz unwahrscheinlich. Sollte es grünes Licht geben, könnten die ersten Serienmodelle in drei bis vier Jahren auf den Markt kommen; bei BMW wahrscheinlich früher als bei Mercedes. Denn die Münchner haben mit ihrer Motorradsparte reichlich Zweirad-Kompetenz im eigenen Haus.

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