Fokus: Diesel
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Abgasnorm: Was ist das?

Der Begriff der „Abgasnorm“ begegnet einem seit dem Dieselskandal ständig. Aber was steckt wirklich dahinter? Einfach gesagt handelt es sich hierbei um Grenzwerte für Abgase von Kraftfahrzeugen.

Ganz neu ist das Thema allerdings nicht. Bereits in den 1960er Jahren wurden in Kalifornien die ersten Abgasgrenzwerte festgelegt – aufgrund des lästigen Sommer-Smogs in Los Angeles. In der Europäischen Gemeinschaft traten die ersten Abgasvorschriften dagegen ab 1970 in Kraft – zunächst beschränkt auf die Emissionen von Kohlenmonoxid (CO) und Kohlenwasserstoff (HC). 1977 wurden die Abgasgrenzwerte um Stickstoffoxid (NOx) erweitert und 1988 kamen schließlich die Grenzwerte für Rußpartikel aus Dieselmotoren hinzu.

Das sollen Abgasnormen bringen

Abgasnormen sollen helfen, die Schadstoffbelastungen der Umwelt zu verringern und die Mengen an Kohlenmonoxid (CO), Stickstoffoxid (NOx), Kohlenwasserstoff (HC) und Luftpartikeln zu beschränken. Danach werden Schlüsselnummern als Code vergeben, aus denen sich die Abgasnorm berechnet und die Zuteilung zu Umweltzonenschildern erfolgt, die mit dem Fahrzeug befahren werden dürfen.

Euro 6, 6d-TEMP, 6d

Wie unterscheiden sich diese Normen?

Euro 6:

  • Von dieser Norm gibt es weitere „Unter-Normen“ wie Euro 6c, 6d und 6d-TEMP.
  • Auf dem Prüfstand soll das Auto maximal eine Menge von 80 mg NOx pro Kilometer ausstoßen (für Benziner gilt eine Höchstgrenze von 60 mg pro Kilometer).
  • Als Messverfahren gilt der „Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure“ (WLTP)-Zyklus – erst ab Euro 6d-TEMP ist das zusätzlich integrierte RDE Messverfahren vorgeschrieben, das den Verbrauch auch auf der Straße misst.

Euro 6d-TEMP:

  • Ist ab 1. September 2019 Pflicht.
  • Zusätzlich zum WLTP-Zyklus wird jetzt auch der RDE-Zyklus vorgeschrieben. Hier misst man den Realausstoß im Fahrbetrieb.

Euro 6d:

  • Gilt für neue Modelle ab Januar 2020 und für alle Neuwagen ab Januar 2021.
  • Weitere Verschärfung der Grenzwerte im Vergleich zu Euro 6d-TEMP. Diesel dürfen nach dieser Norm statt 168 mg/km nur noch 120 mg/km ausstoßen.

WLTP-Messverfahren. Eine Norm, die zählt

Seit dem 1. September 2018 dürfen Neuwagen nur noch dann zugelassen werden, wenn ihre Emissionen nach dem neuen WLTP-Messverfahren ermittelt wurden. Dieses Messverfahren liefert deutlich genauere und realistischere Werte – zusätzlich ist darin eine Messung der Real Drive Emissions (RDE) auf der Straße vorgesehen, die für die Norm Euro 6d-TEMP und Euro 6d gilt. Im Prüfstands-Messverfahren WLTP dürfen Benziner den NOx-Grenzwert von 60 mg pro Kilometer nicht überschreiten (Diesel 80 mg pro km). Für die Straßenmessung RDE liegt der Benziner-Grenzwert bei 126 mg/km, für den Diesel gilt hier 168 mg/km.

Das RDE Messverfahren

Ab 1. September 2019 gilt zusätzlich der RDE-Test (Real Driving Emissions) für alle neuzugelassenen Fahrzeuge. Derzeit ist das RDE-Messverfahren lediglich für neue Typzulassungen verpflichtend. RDE ergänzt das WLTP-Verfahren um einen wichtigen Punkt: Die Straßenmessung. Das Fahrzeug wird also direkt im realen Fahrbetrieb getestet. Um ein möglichst reales Messergebnis zu erhalten, werden die Fahrzeuge 90 bis 120 Minuten lang im Drittelmix bestehend aus Autobahn, Landstraße und Stadtverkehr bewegt. Testfahrten finden bei -7 bis +35 Grad statt. (Allerdings ohne Vorgaben wie Fahrstrecke, Geschwindigkeit, Wetter oder Verkehrslage)

Die Abgasnorm Euro 6d-TEMP

Die aktuelle Abgasnorm Euro-6d-TEMP erfüllen bereits viele Neuwagen von diversen Herstellern. Verpflichtend für alle Neuzulassungen ist diese Abgasnorm ab September 2019. Insgesamt ist vorgesehen, dass 2020 insgesamt 95 Prozent aller neu zugelassenen PKW maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen dürfen. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass das 2015 noch 130 Gramm CO2 pro Kilometer waren. Die dato strengste Abgasnorm Euro 6d ist für neue Modelle ab 1. Januar 2020 und für alle Neuwagen ab Januar 2021 verpflichtend. Bei dieser Norm werden im Vergleich zur 6d-TEMP die Grenzwerte bei der RDE-Messung nochmals verschärft.

Euro 6d-TEMP und Euro 6d

Welche Hersteller bieten Autos dieser Schadstoffklasse an? Inzwischen bieten alle namhaften Autohersteller Euro 6d-TEMP oder Euro 6d Modelle an. Bitte informieren Sie sich direkt beim Hersteller oder den Vertragshändlern selbst, welche Angebote derzeit im Programm sind.

Was kosten eigentlich Fahrzeuge mit den Abgasnormen Euro 6d-TEMP oder Euro 6d? Unter welchen Modellen können Sie wählen? Schauen Sie doch gleich mal in unserer AutoScout24 Ergebnisliste nach, was derzeit bei uns angeboten wird. Vielleicht ist ja Ihr Traumwagen dabei? Jetzt Modelle entdecken.

Fahrverbote – auch für Euro-6 Diesel?

Die EU Kommission hat bei der Einführung neuer Abgastests die Grenzwerte der Euro-6-Norm im praktischen Fahrbetrieb eigenmächtig gelockert. Die Antwort darauf war, dass dies laut EU-Gericht gesetzeswidrig geschehen ist und somit europäische Großstädte ab 2021 auch neueste Diesel aussperren dürfen. Wer generell in Umweltzonen fahren möchte, in denen es in Zukunft zu Fahrverboten kommen könnte, hat nun zwei Möglichkeiten: Entweder auf einen Benziner umzusatteln oder sich für ein Fahrzeug mit Euro 6d-TEMP bzw. Euro 6d zu entscheiden. Beide Varianten sollen Fahrverbote zunächst nicht befürchten müssen. Schließlich ist ein Fahrverbot für Euro-6-Diesel in keiner deutschen Stadt geplant und die Bundesregierung möchte Euro-6-Diesel sogar gesetzlich von Fahrverboten ausschließen.

Welche Euronorm hat mein Auto?

Sehen Sie einfach in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) nach. Im Feld 14 ist der jeweilige Schadstoffschlüssel angegeben, der Ihnen die jeweilige Euro-Norm anzeigt.

Schlüsselnummern Euro-Norm
01-04, 09, 11-14, 16, 18, 21, 22, 77 Euro1
25-29, 34, 35, 40, 41, 49, 71 Euro 2
30, 31, 36, 37, 42, 44-61 Euro 3