Fokus: Diesel
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Hardwarenachrüstung: Lohnt sich das?

Diesel Nachrüstung: Lohnt sich das?

Ein Diesel läuft und läuft… ebenso laufen die Nachrichten rund um das Dieselthema zur Höchstform auf. Kein Tag ohne Neuigkeiten. Eine zentrale Frage in der gesamten Debatte ist immer und immer wieder die Nachrüstung. Wer muss die Kosten übernehmen? Erfüllt die Technik überhaupt die Vorgaben? Haben Hardware-Nachrüstungen negativen Einfluss auf das Fahrzeug selbst? Unterm Strich: Lohnt sich die Hardware-Nachrüstung überhaupt?

Wie so vieles im Leben: Man kann nicht eindeutig zu einer Diesel-Nachrüstung raten oder davon abraten. Es kommt drauf an. Und ganz besonders darauf, wie sich das politische Engagement in Sachen Diesel weiterentwickelt und ob und in welchem Umfang die Autobauer ihre Verantwortung den eigenen Kunden gegenüber wahrnehmen. Derzeit klar ist, dass der ADAC bei einem Test von verschiedenen Nachrüstsystemen im Februar 2018 festgestellt hat, dass Hardware-Nachrüstungen an Euro-5-Dieseln funktionieren. Weitere Testergebnisse sollen folgen.

Nachrüstung: Die Regeln des Verkehrsministeriums

Ende 2018 hat das Verkehrsministerium seine Regeln für Hardware-Nachrüstungen vorgelegt. Und die haben es ganz schön in sich: Auf 30 Seiten schreibt das Ministerium vor, was geliefert werden muss. Da ist unter anderem zu lesen, dass der Stickoxidausstoß (NOx) auf weniger als 270 mg pro Kilometer gedrosselt werden muss. Dieser Wert muss Realbedingungen standhalten – in der Stadt, auf Landstraßen und Autobahnen. Das umgerüstete Fahrzeug darf dadurch nicht lauter werden und die nachgerüsteten Katalysatoren müssen mindestens fünf Jahre oder 100.000 Kilometer durchhalten. Alles in allem sollen dafür 3.000 Euro fällig werden. Allerdings fordert das Ministerium die Autohersteller auf, diese Kosten bei Fahrzeughaltern, die von Fahrverboten betroffen sind, zu übernehmen – sowohl für das SCR-System als auch den Einbau.

Kosten der Umrüstung auf Euro-6-Norm: Wer soll das bezahlen?

Die Frage, wer nun den teuren Umbau zu bezahlen hat, kann derzeit noch nicht beantwortet werden. Die Autobauer sträuben sich nach wie vor und warnen sogar die Dieselbesitzer vor einem Umbau: „Wir übernehmen dann keine Garantie mehr für das Fahrzeug“, sagt der Bundesverband. Und VW erklärt: „Das bringt technisch nur Nachteile für den Kunden“. Immerhin: VW und Daimler zahlen ihren Diesel-Kunden bis zu 3.000 Euro aus – allerdings nur an diejenigen, die in Städten mit einer besonders hohen Schadstoffbelastung leben und fahren. BMW lehnt nach wie vor eine Hardware-Nachrüstung strikt ab und würde dennoch ihre Kunden „mit Maßnahmen zur Sicherung ihrer Mobilität im Umfang von bis zu 3.000 Euro“ unterstützen. Wie das allerdings genau aussieht, ist derzeit noch nicht klar. Generell erwartet das Verkehrsministerium, dass die Nachrüst- plus Einbaukosten letztendlich sowohl von den deutschen als auch von den ausländischen Automobilherstellern getragen werden. Bis es allerdings soweit ist, kann es noch dauern.

Wie funktioniert eine Hardware-Nachrüstung?

Bei Diesel-Fahrzeugen wird bei einer Nachrüstung ein sogenanntes SRC-System ins Fahrzeug eingebaut. Anders als bei der recht einfachen Partikelfilter-Nachrüstung vor einigen Jahren ist diese Nachrüstung deutlich komplexer und dauert pro Fahrzeug zwischen vier und acht Stunden. Bei der Nachrüstung handelt es sich um einen Katalysator, der mit einem zusätzlichen AdBlue® Tank dafür sorgt, gesundheitsschädliche Stickoxide (NOx) im Abgas in ungefährliches Wasser und Stickstoff umzuwandeln. Prinzipiell funktionieren Nachrüstsysteme nach Aussagen des ADAC. Bis dato hat das Kraftfahrbundesamt aber noch kein einziges Nachrüstmodell offiziell zertifiziert und freigegeben.

Hardware-Nachrüstung. Das gehört zum SCR-System:

  • Gesonderter AdBlue® Tank
  • Einspritzsystem für die AdBlue® Mixtur
  • Heizsystem, um Abgastemperatur zu erreichen
  • SCR-Katalysator