Fokus: Fahranfänger
Fokus: Fahranfänger

Internationaler Führerschein

Du möchtest auch außerhalb Deutschlands mit dem Auto fahren. Doch geht das überhaupt so einfach? Oder benötigst du dafür einen speziellen Führerschein? Wir haben uns den EU-Führerschein und den Internationalen Führerschein einmal genauer angesehen.

Welchen Führerschein benötigst du, um im Ausland fahren zu können?

Um diese Frage zu beantworten, kommt es darauf an, in welchem Land du fahren möchtest. Solang du noch Teilnehmer des Begleiteten Fahrens ab 17 bist, darfst du ausschließlich in Deutschland und Österreich fahren. Danach kannst du mit deinem EU-Führerschein in allen Ländern der Europäischen Union fahren. Dazu kommen die weiteren Länder des Europäischen Wirtschaftsraums – kurz EWR – sowie die Schweiz, Serbien, die Türkei und Bosnien-Herzegowina.

In all diesen Ländern reicht es also vollkommen, wenn du mit deinem in Deutschland ausgestellten EU-Führerschein unterwegs bist. Kleiner Tipp am Rande: bevor es losgeht, solltest du abklären, ob deine Versicherung auch im jeweiligen Land für dich da ist.

Solltest du in einem Land fahren wollen, das hier noch nicht genannt wurde, benötigst du einen Internationalen Führerschein. Doch was ist dafür zu tun? Musst du noch eine Prüfung ablegen oder gar einen speziellen Führerschein machen?

Was ist der Internationale Führerschein?

Der Internationale Führerschein ist lediglich ein zusätzliches Dokument als Ergänzung zum EU-Führerschein. Wir können dich also beruhigen. Der Begriff Internationaler Führerschein klingt im ersten Moment womöglich größer, als er eigentlich ist. Du musst dafür weder Kurse noch Prüfungen absolvieren. Es reicht ein kurzer Weg zur Führerscheinstelle. Der Internationale Führerschein hat im Grunde nur eine Aufgabe. Er soll den Inhalt der jeweiligen nationalen Führerscheine (in deinem Fall deines EU-Führerscheins) in einem weltweit einheitlichen Format übersetzen.

Damit können Polizisten auf der ganzen Welt direkt erkennen, welche Fahrzeuge du lenken darfst und was es dabei möglicherweise zu beachten gibt. Auch für Mietwagenfirmen ist der Internationale Führerschein eine große Hilfe. Denn auch sie wollen natürlich wissen, ob du das jeweilige Mietauto überhaupt fahren darfst.

Wie bekommst du deinen Internationalen Führerschein?

Der Weg zum Internationalen Führerschein ist tatsächlich kein allzu schwerer. Du kannst ihn ganz einfach bei deiner zuständigen Führerscheinstelle beantragen. Das geht jedoch nur vor Ort. Einfach und bequem von zu Hause aus den Internationalen Führerschein beantragen funktioniert leider weder online noch telefonisch.

Was benötigst du beim Antrag eines Internationalen Führerscheins?

Der Internationale Führerschein wird als Übersetzung deines EU-Führerscheins ausgestellt. Daher benötigst du einen aktuellen Scheckkarten-EU-Führerschein. Zusätzlich braucht die Führerscheinstelle von dir einen gültigen Ausweis, ein biometrisches Passbild und etwas Geld für die Antragsgebühren.

In der Regel hast du ohnehin den aktuellen Scheckkarten-Führerschein. Dennoch haben wir hier noch einen Hinweis, den du vielleicht irgendwann im Familien- oder Bekanntenkreis brauchen kannst. Wer noch ein altes Führerscheinformat besitzt, muss den Führerschein zuerst umtauschen und kann erst danach den Internationalen Führerschein bekommen.

Das ist allerdings keine große Sache, da die Führerscheinstelle den Umtausch üblicherweise in einem Zug mitmacht. Es fallen lediglich die zusätzlichen Kosten für den Führerscheinumtausch an und sie benötigen ein zweites Passfoto.

Wie viel kostet ein Internationaler Führerschein?

Um einen Internationalen Führerschein bekommen zu können, musst du nicht sonderlich reich sein. Zu den rund EUR 10,00 für das Passfoto kommen lediglich EUR 15,00 bis EUR 20,00 für die Ausstellung des Internationalen Führerscheins dazu. Die tatsächlichen Preise variieren von Region zu Region.

Sollte zusätzlich der Umtausch vom alten „Lappen“ zum neuen Scheckkarten-Führerschein notwendig sein, kommen rund EUR 25,00 dazu.

Wie lange ist ein Internationaler Führerschein gültig?

Beim Internationalen Führerschein kommen zwei Varianten zum Einsatz. Sie orientieren sich an bereits sehr alten internationalen Abkommen. Das erste ist das Pariser Abkommen aus dem Jahr 1926. Das zweite wurde in Wien im Jahr 1968 unterzeichnet. Da manche Länder nur beim ersten Abkommen dabei waren, gibt es bis heute die beiden Führerschein-Varianten für das jeweiligen Abkommen.

Die Variante von 1968 kommt deutlich häufiger vor, während die von 1926 eher als Ausnahme zu sehen ist. Der Internationale Führerschein nach 1968 ist entweder so lange wie dein EU-Führerschein oder maximal drei Jahre lang gültig. Führerscheine gemäß dem Abkommen von 1926 sind nur ein Jahr lang gültig.

Wie so oft bestätigen jedoch Ausnahmen die Regel und so haben manche Länder eigene Regelungen, was die Gültigkeit eines Internationalen Führerscheins angeht.

Land Gültigkeit
Bolivien erst gültig, wenn von örtlicher Behörde abgestempelt
Paraguay nur 90 Tage lang gültig
Neuseeland maximal 12 Monate lang gültig
Katar nur 7 Tage lang gültig
Thailand maximal 6 Monate
Kenia maximal 3 Monate

In welchen Ländern ist der Internationale Führerschein gültig?

Oder anders formuliert: In welchen Ländern benötigst du einen Internationalen Führerschein? Zu den beiden genannten Abkommen von 1926 und 1968 muss man wissen, dass sie keine bindenden, in Stein gemeißelten Vereinbarungen sind. Jedes Land kann die Bedingungen daher etwas anders auslegen.

Mit dem Internationalen Führerschein in Europa

Wirklich klar geregelt ist nur, wo du ihn definitiv nicht brauchst. Sprich in den Ländern der EU und des EWR, sowie in Bosnien-Herzegowina, in der Schweiz und in der Türkei. In diesen Ländern reicht dein herkömmlicher EU-Führerschein vollkommen aus.

Innerhalb Europas gibt es vier Ländern, in denen der Internationale Führerschein ausdrücklich empfohlen wird.

  • Russland
  • Ukraine
  • Weißrussland
  • Moldawien

Die Regelung für die USA, Kanada und Mexiko

Wenn du vorhast, über den großen Teich zu reisen und dort mit einem ordentlichen Mustang über die Highways zu cruisen, solltest du in den USA sicherheitshalber einen Internationalen Führerschein dabeihaben. Der EU-Führerschein wird grundsätzlich geduldet, eine Rechtsgrundlage gibt es jedoch nicht. Daher: klare Empfehlung für einen Internationalen Führerschein an dieser Stelle. Selbiges gilt auch für Kanada. In Mexiko ist es keine Empfehlung, sondern Pflicht. Hier wird der EU-Führerschein alleine nicht anerkannt. Du benötigst also unbedingt einen Internationalen Führerschein.

Autofahren in Mittel- und Südamerika

In folgenden Ländern Mittel- und Südamerikas kannst du mit dem Internationalen Führerschein fahren:

  • Argentinien
  • Bolivien
  • Brasilien
  • Chile
  • Costa Rica
  • Ecuador
  • Kolumbien
  • Kuba
  • Paraguay
  • Peru
  • Suriname

Eine interessante Ausnahme finden wir in Uruguay. Solang du nachweislich nur als Tourist dort bist, reicht dein EU-Führerschein aus. In drei Ländern musst du zudem auf besondere Regelungen aufpassen. So muss in Bolivien der Internationale Führerschein erst vor Ort von der Behörde abgestempelt werden. Erst dann ist er gültig. Solltest du länger in Brasilien bleiben wollen, musst du einen zeitlich begrenzten brasilianischen Führerschein beantragen. In Paraguay benötigst du nach 90 Tagen eine paraguayische Fahrerlaubnis.

Der Internationale Führerschein in Australien und Neuseeland

In Australien dulden die Behörden grundsätzlich deinen nationalen Führerschein. Dennoch schadet es nicht, wenn du auch hier einen Internationalen Führerschein bei dir hast. In Neuseeland benötigst du ihn auf jeden Fall. Bis zu zwölf Monate darfst du dort mit der Kombination aus EU- und Internationalem Führerschein fahren.

Die Regeln in den Ländern Asiens

Bevor es in einigen Ländern etwas komplexer wird, haben wir vorneweg für dich die Liste mit jenen Ländern Asiens, in denen du problemlos mit dem Internationalen Führerschein unterwegs sein kannst:

  • Bahrain
  • Irak
  • Iran
  • Israel
  • Malaysia
  • Oman

In China wird der Internationale Führerschein zwar anerkannt, in den meisten Fällen musst du jedoch vor Ort eine zusätzliche Fahrprüfung ablegen. In Indonesien darfst du ausschließlich auf der Insel Bali überhaupt selbst fahren. In allen anderen Teilen des Landes musst du ein Auto samt Chauffeur mieten. Wenn du in Japan mit dem Auto fahren möchtest benötigst du eine Übersetzung deines EU-Führerscheins, die dem Internationalen Führerschein ähnlich ist. Allerdings stellt diese Übersetzung nur die japanische Behörde aus. Das kostet um die EUR 24,00. Manche Reisebüros in Deutschland erledigen jedoch diesen Vorgang für dich.

In Katar kannst du nur sieben Tage lang mit dem Internationalen Führerschein fahren. Danach benötigst du eine „Temporary Visitor’s Driving Licence“. Eine ähnliche Fahrerlaubnis benötigst du auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dabei können dir jedoch auch die Mietwagen-Anbieter weiterhelfen. Zudem musst du mindestens 21 Jahre alt sein, um fahren zu dürfen.

Zum Schluss haben wir in Thailand eine besondere Regelung. Der Internationale Führerschein ist dort nur sechs Monate lang gültig. Zudem wird hier das Abkommen von 1968 nicht anerkannt. Du benötigst also die ältere Version des Internationalen Führerscheins.

Der Internationale Führerschein in Afrika

In Afrika kannst du in folgenden Ländern mit einem Internationalen Führerschein unterwegs sein:

  • Ägypten
  • Algerien
  • Kenia
  • Marokko
  • Mauritius
  • Südafrika
  • Tunesien

Hier haben wir nur eine einzige Sonderregelung. In Kenia darfst du nur bis zu drei Monate mit dem Internationalen Führerschein fahren.

Leute mit Führerschein aus EU- und EWR-Staaten in Deutschland

Drehen wir den Spieß einmal um. Wie verhält es sich bei Leuten mit einem Führerschein aus einem anderen EU- oder einem EWR-Mitgliedsstaat? Dürfen diese in Deutschland ohne Weiteres fahren? Selbstverständlich, alle vorhandenen Führerscheinklassen gelten auch in Deutschland ohne Internationalem Führerschein.

Sollte die ausländische Fahrerlaubnis noch nicht älter als zwei Jahre sein, gelten die deutschen Regeln hinsichtlich der Probezeit. Das gilt für die Dauer der Probezeit, also bis zwei Jahre nach der Ersterteilung der Fahrerlaubnis. Im Falle eines entsprechenden Vergehens verlängert sich auch die Probezeit, wie bei einem deutschen Fahranfänger.

Leute mit Führerschein aus anderen Ländern in Deutschland

Personen aus Drittländern, sprich nicht aus der EU oder EWR können natürlich auch in Deutschland fahren. Wenn sie nur vorübergehend in Deutschland sind und keinen Internationalen Führerschein nach dem Abkommen von 1968 haben, sollten sie Übersetzung oder Klassifizierung mitnehmen. Diese Übersetzung lässt sich zum Beispiel über Automobilklubs besorgen und ist kostenpflichtig. Bei englischsprachigen Führerscheinen ist die Übersetzung üblicherweise nicht notwendig, es schadet aber bestimmt nicht, wenn sie direkt dabei ist.

Zudem gibt es ein paar Länder, bei denen Deutschland keine Übersetzung verlangt:

  • Andorra
  • Hongkong
  • Monaco
  • Neuseeland
  • San Marino
  • Schweiz
  • Senegal

Sollte diejenige Person einen ordentlichen Wohnsitz in Deutschland begründen, ist der ursprüngliche Führerschein nur mehr sechs Monate lang gültig. Danach bleiben zwei Möglichkeiten. Eine Verlängerung um weitere sechs Monate, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Wohnsitz in diesen sechs Monaten wieder aus Deutschland verlegt wird.

Die zweite und dauerhafte Variante ist der Umtausch in eine deutsche Fahrerlaubnis. Wie einfach das geht, hängt jedoch vom Ursprungsland ab. In den meisten Fällen ist das ein reiner Formalakt, der komplett über die Führerscheinstelle abgewickelt werden kann. Bei manchen Ländern müssen jedoch zusätzlich Prüfungen absolviert werden.

Alle Artikel

Autoversicherung für Fahranfänger

Fahranfänger · Erstes Auto

Auto kaufen

Fahranfänger · Erstes Auto

Probezeit

Fahranfänger · Erstes Auto
Mehr anzeigen