Nissan GT-R: Supersportler zum Sparpreis

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Klar, 100.000 Euro sind nicht wenig. Einen 570-PS-Supersportler aber bekommt man trotzdem nur selten zu diesem Preis. Wir haben Nissans Power-Schnäppchen GT-R getestet.

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Ein 570-PS-Sportwagen für unter 100.000 Euro? Den gibt’s bei Nissan. Mit dem GT-R haben die Japaner eine wahre Sportskanone im Angebot, die nicht nur mit jeder Menge Power zum verhältnismäßig kleinen Preis punktet, sondern auch mit einer markanten Optik, der sonst höchstens noch Corvette und Audi R8 das Wasser reichen können. Das Beste aber: Mit nicht ganz 150 verkauften Einheiten pro Jahr ist der GT-R in Deutschland eine echte Rarität und ein Hingucker par excellence.

Wie sieht er aus?

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Was kommt dabei heraus, wenn man Designer einen Sportwagen zeichnen lässt, ohne ihnen dabei irgendwelche Vorgaben zu machen? Wahrscheinlich der Nissan GT-R. Der Zweitürer strotz schon im Stand vor Kraft, die lange Motorhaube zieht sich weit nach unten, das zurückgesetzte Greenhouse duckt sich förmlich in den Wind und die muskulösen Radhäuser deuten an, dass der GT-R mehr als einmal im Fitnessstudio war. Genial: Den Japanern ist es gelungen, die Power ohne schlundartige Lufteinlässe darzustellen, die Front kommt fast schon filigran daher.

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Am Heck dagegen erhöht sich der Proll-Faktor schlagartig: Ein ordentlicher Spoiler auf dem Kofferraumdeckel sorgt gleichermaßen für Abtrieb und Aufsehen - die vier armdicken Endrohre sind ein klares Statement an den Hintermann. Dazu passend sind auch die Rücklichter kreisrund ausgeführt und erinnern ein bisschen an die Rennwagen aus früheren Videospielen. Hinzu kommen Details, wie die geschmiedeten 20-Zöller, versenkte Türgriffe oder Seitenschweller in Carbon-Optik, die dem Godzilla, wie der GT-R von seinen Fans liebevoll genannt wird, den letzten Schliff verleihen.

Wie ist er innen?

Von außen wirkt der Nissan GT-R ein bisschen wie aus einer anderen Zeit – und auch der Innenraum kann mit den hochmodernen Cockpits von Porsche und Co. nicht immer mithalten. Die einen mögen es altbacken nennen, die anderen sagen lieber klassisch. Fakt ist: Im Nissan gibt es noch richtige Instrumente mit echten Zeigern, einen Mix aus Hartplastik und Leder, Drehregler für die Klimaanlage und ein Infotainmentsystem, das nicht ganz aktuell ist, aber dennoch seinen Dienst tut. Es navigiert den Fahrer ans Ziel, empfängt Digitalradio und steuert die wuchtige Bose-Sound-Anlage, die aber, so viel sei schon jetzt verraten, in Anbetracht des Motorklangs eher zweitrangig ist.

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Fahrer und Beifahrer sitzen auf fantastischen Sportsitzen, die noch dazu langstreckentauglich sind. Dennoch sind sie straff genug, um auch bei höheren Kurvengeschwindigkeiten für sicheren Halt zu sorgen. Der Einstieg in die lediglich 1,37 Meter flache Flunder ist zwar nicht ganz einfach, aber ist man erstmal drin, sitzen auch große Passagiere recht kommod. Anders in Reihe zwei: Nicht nur, dass die Rückbank kaum zugänglich ist - auch für kleine Kinder gibt es dort nicht wirklich ausreichend Platz. Dafür wartet das tiefe Kofferabteil mit 315 Litern Stauraum auf – für einen Sportwagen fast schon riesig.

Was steckt unterm Blech?

Viel Auswahl hat man bei Nissan nicht: Im GT-R steckt ein 3,8 Liter großer V6, der von nur einem Monteur zusammengebaut wird und mit einer entsprechenden Plakette versehen ist. Das Aggregat ist doppelt aufgeladen und seit der letzten Überarbeitung mit einer neuen Sport-Abgasanlage versehen. 570 PS und 637 Newtonmeter lassen sich dem Sechzylinder nun entlocken und wem das nicht reicht, der kann zum Nismo-Modell mit Hochleistungs-Turbos greifen. Diese quetschen dann stolze 600 PS und noch ein paar Newtonmeter mehr aus dem Dreiachter. Zusammen mit einem speziellen Karosseriepaket in Verbindung mit dem überarbeiteten Sportfahrwerk schnellt der Preis dann aber direkt auf 184.950 Euro.

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Gekoppelt ist das Triebwerk übrigens immer an ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, das mit den meisten seiner Bauart-Geschwistern aber nicht viel zu tun hat. Statt sanft zu schalten, prügelt die Automatik die Gänge herein und rumpelt dabei gut hörbar durch die Gassen. Die Kraft auf die Straße bringt der Nissan GT-R derweil standardmäßig über einen Allradantrieb.

Wie fährt er?

Ein Wort beschreibt den Nissan GT-R am besten: Brachial! Wenn die volle Kraft laut trompetend über die Räder herfällt, werden die Passagiere mit Nachdruck in die Sitze gepresst und die Falten im Gesicht straffen sich ganz automatisch. Nach rund drei Sekunden zeigt der Tacho Tempo 100, auf 200 km/h marschiert der Nissan problemlos und selbst die magische 300er-Grenze erreicht der Japaner ohne groß an Durchzug zu verlieren. Der Top-Speed liegt bei 315, dann aber wird die Straße ziemlich eng und der Nissan doch ein bisschen unruhig. Bis 250 km/h liegt der GT-R allerdings noch satt und sicher auf der Fahrbahn, läuft stabil und sauber geradeaus. Für standesgemäße Verzögerung sorgen Bremsscheiben mit 380 und 390 Millimeter Durchmesser.

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Soll es etwas gemächlicher zugehen, bieten sich die Fahrmodi Save und Comfort an. Dann reagiert der Nissan nicht mehr ganz so direkt wie im R-Modus und brüllt etwas leiser. Wobei der Nissan GT-R niemals wirklich zahm wird und bei einem flotten Tritt aufs Gaspedal steht die Kraft auch in den vermeintlich bequemen Fahrmodi unverzüglich Gewehr bei Fuß. Was den Spritdurst angeht, so sollte man sich bewusst sein, dass der GT-R teures 100 Oktan verlangt und davon im Schnitt nicht weniger als 12 bis 15 konsumiert.

Was fällt sonst noch auf?

Der GT-R braucht Tempo. Wer mit dem Nissan nur gemächlich durch die Stadt rollt, der wird sich schnell am trockenen sowie sehr hart abgestimmten Fahrwerk stören und vielleicht sogar an der Geräuschkulisse des Getriebes. Je weiter die Tachonadel aber nach oben klettert, desto geschmeidiger fühlt sich der Nissan an. Und wenn man erst einmal auf einer einsamen, kurvigen Landstraße unterwegs ist, wird man merken, wie präzise der GT-R doch um die Kurve schnellen kann. Ein zu hartes Fahrwerk wird dann mit Sicherheit kein großes Ärgernis mehr sein.

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Was kostet er?

Wie erwähnt ist der GT-R mit 99.900 Euro ein echtes Schnäppchen - gerade einmal 175 Euro werden so pro PS fällig. Zum Vergleich: Beim etwa gleichstarken, gerade ausgelaufenen, Porsche 911 Turbo S mussten pro Pferdchen 350 Euro auf den Tisch gelegt werden. Alle üblichen Extras wie: Lichtautomatik, Klimaanlage, Navi, elektrische Sitzverstellung und mehr sind immer an Bord. Allerdings bietet auch Nissan noch einige Möglichkeiten um noch mehr mehr Geld auszugeben. Neben der erwähnten Nismo-Variante für knapp 185.000 Euro stehen für 105.000 Euro auch eine Prestige- oder Black-Edition zur Wahl, die beispielsweise mit einer besonderen Lederausstattung oder Recaro-Sitzen aufzuwarten wissen. Außerdem gibt es die Track-Edition, die für 117.900 Euro zusätzlich elektronisch geregelte Bilstein-Stoßdämpfer mitbringt.

Fazit

Sie wollen einen Sportwagen der auffällt und der das Budget schont? Dann führt am Nissan GT-R kaum ein Weg vorbei. Der brachiale Japaner verdreht den Passanten am Wegesrand immer noch die Köpfe, ist von weitem schon gut zu hören und hat Kraft ohne Ende. Gepaart mit einem extrem agilen Unterbau wird er zusätzlich zum Kurvenräuber. Auf der Autobahn überzeugt er hingegen mit einem absolut stabilem Geradeauslauf. Allerdings braucht der GT-R Tempo: Je langsamer man unterwegs ist, desto holpriger und ungemütlicher wird es. Nicht zu vergessen ist der Spritdurst nach Benzin mit 100 Oktan. (Autor: mg, tv)