Erster Test: Abarth Punto Evo – Giftzwerg

Seit der Wiederbelebung des Fiat-Motorsport-Labels Abarth und gleichzeitiger Ausrufung zur Marke im Jahr 2008, wurden etwa 20.000 Krawallo-Varianten von 500 und Grande Punto verkauft. Sein Abarth-Projekt hält Fiat für ausbaufähig.

Doch bevor im Jahr 2012 ein eigenständiges Abarth-Modell auf die Straße kommt, wird zunächst die bestehende Modellpalette modernisiert. So startet der Power-Punto nun im neuen Evo-Gewand mit dem 163 PS starken Multiair-Motor und einer modifizierten Variante des DNA-Systems von Alfa. Obwohl der Name Punto Evo auf eine komplett neue Generation schließen lässt, handelt es sich doch vielmehr um ein tiefgreifendes Facelift. Die Grundform blieb erhalten und setzen lediglich neue Scheinwerfer, Rückleuchten mit LED-Technik, eine aggressivere Schürzenoptik und spezielle 17-Zoll-Räder auffällig neue Akzente. Zusammen mit dem Doppelrohr-Auspuff im Diffusorheck und Abarth-Seitenstreifen stellt unser in Grau lackierter Endzeit-Racer mit roten Brembo-Bremssätteln sein sportliches Ansinnen unmissverständlich zur Schau.

Auch der mit dem Fiat Punto Evo weitgehend identische Innenraum bietet ein Abarth-artiges Dynamik-Flair. Ein Abarth-Logo mit stilisiertem Skorpion in der Lederlenkrad-Mitte, größere Jaeger-Ziffernblätter im Kombiinstument, Alupedale, ordentlich konturierte Vordersitze, bunte Ziernähte und ein großer Wipp-Schalter, der bei Alfa DNA heißt und für die Abarth-Ausführung Manettino getauft wurde, gehören zu den Interieur-Bonbons.

Auf Knopfdruck schärfer

Drückt der Fahrer den Manettino nach vorne, wechselt die Signalleuchte von Normal auf Sport, was uns als die einzig vernünftige Stellung angesichts der anstehenden Pisten-Gaudi erscheint. Der Sportmodus bietet eine spontanere Gasannahme, eine spitzer ausgelegte Lenkung und eine Aktivierung der TTC genannten elektronischen Differenzialsperre. TTC optimiert beim Beschleunigen aus engen Kurven die Traktion und verhindert durchdrehende Räder.

Die Multiair-Technik, also die elektrohydraulische Ventilsteuerung und der Verzicht auf die Einlassnockenwelle, sorgt im Zusammenspiel mit Turboaufladung bei dem nur 1,4 Liter großen Vier-Zylinder-Benziner für beachtliche Leistung bei mäßigem Verbrauch. In der 163-PS-Ausführung des Abarth-Punto soll der Durst bei rund sechs Litern liegen. Allerdings zeigte der Bordcomputer nach einigen rasanten Runden auf dem Fiat-Testgelände in Balocco deutlich über 20 Liter Verbrauch an. Da helfen auch eine serienmäßige Schalt-Empfehlung und die Start-Stopp-Automatik nicht mehr. Das Sparpotenzial des Multiair entfaltet sich lediglich bei sehr sanftmütiger Fahrweise.

Reichlich Turbo-Power

Der drehfreudige, quirlige Motor bietet dafür ein lustförderndes Längsdynamik-Potential. Knapp unter acht Sekunden soll der Standardsprint dauern, die Höchstgeschwindigkeit 213 km/h betragen. Der Geschwindigkeitszuwachs erfolgt turbotypisch: Kurzzeitig, bis etwa 2.000 Touren, herrscht noch etwas Flaute und danach ist reichlich Druck da – bis 6.000 Touren, dann empfiehlt sich der Wechsel in eine höhere Fahrstufe, von denen es insgesamt sechs gibt. Während die Bedienung der Handschaltung kein echtes Sportwagen-Feeling aufkommen lässt, entschädigt dafür ein angenehm bassiges Röhren aus den beiden Auspuffrohren mit einer, angesichts unserer hochtourigen Rumbolzerei, angemessenen Akustik.

Technische Daten
Marke und Modell Abarath Punto Evo
Ausstattungsvariante
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.065/ 1.721 / 1.490
Radstand (mm) 2.510
Wendekreis (m) 11,3
Leergewicht (kg) 1.260
Kofferraum (Liter) 275 - 1.030
Bereifung Testwagen 215/45 R17
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 1.368 / 4, Reihe
Leistung kW (PS) 120 (163)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 250 / 2.250
Antriebsart Frontantrieb
Getriebeart manuelles 6-Gang-Getriebe
Verbrauch
Krafstoffart Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km) 6,1
CO2-Emissionen (g/km) 142
AS24-Verbrauch (l/100km) k.A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 7,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 213
Preise
ab (Euro) 19.400
Empfohlene Extras Mit dem optionalen Sportpaket "esseesse" setzt der Punto Evo noch sportlichere Akzente.
VergrößernVerkleinern

Trotz der immerhin 250 Newtonmeter, die auf die Vorderachse herfallen, sind scharrende Antriebsräder erstaunlich selten, denn die Antriebsschlupfregelung (ASR) greift ebenso früh ein wie der Schleuderschutz ESP. Auch die elektronische Differenzialsperre TTC verhindert unschöne Reaktionen beim Rausbeschleunigen aus Kurven. Dem Vortrieb souveränen Einhalt gebietet außerdem die Vierkolben-Festsattel-Bremsanlage von Brembo mit 305er-Scheiben an der Vorderachse. Sie hinterlässt einen vitalen Eindruck und vermittelt selbst bei stärkerer Beanspruchung noch großes Vertrauen. So gerüstet, lässt sich der Abarth Punto nahezu narrensicher und angstfrei mit reichlich Speed durch das durchaus anspruchsvolle Kurvengeläuf in Balocco peitschen.

Ausgewogener Kompromis

Trotz der Fahrspaß-Auslegung kommt beim Abarth Punto Evo der Komfort nicht zu kurz. Zumindest auf dem glatten Teststrecken-Asphalt nervt der Italiener nicht mit pseudosportlicher Härte. Doch dieser eigentlich gute Kompromiss scheint nicht jedem zu gefallen. Manch sportlich orientierter Fahrer wünscht sich für den Abarth Punto Evo eine dynamischere Auslegung, wie sie zum Beispiel der Renault Clio R.S. bietet.

Eine direktere, weniger synthetisch wirkende Lenkung, eine feiner dosierbare Bremse, eine straffere Straßenlage, weniger Seitenneigung in Kurven oder ein deaktiverbares ESP – so die vielfach geäußerte Wunschliste der Journalisten beim Fahrtemin zum Abarth Punto Evo. Doch stellt sich andererseits die Frage, ob eine stärker für den Rennsporteinsatz ausgelegte Variante den eigentlichen Bedürfnissen der Kunden gerecht wird.

Letztlich ist auch der Abarth Punto Evo nur ein praktischer Kleinwagen für den Alltag, der dazu noch eine Extraportion Temperament bietet, aber eben kein Caterham sein will. Seine Kraftmeierei macht den Punto Evo allerdings ziemlich teuer. 19.400 Euro kostet das immerhin gut ausgestattete Basismodell. Die etwas dynamischer ausgelegten Mitbewerber Seat Ibiza FR und Renault Clio R.S. sind übrigens nur unwesentlich teurer.

Fazit

Der Punto Evo ist ein praktischer, ansehnlicher und zudem noch sicherer Kleinwagen. Im Fall der neuen Abarth-Version gibt es noch eine Extra-Portion Dynamik dazu, die sowohl optisch wie fahrtechnisch überzeugen kann. Allerdings ist der Mehrpreis für den besonderen Fahrspaß nicht ganz unerheblich und kann der mit einigem Technik-Schnickschnack gerüstete Skorpion-Sportler gehobenen Dynamik-Ansprüchen wohl nicht ganz gerecht werden. Das ist aber nicht unbedingt ein Nachteil das Power-Puntos.

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