Erster Test: Alfa Romeo Giulietta mit TCT – Mehr Dynamik, weniger Verbrauch

Alfa in der Krise? Von wegen. Die Gerüchte um eine VW-Übernahme sind endgültig verstummt und die noch junge Giulietta auf Erfolgskurs. Das sich zum Verkaufsschlager mausernde Kompaktmodell kann nicht nur optisch, sondern auch technisch in vielfacher Weise begeistern.

Mit dem neuen Doppelkupplung TCT haben die Italiener einen weiteren Kaufanreiz geschaffen. Zugegeben: Das Thema Doppelkupplungsgetriebe ist nicht neu und Alfa gehört im Kompaktsegment eher zu den Nachzüglern. Dafür haben die Italiener ihr Getriebe selbst entwickelt und dabei gleich noch eigene technische Innovationen einfließen lassen. Die wichtigste davon: Bei der Twin Clutch Transmission handelt es sich um ein trockenes System, welches dank der fehlenden Ölbadkühlung weniger Energie verbraucht und weniger wiegt. Schlappe 80 Kilogramm bringt das ganz Sechs-Gang-Paket auf die Waage und erhöht das Gesamtgewicht im Vergleich zu einem Fahrzeug mit manuellem Getriebe um lediglich 15 Kilogramm. Darüber hinaus lässt sich das TCT kompakt einbauen.

Doch noch beeindruckender ist der Effizienzvorteil, den das Getriebe bietet: Kombinierbar ist das TCT zunächst mit zwei 170 PS starken Aggregaten, dem Zwei-Liter-JTDM und dem 1,4-Liter-Turbobenziner. Im Vergleich zur manuell geschalteten Version des 1.4 TB konnte die Sprintzeit via TCT um eine Zehntelsekunde auf 7,7 Sekunden verringert werden, bei unverändert 218 km/h Höchstgeschwindigkeit. Trotz der kürzeren Sprintzeit konnte der Verbrauch des eigentlich schon sparsamen Antriebs nochmalig deutlich gesenkt werden: Statt mit 5,8 wird die neue Doppelkupplungs-Variante im Zusammenspiel mit einer etwas träge reagierenden Start-Stopp-Automatik mit 5,2 Litern angegeben. Damit markiert die Giulietta einen Bestwert im Segment und das mit Abstand.

Auch Diesel sparsamer

Nicht ganz so rekordverdächtig ist der Diesel 2.0 JTDM, der ebenfalls mit TCT im Sprint eine Zehntelsekunde schneller ist (7,9 Sekunden), die Verbrauchsminderung allerdings nur 0,2 Liter beträgt und so der Normverbrauch mit 4,5 Liter angegeben wird. Wenn auch kein Spitzenwert im Segment, handelt es sich dennoch um eine eindrucksvoll niedrige Marke.

Doch nicht nur auf dem Papier kann die Giulietta beeindrucken, auch beim Fahren sorgt sie für viel Annehmlichkeiten und Freude. Grundsätzlich bietet das Getriebe den Komfort einer Automatik, stellt man den Gangwahlhebel auf D, übernimmt die Schaltarbeit die Technik. Das Schöne dabei: Es gibt keine Zugkraftunterbrechung, die kurzweiligen Gangwechsel geschehen ohne Ruckeln und man nimmt diese eigentlich nur durch das veränderte Motordrehzahlniveau wahr.

Mit manuellem Schaltmodus

Und hier sorgt Alfas TCT vor allem dafür, die Motordrehzahl im besonders drehmomentstarken Bereich zu halten. Zwar gibt es keine Launch-Control, doch nach einer kurzen Gedenksekunde geht es forsch voran und beschleunigt der gut 1,4 Tonnen schwere Benziner sehr linear. Egal in welcher Situation man Leistung abruft, stellt die Technik diese in üppiger Weise zur Verfügung.

Zwar passt das Getriebe seinen Schaltcharakter an eine sportliche Fahrweise an, doch könnte beim Beschleunigen aus Kurven das Drehzahlniveau beim Benziner ruhig noch etwas höher liegen. Wer die Drehzahlnadel möglichst nah am roten Bereich pendeln lassen will, kann alternativ per Lenkradwippe manuell runter schalten. Diese Gangwechsel könnte alerdings ruhig noch einen Tick knackiger sein.

Technische Daten
Marke und Modell Alfa Romeo Giulietta Alfa Romeo Giulietta
Version / Ausstattung 2.0 JTDM TCT 1.4 TB Multiair TCT
Motor
Hubraum (ccm) / Bauart 1.956 / R4-Turbodiesel 1.368 / R4-Turbobenziner
Leistung (kW / PS) 125 / 170 125 / 170
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 350 / 1.750 250 / 2.500
Antriebsart Frontantrieb Frontantrieb
Getriebeart Sechsgang-Dopplekupplungsgetriebe Sechsgang-Dopplekupplungsgetriebe
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.351 / 1.798 / 1.465 4.351 / 1.798 / 1.465
Radstand (mm) 2.634 2.634
Wendekreis (m) 10,9 10,9
Leergewicht (kg) 1.410 1.380
Kofferraum (Liter) 350 - 1.045 350 - 1.045
Bereifung Testwagen 205/55 R 16 205/55 R 16
Verbrauch
Krafstoffart Diesel Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 4,5 5,2
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 119 / Euro 5 121 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) k.A. k.A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 7,9 7,7
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k.A. k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k.A. k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 218 218
Preise
ab (Euro) 28.900,00 26.000,00
Empfohlene Extras Parksensoren hinten (360 Euro) Parksensoren hinten (360 Euro)
VergrößernVerkleinern
## Fetter Drehmoment-Spaß
Etwas mehr Spaß hat uns die Giulietta-Kombination aus Dieselmotor und TCT bereitet, denn hier stehen 320 Newtonmeter bereits ab 1.500 Touren bereit, im Dynamik-Modus sind es sogar 350 Newtonmeter bei 1.750 Umdrehungen. Mit dieser üppigen Power hinterlässt der Diesel vor allem beim Beschleunigen aus Kurven gefühlt einen druckvolleren Eindruck. Und das eigentlich kürzere Drehzahlband des Selbstzünders fällt nicht einmal auf, da das Getriebe prompt und eben ohne Kraftschluss-Unterbrechung in eine andere Übersetzung wechselt.

Einen eindrucksvollen Spagat von Komfort und Fahrspaß bietet die Giulietta auch dank ihrer Fahrwerksabstimmung. Der Unterbau verwöhnt die Insassen in seiner Grundversion mit einem bemerkenswert angenehmen Federungskomfort, der schon Vorbildcharakter in Segment haben dürfte. Und doch hat sich die Giulietta auf unseren Testfahrten auf einem abgesperrten Rundkurs auch bei flotter Kurvenfahrt in sehr überzeugender Weise bewährt, zumal sich hier mit dem Dynamik-Modus des serienmäßigen DNA-Systems per Knopfdruck alle wichtigen Fahrparameter noch ein wenig schärfen lassen. Alternativ bietet Alfa übrigens ein grundsätzlich sportlicheres Fahrwerks-Setup, welches wir dynamisch orientierten Fahrern wärmstens empfehlen können, da es trotz einer verbindlicheren Abstimmung immer noch ein gutes Komfortniveau gewährleistet.

Clevere Helfer

Hinzu kommen im Fall der Giulietta übrigens noch ein angenehm tolerantes und dennoch sicher und feinfühlig arbeitendes ESP. Außerdem kommt beim Beschleunigen aus Kurven das ebenfalls serienmäßige elektronische Sperrdifferenzial Q2 zum Einsatz, welches die Antriebseinflüsse auf die Lenkung auf angenehm niedrigem Niveau hält.

Alfa Romeo verlangt für sein neues TCT-Getriebe in der Giulietta 1.800 Euro Aufpreis. Damit kostet die Benziner-Varianten 1.4 TB TCT exakt 26.000 Euro, für den Diesel werden 28.900 Euro abgerufen. Damit ist die Giulietta insgesamt geringfügig günstiger als ein Golf; bei VW kostet das Doppelkupplungsgetriebe DSG übrigens 1.900 Euro Aufpreis. Für einen Golf mit 160-PS-Benziner und DSG muss man ebenfalls mindestens 26.000 Euro investieren, die sportliche Dieselversion Golf GTD kostet mit DSG sogar gut zweitausend Euro mehr. Eine Doppelkupplung ist mittlerweile zwar ein alter Hut, doch kann Alfa mit seinem selbst entwickelten System in der Giuilietta eindrucksvolle Marken setzen. So kann der 170 PS starke 1.4 TB bei guten Fahrleistungen mit dem niedrigsten Verbrauch im Segment beindrucken. Auch die Dieselversion 2.0 JTDM bewegt sich mit Doppelkupplung auf niedrigsten Verbrauchsniveau, und ermöglicht zugleich ein besonders spaßbetontes Fahren.

Neben Fahrspaß und sensationell niedrigen Verbrauchswerten bietet das TCT zudem noch den Luxus eines selbstschaltenden Getriebes und das dank fehlender Zugkraftunterbrechung sogar auf höchstem Komfortniveau. Da sollten sich die konkurrenzfähigen 1.800 Euro Mehrinvestition im Vergleich zum manuellen Getriebe durchaus lohnen.

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