Problem: Die Potenzbrocken kosten verflucht viel Geld. Bei Chrysler ist das anders: die SRT-Modelle werden geradezu zum Schnäppchenpreis angeboten. Jüngstes Beispiel ist der 300C SRT8.
Vergleichsweise zurückhaltende 53.400 Euro kostet die amerikanische Limousine inklusive formidabler Ausstattung. Leder-Sportsitze, ein MP3-fähiges Audiosystem mit Sechsfach-CD-Wechsler, Zweizonen-Klimaautomatik, Einparkhilfe, elektrische Sitzverstellung inklusive Memory-Funktion (auch für die Pedalerie) - alles ist an Bord.
An sich bereits ein fairer Preis, geradezu eine Wucht angesichts des Monstermotors, den der SRT8 unter der Haube hat: Acht Zylinder, 6,1 Liter Hubraum, 430 PS und ein fettes Drehmoment von 569 Nm lauten die Eckpunkte.
Da verwundert es nicht, dass der Zweitonner nur 5,3 Sekunden für den Sprint von Null auf Tempo 100 benötigt - und auch danach weiterzieht wie der sprichwörtliche Stier. Schluss mit Vortrieb ist erst bei 265 km/h - elektronisch begrenzt, versteht sich.
Brembo-Bremsen
Ebenso überzeugend wie der Vorwärtsdrang ist die Verzögerung. Im SRT8 kommt eine Brembo-Bremsanlage mit vier Kolben pro Bremssattel und serviertellergroßen Bremsscheiben (360 mm vorne, 350 mm hinten) zum Einsatz, die einfach gnadenlos zupackt.
Klingt nach brutalem Sportgerät? Weit gefehlt. Der SRT8 gibt sich durchaus gepflegt. Abgesehen vom kernigen Gib-mir-mehr-Sound nahe des Drehzahlbegrenzers ist das Fünfmeter-Schiff mehr Cruiser, denn Sportwagen.
Das Fahrwerk besticht trotz Tieferlegung und 20-Zoll-Rädern durch hohen Federungskomfort. Lästige Schläge beim Überfahren von Gullideckel? Fehlanzeige. Nachteil: Die Seitenneigung der Karosserie ist ausgeprägter, als man es von einem Sportmodell erwartet. Dazu kommt, dass die veraltete Fünfgang-Automatik nicht sonderlich schnell reagiert und ein Sport-Modus gänzlich fehlt. Auch die Lenkung - ohnehin direkter als in den Serienmodellen - könnte gerne noch einen Tick genauer sein.
Langstreckenverkürzer
Aber mal im Ernst: Wer kauft sich schon einen fetten Amischlitten, um damit Serpentinen-Rennen auszufahren? So ein Auto ist was für die Langstrecke, für entspanntes Schnellfahren mit Stil. Und das kann der SRT8 bestens. Aus dem Drehzahlkeller bollert der V8 unwiderstehlich drauf los und schiebt und schiebt und schiebt.
Freilich ist der Spritkonsum nicht von Pappe. Der normierte Durchschnittsverbrauch von 14 Litern pro 100 Kilometer schnellt beim beherzten Praxiseinsatz locker mal auf 20 Liter hoch. Doch auch hier gilt: Wer sich einen 6,1-Liter-V8 zulegt, weiß das.
Theoretisches Transportwunder
Nicht zu entschuldigen ist dagegen die geringe Zuladung. Gerade einmal 300 zusätzliche Kilos packt der große Chrysler. Fünf Passagiere - die locker Platz hätten im riesigen Innenraum - und ein voll beladener Kofferraum (504 Liter) sprengen das zulässige Gesamtgewicht deutlich.
Geschmackssache sind die Kunststoffe im Innenraum. Nur das Armaturenbrett ist unterschäumt. Der große Rest besteht aus wenig ansehnlichen, hartem Plastik. Da tröstet das bisschen perforiertes Leder an Lenkrad, Wählhebel und Türgriffen sowie die Dekor-Intarsien in Karbon-Optik nur unzureichend.
Fazit
Der brachiale Motor, die komfortabel-sportliche Fahrwerksabstimmung und das gute, aber nicht überragende Handling machen den Chrysler 300C SRT8 zum überlegenen Cruiser mit Sprinterqualitäten. BMW M5 und Audi S6 sind fahraktiver, ein Mercedes E63 AMG perfekter - doch was das Preis/Leistungsverhältnis betrifft, ist der urgewaltige Hubraumriese aus den Staaten unschlagbar. Denn für rund 55.000 Euro bekommt man bei den genannten Konkurrenten ausstattungsbereinigt gerade einmal die großen Sechszylinder-Mittelklassemodelle.
Ein großes Manko hat der 300C SRT8 allerdings: die mehr als bescheidene Zuladung von maximal 300 Kilogramm. Absurd, zumal der Power-Chrysler auch in der Kombi-Version namens Touring angeboten wird.
