Erster Test: Citroën DS3 Racing – Renn-Zitrönchen

Der DS3 ist der auf Lifestyle getrimmte Ableger von Citroëns Kleinwagen C3.

Nun hat sich die hausinterne Rennsportabteilung seiner angenommen und bringt mit dem DS3 Racing nicht nur eine Rallye-Version für die Straße, sondern macht den kleinsten Citroën gleichzeitig zum derzeit sportlichsten. Entgegen ersten Gerüchten ist das Renn-Zitrönchen allerdings kein limitiertes Sondermodell. Die Bilanz der Motorsportabteilung Citroën Racing kann sich durchaus sehen lassen. Fünf Konstrukteurs-Titel in der Rallye-Weltmeisterschaft haben die Franzosen auf dem Konto und Werksfahrer Sébastien Loeb kann auf sieben Fahrer-WM-Titel in Folge zurückblicken. Und der erfolgreichste Rallye-Fahrer der Motorsport-Geschichte wurde an der Entwicklung des DS3 Racing beteiligt: Schließlich dient der kleine Flitzer als Basis für seinen Dienstwagen in der nächsten Saison.

Bevor jedoch Loeb am 11. Februar 2011 in Schweden die neue Rallye-Saison mit seinem DS3 einläutet, werden die ersten Exemplare des Racing noch in diesem Jahr an die Kunden ausgeliefert. Und die dürfen sich zurecht auf ihr Weihnachtsgeschenk freuen, wie uns eine erste Testrunde in den französischen Seealpen (target=undefined), auf einer Original-Strecke der Rallye Monte Carlo eindrucksvoll lehrte.

Grelles Orange und echtes Karbon

Äußerlich unterscheidet sich der Racing vom normalen DS3 vor allem durch seine auffällige Lackierung in schwarz-orange und die serienmäßigen, ebenfalls orangefarbenen 18-Zoll-Räder. Für die, denen das zu extrovertiert ist, bietet Citroën noch eine weiß-graue Lackierung an, doch stehen die grellen Farben dem Renn-Zitrönchen eindeutig besser zu Gesicht.

Gelochte Metallpedale, üppige Schalensitze mit etwas zu weichen Seitenwangen und großzügig verbautes, echtes Karbon zeugen im Innenraum von den sportlichen Ambitionen des DS3 Racing und geben einen Eindruck davon, warum er mit 29.990 Euro fast doppelt so teuer ist, wie ein normaler DS3.

Mehr Ladedruck

Dass der DS3 Racing halten kann, was er optisch verspricht, zeigt schon der Blick in die technischen Daten. Von 207 PS und einem maximalen Drehmoment von 275 Newtonmetern zwischen 2.000 und 4.500 Umdrehungen ist dort die Rede; die Beschleunigung auf Tempo 100 soll in sechseinhalb Sekunden erfolgen, maximal sind 235 km/h machbar. Das alles klingt nach jeder Menge Fahrspaß.

Quell der Kraft und des Vergnügens ist ein 1,6-Liter-Turbobenziner , der unter anderem auch im bisherigen Top-Modell DS3 THP 150 zum Einsatz kommt. Für den Racing wurde vor allem der Ladedruck des Turbos von 1,8 auf 2,2 bar erhöht, eine Kennfeldoptimierung und die neue Auspuffanlage tun ihr übriges. Gänzlich neu ist diese Ausbaustufe allerdings nicht, sie treibt in einer 211-PS-Version auch den Mini Cooper John Cooper Works an; den wohl stärksten Konkurrenten des DS3 Racing. Und auch im Peugeot RCZ werkelt der aufgeladene Vier-Zylinder.

Klingt wie ein Großer

Direkt nach dem Start, der übrigens konventionell per Schlüsseldreh und nicht etwas mittels Tastendruck geschieht, demonstriert das Aggregat, dass die Akustik-Ingenieure ihre Arbeit gut gemacht. Ein unaufdringlicher, aber dennoch satter, sonorer Klang kommt aus den beiden Auspuffrohren und lässt den DS3 wie einen „Großen“ klingen.

Dank des kurz übersetzten ersten Gangs des manuellen Sechs-Gang-Getriebes, das sich zwar präzise schalten lässt, aber durchaus etwas knackiger sein dürfte, ist von einem Turboloch nichts zu spüren. Schnell ist die 2.000-Touren-Marke erreicht und der Abgasstrom treibt den Turbolader zur Höchstleistung an. Der DS3 prescht zügig nach vorne; so zügig, dass der Fahrer die Antriebskraft deutlich in der Lenkung des Fronttrieblers zu spüren kriegt und mitunter die Anti-Schlupf-Regelung die Vorderräder am Durchdrehen hintern muss.

Technische Daten
Marke und Modell Citroën DS3 Racing
Motor
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart) 1.598 / R4-Turbo
Leistung (kW (PS) / U/min) 152 (207) / 6.000
Drehmoment (Nm / U/min) 275 / 2.000 - 4.500
Antriebsart Frontantrieb
Getriebeart manuelles 6-Gang-Getriebe
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 3.948 / 1.715 / 1.443
Radstand (mm) 2.464
Wendekreis (m) 10,7
Leergewicht (kg) 1240
Kofferraum (Liter) 285 - 980
Bereifung Testwagen 215 / 40 R 18
Verbrauch
Krafstoffart Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km) 6,4
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 149 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) k. A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 6,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 235
Preise
ab (Euro) 29.990,00
Empfohlene Extras Navigationssystem (950 Euro), Dekoaufkleber (400 Euro)
VergrößernVerkleinern
## Deaktivierbarer Schleuderschutz
Erfreulich: Per Tastendruck lässt sich das ESP komplett ausschalten, was besonders dynamische Fahrer erfreuen dürfte. Und selbst bei deaktiviertem Schleuderschutz bleibt der zum Untersteuern neigende 1,2-Tonnen-Citroën gut beherrschbar und lässt sich geschmeidig und zielgenau um die Kurve manövrieren; wenngleich die elektrische Servolenkung um die Mittellage ruhig noch etwas mehr Rückmeldung geben dürfte.

Die um 20 Millimeter breitere Spur und die 15 Millimeter tieferliegende Karosserie sorgen für eine satte Straßenlage, die straffere Abstimmung von Federn und Dämpfer steigert die Agilität – letzteres leider zu Lasten des Komforts. Vor allem kurze Stöße bekommen die Passagiere deutlich zu spüren und über Schlaglöcher und Querfugen poltert die Hinterachse munter hinweg.

Starke Stopper

Wie erwähnt, reißt der DS3 Racing nach nur sechseinhalb Sekunden die 100-km/h-Marke und ist damit übrigens genauso schnell wie der John-Cooper-Works-Mini. Um der Kraft wieder Herr zu werden, spendierte Citroën an der Vorderachse eine Brembo-Bremse mit 323 Millimeter großen Scheiben, die den Wagen zwei Meter früher zum stehen bringen sollen, als die Standard-Stopper im DS3 THP 150. Und hat man sich erst einmal an das kräftige Zupacken gewöhnt, lässt sich die negativ Beschleunigung gut dosieren.

Trotz der üppigen Leistung genügt sich der Motor im europäischen Messzyklus mit 6,4 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Und selbst nach unserer flotten, serpentinenreichen Testfahrt über die knapp 1.000 Höhenmeter auf den Col de Vence zeigt der Bordcomputer mit 9,2 Litern einen respektablen Wert an. Wie sehr sich dass Aggregat allerdings bei hohem, deutschen Autobahntempo am Kraftstoff bedient, muss ein Test erst noch zeigen. Erfahrungsgemäß neigen die kleinen Turbomotoren dann ja zu überdurchschnittlich hohem Konsum.

Fazit

Knapp unter 30.000 Euro für den immerhin bis auf das Navigationssystem komplett ausgestatteten DS3 Racing sind gewiss eine Menge Geld. Als Gegenleistung gibt es dafür den derzeit sportlichsten Straßen-Citroën, der spürbar von der langjährigen Rallye-Erfahrung der verantwortlich zeichnenden, hauseigenen Motorsportabteilung profitiert: Die gesteigerte Leistung, das überarbeitete Fahrwerk und die verbesserte Bremsanlage machen ihn zum perfekten Sportler, der trotz allem noch voll alltagstauglich ist. Bleibt nur die Frage, ob sich das Renn-Zitrönchen auch in der Käufergunst gegen den rund 1.000 Euro günstigeren Super-Mini durchsetzen kann; ein weiterer Rallye-Erfolg von Sébastien Loeb in der nächsten Saison wäre sicher nicht von Nachteil.

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