Erster Test: Fiat Grande Punto – Große Hoffnungen

Die Zukunft von Fiat hängt von einem Modell ab: Dem neuen Grande Punto. Verkauft sich das Fahrzeug wie erhofft, kann die Marke den jüngst eingeschlagenen Gesundungsweg erfolgreich weiter gehen. Floppt der neue Punto, sieht es düster aus. Wir haben den großen Hoffnungsträger bereits gefahren.

Parallel zu den Erwartungen sind die Abmessungen des Fahrzeugs gewachsen: Mit nun über vier Metern Gesamtlänge ist er satte 19 Zentimeter länger als der Vorgänger. Damit kratzt der Kleinwagen an der nächst höheren Klasse, nennt sich zu Recht „Grande“ Punto. Entsprechend groß fällt der Innenraum aus: Kopffreiheit und auch die Beinfreiheit ist an allen Plätzen sehr gut, die Polster sind bequem. Lediglich die Oberschenkelauflage hinten ist nach wie vor zu kurz.

Zum Einkaufen - der Punto ist ein klassischer Zweitwagen - und auch für kleinere Transportaufgaben eignet er sich hervorragend: 275 bis maximal 1.020 Liter Kofferraumvolumen sind üppig für diese Klasse. Praktisch: Werden die Polster der Rückbank vor- und die Lehnen umgeklappt, entsteht eine nahezu ebene Ladefläche. Schade: Ein Plus an Variabilität in Form einer verschiebbaren Rückbank ist auch gegen Aufpreis nicht zu haben.

Große Emotionen

So viel zum Praktischen, wo der Grande Punto durchaus überzeugen kann. Nun zum emotionalen Teil: Verdammt, sieht der Wagen gut aus! Die Front erinnert an Maserati, die Flanke an den Alfa 147, und das Heck - na ja, das Heck irgendwie an den alten Ford Focus. Geschmäcker hin oder her - insgesamt gelang Designer-Ikone Giugiaro in Zusammenarbeit mit dem Centro Stile Fiat das wohl schönste Auto der Klasse.

Das Interieur hält, was das Exterieur verspricht. Klare Formen und das gewisse Etwas schaffen Wohlfühlatmosphäre. Zu den Besonderheiten gehören etwa das farblich auf die Sitze abgestimmte Armaturenbrett und die zweifarbigen Sitzbezüge selbst. Und ein weiteres Versprechen- diesmal seitens des Konzerns - hält der Grande Punto: Die im Innenraum verbauten Materialen sind von deutlich besserer Qualität als beim Vorgänger. Billige Optik war einmal.

Sechs bis acht Motoren

Mit zwei Benzin- und vier Dieselmotorisierungen startet der Grande Punto mit einer breiten Motorenpalette. Zwei 1,3-Liter-Multijet-Diesel (75 und 90 PS) und zwei 1,9-Liter-Multijet-Selbstzünder (120 und 130 PS) sorgen für Fahrspaß bei niedrigen Verbräuchen. Partikelfilter gibt es allerdings erst ab Anfang (1,9er) bzw. Mitte 2006 (1,3er). Rund 600 Euro Aufpreis wird Fiat dafür verlangen. Trotz anhaltendem Diesel-Hype rechnet Fiat mit deutlich mehr verkauften Benzin-Motoren. Das Basismodell 1.2 leistet 65 PS, der 1.4er 77 PS. Im Februar 2006 folgt ein 95-PS-Benziner, 2007 eine Turbo-Variante mit 200 (!) PS.

Für erste Testfahrten stand uns der 1,4-Liter-Benziner zur Verfügung. Und da stellte sich bald eine gewisse Ernüchterung ein. So sportlich wie der Grande Punto aussieht und es der stilisierte Rennfahrer im Schriftzug suggeriert, ist er beileibe nicht. Der weder besonders drehfreudige, noch übermäßig durchzugsstarke 77-PS-Motor bringt die 1,1 Tonnen Leergewicht nur zögerlich in Schwung. Immerhin erreicht er 165 km/h Spitze. Und der Durchschnittsverbrauch wird mit sparsamen 6,1 Litern Super angegeben. Trotzdem gilt: Wer gerne flott unterwegs ist, sollte zu den Dieselmotoren greifen. Wer dagegen ein Auto als gewöhnliches Fortbewegungsmittel betrachtet, dem reicht der 1.4 allemal.

Komfort vor Sport

Zumal beim Grande Punto insgesamt mehr Wert auf Komfort, denn auf Sportlichkeit gelegt wurde. Zurückhaltende Windgeräusche, ein gut gedämmter Motorraum und eine schluckfreudige Fahrwerksabstimmung sorgen für kommodes Fortkommen. Bei höheren Kurvengeschwindigkeiten neigt sich die Karosserie merklich zur Seite. Auch bieten die Sitze nur mäßigen Seitenhalt. Dem Grenzbereich nähert er sich deutlich untersteuernd.

In Sachen Sicherheit herrscht viel Licht und ein bisschen Schatten. Die vollen fünf Sterne im EuroNCAP und das bislang beste Punkteergebnis in dieser Klasse sprechen für sich, ebenso die zahlreichen serienmäßigen Airbags (inklusive Seitenairbags ab Ausstattungslinie Dynamic). Jedoch gibt es ESP nur gegen Aufpreis (€500; nur beim 120- und 130-PS-Diesel Serie); für die Basislinie Active ist das elektronische Stabilitätsprogramm gar nicht im Angebot.

Ohnehin sollte man den Grande Punto mindestens in der Linie Dynamic (ab €12.300) kaufen. Denn dem Basismodell (ab €10.990) fehlen empfehlenswerte Ausstattungsposten wie die asymmetrisch klappbare Rückbank oder die Klimaanlage. Mit fünf Türen (Aufpreis €650) und Radio kommt der von uns gefahrene 1.4 Dynamic auf rund 14.000 Euro, was angesichts der hier guten Serienausstattung durchaus gerechtfertigt ist.

Fazit

Der Fiat Grande Punto ist der große Hoffnungsträger der Marke. 30.000 Exemplare will Fiat pro vollem Verkaufsjahr in Deutschland absetzen - etwa halb so viel, wie der erste Punto in seinen besten Zeiten schaffte. Dass der Wagen gut ankommt, zeigen die Zahlen aus Italien: Mit 15.000 Bestellungen in der ersten Marktwoche wurden die Erwartungen übertroffen. Und auch die bereits 2.000 Vorab-Auftragseingänge in Deutschland bestätigen Fiat. Die neuen Qualitäten des groß gewordenen, kleinen Italieners - viel Platz, gute Verarbeitungsqualität und ein blendendes Aussehen - kommen eben an.

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