Erster Test: Jaguar XJD – Luxus leichtgemacht

Dass „Jaguar“ und „Diesel“ sehr wohl zusammen-passen, ist spätestens seit der Vorstellung des 2,7-Liter-V6 im S-Type geklärt. Nun endlich gönnen die Briten auch ihrem Flagschiff XJ ein Selbstzünderaggregat - eben jenen Leichtmetall-V6, der in der Kooperation mit dem PSA-Konzern entstand.

Doch kann der vergleichsweise kleine Motor auch in der Luxusklasse bestehen Auf den ersten Blick mag man sich verwundert die Augen reiben. In Zeiten, in denen die Konkurrenten nur so mit „Weltmeister“-Dieselmotoren um sich schmeißen - Audis neuer 4,2-Liter-V8 leistet 326 PS, Mercedes’ 420 CDI protzt mit 730 Newtonmetern Drehmoment - bekommt der große Jaguar gerade einmal ein „Motörchen“ unter die stilvolle Haube gepackt: 2,7 Liter Hubraum, 207 PS, 435 Newtonmeter Drehmoment.

Die Hintergründe sind vielschichtig. Einerseits musste Jaguar auf den Markt reagieren, denn in den vergangenen Jahren schrumpfte das Luxussegment kontinuierlich. Gleichzeitig stieg aber auch hier der Anteil der Diesel-Fahrzeuge. Andererseits kann Jaguar derzeit schlicht über keinen anderen Selbstzünder verfügen - weder Konzern-intern, noch über Kooperationen.

Nur Notlösung?

Ist der 2,7-Liter-V6 im XJ deshalb eine Notlösung? Beileibe nicht, denn betrachtet man die Konkurrenz näher, sind es auch dort die „kleinen“ Dieselaggregate, die das Kerngeschäft ausmachen. Zwar haben die deutschen Sechszylinder durch die Bank mehr PS, doch müssen sie auch bis zu 500 Kilogramm mehr Gewicht bewegen. Von knapp unter zwei Tonnen Leergewicht (BMW 730d) bis etwas darüber (VW Phaeton V6 TDI) reicht die Spanne. Der XJD kommt dagegen dank Aluminium-Karosserie und Leichtbauchassis auf lediglich 1.659 Kilogramm.

So reichen dem britischen Schlacks die 207 PS, um ordentliche Sprintwerte zu erzielen: 8,2 Sekunden vergehen bis Tempo 100, wenn man den Kickdown der beinahe ruckfrei arbeitenden ZF-Sechsgangautomatik bemüht. Nach oben hin geht dem XJD dann schon die Luft aus. Weder die 225 km/h Höchstgeschwindigkeit, noch die Zeit, bis sie erreicht ist, taugen zum Angeben. Für zügige Beschleunigung von Tempo 160 aufwärts braucht der V6 zudem Drehzahl.

Prinzipverheimlicher

Doch das macht nichts, schließlich liegen gerade hier die Stärken des Jaguar-Diesels. In Sachen Drehfreude und Laufruhe steckt dieser V6 so manchen Benziner in die Tasche. Ebenso bei der Akustik: Nur im Leerlauf bei geöffnetem Fenster ist er als Selbstzünder auszumachen. Noch unter Last ist vom Sixpack nur ein Flüstern zu vernehmen, beim konstanten Dahingleiten hört man rein gar nichts.

Serienmäßig wird der XJD mit Rußpartikelfilter ausgeliefert. Als Durchschnittsverbrauch gibt Jaguar 8,2 Liter Dieselöl pro 100 Kilometer an. Wir kamen bei unseren ersten Testfahrten auf gute 8,6 Liter, wobei wir angesichts des bekanntermaßen agilen Fahrverhaltens des XJ mehr auf Wert auf Fahrspaß denn auf Spritsparen legten.

Noch etwas feiner

Mit der Markteinführung des XJD im September erhalten übrigens alle XJ-Modelle ein filigranes Facelift. Wichtigste Neuerung hier sind dickere, laminierte Front- und Seitenscheiben, wodurch das Geräuschniveau weiter gesenkt wurde. Ebenfalls neu sind besser zu dosierende Bremsen. Die Designänderungen beschränken sich auf Details wie dem Verzicht auf die seitlichen Zierleisten.

Geändert wurde auch die Modellstruktur, einhergehend mit einer jeweils besseren Grundausstattung und neuen, zusätzlichen Sonderausstattungsposten wie beispielsweise Bluetooth-Kompatibilität. Die Basislinie „Classic“ wird nur noch für den XJD angeboten (€ 61.100). Alle weiteren Motorisierungen starten als „Exekutive“ (XJD ab € 62.450; gleicher Preis wie Basisbenziner XJ6 3 Liter) mit unter anderem superedlen „Soft-Grain“-Lederpolstern, Walnusswurzelholz und Sitzheizung an allen Plätzen.

Fazit

Großer Jaguar, kleiner Dieselmotor. Sogar diese Kombination ist kein Widerspruch. Da die Luxuslimousine konkurrenzlos leicht ist, bringt die vermeintlich geringe Leistung kaum Nachteile - dafür Vorteile wie den günstigen Verbrauch. Laufkultur und Leistungsentfaltung des 2,7-Liter-V6-Twin-Turbo-Diesel sind vorbildlich, werden dem Jaguar-Image voll gerecht: Der XJD ist eine exklusive, komfortable und agile Luxuslimousine.

Trotz guter Ausstattung ist der Grundpreis von 61.100 Euro nicht gerade günstig: Der VW Phaeton V6 TDi mit Allradantrieb ist nominell günstiger, ein Audi A8 3.0 TDi (ebenfalls mit Allradantrieb) oder der eben frisch gemachte und noch eine Spur agilere BMW 730d kaum teurer.

Halten Sie einen 2,7-Liter-V6 im XJ für ausreichend oder sollte Jaguar einen auch Diesel-V8 bringen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an

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