Grenzbereich: Euro Camp Jeep 2008 – Wilde Kerle

Mecklenburg-Vorpommern ist ein friedliches Land. Wo Dörfer Namen wie Woldzegarten, Sembzin und Panschenhagen tragen, ist die Welt noch in Ordnung. Vereinzelt sieht man Golfer in Karohosen oder Wassersportler mit blondierten Haaren, die zwischen Müritz und Plauer See ihren Hobbys frönen.

Doch die Idylle schien in Gefahr zu sein! Anfang Juli hielt hier das Euro Camp Jeep Einzug und mit ihm rund eineinhalbtausend enthusiastische Offroad-Fans.
Fast 1.600 Jeep-Enthusiasten aus 22 Ländern Europas fielen beim Euro Camp Jeep in der Region Fleesensee ein und mischten Land und Leute ordentlich auf. Die beschauliche Gegend mit über eintausend Seen kennt solche Menschenmassen sonst nur aus dem Fernsehen.

Kleinbürgertum

Zum ersten Mal in der Geschichte des Euro Camps gastierten die Jeep-Fans in Deutschland. Frühere Stationen waren unter anderem Italien, Frankreich und Kroatien, die gegenüber der nord-ostdeutschen Tiefebene einen gewaltigen Standort-Vorteil mitbringen: Dort gibt es keine Beschwerden, wenn mehrere Duzend Jeeps an mit Geranien und Thuja-Hecken garnierten Datschas vorbeiziehen.

Doch schließlich war es an der Zeit, nach acht Jahren musste das Euro Camp Jeep nach Deutschland. Und die Landräte und neu gegründeten Bürgerinitiativen rund um die Müritz werden gewiss dafür sorgen, dass es das letzte Mal war. Schließlich fühlte sich manch Alteingesessener an frühere Einmärsche erinnert.

Sie wollen nur spielen

Doch diese Invasion kam in friedlicher Absicht. Die Teilnehmer wollten nur Spaß haben mit ihren geliebten Jeeps. Dem Vergnügen ging allerdings ein deutsch-bürokratischer Anmeldevorgang voraus, bei dem Fahrzeug und Besatzung registriert, einem farblich gekennzeichneten Team nebst Untergruppe zugeordnet und mit allerhand Aufklebern und Winkelementen ausgerüstet wurden.

Schnell füllte sich der ordentlich nach Startnummern sortierte Parkplatz mit Jeeps jeden Alters - alle brav mit einem Fähnchen versehen, dass anders als bei Fußballturnieren nicht die Landes- sondern die Teamzugehörigkeit signalisierte. Manche hatten Glück und durften schickes Rot oder umweltfreundliches Grün tragen. Wir Journalisten bekamen für unseren schlammgrünen Wrangler Rubicon Lila…

Alles nach Plan

Ein ausgeklügelter Zeitplan diktierte für die kommenden drei Tage, wann welche Untergruppe welcher Farbe wo zu sein hat, um Aufgaben mit so gefährlichen Namen wie JeepTrek, JeepMap, JeepRaid oder JeepChallenge zu erfüllen. Worum es geht? Hauptsächlich um Spaß, und den hatten alle Teilnehmer reichlich.

Hinter JeepMap etwa verbirgt sich eine Schnitzeljagd: Auf einem etwa 500 mal 500 Meter großen Gelände sind 25 Punkte verteilt, die es innerhalb von fünfzehn Minuten zu finden gilt. Eine grobe Karte gibt einen ungefähren Überblick. Damit dem Beifahrer nicht langweilig wird, ist am Kühlergrill eine Stempelkarte befestigt und an jedem Zielpunkt hängt eine Lochzange mit individuellem Muster mit der der Sozius stempeln muss. Klarer Vorteil für ein Schweizer Teilnehmerpaar im Willys Jeep aus den vierziger Jahren: Ihr Fahrzeug hat keine Türen.

Querfeldein

Bei der JeepAcademy konnten die Teilnehmer auf einem abgesteckten Parcours ihre Offroad-Fähigkeiten testen - und hielten den Abschleppkran bei der Schlammdurchfahrt ordentlich auf Trab. Nicht wenige waren es, die ihr Können überschätzten und den Jeep festsetzten. Einige Teilnehmer erfuhren dabei auch, dass der Matsch ins Auto kommt, wenn man die Fenster nicht schließt. Und ein offenes Dach sorgt auch nicht unbedingt dafür, den Dreck außen zu halten.

Der JeepRaid diente mehr dem puren Offroad-Vergnügen. Auf sonst gesperrten Forstwegen ging es quer durch Mecklenburgs Wälder und über holprige, ehemalige LPG-Straßen. Und durch beschauliche Dörfchen, in denen sonst in einem Monat weniger Autos vorbeikommen, als während des Camps in zehn Minuten. Trotz Roadbook kam der ein oder andere im wilden Osten vom Weg - der ja eigentlich gar keiner war - ab. Doch wie von Zauberhand fanden die Gruppen immer wieder zusammen.

Rundum Versorgung

Crashs und Schrammen blieben bei den Aktionen nicht aus. Ein russischer Teilnehmer zerlegte gleich am ersten Tag seinen Grand Cherokee. Ganz zur Freude des örtlichen Jeep-Händlers. Kleinere Pannen wurden dagegen selbst behoben: Ersatzbolzen zum befestigen des Panhardstabs gibt’s schließlich auch im Baumarkt. Eine Truppe von Rettungssanitätern, stilecht mit Jeeps, kümmerte sich um die Wehwehchen der wilden Kerle.

Um den Motorfetischisten die Welt jenseits der Windschutzscheibe zu zeigen, wurde das Programm durch Spiele ganz ohne Fahrzeug aufgelockert. Was anderswo auf Betriebsausflügen für lange Gesichter sorgt, stieß bei den Jeep-Fahrern auf große Resonanz. Egal ob Drachenbootfahren, Hochseilgarten oder ein Quad-Ausflug durch Onkel Erichs Jagdrevier - die internationale Telnehmertruppe war begeistert. Und eine Gesprächsrunde mit Ingenieuren versorgte auch die hartgesottenen Technikfreaks mit ausreichen Informationen.

Ruhe nach dem Sturm

In Mecklenburg-Vorpommern ist jetzt wieder Ruhe eingekehrt. Die Teilnehmer haben ihr Päckchen geschnürt und machten sich zufrieden auf den Heimweg. Nach Holland, Frankreich, Polen, in die Schweiz und wo sie überall herkamen. Was bleibt, ist die Freude auf das nächste Jahr: dass das Euro Camp Jeep 2009 stattfindet, ist sicher. Dass es nicht in Deutschland sein wird, auch.

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