Erster Test: Kia Sportage Facelift – Erfolgsverwöhnt

Es müssen nicht immer technische Bestwerte und Innovationen sein, um ein Auto gut an den Mann zu bringen. Im Fall des im August 2010 neu eingeführten Kia Sportage reichten eine auf den ersten Blick ansprechende Optik, eine solide Technik und ein niedriger Preis, um einen Verkaufshit zu landen.

Wer derart vom Erfolg verwöhnt wird, kann es sich leisten, beim Facelift auf allzu große Auffrischungsmaßnahmen zu verzichten. Das muss man dem Design-Verantwortlichen Peter Schreyer lassen: Mit dem Sportage hat der deutsche Autozeichner auf ein Neues eine glückliche Hand bewiesen und fällt der kompakte Allradler trotz seiner bereits über drei Jahre dauernden, steilen Karriere mit einer unvermindert frisch wirkenden Aura weiterhin auf. Andere Autos sehen schon nach kurzer Zeit alt aus, der Sportage verblüffender Weise nicht. Wohl deshalb hat man sich mit Änderungen zurückgehalten und lediglich mit kleinen optischen Maßnahmen die Modellpflege vollzogen.

Selbst Premium-Marken wie Mercedes oder BMW ändern bei einem Facelift zumindest an der Schürzen-Optik vorne und hinten einige Details. Doch beim Kia Sportage bleibt sogar dieser Weichteilebereich unangetastet. Lediglich ein neuer Kühlergrill und eine neue LED-Lichtgrafik bei den Rückleuchten hat man dem Modelljahr 2014 gegönnt. Die Blechteile blieben ohnehin unverändert. Allein neue Felgendesigns, neue Außenfarben und eine Haifischflossen-Antenne runden das Optik-Update ab.

Kleine Aufwertung innen

Im Innenraum hat sich etwas mehr getan, denn hier sorgt unter anderem eine neue Softtouch-Oberfläche über dem Armaturenbrett und im oberen Bereich der Türverkleidungen zusammen mit einer neue Ambiente-Beleuchtung für mehr Behaglichkeit. Im Kombiinstrument gibt es zudem ausstattungsabhängig ab sofort ein feines TFT-Farbdisplay, welches die Bordcomputer-Informationen noch hübscher animiert kredenzt. Trotz dieser leichten Aufwertung zeichnet sich das Interieur durch eine betont sachliche Atmosphäre aus, die bisweilen ernüchternd konventionell wirkt. Auch bei den Materialien und bei der Verarbeitung könnte der Sportage ruhig etwas mehr Pfiff vertragen.

Und auch bei der Kopffreiheit hätte der fast viereinhalb Meter lange SUV zulegen dürfen, doch wie bisher kommt man als durchschnittlich groß Gewachsener trotz der eigentlich recht hoch bauenden Karosserie dem Dachhimmel bereits verdächtig nahe. Auf das an sich schicke Glas-Panorama-Schiebedach sollte man deshalb verzichten, denn dieses lässt den Dachhimmel rund zwei Zentimeter tiefer hängen. Ansonsten kann man aber beim Platzangebot nicht meckern: Hinten ist die Kniefreiheit üppig und der Gepäckraum kann zwischen 465 bis 1.353 Liter variieren.

Starker Diesel

Unverändert stark bleibt auch das von uns gefahrene Topmodell 2.0 CRDI mit 184 PS in Kombination mit einer sehr sanft und mit hohen Wandlerschlupf die Gänge wechselnden Sechs-Stufen-Automatik und Allradantrieb. Kultiviert setzt der mit fast 400 Newtonmeter drehmomentstarke Vierzylinder den 1,7-Tonner angenehm flott in Bewegung. Da kommen zwar keine sportlichen Fahrfreuden auf, doch hat man antriebsseitig das Gefühl von längsdynamischer Souveränität und gediegenem Komfort. Zumindest gefühlt, bei den Fahrwerten ist allerdings mit 9,8 Sekunden für den Sprint und 195 km/h Höchstgeschwindigkeit eher Mittelmaß angesagt. Zum Vergleich: Ein VW Tiguan mit 177-PS-Diesel, Allrad und DSG sprintet in 8,5 Sekunden und wird bis zu 200 km/h schnell.

Und auch beim Verbrauch kann der Sportage mit der Konkurrenz nicht wirklich mithalten, denn dieser soll laut Normwert bei knapp über sieben Litern liegen, bewegte sich bei noch recht geruhsamer Fahrt weitestgehend über sizilianischen Autobahnen praktisch allerdings jenseits von zehn Litern. Hier ist der Tiguan deutlich zurückhaltender. Ebenfalls verbesserungswürdig ist die Einstufung des Sportage nach der Euro-5-Abgasnorm, was allerdings auch bei starken Mitbewerbern wie dem besagten Tiguan nicht besser ist.

Fein genug fürs Grobe

Obwohl der Sportage sich uns in der stärksten und luxuriösesten Variante präsentierte, hatten wir mit ihm keineswegs das ultimative Komforterlebnis. Ein wichtiger Baustein hierfür wäre nämlich das Fahrwerk, welches zwar im Vergleich zum Vorfacelift-Sportage etwas feinfühliger geworden sein soll, sich aber weiterhin durch eine bisweilen lästige Straffheit auszeichnete. Zumindest auf dem welligen Untergrund besagter Fernwege auf Sizilien war eine permanente Unruhe zu spüren, eine dauerhafte Neigung zum Stuckern, was unter anderem auch den 18-Zoll-Rädern geschuldet sein dürfte. Insofern sollte man besser auf 16-Zöller setzen. Grobe Unebenheiten verdaute der Unterbau des Sportage übrigens überraschender Weise recht geschmeidig und regelrecht angenehm fühlte sich der Koreaner auf einer kurzen Schotterpiste an, auf der er unmissverständlich andeute, sogar Offroad-Qualitäten bieten zu können.

Angesichts dessen ist es um so verblüffender, dass der Sportage sich sogar einigermaßen schnell und zielgenau durch Asphaltkurven manövrieren lässt. Nachteilig sind dabei allerdings der mäßige Seitenhalt der Sitze und die mäßige Übersicht für den Fahrer nach vorne und hinten. Ansonsten verhält sich der geliftete Sportage wie ein gutmütiger Untersteuerer, den ohnehin das ESP sicher auf Kurs hält.

Technische Daten
Marke und Modell Kia Sportage
Version / Ausstattung 2.0 CRDI 184 AWD Automatik
Motor
Hubraum (ccm) / Bauart 1.995 / R4-Turbodiesel
Leistung (kW / PS) 135 / 184
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 392 / 1.800 - 2.500
Antriebsart elektronisch geregelter Allradantrieb
Getriebeart Sechs-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.440 / 1.855 / 1.645
Radstand (mm) 2.640
Wendekreis (m) 11
Leergewicht (kg) 1.676 - 1.787
Kofferraum (Liter) 564 - 1.353
Bereifung Testwagen 18-Zoll-Räder
Verbrauch
Krafstoffart Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 7,2
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 189 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) k.A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 9,8
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 195
Preise
ab (Euro) 34.030,00
Empfohlene Extras Panoramadach (900 Euro), sofern man kein Sitzriese ist
VergrößernVerkleinern
## Der Preis ist unvermindert heiß
Auf Kurs bleiben dürfte der Sportage auch in Hinblick auf die Absatzzahlen, was vor allem auch auf zwei Tatsachen fußen dürfte: der attraktive Preis und die Sieben-Jahres-Garantie. Bereits für 20.290 Euro kann man das Rund-um-sorglos-Paket Kia Sportage erwerben. Dafür gibt es dann den 135 PS starken Benziner 1.6 GDI mit einer bereits beachtlichen Basisausstattung. So sind bereits eine vorbildliche Sicherheitsausstattung, 16-Zoll-Alus, vier Einstiegstüren mit elektrischen Fensterhebern, eine Klimaanlage, ein CD-Radio, elektrische und beheizbare Außenspiegel sowie eine Zentralverriegelung an Bord. Für einen etwa vergleichbaren VW Golf müsste man schon über 1.000 Euro mehr investieren, für einen vergleichbaren VW Tiguan sogar 5.000 Euro mehr.

Wer sich zudem die ganze Pracht der Sportage-Ausstattungswelt gönnt, kommt finanziell im Vergleich zum VW Tiguan noch besser weg. Der von uns getestete Top-Diesel mit Allrad und Automatik kostet mit der sehr umfangreichen Serienausstattung Spirit gut 34.000 Euro. Für einen ähnlich ausgestatteten Wolfsburger Mitbewerber müsste man dann mindestens 40.000 Euro hinblättern. Optisch fällt das Facelift des Kia Sportage erst auf dem dritten Blick ins Auge. Nur selten ist eine Überarbeitung in der Modellzyklusmitte derart zurückhaltend ausgefallen. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der bald vier Jahre alte Sportage weiterhin gut ankommt.

Neben der optischen ist auch die technische Auffrischung von eher marginaler Natur. Weiterhin setzt Kia auf solide Technik und einen befriedigenden Standard ohne besondere Innovationen, technische Spitzenwerte oder verfeinerte Premium-Anmutung anzubieten. Am Ende ist es der Preis, mit dem Kia zusammen mit einer Sieben-Jahres-Garantie die meiste Überzeugungsarbeit leistet. Und mit dieser Positionierung dürfte Kia Deutschland auch weiterhin vom Erfolg verwöhnt werden.

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