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Fahrbericht: Kia Niro PHEV - sparsamer Alltags-Stromer

Kia bietet den Niro mit gleich drei fortschrittlichen Antrieben an: als Hybrid, Plug-in oder E-Mobil. Wir haben den Steckdosen-Hybrid im Alltag getestet.

Langsam aber sicher mausern sich die koreanischen Schwestermarken Kia und Hyundai immer mehr zu Vorreitern bei der Elektromobilität: Nicht nur, dass Hyundai mit dem Nexo als einer der ersten ein Wasserstoffauto im Angebot hat. Auch bei den batterielektrischen Fahrzeugen und Hybriden legen die Asiaten ein starkes Tempo vor. Den Kia Niro beispielsweise gibt es als herkömmlichen Hybrid, als E-Mobil (das wir kürzlich für Sie getestet haben) und als Plug-in. Wir waren mit dem Steckdosen-Stromer unterwegs.

Kia Niro Plug-in Hybrid MJ 2018 08

Wie sieht er aus?

Egal ob Hybrid, E-Modell oder Plug-in (PHEV): Alle drei Niro-Varianten sehen, abgesehen von kleinen Farbakzenten oder dem etwas unpraktische vorne links montierten Ladeanschluss, gleich aus. Und zwar ziemlich konventionell: Während die einen meinen, ein Öko-Auto müsse durch sein extravagantes Äußeres – wie zum Beispiel der Toyota Prius oder ein BMW i3 – auffallen, vertreten die Koreaner eine andere Philosophie. Grün ist Standard, vermittelt der 4,35 Meter lange Niro, und reiht sich nahtlos in den Reigen zahlreicher Kompakt-SUV ein. Natürlich darf auch das Kia-typische Stil-Element nicht fehlen, der Tiger-Nose-Grill. Der betont ebenso wie die etwas klobigen Rückleuchten die Breite des Niro und verleiht dem Hochbeiner einen festen Stand.

Kia Niro Plug-in Hybrid MJ 2018 11

Wie ist er innen?

Müsste man sich in seinem Urteil kurzfassen, gäbe es schon lange nur noch eine Bewertung für die Interieurs von Kia: Nichts zu meckern. Das gilt auch für den Niro: Die Ergonomie ist gut, das Platzangebot ausreichend, die Rund-um-Sicht einwandfrei und alle Schalter und Tasten sind da, wo man sie vermutet. Wirkliche Schwachstellen sucht man vergebens, es sei denn, man steht auf filigranes Design, buntes Dekor oder außergewöhnliche Lösungen. Kia setzt auf bewährtes: Keine hellen Farben, keine Sensor-Tasten, kein offenporiges Holz. Das sind allerdings auch keine Must-Haves, und wohlfühlen kann man sich im Niro auch ohne derartiges Chichi. Immerhin: Das Armaturenbrett bespannt Kia mit einem Zuckerrohrfaser-verstärkten Bio-Stoff!

Kia-Niro-PHEV-interior-view

Einen Nachteil hat der PHEV allerdings gegenüber dem Hybrid ohne Lademöglichkeit: Der größere Akku macht sich im Kofferraum breit, der auf 324 Liter schrumpft. Klappt man die Rückbank um, gehen 1.322 Liter rein – jeweils einhundert weniger als in den Standard-Niro.

Was steckt unterm Blech?

Im Niro PHEV arbeiten die beiden gleichen Motoren zusammen, wie auch im „normalen“ Hybrid: ein 105 PS starker 1,6-Liter-Saugbenziner und ein permanent-erregter Synchron-Elektro-Motor. Zusammen entwickeln sie 141 PS Systemleistung und das Drehmoment – 147 Newtonmeter vom Otto, 170 vom E-Motor – summiert sich zu maximal 265 Newtonmeter, die zwischen 1000 und 2400 Umdrehungen komplett anliegen; vom Stand weg allerdings steht wie üblich die volle Kraft des Elektromotors bereit. Komplettiert wird der Plug-in-Antrieb von der Batterie, die 8,9 Kilowattstunden Energie speichert. Zum Vergleich: Der Standard-Hybrid hat nur einen 1,56-kWh-Akku, das E-Mobil dagegen greift auf 39 beziehungsweise 64 kWh zurück.

Kia Niro Plug-in Hybrid MJ 2018 28

Wie fährt er?

Obwohl der Elektromotor mit seiner Kraft ordentlich von unten heraus anschiebt, ist der Niro PHEV keiner, mit dem man beim Ampelstart einen ersten Platz holt. So richtig in den Sitz wird man selbst beim Kick-Down nicht gedrückt, wenn beide Motoren zusammenarbeiten, und es vergehen relativ lange 10,8 Sekunden bis der Tacho Landstraßentempo anzeigt. Allerdings will der Kia auch kein Sportler sein, sondern ein Sparer, und so kommt es nur gelegen, dass er den Fahrer auch mit seiner etwas unverbindlichen Fahrwerks- und Lenkabstimmung eher zu einer gemütlichen Gangart animiert. Immerhin: Wer das Doppelkupplungsgetriebe auf Sport stellt, bekommt gleichzeitig eine etwas straffere Lenkung und eine verschärfte Gaspedalkennlinie serviert.

Kia Niro Plug-in Hybrid MJ 2018 13

Allerdings motiviert auch der Benziner selbst dazu, eher sparsam unterwegs zu sein, denn: Wenn sich der Otto am Vortrieb beteiligt, wird er relativ laut. Schon der Ruhe wegen haben wir also versucht, möglichst weit nur mit Strom zu fahren und den Hybrid-Modus, bei dem die Elektronik das Zusammenspiel beider Aggregate regelt, zu vermeiden. Laut Kia kommt der PHEV-Niro 58 Kilometer weit, was wir bestätigen können. Wer sich ganz arg anstrengt, schafft vielleicht sogar 60 Kilometer, manchmal schreit der Akku auch schon nach 50 Kilometern nach Strom – in Summe aber reicht die Energie für die meisten alltäglichen Fahrten locker aus, ohne dass man zum Schleicher und Verkehrshindernis werden muss.

Kia Niro Plug-in Hybrid MJ 2018 08

Ist der Akku leer, springt der Benziner automatisch an. Das tut er allerdings auch hin und wieder, wenn das grüne Auto-Symbol im Kombiinstrument bescheinigt, dass der Niro noch im Elektro-Modus unterwegs ist. Dann versucht der Verbrenner entweder als Range Extender die Batterie ein bisschen aufzufüllen, oder er heizt den Innenraum. Das Aufladen des Akkus an der Steckdose dauert mit einem 32-Ampere-Anschluss rund 2 Stunden und 15 Minuten, an der normalen Haushaltssteckdose gut anderthalb Stunden länger. Das ist kurz genug, um beim Ausflug in die City oder beim ausgedehnten Wochenendeinkauf ordentlich nachzuladen – vorausgesetzt, es sind Ladesäulen vorhanden. Doch auch wer nur Abend für Abend zuhause Stromlinge tankt, dürfte das Gros seiner Wege rein elektrisch zurücklegen können. Nur wenig Sparpotential hat der Niro PHEV dagegen auf der Langstrecke: Weniger als sieben Liter Durchschnittsverbrauch sind kaum zu schaffen.

Was fällt sonst noch auf?

Um den Spar-Ehrgeiz beim Fahrer zu wecken, kann man auf dem sieben Zoll großen Touchscreen in der Mittelkonsole einen digitalen Baum züchten, der bei umweltfreundlicher Fahrt grünt. Außerdem rechnet der Niro dem Fahrer vor, wie oft er ökologisch, normal oder dynamisch unterwegs ist. Und: Ist die Navigation aktiviert, gibt der Kia weiterr Spritspar-Tipps. Vor Abzweigungen fordert er per Hinweis dazu auf, den Fuß vom Fahrpedal zu nehmen und auszurollen. Dabei wird dann auch gleich noch Strom in die Batterie zurück gespeist.

Kia Niro Plug-in Hybrid MJ 2018 15

Was kostet er?

Ab 32.550 Euro ist der Kia Niro PHEV zu haben, wer zur mittleren Vision-Ausstattung greift, muss 35.550 Euro investieren: Dann sind aber neben Teil-Ledersitzen, einer Rückfahrkamera und Parksensoren auch schon der Spurhalteassistent, eine Notbremsfunktion und der Abstands-Tempomat an Bord. Eine sinnvolle Investition ist das Technik-Paket, dass für 690 Euro nicht nur den Querverkehr-Warner, sondern auch eine induktive Handy-Ladeschale in der Mittelkonsole ins Auto holt.

Kia Niro Plug-in Hybrid MJ 2018 09

Fazit

Ein sparsamer Alltags-Allrounder ist der Kia Niro PHEV auf jeden Fall. Er ist geräumig und trotzdem noch Großstadt-Parkplatztauglich zugleich, und wenn er regelmäßig an die Steckdose kommt, verbraucht er kaum Benzin: Mit gut 50 Kilometern Reichweite lassen sich die meisten Wege zurücklegen. Dass er nicht ganz ohne Erdöl auskommt, liegt daran, dass der recht laute Benziner öfter mal als Range Extender einspringt oder den Innenraum aufheizt. Auf der Langstrecke übernimmt der Otto dagegen die meiste Arbeit, und dementsprechend steigt auch der Verbrauch. Dementsprechend empfiehlt sich der Kia Niro PHEV vor allem Stadtrand-Bewohner mit eigener Lademöglichkeit, die häufig in die City pendeln, aber nur selten weite Strecken zurücklegen.
(Autor: Michael Gebhardt)

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