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Erster Test: Emotion statt Rücksicht

Noch ein Ceed-Kombi? Nach dem praktischen SW schicken die Koreaner jetzt noch den ProCeed ins Rennen. Der aber punktet als Shooting Brake mit dem deutlich schnittigeren Design und mehr Fahrdynamik.

Kia ProCeed GT MJ19 027

Der Kia Ceed mausert sich: Mit der Neuauflage wurde der verwirrende Apostroph im Namen endlich gestrichen, stattdessen setzen die Koreaner nun lieber ein optisches Ausrufezeichen nach dem anderen – neuerdings in Gestalt des ProCeed, den wir auf Einladung des Herstellers für Sie getestet haben. Vom einstigen Dreitürer hat sich der ProCeed inzwischen zum Shooting Brake gemausert, der deutlich emotionaler Auftritt als der klassische Kombi Ceed SW: Sportlicher Attribute, ein unverwechselbares Heckdesign und der akustisch leicht aggressive Auftritt bringen frischen Schwung in die Cees-Familie.

Kia ProCeed GT MJ19 030

Um den Nachwuchs auf die Rolle als sportlicher Charakter-Darsteller vorzubereiten, wurde die vorne und im Innenraum weitgehend unveränderte Ceed-Karosserie etliche Millimeter tiefer gelegt und um rund 30 Zentimeter auf knapp 4,61 Meter gestreckt. Das zum Heck hin stark abfallende Kabinendach sorgt außerdem für den nötigen, optischen Unterschied zum Kombi SW. Damit schufen die Designer eine coupé-artige Seitenlinie, die auf- und gefällt: Das Pro, das Kia diesem Ceed mit auf den Weg gegeben hat, macht den Koreaner zu einem würdigen Gegenspieler des auch zukünftig wieder als Shooting Brake erhältlichen CLA von Mercedes.

Kia ProCeed GT MJ19 073

Allerdings: Die praktischen Aspekte, die die als „Shooting Brake“ vermarkteten Fahrzeuge ursprünglich auszeichneten, sind inzwischen – nicht nur bei Kia – dem schnittigen Design zum Opfer gefallen. Anfangs war dieser Begriff nämlich auf Coupés mit Steilheck gemünzt, die, bei aller Eleganz im Auftritt, eher einem Kombi als einer Limousine ähnelten und vor allem als Nutzfahrzeuge für die Jagd gedacht waren.

Hinten wird’s eng

Der ProCeed präsentiert sich dagegen hinten derart stark abgeflacht, dass hochgewachsene Rückbänkler den Kopf einziehen müssen und der Blick in den Rückspiegel so gut wie nichts von dem verrät, was die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer so treiben. Damit hat auch Kia das Heckfenster zum Sehschlitz degradiert – ein Trend, dem viele Modelle und Marken folgen, und dennoch kein Grund, diese Entwicklung gut zu finden.

Kia ProCeed GT MJ19 094

Solange der ProCeed sich vorwärts bewegt, lässt sich das Umfeld zwar noch einigermaßen zuverlässig per Außenspiegel beobachten, doch den Wagen ohne Heckkamera einzuparken, ist schier ein Ding der Unmöglichkeit. Immerhin: Das hilfreiche Kameraauge am Heck muss der Kunde nicht extra ordern, und unter der großen Klappe mit geringem Durchblick verbirgt sich ein riesiger, 594 Liter fassender Kofferraum. Wird die im Verhältnis 40:20:40 geteilte Rücksitzbank umgeklappt, erhöht sich die Laderaumkapazität auf ebenso beeindruckende 1.545 Liter.

Kia ProCeed GT MJ19 002

Top-Modell parkt selber ein

Wer beim Einparken das Kurbeln am Lenkrad scheut und mindestens 31.190 Euro in einen ProCeed GT (statt 27.690 Euro in den als Basis-Modell dienenden ProCeed GT Line) investiert, sichert sich – neben etlichen anderen Annehmlichkeiten – die Dienste eines Parkassistenten, der das Parallel- und Quereinparken sowie das Parallelausparken beherrscht. Zu erkennen geben sich die GT-Fahrzeuge durch rote Zierleisten an Frontschürze und Seitenschwellern, rotlackierten Bremssätteln hinter 18-Zoll-Leichtmetallfelgen und rot abgesteppten Sportsitzen mit Glatt-/Veloursleder-Bezügen. Angetrieben wird das Top-Modell grundsätzlich von einem 1,6-Liter-Turbobenziner, der 204 PS und maximal 265 Newtonmeter bereitstellt.

Kia ProCeed GT MJ19 020

Die preiswertere GT Line wartet mit Sitzbezügen in grau-schwarzem Bi-Color-Design auf, bei denen Stoff mit einer Ledernachbildung zusammengespannt wird. Zur Serienausstattung gehören außerdem 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, eine Heerschar von Assistenzsystemen und ein sieben Zoll großer Multifunktions-Bildschirm auf dem Instrumententräger.

Benziner und Diesel für die Einstiegs-Version

Ein Acht-Zoll-Display gibt es – zusammen mit anderen in der GT-Variante serienmäßigen Ausstattungskomponenten wie Einparkassistent, elektrischer Heckklappe, Parksensoren an der Frontpartie, beheizten Waschwasserdüsen und Stauassistent – gegen Aufpreis. Auch weitere Extras wie Verkehrszeichenerkennung, Kia-Kartennavigation inklusive Sieben-Jahre-Update und ein JBL-Soundsystem sind zu haben.

Kia ProCeed GT MJ19 102

Mobilisiert werden die Einstiegs-GT-Line-Versionen entweder von einem 140 PS und 242 Newtonmeter erzeugenden 1,4-Liter-Turbobenziner oder einem 1,6-Liter-Turbodiesel, der 136 PS und 280 beziehungsweise 320 Newtonmeter Drehmoment zu bieten hat; je nachdem, ob das Sechsgang-Schalt- oder Siebenstufen-Doppelkupplungsgetriebe verbaut ist. Auch die Benziner sind wahlweise mit Hand- und automatisierter Schaltung zu bekommen. Sie schlägt auf der Rechnung jeweils mit 2.000 Euro zu Buche.

Auch auf der Straße sportlich

Egal für welche Motorvariante man sich entscheidet: Alle ProCeed-Modelle unterscheiden sich durch eine straffere Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung von ihren Geschwistern. Schließlich soll der Koreaner auf der Straße halten, was der sportliche Auftritt schon im Stand verspricht. Dementsprechend agil bewegt sich der Coupé-Kombi ums Eck und folgt wunderbar artig der vorgegebenen Linie. Tempo 100 erreicht das Top-Modell nach 7,5 Sekunden, maximal sind rund 230 km/h machbar - der passende Sound dazu wird im Sportmodus allerdings künstlich erzeugt.

Kia ProCeed GT MJ19 005

Unsere Empfehlung: Greifen: Sie auf jeden Fall zur Automatik. Zwar flutscht der Schalthebel der manuellen Box locker durch die Gassen, allerdings zieht der ProCeed im ersten Gang nicht so flott an, wie man sich das wünscht. Die höchsten Gänge dagegen sind etwas zu kurz übersetzt, und selbst im Sechsten kommt auf der Autobahn der Wunsch auf, nochmal einen weiter zu schalten. Der Doppelkuppler dagegen arbeitet wunderbar geschmeidig und findet immer die richtige Übersetzung.

Kia ProCeed GT MJ19 086

Fazit

Im Grunde bräuchte Kia nur einen einzigen Ceed anzubieten: Wer die Wahl zwischen Fünftürer und Kombi hat, sollte eigentlich immer zum SW-Modell greifen, das einfach um ein Vielfaches praktischer ist. Die Entscheidung zwischen Kombi und Shooting Brake, fällt wiederum genau so leicht: Der ProCeed sieht deutlich schnittiger aus und hat den höheren Hingucker-Faktor. Der Preisaufschlag von 5.600 Euro gegenüber dem normalen Ceed und immerhin 4.600 gegenüber dem Kombi SW dürfte ihm allerdings auch langfristig sein Alleinstellungsmerkmal sichern. Schade: Während die eher biedere Schwester Hyundai den i30 als N-Modell mit 275 PS ins Rennen schicken darf, ist bei Kia mit dem GT-Motor Schluss. Dabei würde vor allem der ProCeed auch noch ein paar Pferdestärken mehr problemlos vertragen. (Autor: Michael Gebhardt)

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