Erster Test: Kia Sorento – Schicker Softie

Das 2002 eingeführte Offroad-Modell Sorento war in Deutschland ein Erfolg. Kia-typisch bot er viel Auto fürs Geld und konnte sich zudem als geländetaugliche Zugmaschine profilieren.

Und trotz seiner respektablen Karriere haben die Kia-Ingenieure die im November 2009 startende Neuauflage vollkommen umgekrempelt. Der neue Sorento macht fast alles besser, aber eben nur fast.
Bereits die Optik offenbart den radikalen Bruch mit der Vergangenheit, denn Gemeinsamkeiten zum ersten Sorento finden sich keine. Vom kernigen, eher grobschlächtigen Macho-Blech des robust auftretenden Vorgängers hat sich die zweite Generation in wohltuender Weise verabschiedet.

Stattdessen kommt der um neun Zentimeter auf knapp 4,70 Meter Länge gewachsene Nachfolger im schlankeren und eleganteren SUV-Kleidchen daher. Mit seinem freundlich-dynamischen Gesicht, modernen Leuchten (vorne Xenon, hinten LED), eckigen Radhäusern und der von vorn nach hinten aufsteigenden Schulterlinie rollt er in zeitgemäßer Optik vor. Zwar ansehnlich und mit eigenem Charakter, fehlt dem neuen Sorento zum Halsverdreher allerdings noch das gewisse Etwas.

Rückfahrkamerabild im Spiegel

Ebenfalls auf Höhe der Zeit ist der Innenraum. Das moderne, aufgeräumte Styling ist so funktional wie wohnlich. Softoberflächen, Applikationen in Metall- und Holzoptik, diverse Ablagen sowie ein USB-Port für den MP3-Player gehören auch bei Kia zum guten Ton. Ausgesprochen nobel geht es zwar nicht zu, dafür sorgte das Video-Bild der Rückfahrkamera im linken Bereich des Innenspiegels für eine kleine Hightech-Überraschung. Ein eigentlich obligatorisches Highend-Navi gab es bei unserer Ausfahrt allerdings noch nicht. Dieses soll erst ein halbes Jahr nach dem Marktstart verfügbar sein.

Das Platzangebot im Sorento beeindruckt mit SUV-typischer Üppigkeit, allerdings fällt der Stauraum kleiner als beim Vorgänger aus. Der immerhin 531 Liter große Kofferraum lässt sich dank geteilt umklappbarer Rückbanklehne auf dennoch üppige 1,6 Kubikmeter erweitern. Das mit der Ladekante ebene Gepäckabteil bietet zusätzlichen Stauraum unterm aufklappbaren Kofferraumboden. Alternativ und gegen Aufpreis kann sich dort eine dritte, hochklappbare Sitzreihe mit zwei Notsitzen befinden. Im Vergleich zu diesem Optional-Gestühl bieten die vorderen fünf Passagiere ein sehr großzügiges Platzangebot mit bequemen Sitzen und ausreichender Seitenführung.

Pkw statt Landmaschine

Auch technisch ist der Sorento mehr SUV denn Offroader. Statt der bisherigen Leiterrahmen-Konstruktion gibt es einen selbsttragenden Unterbau, der seinerseits für gut 150 Kilo weniger Gewicht sorgt. Die hintere Starrachse wich zudem einer Einzelradaufhängung. Für den groben Geländeeinsatz empfiehlt sich der neue Sorento von daher weniger. Und für Landwirte und Pferdebesitzer verliert er zudem noch ob seiner verringerten Anhängelast an Attraktivität: Statt wie bisher 3,5 darf der Neue nur noch maximal 2,5 Tonnen ziehen.

Dafür fährt man mit der zweiten Sorento-Generation auf Asphalt und in Kurven fast so komfortabel und behände wie mit einem Pkw. Flottes Dahingleiten auf der Autobahn oder zügige Kurvenfahrten meistert das Dickschiff mit gelassener Selbstverständlichkeit und angenehmer Leichtfüßigkeit. Als herausragendes Querdynamik-Talent im SUV-Segment will er sich allerdings nicht empfehlen. Hier ziehen die Mitbewerber von BMW und Audi weiterhin einsam ihre schnellen Kreise.

Schneller und sparsamer

Die besonders bullige Zugmaschine mit 3,3-Liter-V6-Benziner wurde komplett aus dem Sorento-Programm genommen. Dafür wuchs die Leistung des Euro-5-konformen 2,4-Liter-Vierzylinder-Benziners von 139 auf 174 PS. Damit dauert in Kombination mit dem Sechs-Gang-Handschaltgetriebe die Beschleunigung von null auf 100 km/h gut elf Sekunden und sind 190 Spitze angesagt. Der Otto ist ein bemerkenswert leiser Komfortmotor, der allerdings mit fast neun Litern Normverbrauch ganz sicher kein Effizienz-Pokal gewinnen dürfte.

Diesem Ziel schon deutlich näher kommt der neue, ebenfalls Euro-5-konforme 2,2-Liter-Diesel mit satten 197 PS und 421 Newtonmeter Drehmoment. Er ersetzt das bisherige 2,5-Liter-Aggregat mit 170 PS. Der Standardsprint verkürzt sich dank üppiger Turbo-Power um satte drei auf knapp über neun Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit von 180 auf 190 km/h wuchs. Am sparsamsten ist der Diesel-Sorento mit Frontantrieb in Kombination mit Sechs-Gang-Schaltgetriebe (6,5 Liter). Den höchsten Dieselverbrauch erreicht man mit Allradantrieb und der Sechs-Gang-Automatik (7,4 Liter). Dafür gibt es mit letzterem Getriebe ein sowohl sanft als auch ausreichend schnell schaltendes Komfort-Getriebe, um eine sowohl flotte als auch gelassene Gangart des Diesel-Sorentos zu unterstützen.

Technische Daten
Marke und Modell Kia Sorento 2.4 CVVT Kia Sorento 2.2 CRDi
Ausstattungsvariante Attract 2WD, 5-Sitzer Spirit 4WD, 7-Sitzer
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.685/ 1.885 / 1.755 4.685/ 1.885 / 1.755
Radstand (mm) 2.700 2.700
Wendekreis (m) 10,9 10,9
Leergewicht (kg) 1.710 1.920 - 2.008
Kofferraum (Liter) 531 - 1.582 111 - 1.546
Bereifung Testwagen 235/65 R17 235/65 R18
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 2.349 / 4, Reihe 2.199/ 4, Reihe
Leistung (PS) 174 197
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 225 / 3.750 436 / 1.800 - 2.500
Antriebsart Frontantrieb permanenter Allradantrieb
Getriebeart manuelles 6-Gang-Getriebe 6-Gang-Automatik
Verbrauch
Krafstoffart Benzin Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 8,5 7,4
CO2-Emissionen (g/km) 203 194
AS24-Verbrauch (l/100km) k.A. k.A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 10,5 10
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k.A. k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k.A. k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 190 190
Preise
ab (Euro) 28.505 38.785
Empfohlene Extras Komfort-Paket mit Einparksensoren und Leder für Lenkrad und Schaltknauf für 320 Euro Rückfahrkamera für 350 Euro
VergrößernVerkleinern
## Reichlich Ausstattung, günstiger Preis
Die Automatik gibt es übrigens allein in Zwangskombination mit dem Allradantrieb und dann ab der höheren Ausstattung Vision. Zusammen mit dem Komfortgetriebe werden rund 36.000 Euro für den Sorento fällig, 7.500 Euro mehr als für die 2WD-Basisversion mit Benziner. Mit der Ausstattung Vision ist die Liste der Extras und Komfortdetails dafür sehr lang. Wer richtig viel will, sollte allerdings gleich die Ausstattung Spirit ordern. Zusammen mit netten Optionen wie Automatik, Panoramadach, Rückfahrkamera und 3. Sitzreihe kostet der voll ausgestattete Diesel-Sorento rund 40.000 Euro.

Im Vergleich zur deutschen Premium-Konkurrenz ist das ein bemerkenswert günstiger Tarif. So verlangt Audi für einen vergleichbar motorisierten und ähnlich ausgestatteten Q5 gut 10.000 Euro mehr. Doch bewegt sich der Sorento preislich in Sphären, die ihn nicht mehr konkurrenzlos günstig erscheinen lassen. So bietet zum Beispiel Mitsubishi seinen Outlander mit einem zwar nur 170 PS starken Diesel mit ansonsten vergleichbar guter Ausstattung für rund 3.000 Euro weniger an.

Fazit

Die Neuauflage des Sorento ist ein deutlicher Bruch mit dem Vorgänger. Außen wie innen präsentiert sich das SUV schicker und fährt sich zudem auf Asphalt dynamischer, handlicher und komfortabler als bisher – und das bei weniger Verbrauch. Auch seine verbesserte Ausstattung, die modernere Funktionalität und viel neue Technik machen ihn attraktiver als zuvor. Zudem bietet er weiterhin viel Auto fürs Geld, konkurrenzlos billig ist er allerdings nicht. Und er kann nicht alles besser als der Vorgänger: Wer eine raubeinige Bergziege mit maximaler Zugkraft will, dürfte am neuen Sorento weniger Gefallen finden.

Wollen Sie jetzt durchstarten?

Alle Artikel

Erster Test: Kia E-Niro – Jetzt stromern auch die Kompakt-SUV

Erstkontakt: Kia Stinger GT 2019

Test: Kia Picanto 1.0 T-GDI X-Line – Kias Kleinster kommt mit Karacho

Mehr anzeigen