Test: Lexus RX 400h – Langstreckenläufer oder Säufer?

Hybridantriebe wie der des Lexus RX 400h entfalten ihre Spritsparwirkung vor allem im Stadtbetrieb, wo viele Stopps und ständiges Anfahren bei herkömmlichen Verbrennungsmotoren den Durchschnittsverbrauch in schwindelerregende Höhen treiben.

Doch rentiert sich ein Hybrid auch für Vielfahrer, die häufig lange Strecken am Stück abspulen müssen?
Die Idee eines Langstrecken-Praxistest wurde in der Redaktion ohne Diskussion für gut befunden, schließlich war das Opfer - pardon, der Fahrer - schnell gefunden: Ein Hardcore-Fußballfan, der sowieso zum Champions League-Spiel der Bayern ins belgische Brügge reisen wollte.

Also frühmorgens ein paar Fußballgenossen in den Wagen gepackt und los ging’s. Erster Pluspunkt für den Lexus: Das Eis auf den Scheiben verschwand dank Heck- und Frontscheibenheizung von selbst. Halt, noch tanken, und alle Anzeigen im Bordcomputer nullen - schließlich handelt es sich ja um eine Verbrauchsfahrt. Nach nur wenigen Handgriffen zeigte das Navigationsgerät den Zielort: Jan-Breydelstadion, benannt nach einem flämischen Rebellenführer und gut 900 Kilometer entfernt von München. Jeder normale Mensch hätte jetzt rebelliert. Der Fußball-Fan nimmt’s locker. Schließlich hätten die Bayern auch in Valencia spielen können...

Platz da

Zwei Stunden und gut 200 Kilometer später waren noch alle Mitfahrer sehr entspannt: Der Beifahrer mit seinen fast zwei Metern Körperlänge genauso wie der dritte Mann im Fond, der sich die verstellbare Rückbank zu Nutze machte und lapidar meinte: „So entspannt bin ich noch nie zu einem Bayernspiel gereist“. Dem kann wohl jeder nur beipflichten, der schon einmal 24 Stunden (einfach) in einen Bus saß, nur um dann seine Mannschaft mit 0:3 zu verlieren zu sehen.

Die Autobahneigenschaften des RX 400h lassen sich mit einem Wort beschreiben: Souverän. Leise zieht der Lexus dahin, bei Bedarf beschleunigen ihn seine 272 PS bis zur elektronischen Schubabschaltung bei Tacho 220. Das bei Vollgas an die 20 Liter pro 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen fließen, sollte einem bewusst sein. So spart man nichts, weder Geld, noch Zeit. Denn erschwerend kommt hinzu, dass der Tank nur 65 Liter fasst, die Tankstopps daher häufig werden.

Halbzeit

Spätestens ab der holländischen Grenze lernt man dann die Vorzüge eines Tempomaten schätzen. Tempo 120 ist angesagt. Wer schneller fährt, riskiert empfindliche Strafen. Wer sich daran hält, wird zudem mit einem stetig sinkenden Durchschnittsverbrauch belohnt. Statt 15,6 errechnet der Bordcomputer plötzlich zwölf Liter, dann, gut neun Stunden nach Fahrtantritt, elf Liter.

Nach einem kurzen Ausflug ins sehenswerte Zentrum von Brügge, einem mäßigen 1:1 des FC Bayern, der obligatorischen, 20-minütigen Blocksperre, summa summarum also gut fünf Stunden nach Ankunft, ging es wieder zurück. Zuerst vorbei an den Straßensperren, wo Mannschaftswagen voller behelmter Staatsdiener den Kontakt zu den einheimischen Fußballfans verriegelten, dann über unzählige Kreisverkehre auf die beleuchtete Autobahn.

Da im Vergleich zu Holland und Belgien selbst die deutschen Spritpreise noch günstig erscheinen, galt es, erneut den Tempomat zu nutzen und moderat in die Heimat zurückzucruisen. Gerade noch geschafft, denn schon kurz nach der Grenze leuchtete das rote Lämpchen auf. Schön, dass das Navigationssystem die umliegenden Tankstellen anzeigte. Blöd nur, dass das Gerät keine Öffnungszeiten übermittelt bekommt. Auf den letzten Tropfen fand sich dann doch noch eine 24-Stunden-Zapfstation.

Und obwohl der Endspurt wieder einer im Wortsinn war, war die Überraschung beim Blick auf den Bordcomputer nach dem 26 Stunden-Ausflug groß: 1.831 Kilometer. Durchschnittsverbrauch: 10,5 Liter.

Fazit

Im Gegensatz zu den roten Kickern meisterte der Lexus seine Prüfung in Belgien perfekt. Ob die großen Konkurrenten aus dem WM-Ausrichterland auch auf diese fanfreundlichen Spritwerte kommen, werden die nächsten Europokalaufgaben zeigen. Vergleichbare Testwagen sind bereits bestellt, und Ziele gibt es viele. denn wie heißt es doch so schön in einem Bayern-Fangesang: „Darmstadt, Egelsbach, Shanghai, wir sind immer mit dabei.“

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