Erster Test: Maserati GranCabrio – Wie eine gute Zigarre

Maserati Deutschland-Chef Thomas Hajek vergleicht das neue GranCabrio mit einer feinen Zigarre. Edel, teuer und selten lauten auch unsere Adjektive, die sowohl auf eine Cohiba-Zigarre als auch auf das Maserati-Cabriolet zutreffen. Beide sind Luxusprodukte für die besonderen Momente im Leben.

Über das ein oder andere Manko sehen Genießer solcher Waren gelassen hinweg. Die Zigarre stinkt beispielsweise – stilvoll ist sie dennoch.
Das Maserati GranCabrio stinkt natürlich nicht, und gehört zu den stilvollsten Cabriolets am Markt. Auf einer Länge von fast 4,90 Metern und einer Breite von rund 1,85 Metern konnte sich Haus-Couturier Pininfarina austoben und hat es getan.

Stoff ist edler

Die markante Front mit dem Tridente (Dreizack) steht senkrecht im Wind, die geschwungenen Kotflügel und das runde Heck kennen Freunde der Marke vom GranTurismo. Beim Cabriolet wirkt das ganze aber stimmiger – egal ob mit geschlossenem oder geöffnetem Verdeck. Große Cabriolets haben eben ihren ganz besonderen Reiz, vor allem mit Stoffmütze.

Daher kann unter Umständen auch darüber hinweggesehen werden, dass die Windschutzscheibe des GranCabrios sehr flach steht und weit in den Innenraum hineinragt. Fahrer und Beifahrer sitzen fast unter dem Rahmen, was wahre Cabriofreunde als Fauxpas empfinden und für ein Stoffdach-Modell ungewöhnlich ist. Das dreilagige Stoffverdeck ist übrigens in sechs verschiedenen Farben erhältlich und lässt sich bis 35 km/h in 28 Sekunden während der Fahrt öffnen und schließen. Es sitzt bei hohen Geschwindigkeiten straff und entwickelt verhältnismäßig geringe Windgeräusche.

Lange Kopfstütze ab Werk

Können bei geöffnetem Verdeck selbst 1,90 Meter-Passagiere im Fond Platz nehmen, wird es bei geschlossenem Verdeck eng an den Köpfen. Vorne herrscht höchstens aufgrund der mangelnden Freisicht nach oben etwas Verdruss. Die zu hoch montierten Sitze sind komfortabel, wirklich viel Seitenhalt bieten sie jedoch nicht. Zudem ist die Kopfstütze nicht justierbar und für fast alle Fahrer zu kurz. Ab Werk kann immerhin eine Langversion geordert werden – eine merkwürdige Vorgehensweise.

In den Kofferraum passt ein maßgeschneidertes Gepäckset oder eine Golftasche. Auf der Rückbank können, wenn gerade keine Passagiere Platz nehmen, spezielle Taschen an der Isofix-Befestigung arretiert werden – eine pfiffige Lösung.

Mehr als italienisch

Die Verarbeitung des Maserati GranCabrio ist auf gutem Niveau. Hier und da stören Pedanten zwar billig wirkende Materialien und ungenaue Passungen, aber Italo-Fans können sich über den wohl am akkuratesten verarbeiteten Maserati freuen. Die Bedienung ist einfach, sofern man es kompliziert mag. Viele Tasten und ein von Magneti Marelli zugeliefertes Navi- und Entertainment-System wollen, dass man sich damit auseinandersetzt.

Technische Daten
Maserati GranCabrio
Ausstattungsvariante
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.881/1.847/1.353
Radstand (mm) 2.942
Wendekreis (m) 12,3
Leergewicht (kg) ab 1.980
Kofferraum (Liter) 173
Bereifung Testwagen VA: 245/35 R20; HA: 285/35 R20 Pirelli Pzero
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 4.691 / 8, V
Leistung Kw (PS) 323 (440)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 490 bei 4.750
Antriebsart Heck
Getriebeart 6-Gang-Automatik
Verbrauch
Krafstoffart Super
Kombiniert laut Werk (l/100km) 15,2
CO2-Emissionen (g/km) 354 / Euro 4
AS24-Verbrauch (l/100km) k.A
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 5,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 283
Preise
ab (Euro) 132.770
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Auseinandersetzen sollte man sich auch mit dem Gewicht des GranCabrios. Zwei Tonnen stehen im Schein geschrieben. Für einen Sportwagen deutlich zu viel Fett. Für das GranCabrio gerade recht. Denn dieser Maserati will kein Sportwagen sein, kann kein Sportwagen sein und ist kein Sportwagen. Obwohl genau das gemeinhin mit Maserati assoziiert wird. Das GranCabrio will vielmehr ein Gleiter sein, das über souveräne Kraftreserven verfügt, die man jedoch nur selten ausnutzt.

Wer es hurtig mag, kann den mit stets sanft schaltender ZF-Sechsgang-Automatik agierenden Italiener 5,3 Sekunden nach dem Stillstand auf Tempo 100 haben. Erst bei 283 km/h ist mit geschlossenem Verdeck Schicht im Schacht. Im Offen-Modus ist die Höchstgeschwindigkeit zehn km/h früher erreicht.

Ohrenschmaus

Viel interessanter ist es aber, die Sport-Taste neben dem Volant zu drücken und den 4,7 Liter großen V8-Motor bei etwa 3.500 Touren zu halten. Dann nämlich sind die Unterdruckklappen im Abgastrakt geöffnet und das GranCabrio entzückt mit feistem Röhren und heiserem Schnarchen. Das Spektakel gefällt nicht nur den Insassen, wie uns immer wieder mit hochgestreckten Daumen von Passanten bewiesen wurde. Der Klang riecht nach Ferrari (der Motor stammt von dort), ist jedoch dezenter gewürzt und somit sozialverträglicher. Überhaupt erntet das GranCabrio viel Zuspruch – zumindest im von Reichen übersäten Starnberger Land, wo uns unsere Ausfahrt hindurch führte.

Denen ist es auch egal, dass der Normverbrauch bei 15,2 Litern liegt, denn ein Bentley GTC benötigt 17 Liter. Und unter Umständen hat man ja noch einen sparsamen Porsche Cayenne Turbo in der Garage, der begnügt sich mit vergleichsweise asketischen 11,5 Litern.

Da aber die Verbreitungsrate dieses Maseratis äußerst gering ist, sollte das Ökoargument auch bei Aktivisten nicht ziehen. Rund 2.000 GranCabrios wollen die Italiener in 2010 los werden – weltweit. Hilfreich für dieses Vorhaben ist neben dem Image und der hübschen Präsenz auch eine Portion Komfort, die Käufer eines solchen Fahrzeugs gerne akzeptieren. Zwar besitzt das GranCabrio mit einer idealen Gewichtsverteilung von 50:50 Prozent echte Sportambitionen doch das Gesamtgewicht drückt sowohl auf die Quer- als auch auf die Längsdynamik.

Perfekter Cruiser

Dafür gehört dieser Maserati zu den am feinsten federnden offenen Viersitzern. Trotz 20-Zoll-Serien-Bereifung nimmt er Fahrbahnschäden mit gelassenem Zittern, was der verwindungsfreudigen Karosserie geschuldet ist. Schlimm? Mitnichten. Einen Maserati kauft man nicht, weil er perfekt ist. Einen Maserati kauft man, weil er Stil hat und diesen nach außen trägt. Ebenso wie mit der Zigarre, die nur für gewisse Momente passend ist.

Passenderweise ist das GranCabrio-Vergnügen auch kein günstiges. Bei 132.770 Euro startet die Preisliste, dann allerdings schon mit (fast) Vollausstattung. Dennoch hat man die Qual der Wahl: Gesamt-Farbkombinationen gibt es unzählige. So können die Kunden unter 14 Lacken, zwölf Verdeckkombinationen, zehn Lederfarben für Sitze, sechs für das Armaturenbrett, acht Innendekors, sechs Lackierungen für die Bremszangen und beispielsweise dunkel oder hell lackierten Felgen wählen und dann unter Umständen knapp 10.000 Euro für diese grundlegenden Entscheidungen loswerden. Als weiteres Extra empfiehlt sich noch das Bose-Sound-System für 2.145 Euro, falls man mal die Nase voll hat vom Motorklang.

Fazit

Schön, teuer, rar und gewiss nicht perfekt, das ist das neue Maserati GranCabrio. Aber diese automobile Schönheit kauft man nicht mit dem Hirn, sondern mit dem Herz. Und das verzeiht bekanntermaßen unendlich viel.

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