Test: Maserati Quattroporte Sport GTS – Orchesterwerk

Eins muss man Maserati lassen: In Sachen zeitloses Design sind die Italiener Meister. Mit dem Quattroporte schufen sie ein aus Blech geformtes Kunstwerk, dessen Schönheit sich nur wenige entziehen können. DerQuattroporte Sport GTS garniert das optischen Vergnügen mit unvergleichlichem Hörgenuss.

Allein der gesteigerten Leistung wegen lohnt es sich nicht, der Sport GTS-Version des Maserati Quattroporte den Vorzug zu geben. Denn mit 440 PS stellt sie gerade mal zehn Pferdestärken mehr zur Verfügung als der Quattroporte S. Damit absolviert der leicht erstarkte Acht-Zylinder den Sprint auf Tempo 100 in 5,1 Sekunden, also drei Zehntel schneller, und die Höchstgeschwindigkeit steigt geringfügig um fünf auf 285 km/h.

Wenig Neues

Stärker als diese marginalen Verbesserungen der Fahrwerte fallen die feinen, aber effektvollen Änderungen am Design auf. Der Sport GTS drückt sich fester in den Asphalt, sein schwarz eingefärbter Kühlergrill wirkt martialischer, genau wie die schwarz hinterlegten Scheinwerfer, und hinter den 20-Zoll-Rädern blitzen rote Bremssättel hervor.

Im dunkel ausgekleideten Innenraum wurde Edelholz durch kühle Carbonfaser-Einlagen ersetzt, Sportsitze mit Alcantara/Leder-Bezug halten Fahrer und Beifahrer sicher fest. Unverändert erhalten blieb die unübersichtliche Flut von teilweise billig wirkenden Schaltern und Tasten auf der Mittelkonsole, und auch das komplexe Navigations- und Entertainmentsystem ist weder zeit- noch maseratigemäß. Orchesterwerk

133.000 Euro verlangt Maseriato fürs Topmodell. Mit 10 000 Euro sind die doch eher diskreten Änderungen gegenüber dem Quattroporte S teuer bezahlt. Allerdings gibt es da noch einen weiteren Mehrwert, der den Sport GTS zum begehrenswertesten Viertürer von Maserati macht: Sein akustischen Darbietungen. Als Klangkörper betätigen sich die beiden ovalen Endrohre der überarbeiteten Sport-Auspuffanlage, seine Bühne ist die Straße, und die Passanten dienen als Publikum.

Denn was die Ingenieure tontechnisch aus dem Acht-Ender herausholen, darf mit Recht als fulminantes Konzert gelten. Dabei fängt alles so harmlos an: Beim Anlassen grummelt der Benziner kurz vor sich hin, fällt aber sogleich in einen kultiviert-leisen Leerlauf. Ein Tritt aufs Gaspedal lässt den Italiener ohne Verzögerung lossprinten - doch selbst jetzt hält er sich akustisch noch zurück.

Musik auf Knopfdruck

Denn das volle Orchester will per Knopfdruck zum Spielen animiert werden. Hierzu gibt es eine Sporttaste, die zwar auch das Schaltprogramm etwas verändert, vorrangig aber werden Klappen im Auspuffstrang verstellt. Danach wird der Abgasstrom nicht mehr über unzählige schalldämpfende Umwege, sondern auf direktem Weg ins Freie geleitet. Begleitet von einem wahren Geräuschgewitter.

„Das haben die doch nachträglich verändert, so kommt das Auto nie durch den TÜV!“, war mein erster Gedanke, als ich mit dem Quattroporte Sport GTS in den von hohen Häusern gesäumten Straßen des Münchner Glockenbachviertels unterwegs war, zwischen denen das unüberhörbare Grummeln und Bollern des Acht-Zylinders so herrlich widerhallte. Doch in der Tat haben die Herren vom technischen Überwachungsverein dieses Konzert genehmigt.

Nicht nur Applaus

Der Applaus des Publikums ist ihnen nicht gewiss. Die einen bleiben ob des Geräuschpegels verwundert stehen, sehen sich nach einer aufgemotzten Tuning-Karre um und blicken dann ungläubig auf den Maserati, als wollten sie sagen: „So ein schickes Auto kann doch nicht so viel Lärm machen.“ Manche kriegen vor Begeisterung den Mund nicht mehr zu, andere gehen kopfschüttelnd vorbei.

Und eine ältere Dame auf dem Fahrrad beschimpft mich so lautstark, als müsste sie mit dem Maserati konkurrieren, dass es eine Frechheit sei, so einen Lärm zu machen, und ob ich nicht langsamer fahren könne. Nein, kann ich nicht, dann würde ich nämlich fast stehen, hatte ich doch zum Zeitpunkt der Beschimpfung gerade mal 30 km/h auf dem Tacho. Es sind vor allem die tiefen, donnernden Töne bei niedrigen Drehzahlen, die die Attraktion schon von weitem ankündigen und ihre Umgebung mit der Kombination aus Schönheit und Motorsound schier erschlagen.

Sie wünschen, wir spielen

So präzise wie Sir Simon Rattle die Berliner Philharmoniker mit Händen und Taktstock dirigiert, leitet der rechte Fuß des Fahrers das Maserati-Orchester an. Mit dem Gaspedal entlockt man dem Acht-Zylinder die ganze Tonleiter, angefangen bei den bereits erwähnten, tiefen Bässen bis hin zu einem hellen hohen Kreischen, das durchaus in der Lage ist, mit einer Koloratursopranistin vom Schlage der Netrebko zu konkurrieren.

Eigene Akzente setzt der Fahrer am besten über die Schaltpaddel am Lenkrad, mit denen man in die Willkür der Sechs-Gang-Automatik eingreifen und die gewünschte Tonlage – sprich Drehzahl – vorgeben kann. Anders als bei einem Orchester, das Zwischentöne tunlichst vermeidet, sind dem Maserati herrliche Intermezzi beim Runterschalten vergönnt. Das unüberhörbare Zwischengas rundet den gloriosen Auftritt des Quattroporte Sport GTS erst richtig ab.

Technische Daten
Marke und Modell Maserati Quattroporte
Ausstattungsvariante Sport GT S
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 5.097/ 1.895 / 1.423
Radstand (mm) 3.064
Wendekreis (m) 12,3
Leergewicht (kg) 1.990
Kofferraum (Liter) 450
Bereifung Testwagen 245/35 ZR20 vorne/ 295/30 ZR20
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 4.691 / V8
Leistung (PS) 440
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 490 / 4.750
Antriebsart Heckantrieb
Getriebeart 6-Gang-Automatik
Verbrauch
Krafstoffart Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km) 15,1
CO2-Emissionen (g/km) 365
AS24-Verbrauch (l/100km) k.A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 5,1
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 285
Preise
ab (Euro) 133.310
Empfohlene Extras automatisch abblendender Rückspiegel (525 Euro)
VergrößernVerkleinern

Schlussakkord

Doch wie jedes Konzert geht auch der Maserati-Auftritt irgendwann zu Ende - in meinem Fall mit dem Ablauf des Testzeitraums. Ein letztes Mal trete ich das Gaspedal kräftig durch, lasse das V8-Orchester aufspielen und genieße das gesamte Repertoire, bis schließlich das tiefe Bollern wie ein Schlussakkord in Moll verhallt und ich dem Sport GTS am liebsten stehende Ovationen zukommen lassen würde.

Wollen Sie jetzt durchstarten?

Alle Artikel

Erster Test: Maserati Ghibli S Q4 – Verschärfte Allradgaudi

Testberichte · Maserati

Sitzprobe: Maserati Alfieri – Schnörkelloser Kraftmeier

Testberichte · Maserati

Erster Test: Maserati Quattroporte GTS – Wenn etwas weniger viel mehr ist

Testberichte · Maserati
Mehr anzeigen