Test: Mazda 3 – Röllchen-Vibrator

Stetes Wachstum – zumindest einige Kompakte folgen noch vorbildlich dieser Kapitalismus-Maxime. Beispiel Mazda 3: Der mit 4,41 Meter bereits lange Vorgänger wurde jüngst vom fünf Zentimeter längeren Nachfolger abgelöst.

Doch der Fünftürer zeigt auch auf andere Weise neue Größe, wie wir im Test erfahren durften.
So hat der neue Mazda 3 nicht nur in der Länge, sondern auch bei der Optik zugelegt. Sein Design ist zwar keine Revolution, doch erstrahlt der neue 3 im Vergleich zum Alten erfrischend dynamisch. Weit in die Flanken reichende Front- und Heckleuchten, markantere Lichtkanten und die betont von vorn nach hinten aufsteigende Schulterlinie verhelfen ihm zu mehr Präsenz. Auch das breite Grinsen des Kühlergrills und die diffusorartige, untere Heckschürze stimmen auf sportliche Fahrfreuden ein. Darüber hinaus setzen bei unserem roten Testexemplar ein schillernder Metallic-Lack und 17-Zoll-Aluräder sehenswerte Akzente.

Wie beim Vorgänger, so ist auch das Raumangebot des neuen 3 unverändert gut. Hinten haben selbst Gäste mit langen Beinen keine Platzsorgen. Der sauber verkleidete Kofferraum bietet 340 Liter in der Normalkonfiguration und ist durch einfaches Umlegen der geteilt umklappbaren Rückbanklehne auf 1.360 Liter erweiterbar. Zusammen mit der fast ebenen Ladefläche bietet die Gepäckabteilung eine tadellose wie klassenübliche Funktionalität.

In die Röhre gucken Im Cockpit sind die Bedienelemente und Anzeigen um den Fahrer herum arrangiert. Große und gut ablesbare Rundinstrumente stecken in sportlich anmutenden Röhren. Die Bedieneinheiten von Klimaanlage und Radio sind klar gegliedert und vorbildlich funktional. Der Gangwahlhebel der leichtgängigen Fünfgang-Schaltung liegt gut zur Hand und die zahlreichen wie zum Teil recht großen Staufächer sowie gut konturierte, straff gepolsterte Vordersitze mit hohem Langstreckenkomfort runden den positiven Eindruck ab.

Kritik verdienen die wuchtige Mittelkonsole, die das rechte Fahrerknie einengt und das kratzempfindliche Hartplastik in den Türen. Ohnehin hinterlässt die Materialwahl im Mazda 3 trotz Lederlenkrad und Softoberflächen im Armaturenbrett einen nicht ganz so edlen Eindruck wie es viele Mitbewerber europäischer Provenienz bieten.

Klein aber oho Eine Besonderheit unseres Testfahrzeugs in der Top-Ausstattung High-Line war das vollintegrierte Navisystem mit 4,1-Zoll-Farbdisplay. Trotz des kleinen und weit vom Fahrer entfernten Displays bietet es die gleiche Funktionalität wie viele dreimal so teure Systeme.

Praktisch sind die Navi-Bedientasten im Lenkrad. Insgesamt sechs Knöpfe rechts vom Pralltopf reichen, um alle Funktionen zu steuern. Der Vorteil: Beim Bedienen kann man die Hand am Lenkrad lassen. Der Nachteil: Der Beifahrer hat keine Möglichkeit, das Navisystem zu bedienen. Trotzdem ist dieser vollintegrierte Wegweiser eine attraktive Alternative zu mobilen Geräten, die wenig elegant in der Windschutzscheibe kleben.

Verhaltener Motor

Weniger überzeugen mag hingegen der 1,6-Liter-Basisbenziner. Der leise und kultiviert arbeitende Vierzylinder beschleunigt zwar angenehm gleichmäßig, doch mit etwas wenig Druck. Zum Vergleich: Ein etwa gleichstarker VW Golf 1.6 soll den 100-km/h-Sprint nach 11,3 Sekunden abhaken, unser Mazda 3 brauchte nach unseren Messungen gut eine Sekunde länger.

Unterm Strich sind die 105 PS und 145 Newtonmeter für den normalen Alltagseinsatz zwar völlig ausreichend, doch gelegentlich sehnt man sich auf der Autobahn nach mehr Drehmoment. Vor allem jenseits der 130 km/h ist der Geschwindigkeitszuwachs verhalten. Bis man die Höchstgeschwindigkeit von 184 km/h erreicht, sind einige TDI-Treiber schon rechts vorbeigezogen.

Bisweilen recht durstig Angesichts dieser Fahrleistungen ist zudem der Verbrauch etwas zu hoch. Diesen gibt Mazda mit noch bescheidenen 6,3 Litern an. Bei strickt 130 km/h haben wir auf der Autobahn mit 7,6 Litern einen sogar akzeptablen Verbrauch gemessen. Doch fährt man auf längeren Strecken mit Tempo 160, steigt der Spritkonsum auf fast elf Liter. Zuviel, wie wir meinen.

Sind etwa 40 Liter aus dem Tank, mahnt zudem die Reserveanzeige frühzeitig zum Nachfüllen. Für schnelle Autobahntouren fehlen dem 3 ein sechster Gang, etwas Bums und Reichweite. So müssen Schnellfahrer im fünften Gang einen hoch drehenden Motor mit Säufer-Allüren und akustischer Präsenz hinnehmen.

Lässt Röllchen vibrieren Der Mazda 3 liegt dafür in jeder Fahrsituation angenehm straff und verbindlich auf dem Asphalt. Kurze Stöße und Schlaglöcher werden allerdings mit gewisser Deutlichkeit an die Insassen weitergeleitet. Wenn man auf leicht holpriger Querfugen-Autobahn im Mazda 3 merkt, wie die Speckröllchen des Wohlstandsbäuchleins in vibrationsartige Schwingungen geraten, könnte man ins Grübeln kommen, ob dies nun das richtige Auto ist. Abnehmen? Undenkbar!

Technische Daten
Marke und Modell Mazda 3 1.6
Ausstattungsvariante High-Line
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.460/ 1.755 / 1.470
Radstand (mm) 2.640
Wendekreis (m) 10,4
Leergewicht (kg) 1.180
Kofferraum (Liter) 340 - 1.360
Bereifung Testwagen 205/50 R17
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 1.598 / 4, Reihe
Leistung (PS) 105
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 145 / 4.000
Antriebsart Frontantrieb
Getriebeart manuelles 5-Gang-Getriebe
Verbrauch
Krafstoffart Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km) 6,3
CO2-Emissionen (g/km) 149
AS24-Verbrauch (l/100km) 8,6
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 12,2
AS24-Sprint 0-100km/h (s) 12,2
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) 37,5
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 184
Preise
ab (Euro) 20.700
Empfohlene Extras Das Navi für 720 Euro ist durchaus eine Überlegung wert.
VergrößernVerkleinern

Wer hingegen ein hohes Kurvenspaß-Niveau wünscht, sollte den Mazda 3 definitiv in die engere Wahl ziehen. Sein sehr spontanes und neutrales Einlenkverhalten animiert regelrecht dazu, mit hoher Geschwindigkeit ums Eck zu fegen. Über die Vorderräder schiebt der Wagen erstaunlich spät, ein gefühlvoll arbeitendes ESP und starke Stopper (37,5 Meter aus 100 km/h bis in den Stand) unterstreichen die gehobenen sportlichen Ambitionen. Nur beim Rausbeschleunigen aus Kurven verliert das Grinsen des Fahrers angesichts der mäßigen Leistung wieder an Breite.

Günstiger als Golf Preislich ist selbstredend für den Mazda 3 der Golf die Messlatte. Und da klingt sein Basispreis von fast 17.000 Euro recht happig, für die von uns getestete Topausstattung verlangt Mazda sogar knapp unter 21.000 Euro. In dieser Version kann der Japaner dafür mit einer sehr üppigen Ausstattung aufwarten. Besondere Highlights sind unter anderem Klimaautomatik, beheizbare Frontscheibe, akustische Einparkhilfe hinten, Tempomat und 17-Zoll-Räder. Würde man einen Golf 1.6 Comfortline mit ebenfalls vier Einstiegstüren auf dieses Ausstattungsniveau bringen, müsste man über 2.000 Euro mehr zahlen.

Fazit Mazda hat mit dem 3 einen innen wie außen ansehnlichen Golf-Konkurrenten, der sich auch als preisliche Alternative empfiehlt. Gutes Platzangebot, ein pfiffiges Navisystem und sein besonders sportlich akzentuierter Unterbau gehören zu seinen weiteren Vorzügen. Letzteres wird allerdings mit deutlichen Einbußen beim Federungskomfort erkauft. Und dann ist da noch der etwas maue aber durstige Motor, der seinerseits den eigentlich sehr agilen Fahrspaß-Eindruck trübt.

Wollen Sie jetzt durchstarten?

Alle Artikel

Erster Test: Mazda MX-5 Modelljahr 2019 – Update für den Roadster-Klassiker

Testberichte · Mazda

Erster Test: Mazda CX-5 – Jetzt mit stärkstem Ottomotor

Testberichte · Mazda

Erster Test: Mazda6 Facelift – Ein Lifting kommt selten allein

Testberichte · Mazda
Mehr anzeigen