Erster Test: Mercedes-Benz CLS – Revidieren, bitte

Auf den ersten Fotos der zweiten Auflage des Mercedes CLS konnte uns das Stuttgarter Viertürer-Coupé nicht überzeugen. Auch deshalb fragten wir Sie, liebe Leser, was Sie vom neuen Modell halten.

Das Ergebnis der Online-Umfrage war zwar knapp, aber dennoch eindeutig. Und jetzt, nach dem ersten Erleben des CLS im Straßenverkehr, dem Anfassen und dem Wirkenlassen, müssen wir unsere Meinung revidieren. Der neue CLS ist schön. Er ist ein Charakterkopf, ein Gesicht in der Menge, trotz seines CW-Werts von schnittigen 0,26 (CLS 250 CDI). Zwar brauchen wir für das Heck noch immer ein wenig Zeit, um es zu mögen, die wird aber kommen.

1A Technik

Weniger Zeit wird benötigt, sich von der Technik des neuen CLS überzeugen zu lassen. Der fast fünf Meter lange Benz, der hauptsächlich auf nicht sichtbare E-Klasse-Komponenten zurückgreift, besitzt alle Mondänitäten und Modernitäten, die ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse bieten kann, und sogar noch etwas mehr.

So würde es den Rahmen sprengen, über jedes der zwölf (teils serienmäßigen) Fahrassistenz-Systeme zu schreiben. Nur so viel: Es gibt alles, und davon das Beste. Erwähnt sei der aktive Tot-Winkel-Assistent, der den CLS beim Verlassen der Fahrspur und einem im toten Winkel befindlichen Verkehrsteilnehmer sanft in die Spur zurückbugsiert. Der Spurhalte-Assistent nutzt die identische Technik, die via Bremseingriff (ESP) agiert und im Paket 892 Euro kostet. Neu und erstmals oberhalb von A- und B-Klasse gibt es die elektromechanische Servolenkung, die nach und nach in alle Mercedes einziehen wird. Hier haben die Ingenieure mehr Spielraum, die Lenkung zu parametrieren – das ist gelungen. Ein wohltuendes Mercedes-Gefühl stellt sich beim Drehen am CLS-Volants ein, direkt und präzise ist es ebenfalls.

Neue Airbags

Neu sind auch die so genannten Pelvis-Bags. Dabei handelt es sich um zwei Airbags, die die Becken (engl: Pelvis) von Fahrer und Beifahrer weich auffangen, sollte es zum Seitencrash kommen. Wie auch Audi beim C 250 CDI eine Luftfederung (Airmatic) an. Jedoch kann diese uns, wie im Audi auch, keineswegs überzeugen. Das erste Ansprechverhalten der Luftbälge ist zäh, eine leichte Dauerunruhe und Stuckerneigung bei Langsamfahrt stört. Hier ist das herkömmliche Federungssystem, was wir ebenfalls fahren durften, die bessere Wahl. So schmelzen die Vorteile der Luftfederung auf den Niveauausgleich und das Erhöhen der Bodenfreiheit auf Knopfdruck, sinnvoll bei Garageneinfahrten.

Unter dynamischen Aspekten reiht sich der CLS hinter den A7 Sportback ein. Damit hat Mercedes auch kein Problem. Denn dafür verströmt der Benz diese Grundsolidität und opulente Schwere, die die Stuttgarter Autobauer noch immer auszeichnet, obwohl sie bei anderen Sternfahrzeugen hin und wieder verloren gegangen ist. Mercedes ist Komfort. Dynamik machen andere, nicht immer besser, aber mit längerer Tradition. Angesichts immer schlechterer Straßen erscheint der Mercedes-Weg als der bessere.

Geht Luxus mit vier Zylindern?

Bei den Motoren gibt es eigentlich keinerlei Überraschungen. Eigentlich bedeutet: Mercedes bietet ab März 2010 den 2,1-Liter-Vier-Zylinder-Diesel im CLS an. 204 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment versprechen ausreichend Kraft. In der Realität ist die auch vorhanden. Wer mehr braucht, lügt. Aber: Die Laufruhe des Vier-Zylinders will nicht zum Nobelhobel passen. Solange man mit konstant niedriger Drehzahl unterwegs ist und die serienmäßige Siebengang-Automatik in hohen Stufen agiert, merkt man außer einem rauchigen Unterton nichts, doch wer Leistung und damit Drehzahl fordert, wird überrascht. Hell, laut und schabend klingt auch der CLS 250 CDI, kaum besser gedämmt, als er es im <a href=) (http:=undefined ww2.autoscout24.de=undefined magazine=undefined mz_home=undefined mz_home?article=undefined) ist. Was in der C-Klasse durchaus okay ist, passt nicht in die Luxus-Klasse. Vorteil 250er: Er soll laut Normverbrauch nur minimalistische 5,1 Liter pro 100 Kilometer konsumieren und damit 0,1 Liter weniger als der sparsamste A7 Sportback. Der rollt allerdings mit einem laufruhigen, identisch starken V6-Diesel zum Kunden.

Technische Daten
Marke und Modell Mercedes-Benz CLS 350 CGI Mercedes-Benz CLS 500 CGI Mercedes-Benz CLS 250 CDI Mercedes-Benz CLS 350 CDI
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.940 / 1.881 / 1.416 4.940 / 1.881 / 1.416 4.940 / 1.881 / 1.416 4.940 / 1.881 / 1.416
Radstand (mm) 2.874 2.874 2.874 2.874
Wendekreis (m) 11,27 11,27 11,27 11,27
Leergewicht (kg) ab 1.735 ab 1.890 ab 1.800 ab 1.815
Kofferraum (Liter) 520 520 520 520
Bereifung Testwagen 245/45 R17 255/40 R18 245/45 R17 245/45 R17
Motor
Hubraum (ccm) / Bauart 3.498 / 6, V 4.663 / 8, V 2.143 / 4, Reihe 2.987 / 6, V
Leistung (kW / PS) 225 / 306 300 / 408 250 / 204 195 / 265
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 370 zwischen 3.500 - 5.250 600 zwischen 1.600 - 4.750 500 zwischen 1.600 - 1.800 620 bei 1.600 - 2.400
Antriebsart Heck Heck (optional Allrad) Heck Heck
Getriebeart 7-Gang-Automatik 7-Gang-Automatik 7-Gang-Automatik 7-Gang-Automatik
Verbrauch
Krafstoffart Super Super Diesel Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 6,8 5,1 6
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 159 / Euro 5 134 / Euro 5 159 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 6,1 7,5 6,2
AS24-Sprint 0-100km/h (s)
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 250 250 242 250
Preise
ab (Euro) 64.617,00 59.857,00 63.427,00
Empfohlene Extras
Metallic Lackierung (ab 1.082,90 Euro), 18-Zoll-Alufelgen (ab 1.071 Euro), 80-Liter-Tank (119 Euro), beheizte Waschdüsen (202,30 Euro), Fußmatten (107,10 Euro), Sitzheizung vorne (446,25 Euro), klappbare Fondsitze (517,65 Euro), Notlaufrad (95,20 Euro)
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Die bessere Wahl ist daher zweifelsohne der CLS 350 CDI, der auf den bekannten Drei-Liter-V6 vertraut und dem Benz die notwendige Gelassenheit gibt. 265 PS und 620 Newtonmeter sprechen Bände, die Laufkultur ist auf Höhe der Mitbewerber. In rund sechs Sekunden schmeißt er den fast 1,9 Tonnen-CLS auf Tempo 100, bei 250 wird abgeriegelt. Nach Norm fließen auch hier lediglich 6,0 Liter durch die Düsen.

Neue Benziner

Viel erstaunlicher ist jedoch, dass der bis dato kleinste Benziner, der neu entwickelte 3,5 Liter V6 mit 306 PS, nach Norm lediglich 0,8 Liter mehr benötigen soll. Das liegt wohl auch an der Stopp-Start-Technik, die der 350 CDI erst ab März 2011 bekommt. Das V6-Triebwerk startet, wie der CLS 350 CDI im Januar 2011 und hört sich nach typisch kehligem Mercedes-V6 an. Im Stand nagelt er aufgrund der hohen Verdichtung wie ein extrem ruhiger Diesel, sobald der CLS Fahrt aufnimmt, ist das weg. An die Laufruhe eines BMW-Reihensechsers kommt er freilich nicht ran – systembedingt. Zudem fehlt ihm subjektiv mangels Aufladung Druck aus dem Drehzahlkeller.

Den besitzt der CLS 500. Das Tier besitzt 600 Newtonmeter Drehmoment und 408 PS, was übrigens ein PS mehr ist, als Erzrivale BMW seinen V8lern raus kitzelt. Der Verbrauch des Direkteinspritzers wird auf neun Liter taxiert, was an dem dumpfen V8-Blubbern bei niedrigen Drehzahlen nichts ändert. Auch beim Ausdrehen bewahrt der 4,7-Liter stets die Contenance. Aber: An die Direktheit und Bissigkeit des alten 5,5-Liter-Saugers kommt der V8 trotz aller Kraft nicht ran. Beim spontanen Tritt aufs Gaspedal wird erst mit einer Gedenksekunde die extreme Leistung bereitgestellt, dann suchen die Hinterräder hin und wieder nach Halt – Allrad gibt es optional und ist für den CLS 500 eine echte Empfehlung.

Größer, edler, schöner

Egal, wie viele Kolben unter der Haube hüpfen, am Innenraum ändert das nichts. Hier hat Mercedes bewusst die Grundfeste des Vorgängers übernommen und ein kantig-hohes Armaturenbrett geschaffen. Es wird mit einer Ledernachbildung mit Echtnaht überspannt, fühlt sich gut an und sieht edel aus. Auf das sonst so beliebte, weich-beschäumte Armaturenbrett verzichtet Mercedes aus Gründen der Energieschonung. Laut Hartmut Sinkwitz, dem Vater des CLS-Interieur-Designs, ist die Produktion von solchen Armaturenbrettern extrem energieaufwändig und in der Tat nicht hochwertiger als das CLS-Bauteil. Aber auch im CLS gibt es Elemente, die in diesem Preissegment stören: Die oberen, fest montierten Luftausströmer, das Dachbeleuchtungsmodul, der hintere Getränkehalter und die Lenksäulenverkleidung. Denn billig ist der CLS nicht, ja nicht einmal günstig.

So fängt das Preisspektrum bei knapp 60.000 Euro für den CLS 250 CDI an. Rund 64.000 Euro sind es für die V6-Modelle und wohl um die 80.000 Euro werden für den V8 fällig. Immerhin: Die Serienausstattung kann überzeugen. So sind beispielsweise Bi-Xenonlicht ebenso an Bord wie neun Airbags, Pre-Safe Grundversion, Sieben-Gang-Automatik, Tempomat und CD-Radio samt Bluetooth-Schnittstelle. Auch das Lederimitat Artico gibt’s ab Werk, was laut Sinkwitz in den USA der Renner ist.

Dennoch bleibt Platz für Schönes und Nützliches. Fast unverschämt ist es, dass Mercedes nach wie vor die Tankinhalt-Frage den Kunden und deren Geldbeutel überlässt. 59 Liter gibt’s „gratis“, 80-Liter-Tank kostet 120 Euro (Serie beim V8). Ebenso unverständlich ist es, 200 Euro für die beheizte Scheibenwaschanlage zu verlangen. Das neue LED-Licht gibt’s für 1.773 Euro, hübsche Felgen – die Serienräder sind eine optische Zumutung, fangen bei 1.100 Euro an und für ein Navi werden mindestens 1.500 Euro fällig. Somit lässt sich in guter Mercedes-Tradition auch der CLS in Preissphären treiben, die jenseits von gut und Böse sind – aber das bleibt jedem selbst überlassen.

Fast vergessen: Wer sich einen CLS kauft und nach dem Platzangebot fragt, sollte gleich zur E-Klasse greifen und weiterhin kleinkariert denken. Allen anderen sei verraten, dass vier Erwachsene durchaus fürstlich im CLS reisen, egal, auf welcher Position man sich im Fahrzeug befindet.

Fazit

Der neue Mercedes CLS ist schöner als er auf den ersten Fotos wirkte. Das Gesamtbild ist sogar sehr stimmig, das Interieur schicker und geräumiger als zuvor. Die Verarbeitung entspricht dem Preis, die Materialien an einigen Teilen hingegen nicht. Pedantisch? Ja, darf man bei dem Preis aber auch sein.

Die Motorenauswahl zum Marktstart ist begrenzt, lediglich die V6-Triebwerke stehen bereit. Der 350 CDI wird das Rennen machen. Zu Recht. Wer Benziner will, wird mit dem V6 glücklich, und mit dem V8 glücklicher. Der C 250 CDI hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Kraft ist über jeden Zweifel erhaben, das präsente Motorgeräusch passt allerdings nicht so recht zum noblen CLS. Wir sind gespannt, wie das die Käufer sehen.

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