Erster Test: Mercedes E-Klasse Coupé – Der nächste Streich

Gerade mal drei Monate ist es her, dass Mercedes die neue E-Klasse Limousine der Presse vorgestellt hat.

Kaum ist die Neuauflage des Stuttgarter Kassenschlagers im März 2009 zu den Händlern gerollt, spielen die Schwaben jetzt den nächsten Trumpf aus: das neue E-Klasse Coupé. 1996 lief das letze E-Klasse Coupé, damals noch auf Basis des W124, vom Band. Ersetzt wurde der Zweitürer durch den CLK, der zwar optisch der seit 1995 gebauten, zweiten Generation der E-Klasse angepasst wurde, technisch aber auf der C-Klasse basierte.

Mit der dritten E-Generation ab 2002 war selbst die optische Nähe zwischen Coupé und Limousine nicht mehr gegeben. Doch nach 13 Jahren hat Mercedes den CLK nun in den Ruhestand geschickt: Ab Juni 2009 steht wieder ein wahrhaftes E-Klasse Coupé beim Händler.

Vereint

Gekonnt haben die Kreativen das ausdrucksstarke, kantige Design der Limousine mit den eleganten, sportlichen Linien eines Coupés vereint. Typische Elemente wie die, mangels B-Säule, ununterbrochene, seitliche Fenstergrafik oder der steil stehende Kühlergrill mit integriertem Mercedes-Stern dürfen natürlich nicht fehlen.

Das neue Vier-Augen-Gesicht mit rhombenförmigen Scheinwerfern ziert auch das Coupé, allerdings sind die Leuchteinheiten hier schärfer geschnitten, um den sportlichen Charakter des Zweitürers zu unterstreichen. Insgesamt ist die Coupé-Front etwas gepfeilter, dynamischer gestaltet. Das nicht ganz unumstrittene Heck wurde dagegen nahezu unverändert übernommen.

Zahlreiche Assistenten

Nicht nur optisch, sondern auch technisch soll das Coupé seinem viertürigen Bruder natürlich in nichts nachstehen, der vor allem durch seine zahlreichen Sicherheitsmerkmale von sich Reden machte. So ist es nur selbstverständlich, dass der ganze Reigen an aktiven und passiven Assistenz- und Sicherheitssystemen auch im Coupé wieder zu finden ist.

PreSafe-Bremse, Verkehrsschild-Erkennung, Müdigkeits-Sensor, adaptive Fernlichtregulierung und aktive Motorhaube, all das ist im Coupé entweder serienmäßig oder gegen Aufpreis erhältlich. So ist auch hier die aktuell umfangreichste Sicherheitsausstattung in dieser Fahrzeugklasse garantiert.

Windschnittig

Und das nicht der einzige Superlativ, den sich das neue E-Klasse Coupé an die Brust heften kann. Ist es doch den Designer zusammen mit den Ingenieuren gelungen, den schnittigen Zweitürer zum derzeit strömungsgünstigsten Serienfahrzeug der Welt zu machen. Mit einem cW-Wert von 0,24 unterbietet er die respektable Vorgabe der Limousine um 0,1 Zähler.

Die vorbildliche Aerodynamik trägt einen großen Teil zur Energieeffizienz des 4,70 Meter langen und über 1,7 Tonnen schweren Coupés bei. Drei der bei Marktstart verfügbaren fünf Triebwerke sind neu entwickelt, die anderen beiden - der E350 CDI sowie die momentane Top-Version E500 - wurden hinsichtlich ihres Verbrauchs optimiert.

Direkteinspritzer

Zu den Neuheiten zählen neben dem Vier-Zylinder-Selbstzünder im E250 CDI (204 PS, 5,1 Liter Verbrauch) zwei direkteinspritzende Ottomotoren: Bis Anfang 2010 der E200 mit Start-Stopp-Automatik (siehe Kasten) nachgelegt wird, dient der E250 CGI mit 204 Turbo-PS als Einstiegsbenziner (7,2 Liter Durchschnittsverbrauch). Darüber rangiert der 292 PS starke V6 im E350 CGI, der sich im Mittel mit 8,5 Liter Benzin zufrieden geben soll.

Der serienmäßig mit Fünf-Gang-Automatik ausgelieferte E250 CGI entwickelt zwischen 2.000 und 4.300 Umdrehungen ein maximales Drehmoment von 310 Newtonmetern und erinnert damit in seiner Leistungsentfaltung fast schon an einen Dieselmotor. Die Kraft reicht aus, um das Coupé in knapp siebeneinhalb Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Sein Temperament wird allerdings ein wenig durch das Automatikgetriebe gedämpft, dass sich beim spontanen Beschleunigen ein kleines Gedenksekündchen genehmigt. Dieses Trägheitsmoment ist allerdings auch dem mit 7G-Tronic bestücktem E350 CDI nicht fremd.

E200 CGI

Auf der ersten Testrunde mit einem Prototypen des E200 CGI Coupé konnten wir uns bereits jetzt von der neuen Einstiegsmotorisierung überzeugen, die Anfang 2010 auf den Markt kommen soll. Der turbogeladene Vier

Das serienmäßige Start-Stopp-System funktionierte in unserem Vorserien-Modell tadellos: Artig schaltet es den Motor an der roten Ampel ab und wirft ihn nach dem Treten der Kupplung unverzüglich wieder an. So soll der Verbrauch auf unter sieben Liter gedrückt werden. Eine Kombination von Start-Stopp und Automatikgetriebe lässt allerdings weiter auf sich warten. Schade eigentlich, denn die Handschaltung will nicht wirklich zur E-Klasse passen. Zumal sich auch der E200 CGI nicht ganz ohne den berüchtigten Bonanza-Effekt schalten lässt.

Wunschgemäß

Um es den verschiedensten Käufern möglichst recht zu machen, bietet Mercedes drei Fahrwerksoptionen an. Serienmäßig sind die Coupés eher auf Komfort getrimmt, bügeln Unebenheiten sanft weg und neigen sich in der Kurve leicht zur Seite ohne jedoch sicheres, exaktes Handling vermissen zu lassen. Wem das zu bequem erscheint, der kann zum optionalen, straffer abgestimmten Sportfahrwerk greifen.

Und wer sich nicht entscheiden kann, findet im aufpreispflichtigen Fahrdynamik

Mindestens 45.000 Euro müssen für das Coupé momentan bezahlt werden, und damit 3.000 Euro mehr als für die günstigste Limousine, den E220 CDI. Der dort verbaute, 170 PS starke Vier-Zylinder-Diesel soll aber bald auch im Coupé einziehen, und dann den E250 CGI als Basisversion ablösen und somit den Einstiegspreis ein wenig senken. Mit der Einführung des turbogeladenen E200 CGI (siehe Kasten) soll der Preis dann unter die 40.000-Euro-Marke fallen.

Fazit

Wer vor allem zu zweit unterwegs ist, findet im E-Klasse Coupé eindeutig die schnittigere Alternative zur Limousine. Den dem CLK anhaftenden Ruf als Rentner-Auto hat der dynamische Zwei-Türer abgelegt, er animiert seinen Fahrer lieber zu einer flotten Gangart. Die potenten Motoren und die gegenüber der Limousine bissigere Auslegung von Gaspedal und Lenkung unterstützen dieses Vorhaben. Nur der automatische Gurtreicher erinnert noch an die Ära als Rentnerauto.

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