Sitzprobe: Mercedes S 600 Pullman – Wenn der Kunde König ist

Mercedes pflegt viele Traditionen. Eine prestigereiche ist die der Staatskarossen. Seit 80 Jahren liefern die Stuttgarter gepanzerte und repräsentative Luxuslimousinen an die Häupter der Welt.

Jetzt folgt mit dem S 600 Pullman ein weiterer Meilenstein: Eine auf fast 6,40 Meter verlängerte und über fünf Tonnen schwere S-Klasse mit B6/B7-Panzerung, in der wir bereits Platz nehmen konnten.
Der S 600 Pullman Guard hat majestätisches Format. Neben der Fond-Verlängerung um 1,15 Meter fallen eine durchgehend hohe Dachlinie und die steile Heckscheibe auf. Diese Konstruktion bietet den Gästen einen bequemeren Einstieg und eine größere Kopffreiheit.

Dank Vis-à-Vis-Bestuhlung können sich vier Personen im Fond gegenübersitzen. Im Innenraum bietet der S 600 Pullman selbstredend eine gehobene Luxus-Ausstattung. So beeindruckt er mit viel feinem Leder, einer Highend-Audio-Video-Anlage, gekühlter Mini-Bar und vielem mehr. Den individuellen Wünschen der betuchten Kunden sind keine Grenzen gesetzt, was auch auf den Preis zutrifft.

Alles ist möglich

Fast eine Million Euro verlangt Mercedes für die Basisversion des S 600 Pullman Guard. Darin enthalten ist bereits die serienmäßige Panzerung, die die Insassen auch vor Gewehrprojektilen und gegen Splitter von Handgranaten und anderen Sprengsätzen schützen soll. Die offizielle Bezeichnung für diese gehobene Panzerungsklasse lautet übrigens B6/B7.

Um dieses Schutzniveau zu erreichen, hat Mercedes den S 600 Pullman Guard mit zusätzlichen Blechen und Panzerverglasung ausgestattet. Diese Verstärkungen allein wiegen rund zwei Tonnen. Spüren kann man das Gewicht unter anderem beim Öffnen der Türen. Wer aussteigen möchte, wird sich über Hilfe von außen freuen.

Langsam aber sicher

600 Pullman: Inbegriff der Staatskarosse

                            Der 600 Pullman blickt auf eine über 45-jährige Tradition zurück. 1963 brachte Mercedes auf Basis des Typs W 100 eine verlängerte Variante mit 6,3-Liter-V8-Motor auf den Markt – der Inbegriff der Staatslimousine. Der kleine Pullman war 5,45 Meter lang, eine sechstürige Variante noch 80 Zentimeter länger. Fast 500 Pullman-Varianten und offene Landaulet-Derivate wurden gebaut. 1965 fertigte Mercedes auf Wunsch der deutschen Bundesregierung eine gepanzerte Variante für Staatsgäste an. Mit diesem beschussgesicherten 600 Pullman wurde als erste Queen Elisabeth II. chauffiert. Damit die Queen dabei ihren Hut nicht absetzen musste, wurde die Dachlinie deutlich erhöht. In über zwei Jahrzehnten wurde dieser gepanzerte Hochdach-Pullman bei vielen anderen Staatsbesuchen eingesetzt.                        

Zu den weiteren Schutz-Maßnahmen gehören ein selbstdichtender Tank und Spezialreifen mit Notlaufeigenschaften. Sollte den mit 4,5 bar aufgepumpten und schutzummantelten Pneus doch einmal die Luft ausgehen, kann man dank eines rund um die Felge montierten robusten Kunststoffrings weiterfahren.

Angetrieben wird der S 600 Pullman Guard von dem bekannten Zwölfzylinder-Biturbo-Triebwerk. Aus 5,5 Litern Hubraum schöpft er 517 PS und 830 Newtonmeter Drehmoment. Dynamische Fahreigenschaften sind bei einer solchen Staatslimousine weniger gefragt. Der Wagen kommt zwar zügig von der Stelle, fährt aber maximal nur 160 km/h. Ein Tribut an die Spezialbereifung. Trotz begrenzter Höchstgeschwindigkeit liegt der Verbrauch so hoch, dass Mercedes ihn sich nicht zu sagen traut.

Sogar ein Business-Case

Eine CO2-Diskussion sollte man wegen des neuen S 600 Pullman Guard aber nicht führen. Dieses Modell wird extrem selten bleiben und zudem nur zu besonderen Anlässen zum Einsatz kommen. Die Zahl der Kunden ist gering, hierzu zählen vor allem Regierungen. Immerhin sollen bereits ein Dutzend Vorbestellungen vorliegen. Doch trotz geringster Stückzahlen soll der S 600 Pullman Guard nicht nur die Strahlkraft der Marke Mercedes erhöhen, die Stuttgarter wollen angeblich sogar daran verdienen.

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