Erster Test: Opel Astra GTC – Die können Autos

Wenn ein Autohersteller einen Kompaktwagen schnittig macht und daraus einen Zweitürer, wird oft nur die Anzahl der Türen halbiert, der Rest des Autos bleibt. Beim Astra GTC blieben nur Antenne, Türgriffe und Außenspiegel, der Rest ist neu.

Das Resultat ist ein eigenständiger Flitzer, der nicht zuletzt wegen seines optimierten Fahrwerks überzeugen kann. Zwei Motorisierungen des aktuell in den Handel kommenden GTC standen uns für erste Ausfahrten zur Verfügung. Der harmonisch antretende 165 PS Diesel im 2.0 CDTI und der drehzahlhungrige 1,6-Liter Benziner mit 180 PS.

Egal welche Motorisierung man wählt: Das agile Fahrwerk wird man schon in den ersten Kurven schätzen lernen. Die Hyperstrut genannte Vorderradaufhängung entstammt dem Insignia OPC und entkoppelt das Federbein vom Radträger und damit von den Lenkbewegungen, weshalb sich der GTC einerseits spielerisch in die Kurven werfen lässt und gleichzeitig die Antriebseinflüsse der, für einen Fronttriebler fast grenzwertig zu nennenden, Motorleistung auf ein kaum registrierbares Minimum reduziert werden konnten.

Fahrwerk begeistert

Das Ergebnis überzeugt vor allem in schnellen Kurven: Für einen Vorderradantrieb geht es überraschend direkt und zielgenau in die Kurve hinein, beim kräftigen Herausbeschleunigen fehlt das Zerren an der Lenkung. Die Motorleistung reicht um, je nach Straßenbelag, im zweiten oder dritten Gang die Räder durchdrehen zu lassen, doch erfolgt die überaus sanft und gleichmäßig, eben ohne Gezerre und Unruhe am Volant. Subjektiv hat der Wagen dadurch mehr Grip.

Der Innenraum stellt den Astra-Kunden vor keine Rätsel, an die Bedienung hat man sich rasch gewöhnt. Opel-typisch können auch in diesem Kompaktmodell Sicherheitsfeatures geordert werden, die sonst eher höherpreisigen Klassen vorbehalten bleiben. Besonders auf das adaptive Fernlicht mit automatischer Leuchtweitenregulierung sind die Opelaner stolz, es ist nach ihren Angaben das beste Lichtsystem im Kompaktwagensegment.

Sicherheitsfeatures an Bord

Abstandswarner und Spurhalteassistent sind dagegen passiv ausgelegt: fährt man zu dicht auf den Vordermann auf, wird man im Zentraldisplay darauf hingewiesen – mit der Reaktionszeit in Sekunden, die einen Auffahrunfall verhindern würde: Alles unter einer Sekunde bedeutet Punkte in Flensburg. Auch der Spurhalteassi macht lediglich optisch und akustisch auf sich aufmerksam, ein Vibrieren am Lenkrad oder Sitz, oder gar ein aktives Eingreifen in den Lenkwinkel fehlt.

Die Sitze geben einem ordentlichen Seitenhalt, der Verstellbereich von Lenkrad und Sitzen ist überaus großzügig, bei einer ergonomischen Sitzposition der Vordermänner sind die Platzverhältnisse auch hinten, unter dem stark abfallenden Dach noch in Ordnung. Der Kofferraum (380-1.165 Liter) und die Zuladung (bis zu 523 Kilogramm) liegen auf Fünftürer-Niveau.

Design überzeugt

Das emotionale und durchaus gelungene Design wird nicht zuletzt durch die breitere Spur und die großen Räder – 18 Zoll sind Serie, 19 sehen klasse aus, 20 gehen maximal – unterstützt. Diese wiederum folgten jedoch weniger dem sehen Designdiktat als den Ansprüchen aus der Fahrdynamik.

Und diese werden in Zukunft noch einen deutlich weiteren Bereich abdecken, wie sich der Motorenliste entnehmen lässt: Der 100 PS Basisversion des 1,4 Liter Benziners (an 19.900 Euro) folgen zwei Ausbaustufen des 1,4 Liter Turbos mit 120 und 140 PS (jeweils knapp unter und knapp über 22.000 Euro). Der 180 PS 1,8 Liter Turbo mit einer Topspeed von 220 km/h liegt mit 23.250 Euro noch unter dem 2-Liter Diesel (25.055 Euro).

Im Frühjahr kommt eine weitere wichtige Option für den GTC hinzu: Das Panoramadach, das für etwa 1.100 Euro Aufpreis ein Cabrio vergessen machen kann. Im Sommer wiederum kommt die 285 PS starke OPC-Variante mit weiteren technischen Feinheiten und um die Frage zu stellen mit welchem Motor die Leistungslücke zum 180 PS Turbo zu füllen ist. Immerhin gibt es noch den GTI zu schlagen…

Fazit

Der Opel Astra GTC kann begeistern. Das gelungene Design trifft auf ein überraschend agiles Fahrwerk, das durchaus komfortabel ist und dank elektronischer Dämpfer den Spagat zwischen Langstreckenkomfort und Kurvengier meistert.

Motorisch werden in Zukunft die kommenden 1,7 Liter CDTI Diesel den Ton angeben und der 1,4 Liter Turbo. Einzige Motorisierung ohne die mittlerweile als Stand der Technik zu bezeichnende Start-Stopp Automatik ist der 180 PS Benziner. Was schade ist, denn der kann durchaus mit Laufkultur und Kraft punkten – auch wenn diese erst ab 3.000 Umdrehungen richtig deutlich wird.

Die GTC-Krone wird aber die OPC-Variante erhalten. Hoffentlich findet dann auch die Vorderachssperre den Weg über eine OPC-Linie in die Standard-GTCs. Das würde das gelungene Fahrwerk einerseits nach oben abrunden und gleichzeitig einen dynamischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz in Form von Ford Focus und VW Golf ermöglichen.

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