Erster Test: Opel Insignia OPC – Mit Tigerzähnen

Zuerst stellt Opel den Insignia Ecoflex vor, das Spritsparmodell der Baureihe, kurz danach das andere Extrem, den hochdynamischen Allradsportler Insignia OPC mit bemerkenswert durstigem V6-Benziner.

Das OPC-Label schmückt seit nunmehr zehn Jahren besonders starke Opel. Bisheriger Höhepunkt war der Vectra mit zuletzt 280 PS. Diese Marke kann sein Nachfolger Insiginia in der OPC-Version noch deutlich toppen. Der 2,8-Liter-V6 wurde auf 325 Turbo-Pferde hochgepowert und verteilt diese Kraft an alle vier Räder.

Das völlig neue Opel-Allradsystem ist ein wesentlicher Garant für gehobene Fahrfreuden. Statt wimmernder Fronträder und nervigem Zerren in der Lenkung gibt es nunmehr Traktion satt. Die 245er-Reifen auf den mindestens 19 Zoll großen Rädern krallen sich souverän in den Asphalt. Registriert die Elektronik Schlupf an einem Rad, wird das Haldex-4-Allradsystem umgehend die Kraft hochvariabel zwischen den Achsen und zwischen den Rädern der Hinterachse verteilen. Einziger Wermutstropfen: Der spektakuläre Kavalierstart mit rauchenden Reifen ist ein Relikt vergangener Tage.

Sportlicher Unterbau

Für ebenfalls mehr Grip sorgt speziell beim OPC eine neue Vorderradaufhängung namens HiPerStrut. Dabei handelt es sich um die Weiterentwicklung einer McPherson-Achse, bei der ein zusätzliches Element Krafteinflüsse auf die Lenkung unterbindet. Dank besonders leichter Brembo-Bremsscheiben und Vierkolben-Bremssättel haben sich zudem die ungefederten Massen deutlich reduziert. Das Ergebnis ist eine beeindruckend hohe Lenkpräzision und ein dynamisches Einlenkverhalten.

Serienmäßig verfügt der OPC zudem über das adaptive Flex-Ride-Fahrwerk. In der Standard-Einstellung rollt der große Opel trotz seiner 19-Zoll-Räder recht geschmeidig über Unebenheiten, lässt allerdings bei schneller Fahrt sportliche Straffheit vermissen. Drückt man auf die Sport-Taste, liegt der Wagen satter auf dem Asphalt, und die Lenkung reagiert direkter. Steigern lässt sich diese Präzision mit einem Druck auf die OPC-Taste. Die Dämpfer werden dann durch das Schließen von Ventilen, die den Öldurchfluss regeln, noch härter. Im OPC-Modus fallen die Wankneigungen in Kurven nur noch sehr gering aus. Doch selbst mit dieser dynamischen Abstimmung wird aus der Insignia OPC – kein Wunder angesichts von mindestens 1,8 Tonnen – kein richtiger Supersportler.

Stark aber nicht superschnell

Während Fahrwerk und Allradsystem überzeugen, löst die Motorperformance nur verhaltene Begeisterung aus.Der sehr kultivierte Sechszylinder lässt vor allem Biss von unten raus vermissen. Bis etwa 2.500 Touren ist der Vortrieb unspektakulär, fehlt der charakteristische Turbobums. Erst bei höheren Drehzahlen geht die Post richtig ab. Ungewöhnlich für einen Turbomotor ist auch, dass das maximale Drehmoment von immerhin 435 Newtonmetern erst bei hoher Drehzahl –5.250 Touren – anliegt.

Exakt sechs Sekunden soll der 100-km/h-Sprint im Insignia OPC dauern, bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt. Fraglos souveräne Fahrleistungen, doch im Vergleich zu einigen Mitbewerbern etwas wenig. So erledigt ein Passat CC 3.6 mit 300 PS starkem Saugmotor den Sprint in 5,6 Sekunden, und ein Audi S4 mit Kompressor-Direkteinspritzer braucht sogar nur 5,1 Sekunden.

Durstiger Kracher

Auch hinsichtlich der Effizienz hat der Opel mit seinem gelegentlich etwas hakeligem Sechsgang-Schaltgetriebe das Nachsehen. Trotz seiner besseren Fahrleistungen kommt ein S4 im EU-Verbrauchstest mit deutlich weniger Sprit aus. Während Opel für den Insignia OPC einen Normverbrauch mit 11,4 Litern angibt, begnügt sich der schnelle Audi mit 9,7 Litern, und ein VW Passat CC 3.6 braucht gar nur 9,5 Liter. Praktisch fließt aber bei allen mehr Kraftstoff in die Brennräume fließt aber bei allen mehr Kraftstoff in die Brennräume. Nach einer recht entspannten Testfahrt zeigte der Bordcomputer des Insignia OPC bereits 13,5 Liter an.

Es geht beim Insignia aber nicht so sehr um Vernunft oder Effizienz als vielmehr um Emotionen. Diese kann der Stark-Opel unter anderem akustisch vermitteln. Turbopfeifen nimmt man nur gelegentlich wahr. Dafür ist der Motor innen bei niedrigeren Touren und im Teillastbereich durch ein deutliches Dröhnen sehr präsent. Vielschichtiger, schöner und emotionaler klingt der Motorsound aus der Remus-Auspuffanlage erst bei höheren Drehzahlen, was Passanten von außen als kraftbetontes Brabbeln erleben, das gelegentlich in Brüllen übergeht.

Starker Auftritt

Auch optisch ist der OPC eine auffällige Erscheinung. Statt mächtiger Spoiler zeigt er dem Publikum unter anderem zwei Tigerzähne genannte vertikale Luftöffnungen mit Chromumrandung in der Frontschürze, die von zwei schmalen Lüftungsschlitzen flankiert werden. Am Heck fallen eine erhöhte Abrisskante auf der Kofferraumklappe und die beiden rechteckigen, in die Heckschürze integrierten Auspuffendrohre auf.

Im Innenraum herrscht ebenfalls sportliches Flair. Die Insassen werden höchst angenehm von hervorragenden Recaro-Sportsitzen umschmeichelt, die einen überzeugenden Spagat aus Komfort und verbindlicher Umklammerung bieten. Die von uns gefahrene Version verfügte über Sitze in der 1.600 Euro teuren AGR-Ausführung mit Lederbezügen. Zum standardmäßigem OPC-Trimm gehören außerdem ein unten abgeflachtes, griffiges Sportlederlenkrad und ein dunkler Dachhimmel. Zudem blickt der Fahrer im Instrumententräger auf einen 300-km/h-Tacho und kann sich auf Wunsch im Multifunktionsdisplay über Öltemperatur sowie Öl- und Ladedruck informieren.

Viel drin, hoher Preis

Für die Kombination aus Allradantrieb, starkem V6 und umfangreicher Ausstattung verlangt Opel allerdings eine Menge Geld. Für die viertürige Limousine werden mindestens 44.900 Euro fällig, für die Kombiversion muss man zusätzlich 1.500 Euro berappen. Im Vergleich zum Vectra OPC sind das gut 5.000 Euro mehr. Immerhin schließt der Insignia- Preis neben vielen sportlichen Details serienmäßig noch ein vollintegriertes DVD-Navi, ein CD-Radio, Tempomat, Klimaautomatik, Regensensor und Lichtautomatik ein.

Ausstattungsbereinigt liegt der Insignia OPC damit etwa auf dem Preisniveau des VW Passat CC 3.6. Ein Passat R36 ist bereits um einige tausend Euro teurer und will man einen gleichwertig ausgestatteten Audi S4, muss man rund 10.000 Euro mehr ausgeben.

Technische Daten
Marke und Modell Opel Insignia OPC
Ausstattungsvariante
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.830/ 1.856 / 1.498
Radstand (mm) 2.737
Wendekreis (m) 11,7
Leergewicht (kg) 1.810
Kofferraum (Liter) 500
Bereifung Testwagen 245/40 R19
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 2.792 / V6
Leistung (PS) 325
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 435 / 5.250
Antriebsart Allrad
Getriebeart manuelles 6-Gang-Getriebe
Verbrauch
Krafstoffart Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km) 11,4
CO2-Emissionen (g/km) 268
AS24-Verbrauch (l/100km) k.A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 6
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 250
Preise
ab (Euro) 44.900
Empfohlene Extras OPC-Recaro-Sportsitz mit Gütesiegel AGR (1.600 Euro)
VergrößernVerkleinern
## Fazit
Im Vergleich zum alten Vectra OPC hat der Inisignia OPC einen großen Schritt nach vorne gemacht. Die Reiselimousine bietet nicht nur souveräne Fahrleistungen und ein auf Wunsch sehr sportlich abgestimmtes Fahrwerk, sondern sie wird zugleich auch hohen Ansprüchen an Komfort und Alltagstauglichkeit gerecht. Angesichts dieser sehr umfassenden Verbesserungen erscheint die deutliche Preisanhebung im Vergleich zum Vorgänger akzeptabel.

Zumal der Insignia OPC weiterhin preislich konkurrenzfähig ist. Hinsichtlich Fahrleistungen und Verbrauch kann er Konkurrenten wie VW Passat R36 und Audi S4 allerdings nicht das Wasser reichen.

Wollen Sie jetzt durchstarten?

Alle Artikel

Gebrauchtwagen-Kaufberater: Opel Astra H – Golf-Gegner für kleines Geld

Gebrauchtwagen-Kaufberater: Opel Meriva B – Familienvan mit typischen Mängeln

Erster Test: Opel Grandland X 2.0 D Ultimate – Einmal alles, bitte

Mehr anzeigen