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Erster Test: Saab 9-3 Facelift – Im neuen Sommerkleid

Was hierzulande vor allem durch einschlägige Ikea-Werbung bekannt ist, gilt den Schweden als zweit wichtigstes Fest nach Weihnachten: Midsommar. Der Tag, immer um den 22. Juni, an dem die Sonne am Polarkreis nicht untergeht.

Saab nutzte die Gunst des Sonnenlichtes und lud zur Präsentation der gelifteten 9-3er Baureihe nach Göteborg. Wir haben das überarbeitete Cabrio entlang der schwedischen Westküste getestet.
Auf den Straßen rund um Fiskebäckskil, gut einhundert Kilometer nördlich von Göteborg, sieht man Cabrios eher selten fahren. Dabei passt sich der offene Saab 9-3 perfekt in die skandinavische Landschaft ein. Nüchtern, kühl und souverän präsentiert sich das überarbeitete Cabrio. Der trapezförmige Lufteinlass in der neuen Frontschürze schnappt frech nach der erfrischenden Luft am Skakerag.

Von der Studie Aero X haben die Designer den deutlich dreigeteilten, mit Chrom eingefassten Kühlergrill übernommen. Zusammen mit dem kecken Schwung an den Scheinwerfern zeigt sich Saabs Bestseller erfrischend moderner und sportlicher. Das dreilagige Verdeck schließt und öffnet in 20 Sekunden und ist nun an sechs statt fünf Spriegeln befestigt: Es wirkt straffer und glatter als beim aktuellen Modell.

Ein weißer Rücken…

Während der Kombi schon länger von weißen Rückleuchten profitiert, kommen diese nun auch beim Cabriolet zum Einsatz. Insgesamt wirkt das Heck glatter, eben ein bisschen skandinavischer. Den sachlichen Innenraum mit grün beleuchteten Instrumenten haben die Kreativen dagegen weitgehend unberührt gelassen.

Das fahrerorientierte Cockpit wirkt übersichtlich und aufgeräumt, für den Beifahrer sind Instrumente und Navibildschirm aber nur schwer einsehbar. Solide, gut verarbeitete Kunststoffe unterstreichen den nordischen Touch. Leider ist die Längseinstellung des Lenkrads zu gering ausgefallen, große Fahrer haben damit ihre Probleme. Sonst sind die Platzverhältnisse in der ersten Reihe ausreichend, auf der zweiten Bank geht es deutlich enger zu.

Breites Motorenspektrum

Mindestens 150 PS hat das Cabriolet unter der Haube, die kleineren 120 PS-Modelle sind Kombi und Limousine vorbehalten. Bei den Benziner geht es mit einem Zwei-Liter-Turbo los, mit wahlweise 150, 200 oder 210 PS. Das Topaggregat ist der 2,8-Liter-V6 mit jetzt 255 PS (plus fünf PS). Ab 2008 wird er von einem 280 PS starken Sechszylinder übertroffen.

Beide Dieselaggregate basieren auf dem bekannten 1,9-Liter-Motor. Der Einstieg ist die bekannte 150 PS-Version, neu ist die 180 PS starke Ausbaustufe mit dem klangvollen Kürzel 1.9 TTiD. Das System basiert auf zwei Turboladern mit Bypass-Ventilen. Bei bis zu 2.800 Motorumdrehungen pro Minute wird nur die kleinere Turbine angetrieben, zwischen 2.800 und 3.200 U/min wird der Abgasstrom zwischen beiden Schaufelrädern aufgeteilt. Darüber wird allein der größere Lader eingesetzt.

Die Kraft der zwei Lader

Der Vorteil liegt auf der Hand: Der kleinere Lader spricht schneller an, liefert schon bei niedrigen Touren ordentlich Drehmoment. Die große Turbine dagegen sorgt dagegen bei höheren Drehzahlen für eine stärkere Maximal-Leistung. In Zahlen heißt das: 180 PS und 400 Newtonmeter.

Klingt alles sehr theoretisch, erweist sich in der Praxis aber als äußerst gelungen. Über das gesamte Drehzahlband zieht der Selbstzünder kräftig durch, auch nach oben hin stecken stets noch Kraftreserven in seinen vier Zylindern. Verbrauchswerte hat Saab noch nicht bekannt gegeben. In Kombination mit dem präzisen Sechsganggetriebe dürften sie zwischen sieben und acht Litern liegen. Zudem erfüllt das Aggregat schon die kommende Abgasnorm EU5.

Schutz vorm Elch

Auf den langen, schnurgeraden Straßen im Norden, liegt das Hauptaugenmerk in Sachen Fahrwerk meistens auf dem Langstreckenkomfort. Den bietet der Saab 9-3 trotz der straffen Auslegung zur Genüge. Vor allem die steife Karosserie des Cabrios zahlt sich in flotten Kurven aus. Apropos steif: Saab hat extra die A-Säule verstärkt, da der schwedische Norm-Elch bei einem Zusammenstoß genau auf der Windschutzscheibe zum Liegen kommt.

Wer gezielt auf Elchjagd gehen will, sollte einen passenden Anhänger nicht vergessen. Bei geschlossenem Dach gehen 352 Liter in den Kofferraum, offen sind es nur noch 245 Liter. Die äußerst schmale Ladeöffnung, bedingt durch das verstaute Verdeck, macht das Beladen zusätzlich anstrengend.

Facelift auch für Kombi und Limousine

Die Serienausstattung umfasst unter anderem elektrische Außenspiegel und Fensterheber, Klimaautomatik, ein Radio mit CD-Spieler und den praktischen Parkscheinhalter an der Windschutzscheibe. Der Kunde muss mindestens 34.400 Euro auf den Tisch legen, um den offenen Saab zu fahren. Die beiden Diesel stehen mit 36.000 und 37.700 Euro in der Preisliste. Automatik kostet rund 2.000 Euro mehr.

Deutlich günstiger sind die beiden ebenfalls überarbeiteten, geschlossenen 9-3 Versionen zu haben. Die Limousine beginnt bei 25.350 Euro, der SportKombi bei 26.950 Euro. Während die Änderungen beim Kombi - von der neuen Front abgesehen - eher gering ausfielen, trägt jetzt auch das Stufenheckmodell weiße Heckleuchten. Erhältlich sind alle drei ab 7. September.

Fazit

Der 9-3 ist der Bestseller im eher kleinen Saab-Programm. Man muss nicht mehr Lehrer, Architekt oder Zahnärztin sein, um einen der schicken Schweden zu fahren. Der Hauch des etwas exotischeren heftet den Schweden aber nach wie vor an. Perfekt, um sich von der Masse abzuheben. Nach dem Facelift präsentiert sich die Baureihe als ausgereift und solide. Das breite Motorenangebot sollte für jeden das Richtige bereithalten. Als Schmankerl bietet Saab den 9-3 zukünftig auch mit zwei umweltschonenden BioEthanol-Motoren an. Lesen Sie dazu mehr in der nächsten Woche.

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