Erster Test: Seat Mii – Mii too

Ein Me-too-Produkt ist, laut einschlägiger Lexika, ein Nachahmerprodukt. Genauer ein Produkt, das einem innovativen Original in vielen Eigenschaften und Fähigkeiten gleicht und kurz darauf auf den Markt kommt.

Genau das macht Seat jetzt: Im Dezember 2011 bringt VW den Up auf den Markt, im Frühjahr kommenden Jahres folgt der nahezu identische spanische Up-leger – namens Mii. Zugegeben, es ist etwas mühsam über ein Auto zu berichten, dass einem anderen wie ein Zwilling gleicht. Das hat Seat wohl selbst gemerkt, denn anders ist die erfrischende Kürze der sonst oft reichlich Sitzfleisch erfordernden Pressekonferenz nicht zu erklären. Doch es gibt nun mal kaum Neues zu berichten, denn erst vor wenigen Wochen hat VW den Up mit großem Trara der Presse vorgestellt.

Und der Seat unterscheidet sich nur in wenigen Details vom Wolfsburger Original. Dem 3,55 Meter langen Stadtfloh haben die Spanier eine neue Front verpasst, die, laut eigener Aussage, deutlich dynamischer sein soll; sie ist auf jeden Fall anders. Anders ist auch die Fenstergrafik der hinteren Seitenscheiben, dem Seat fehlt der kecke Knick.

Kleine Unterschiede

Differenzen gibt es auch noch an der Heckklappe. Statt großflächig aus Glas wie beim Up, kommt beim Seat eine klassische Blech-Klappe zum Einsatz. Nicht, weil sie günstiger sei, sagt man in Barcelona, sondern um eigenständig aufzutreten. Bei der tristen Gestaltung des Hartplastik-Innenraums dürften die Kosten allerdings zweifelsohne im Vordergrund gestanden haben. Und damit sind auch schon alle Unterschiede abgehandelt.

Nichtsdestotrotz geht man bei Seat fest davon aus, sich nicht mit den VW-Kunden in die Quere zu kommen. Schließlich würden sich auch Polo- und Ibiza-Klientel kaum überschneiden; diese Modelle haben allerdings deutlich mehr individuelle Ausprägung. Zudem gäbe es reichlich ehemalige Arosa-Käufer, die schon seit dessen Ende im Jahr 2004 auf einen Nachfolger warten.

Gute Figur in der Großstadt

Mit dem Mii bekommt der Kleinwagen-Klassiker einen Nachfolger, der mit seinen nur gut dreieinhalb Metern selbst im Großstadtdschungel Barcelonas eine gute Figur machte. Lücken im fließenden Verkehr lassen sich mit dem flinken Mini wunderbar ausnutzen, die Übersicht in alle Richtungen ist gut, so dass auch Rollerfahrer und Fußgänger nicht in Gefahr geraten und das Einparken geht problemlos von der Hand – auch ohne Parksensoren.

Wie beim Up gibt es auch bei Seat optional den City-Bremsassistenten. Der verhindert in Zusammenarbeit mit dem serienmäßigen ESP, bei bis zu 30 km/h, einen drohenden Auffahrunfall und leitet automatisch eine Vollbremsung ein. So wird entweder die Unfallschwere gemindert oder der Crash komplett vermieden.

Zwei mal drei

Bevor aber gebremst wird, gilt es den Mii erst mal in Bewegung zu setzen. Diese Aufgabe übernimmt, wie sollte es anders sein, auch in der spanischen Version der Drei-Zylinder-Benziner aus dem Up, der aus 999 Kubikzentimeter Hubraum wahlweise 60 oder 75 PS entwickelt. Und auch beim Seat gilt, dass der Unterschied eher marginal ist. Den Verbrauch gibt Seat, wie VW, mit 4,5 und 4,7 Liter an; die bereits angekündigte Spritspar-Version Ecomotive soll rund 0,3 Liter weniger schlucken.

Im Stadtverkehr gefallen beide, jeweils an ein leichtgängiges Fünf-Gang-Getriebe gekoppelten Motorvarianten, durch ihren flinken Antritt und ist es egal, ob der Standardsprint nun 14,4 oder 13,2 Sekunden dauert. Nur wer vor hat, mit dem Mii öfter auch mal auf die Autobahn abzubiegen, sollte sich für die potentere Version entscheiden, die mit Maximal-Tempo 173 ein Dutzend Kilometer in der Stunde mehr schafft.

Laut und straff

Doch ist der Mii sicher nicht für lange Überlandfahrten gemacht, allein die nicht gerade leise Geräuschkulisse in dem nur mäßig gedämmten Kleinwagen verdirbt den Spaß am schnellen Fahren; in der Stadt fällt dies freilich weniger ins Gewicht. Dort wird man sich eher über das straffe Fahrwerk ärgern, dass mit 2,42 Meter Radstand nur bedingt Komfort bieten kann und den Mii munter über alle Unebenheiten im Asphalt hoppeln lässt.

Die beim VW Up gescholtene Verarbeitungsqualität und nicht gerade hochwertig wirkenden Materialien mag man dem Seat eher verzeihen. Doch finden sich auch im Mii-Cockpit vereinzelt noch ungenaue Passungen und fasst sich nicht jede Oberfläche angenehm an.

Praktisch und großzügig

Unstrittig ist dagegen die Praktikabilität. Auch im Mii können selbst zwei Erwachsene im Fond noch mehr oder weniger angenehm sitzen. Der Einstieg in den Fond ist allerdings beschwerlich und klappen die Vordersitze nicht immer problemlos zurück. Abhilfe schafft da der für 2012 angekündigte Vier-Türer.

Und Voraussetzung für die volle Bestuhlung ist, dass man kein oder kaum Gepäck zu transportieren hat. Denn der 251 Liter große Kofferraum reicht wohl nur selten und müssen die beiden Sitze, will man mehr transportieren, umgeklappt werden. Immerhin stehen dann 951 Liter zur Verfügung, die für die meisten Einsatzzwecke ausreichen sollten.

Technische Daten
Marke und Modell Seat Mii Seat Mii
Motor / Ausstattung 1.0 (44 kW) 1.0 (55 kW)
Motor
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart) 999 / R3 999 / R3
Leistung (kW (PS) / U/min) 44 (60) / 5.000 - 6.000 55 (75) / 6.200
Drehmoment (Nm / U/min) 95 / 3.000 - 4.300 95 / 3.000 - 4.300
Antriebsart Frontantrieb Frontantrieb
Getriebeart 5-Gang-Schaltgetriebe 5-Gang-Schaltgetriebe
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 3.557 / 1.641 / 1.478 3.557 / 1.641 / 1.478
Radstand (mm) 2.420 2.420
Wendekreis (m) 9,8 9,8
Leergewicht (kg) 929 929
Kofferraum (Liter) 251 - 951 251 - 951
Serienbereifung 165/70 R 14 165/70 R 14
Verbrauch
Krafstoffart Benzin Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km) 4,5 4,7
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 105 / Euro5 108 / Euro5
AS24-Verbrauch (l/100km) k. A. k. A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 14,4 13,2
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k. A. k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k. A. k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 160 171
Preise
ab (Euro) k. A., voraussichtlich unter 9.000 k. A.
Ausgewählte Extras (Euro) noch keine Angabe noch keine Angabe
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## Preis noch offen
Was der Mii genau kosten wird, verrät Seat noch nicht; die Markteinführung ist in Deutschland erst im Frühjahr 2012. Doch ist davon auszugehen, dass er den 9.850 Euro teuren VW Up deutlich unterbieten wird und unter 9.000 Euro bleibt – für die wohl ziemlich nackte Basis. Wer ein Radio, elektrische Fensterheber (wie beim Up kann auch beim Seat übrigens das Beifahrerfenster nicht von der Fahrerseite bedient werden) oder eine Zentralverriegelung will, muss extra zahlen und dürfte für einen gut ausgestatteten Mii auch deutlich über 10.000 Euro hinlegen müssen.

Egal für welchen der beiden man sich entscheidet – in Kürze kommt übrigens noch ein Dritter dazu, der Skoda Citygo -, man erhält in jedem Fall einen soliden, ausreichend starken Kleinwagen mit praktischem Innenraum. Die typischen Kleinwagenschwächen, wie wenig Fahrkomfort oder kleinere Qualiätsmängel, konnte allerdings auch der VW-Konzern dieser Fahrzeugklasse nicht austreiben. Me-too-Produkte sind in der Regel dann erfolgreich, wenn das Original Erfolg hat. Und davon ist beim VW Up auszugehen, allein schon deshalb, weil VW drauf steht. Ob jemand wegen des vermeintlich schickeren Kühlergrills zum Seat greift ist fraglich, wohl aber der günstigere Preis dürfte den Spaniern einige potentielle VW-Käufer bescheren; auch wenn man bei Seat der Meinung ist, ohnehin unterschiedliche Kunden anzusprechen.

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