Gebrauchtwagen-Kaufberater: Preiswerte Roadster – Auf die sonnige Tour

„Frei und abgebrannt“ könnte das Motto für unsere Cabriolets im Bereich um 5.000 Euro lauten. Denn, anders, als wenn die Bank die Raten fordert, stellt sich bei diesen Barzahler-Autos das Freiheitsgefühl auf ganz eigene Weise ein. Und dafür braucht es noch nicht einmal Sonnenschein satt.

AutoScout24 hat für Sie die interessantesten Angebote dieses Sommers gesichtet. Auch 2013 wird sich irgendwann der Winter bezwingen lassen und nach gefühlt unendlich vielen Monaten wird das Wintergrau allmählich dem Frühlingsgrün weichen. Was liegt da näher, als den lange gehegten Wunsch nach einem Cabriolet endlich wahr werden zu lassen. Und selbst wenn in der Kasse gerade Ebbe ist, dieser kleine Traum ist durchaus erfüllbar.

Gerade jetzt, in den ersten Wochen nach dem Winter, ist für die Schnäppchenjagd die beste Zeit. Noch ist das Angebot groß und die Preise niedrig. Doch Eile ist angebracht, erfahrungsgemäß legen gerade Cabrios im Preis rasant zu, sobald die Sonne kräftig scheint.

Grundsatzentscheidung

Es ist kaum zu glauben, aber selbst im unteren Preissegment gibt es mittlerweile reichlich Auswahl. Bedarfsanalyse ist daher vor dem Kauf das A und O. Soll der offene Flitzer nur für den schnellen Spurt in die City zu zweit sein oder sollen auch mal mehr Personen mit von der Partie sein? Ist ein elektrisch betriebenes Verdeck wirklich wichtig? Muss es unbedingt ein PS starker Benziner sein?

Und soll der Neuerwerb auch im nächsten Winter noch treu seine Dienste verrichten oder wird aus dem Rendezvous nur eine kurze Sommerromanze? Fragen über Fragen, doch nur, wer sich im Vornherein möglichst genau über seine Bedürfnisse im klaren ist, erlebt hinterher keine bösen Überraschungen.

Audi TT (1. Generation)

+

  • Unauffällige Technik mit geringen Unterhaltskosten (Euro 3)

  • Solide Karosserie

  • Hochwertige Verarbeitung

  • Haltbares Stoffverdeck

  • Zahlreiche Sonderausstatungen lieferbar

  • Großes Servicenetz

  • Hoher Wiederverkaufswert

  • Häufig unsachgemäß getunte Fahrzeuge am Markt (Chiptuning)

  • Undichte Verdeckdichtleisten

  • Gelegentlich Verarbeitungsmängel im Innenraum (Softlack)

    Von Hand oder mit Motor

    Im Focus unserer Beobachtung stehen dieses Mal die Flitzer von Mazda (MX

Beim Probelauf sollten sie ihre Arbeit in beide Richtungen zügig und ohne zu Ruckeln verrichten. Stoppt der Ablauf oder knarzt es vernehmlich im Gestänge drohen teure Instandsetzungsmaßnahmen, denn die elektro-hydraulisch Antriebe werden von zahlreichen Microschaltern und Sensoren gesteuert, bei deren Fehlfunktion nur noch eine professionelle Fehlerdiagnose in der Fachwerkstatt weiterhilft.

Hauptsache Original

Wer sich für einen der drei Roadster interessiert, sollte keine Sänften erwarten. Speziell Audi TT und Mazda MX-5 sind mit sehr straffen Fahrwerken unterwegs, was mitunter den Bandscheiben ganz schön zu schaffen machen kann. Ganz im Gegensatz zu den Karossen, die sich bei allen drei Kandidaten als verwindungssteif und gut verarbeitet zeigen. Trotzdem ist bei Fahrzeugen mit nicht originalen Breitreifen und Felgen, sowie nachträglichen Tieferlegungen Vorsicht angebracht. Nur allzu schnell überfordern diese Nachrüstungen die Konstruktion von Fahrwerk und Karosserie.

Vorzeitiger Verschleiß, bis hin zu Spannungsrissen an den Schweißnähten, können die Folge sein. In diese kaum sichtbaren Haarrisse kann dann Feuchtigkeit eindringen, was zu Korrosion führt. Abgesehen von diesen Nachteilen sorgt diese Art des Tunings nicht selten für eine insgesamt unharmonische Gesamtabstimmung des Fahrzeuges, weshalb original erhaltenen Angeboten der Vorzug gebührt.

Mazda MX-5

+

  • Sehr ausgereifte Technik

  • Einfacher aber qualitativ hochwertiger Innenraum

  • Preiswerter Unterhalt (vor allem mit 1,6-Liter-Motor)

  • Guter Wiederverkaufswert

  • Verschleißfreudiges Plastikverdeck

  • Bedingt rostanfällige Karosserie (Kantenrost)

  • Teure Ersatzteile

  • Lahme Automatikversion

    Mit Kompromissen leben lernen

    Sportliche Fahrer werden speziell am BMW Z3 und an dem Mazda MX

Und auch der Raum für Gepäck ist bei den drei Probanden beschränkt. Mini-Kofferräume (Mazda 144 Liter) und fehlende Ablagen lassen schnell die Frage nach dem Wohin mit dem Reisegepäck aufkommen. Für den täglichen Einkauf langt es, für die große Reise empfiehlt es sich aber den Vorbesitzer nach Zubehör, wie etwa einer Gepäckbrücke zu fragen.

Die Qual der Wahl

Der Roadster lebt vom Motor und so wundert es nicht, dass sich kein Probant unter 110 PS findet. Etwas Power muss eben schon sein, will man zügig ums Eck flitzen. Alle Hersteller setzen dabei auf Vierzylinder mit rund zwei Litern. Lediglich im MX-5 gab es ein durchaus ausreichend motorisiertes Einstiegsmodell mit 110 PS und steuerfreundlichen 1,6 Litern.

Bei Audi sorgt ein Turbolader für die notwendigen PS. Von 150 bis 225 PS reicht die Leistungsskala des 1,8-Liter-Vierzylinders, der zusätzlich über einen Fünfventil-Zylinderkopf verfügt. BMW dagegen bot den Z3 anfangs mit drei unterschiedlichen Vierzylindern an, von denen der 2,0-Liter mit 150 PS die beste Wahl ist.

Wer dagegen auf einen Sechszylinder aus ist, sollte neben den höheren Anschaffungskosten für Audi TT 3.2 oder einen Z3 mit 2,8 Litern vor allem den deutlich höheren Verbrauch einkalkulieren. Nötig sind diese leistungsstärkeren Aggregate für den Roadsterspaß freilich nicht, denn die Vierzylinder werden mit den niedrigen Gewichten gut fertig und glänzen mit Verbräuchen zwischen acht und zehn Litern.

Keine Geschmacksfrage

Ein Roadster mit Automatik? Was sich schon in der Theorie unglücklich anhört, ist dann auch in der Praxis keine Empfehlung wert. Mit einer Ausnahme: Audi setzte nach dem Facelift des TT auf das damals revolutionäre Direktschaltgetriebe (DSG), allerdings nur in Verbindung mit dem 3,2-Liter-Sechszylinder, der den hier gesteckten Preisrahmen jedoch sprengt.

Die Vierzylinder gingen, genauso wie bei BMW und Mazda, mit dem lieferbaren Wandlerautomaten eine nur wenig glückliche Verbindung ein, denn sie raubte den hubraumschwachen Motoren viel ihrer Sportlichkeit.

BMW Z3

+

  • Gute Karosseriequalität

  • Solider Antriebsstrang

  • Vielzahl von Sonderausstattungen und individuellen Sondermodellen

  • Guter Wiederverkaufswert

  • Nachlässige Verarbeitungs - und Materialqualität im Innenraum

  • Anfällige Kunststoffheckscheibe

  • Wassereinbruch am Verdeck

  • Mitunter Korrosion an Karosserieteilen

  • Schnell verschleißende Vorderachsen

  • Laufgeräusche aus der Hinterachse

    Auch für den Winter

    Eine Sonderstellung in Sachen Antrieb genießt der Audi TT. Er war optional (serienmäßig bei 225 PS) auch mit dem permanentem Allradantrieb „quattro“ lieferbar. Das einfache System mit einer Haldex

Mit vier angetriebenen Rädern wird der TT zum perfekten Allrounder, der auch für das Winter-Wochenende zum Skilaufen taugt, während das Skigebiet bei Mazda und BMW wegen des wenig winterfesten Heckantriebs nicht zu den bevorzugten Ausflugszielen gehören sollte.

Rüstig bis ins hohe Alter

Was bekommt man für sein Geld? Eine Frage, die besonders bei einem reinen Spaßauto interessiert, schließlich will man den flotten Flitzer am Ende des Sommers nicht für ein paar tausend Euro durchreparieren oder mit Verlust verkaufen. Doch die Sorge ist unbegründet. Alle drei Roadster sind auch im gereiften Alter von erfreulich guter Qualität. Der aus der Großserie entliehene Antrieb macht, ebenso wie die Fahrwerke und die Karosserien kaum Probleme. Es sind eher die Kleinigkeiten, die stören.

So ist das billige Plastikverdeck von BMW und Mazda meist nach 15 Jahren reif für den Austausch. Bei dem Z3 kommt hinzu, das seine Plastikheckscheibe aushärtet und irgendwann blind wird oder bricht. Der Audi fällt im Verdeckbereich mit Undichtigkeiten auf, die von verschlissenen Dichtleisten herrühren, deren Reparatur aber preiswert zu bewerkstelligen ist. Lediglich optische Einbußen bedeuten beim TT dagegen die sich ablösenden Oberflächen diverser Schalter und Griffe. Für den, den es stört, gibt es Do-it-yourself-Reparaturlacke.

Der BMW fällt insbesondere durch seinen lieblos zusammengebauten Innenraum auf, zu dem auch die wenig verschleißfesten Lederpolster gehören. Ein Tribut an die anfangs laschen Qualitätsnormen am Produktionsort Spartanburg in den USA. Der Mazda kann zwar in Sachen Finesse mit den beiden Deutschen Modellen nicht mithalten, lockt dafür aber mit einer einfachen, aber sehr soliden Innenraumqualität, die zu Not auch mal einen Regenschauer schadlos übersteht

Was der Spaß kostet

Rund fünftausend Euro waren im Budget eingeplant und tatsächlich, man findet in der Gebrauchtwagenbörse von AutoScout24 dafür - mit etwas Spielraum nach oben und mit etwas Suchen - einen gut erhaltenen Roadster mit jeder Menge Fahrspaß inklusive. Am meisten bekommt man dabei beim Mazda für sein Geld, denn der MX-5 hat in diesem Segment meist unter 100.000 Kilometer gelaufen und präsentiert sich unfallfrei und mit vollständigem Scheckheft.

Audi TT und BMW Z3 haben da schon deutlich mehr Kilometer auf dem Buckel und machen sich gerade in reizvollen Farb- und Ausstattungsversionen rar. Beim Audi lohnt gerade für Design Fetischisten die Suche nach einem Modell mit der speziellen Lederausstattung in „Baseball“ Optik, während der Mehrpreis für den „quattro“ nur bei entsprechender Nutzung bezahlt werden sollte.

Der Z3 von BMW ist häufig in schwierigen Farben (mint, gelb) zu erstaunlich niedrigen Preisen anzutreffen. Wem das Auto sonst zusagt, sollte eine trendige Folierung (circa 1.700 Euro) in seine Überlegungen mit einbeziehen. Ebenfalls lohnend ist bei dem BMW eine Investition in eines der Sondermodell oder aber in ein Faceliftmodell (April 1999) bei dem BMW die Qualität merklich verbesserte. Roadsterspaß für kleines Geld ist möglich - ohne Reue. Alle drei Modelle sind in großer Auswahl und mit akzeptablen Kilometern verfügbar. Wer sich beeilt, kann jetzt noch das eine oder andere Schnäppchen machen, zumal zweisitzige Roadster ein Segment bilden, das derzeit nur auf verhaltenes Interesse stößt. Und wer weiß, vielleicht wird aus der Liebe für nur einen Sommer ja eine für ein ganzes Leben.

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