Vergleichstest: Renault Mégane R.S. vs. VW Scirocco R – Zwei heiße Eisen

Renault Mégane Coupé und VW Scirocco sehen immer sportlich aus, sind es jedoch nur manchmal. Grund: Den kecken Wolfsburger gibt es auch mit sparsamen 122 PS, den aus Boulogne-Billancourt (nahe Paris) stammenden Zweitürer-Mégane mit ähnlich verhaltenen 130 Pferdchen.

Wirklich schnell sind beide damit nicht. Echte Sportler erkennt man am R im Namen. So zeigen Mégane R.S. Coupé und Scirocco R, wie viel Dynamik-Potenzial in den Modellen steckt.
Stark-Modelle sind meist schon von Weitem einfach auszumachen. So auch bei den beiden Vertretern des Kompakt-Segments. Der R-Scirocco guckt grimmiger als seine Schwach-Brüder. Nebellampen gibt’s nicht mehr, dafür strahlen serienmäßig zwei LED-Tagfahrlicht-Leisten die linke Spur frei.

Sofort erkennbar

Die tief heruntergezogene Hängelippe soll die Anströmung verbessern. Seitlich markieren schwarz lackierte Außenspiegel, 18-Zoll große Talladega-Alus und geschärfte Schweller das Top-Modell. Am Heck gibt es dunkle Rückleuchten, eine R-typische Zwei-Rohr-Abgasanlage, einen Spoiler und eine besondere Heckschürze – fertig ist der Scirocco R.

Renault betreibt beim R.S. etwas mehr Aufwand. Vorne wird die Karosserie um fast fünf Zentimeter verbreitert, um die neue Vorderachskonstruktion unterzubringen, aber dazu später mehr. Eine markante Frontschürze und die für 250 Euro erhältlichen LED-Tagfahrlichter sind ebenso Erkennungsmerkmale. Spiegelkappen, Schnauze und 18-Zoll-Räder sind serienmäßig in schwarz lackiert, für 290 Euro kommen sie in Titan-Look. Hinten zieren eine mittig platzierte Endrohrblende und ein größerer Spoiler das Heck.

Beide Probanden sind mit Frontantrieb ausgerüstet, bei Fahrzeugen mit 250-PS-Plus ist das eine gewagte Kombination. VW implantiert dem Scirocco R ein sportliches Setup, bestehend aus neuen Dämpfern, Federn und Stabis und senkt die Karosserie um zehn Millimeter ab. Auf Wunsch und für 945 Euro ist das adaptive Fahrwerkssystem ACC zu bekommen, das in drei Modi von Comfort bis Sport justierbar ist. Comfort passt im Alltag hervorragend und bietet tatsächlich Fahr-Komfort. „Normal“ ist für die schnelle Gangart auf der Landstraße ideal und „Sport“ taugt ausschließlich für gepflegte Rennpisten.

Mechanisch oder elektronisch?

Als Allheilmittel für frontgetriebene PS-Protze entpuppte sich schon des Öfteren die Differenzialsperre. VW verwendet eine elektronische Variante. XDS nennt sie sich und drückt mit bis zu 15 bar, aufgebaut vom ESP-Steuergerät, das kurveninnere Rad theoretisch auf den Asphalt. Was beim 211-PS-Golf-GTI noch gelingt, klappt im mit 350 Newtonmeter gewappneten Scirocco R nicht mehr so überzeugend. Vor allem bei verschärfter Gangart oder bei Nässe drehen die Räder früh durch und die Kräfte zerren an der Lenkung. Gleichzeitig zielt der VW bei der Kurvenjagd zuverlässig in Richtung Außenrand. ESP ist übrigens nicht deaktivierbar, was zwar meist nicht auffällt, bei solch einem Auto aber dennoch ermöglicht werden sollte.

Wie es besser geht, zeigt Renault. Grundlegend wurde hier in die Hardware eingegriffen. So wurde im Vergleich zum Normal-Modell die Vorderachse um 48 Millimeter in der Spur verbreitert, der Radstand (aufgrund einer neuen Vorderachse) um sechs Millimeter verlängert und der Fahrzeugstandpunkt um zehn Millimeter abgesenkt. In Verbindung mit der entkoppelten ISAS-Vorderachse (Independent Steering Axis System) sorgen diese Maßnahmen für einen innigen Fahrbahnkontakt.

Für 1.600 Euro Aufpreis lässt sich die Performance nochmals steigern. Das Cup-Paket bietet nämlich dickere Stabis, zehn Millimeter breitere Reifen, geschlitzte Bremsscheiben (340er an der Vorderachse) und vor allem eine mechanische Differenzialsperre mit 35 Prozent Sperrwirkung. Die Sperre verblüfft R.S.-Neulinge ob ihrer gravierenden Wirkung. So gerüstet zieht sich der Mégane tatsächlich in Kurven hinein. Das Untersteuern wird auf ein Minimum reduziert, das Kurventempo erhöht. Die Seitenneigung ist minimal – der Fahrkomfort allerdings auch, das muss klar sein. Der Mégane R.S. ist kein Langstreckenfahrzeug. Besäße der R.S. nun noch die Lenkung des Scirocco R, wäre er perfekt.

Zwei Mal zwei Liter

Bei den Motoren herrscht prinzipiell Gleichheit. Zwei Liter, verteilt auf vier Töpfe sind Standard. Eine Turboaufladung ebenso, wobei Renault auf TwinScroll-Technik (wie BMW) setzt, was vor allem im unteren Drehzahlbereich ein agileres Ansprechverhalten generieren soll. So fährt sich der Franzose tatsächlich eher saugertypisch, auch wenn ab 6.000 Touren nicht mehr viel passiert. Der TSI im Scirocco ähnelt von der Charakteristik eher einem TDI und bietet daher schon subjektiv deutlich mehr Bums. Die Messwerte belegen den Eindruck: Null bis 100 km/h dauert im Scirocco 6,4 Sekunden, 160 km/h stehen nach 12,9 Sekunden auf dem Messgerät. Der Franzose trödelt mit 6,7 respektive 14,3 Sekunden hinterher. Das Temperament des R.S. lässt vor allem ab Tempo 220 spürbar nach. In diesem Bereich stürmt der Scirocco noch wie verrückt vorwärts und stoppt erst bei Tacho 265. Die Renault-Nadel klettert selten über die 250er-Markierung.

Begleitet werden solche Beschleunigungs-Orgien von ungestümen Trinksitten. 20 Liter können auf der Autobahn durchlaufen – bei beiden. Im Schnitt gönnt sich der Renault 11,7, der VW 11,3 Liter – mit Superbenzin klappt‘s auch. Renault setzt dabei noch auf altbackene Saugrohreinspritzung, während im VW direkt in die Brennräume gespritzt wird. Wenig überzeugend klingen die Abgasanlagen der Kandidaten. Im Scirocco kann der künstlich erzeugte Sound nerven, dem Renault entweicht lediglich ein Fauchen beim Beschleunigen.

Gute Bremsen

Bei den Bremsen greift VW ins Teileregal und zieht die aus TTS und anderen Modellen bekannte 345er-Anlage heraus. Sie verzögert zuverlässig, standhaft und gut. Perfekt dosierbar ist sie jedoch nicht, zudem fehlt ein sportlich-festes Pedalgefühl. Renault lässt Bremsen-Spezialist Brembo ran. Ergebnis: Die Vierkolben-Anlage fühlt sich rennmäßig an und verzögert astrein. Dass mit Winterreifen jedoch keine Verzögerungsrekorde erstellt werden, sollte sich jeder Schnellfahrer vor Augen führen (siehe technische Daten).

Im Innenraum geht es bei beiden eng zu. Die Übersichtlichkeit ist dürftig, das Kofferraumvolumen ausreichend. Wichtiger als das Platzangebot ist die Sitzposition. Und hier geben sich beide Kandidaten keine Blöße. Im VW sitzt man zwar etwas hoch, aber die gut konturierten Sitze passen hervorragend. So lange man nicht in den 1.600 Euro teuren Recaros im Mégane R.S. gesessen hat. Diese schmiegen sich wie ein Rennrodel-Overall an den Körper, und das selbst bei gröberen Körperdimensionen. An der Verarbeitung gibt es hier wie dort nichts zu kritisieren. Renault hat mittlerweile annähernd VW-Standard erreicht.

Attraktiv, nicht nur optisch

Das ist umso bemerkenswerter, wenn man letztendlich die Preise vergleicht. 33.475 Euro werden für den schnellsten Scirocco fällig. Mit an Bord sind stets Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, sechs Airbags, ein automatisch abblendender Innenspiegel, beheizbare Vordersitze sowie ein Basisradio mit acht Lautsprechern und die Klimaautomatik mit neuer Bedieneinheit. Ein fairer Preis, würde man nicht zum Renault Mégane R.S. schielen. Den gibt’s ab 26.650 Euro. Ordert man Cup-Paket, Recaros, Xenon und LED-Tagfahrlicht sowie Klimaautomatik hinzu, spart man noch immer 3.000 Euro, bei dann deutlich besserer Sport-Ausstattung.

Technische Daten
Marke und Modell Renault Mégane Coupé VW Scirocco
Ausstattungsvariante R.S. Cup-Paket R
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.299/1.848/1.435 4.248/1.820/1.394
Radstand (mm) 2.646 2.578
Wendekreis (m) 11,35 11
Leergewicht (kg) ab 1.462 ab 1.419
Kofferraum (Liter) 377 312
Bereifung Testwagen 235/40 R18 Michelin Alpin 235/40 R18 Dunlop Winter Sport 3D
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 1.998 / 4, Reihe 1.984 / 4, Reihe
Leistung (PS) 184 (250) 195 (265)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 340 bei 3.000 350 bei 2.500
Antriebsart Front + mechanische Sperre Front
Getriebeart 6-Gang-Handschalter 6-Gang-Handschalter
Verbrauch
Krafstoffart Super Plus Super Plus
Kombiniert laut Werk (l/100km) 8,4 8,1
CO2-Emissionen (g/km) laut Werk 195/ Euro 5 189 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) 11,7 11,3
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 6,1 6
AS24-Sprint 0-100km/h (s) 6,6 6,4
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) 41,1 (Winterreifen!) 42,3 (Winterreifen!)
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 245 250
Preise
ab (Euro) 26.650 33.475
Cup-Paket mit mechanischer Differenzial-Sperre, verändertem Fahrwerk, geschlitzten Bremsscheiben sowie speziellen 18" Rädern (1.590 Euro), Metallic-Lackierung (500 Euro), LED-Tagfahrlicht (250 Euro), Sound-System inklusive Bluetooth-Freisprecheinrichtung (500 Euro) Einparkhilfe hinten (385 Euro), Metallic-Lackierung (490 Euro), Tempomat (200 Euro), Bluetooth-Freisprecheinrichtung (415 Euro),
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## Fazit
Nicht nur preislich ist der Mégane R.S. das bessere Angebot. Vor allem im Hinblick auf den Fahrspaß bietet er deutlich mehr als der Scirocco R. Die mechanische Differenzialsperre der Cup-Version ist einfach genial, die Bremsen sind optimal und das Gesamtpaket vor allem hinsichtlich Preisleistung phänomenal. Allerdings ist der R.S. keine Sänfte.

Wer eine eierlegende Wollmilchsau will, greift zum Scirocco R. Er ist stärker und mit adaptivem Fahrwerk universeller einsetzbar, aber definitiv auch langweiliger. Mit dem Mégane R.S. hat Renault nach dem Clio R.S. wieder einmal gezeigt, wie ein preisattraktives Sport-Top-Modell aussehen kann, weiter so.

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