Vergleichstest: Toyota Land Cruiser V8 Diesel vs. VW Touareg V8 TDI – Giganten

Sie sind die Giganten im globalen Automarkt und bisweilen auch auf der Straße: Die Konzernriesen Toyota und VW haben mit Land Cruiser V8 beziehungsweise VW Touareg V8 TDI zwei gewichtige Allradler mit mächtigen V8-Dieselmotoren im Portfolio, für die jeweils stolze 73.000 Euro aufgerufen werden.

Trotz dieser Parallelen sind die Kontrahenten aus sonst sehr verschiedenem Holz geschnitzt.
Bereits optisch schlagen Land Cruiser und Touareg trotz schwarzer Lackierung und viel Chromzierrat gänzlich andere Wege ein. Der in alle Richtungen etwas größere Toyota mit seiner monolithischen Robust-Optik ist mehr auf den klassischen SUV-Gaumen zugeschnitten, während der Touareg mit coupéhafter Dachform und schlanker Taille im sportlichen Edelzwirn vorprescht. Ein stimmungsvolles Bild gibt der Gutsherr im Land Cruiser vor der Pferdekoppel ab, während sich der Touareg als Nobel-Spielzeug für Investmentbanker vor Frankfurter Glitzer-Fassaden besonders überzeugend in Szene setzt.

Auch beim Interieur hat VW sehr darauf geachtet, feinsinnige Kunden mit Hang zu besonderem Luxus zu überzeugen. Wer Design-lastige Technik-Spielzeuge mag und sich in modernen Nobel-Hotels wohlfühlt, wird auch den Aufenthalt im VW genießen. Mit derartiger Gediegenheit kann der Toyota nicht mithalten. Nach kurzer Kletterpartie erobert der Fahrgast hier ebenfalls eine Lederlandschaft mit Holz-Dekor, Super-Navi und klangvollem Audio-Sound, doch wurde im Land Cruiser alles eher auf Ottfried-Fischer-Menschen ausgelegt und versprüht das Arrangement wenig Liebe zum Detail. Qualitätseindruck, Materialien, Anordnung der Bedienelemente - haptisch und optisch vermittelt der Wolfsburger in jeder Faser mehr Edel-Flair.

Fünf oder sieben Sitze

Man mag es seinem gut sitzenden Blechkleid kaum ansehen, doch ist der schlank wirkende Touareg mit 4,80 Metern Länge ebenfalls ein XL-Mobil. Seine Raumökonomie ist angesichts der Außenmaße allerdings wenig beeindruckend. Im Touareg gibt es nur fünf Sitzplätze und der Kofferraum lässt sich dank umlegbarer Rückbank von 580 auf lediglich 1.640 Liter erweitern.

Im Land Cruiser mit sieben vollwertigen Sitzen passen durch die horizontal geteilte Heckklappe zwischen 655 und 2.320 Liter Gepäck. Die beiden Stühle der dritten Reihe, auf denen auch Erwachsene reisen können, lassen sich zusammenfalten oder auch seitlich wegklappen; die Sitze der zweiten Reihe kann man ebenfalls einfach nach vorne legen. Bei den weiteren Transport-Talenten herrscht hingegen Gleichstand: Die Zuladung liegt jeweils knapp jenseits von 600 Kilogramm, die Anhängelast wird bei beiden mit 3,5 Tonnen angegeben.

Prestigeträchtige Diesel

Doch das eigentlich Spannende in diesem Vergleich sind die prestigereichen V8-Diesel, mit 4,1 Liter Hubraum im VW und 4,5 Liter Hubraum im Toyota. Der alte Spruch, dass Hubraum durch nichts zu ersetzen ist, außer durch Hubraum, bewahrheitet sich hier nicht. Obwohl die Zylinder in größeren Buchsen ihre Hubarbeit verrichten, mobilisiert der Toyota-Diesel nur 286 PS und 650 Newtonmeter Drehmoment.

Bei VW sind 340 PS und 800 Newtonmeter, die zudem 350 Kilogramm weniger in Bewegung halten müssen. Diese brachiale Leistung wird zudem von einer dem längsdynamischen Vortrieb besonders zuträglichen Acht-Gang-Automatik verwaltet. Der VW hat die Nase entsprechend weit vorn.

Wolfsburger Renner

Auf dem Papier wird der Norddeutsche Diesel-Bolide mit 5,8 Sekunden und 240 km/h angegeben, der Toyota mit 8,2 und 210 km/h. Nach unseren Messungen geht die Schere sogar weiter auseinander: Auf regennasser Fahrbahn schaffte der Touareg den Standardsprint in 6,3 Sekunden, der Land Cruiser brauchte lange 9,5 Sekunden.

Trotz der wesentlich besseren Dynamik ist der VW-V8 zudem genügsamer. Sein Normverbrauch wird mit neun Litern angegeben, der Land Cruiser soll gut einen Liter mehr verfeuern. Die Praxis sorgt wiederum für größere Ernüchterung beim Toyota, der mit 13,4 Litern über drei Liter mehr als angegeben braucht. Beim VW sind es, trotz der wesentlich besseren Antrittsstärke, hingegen nur 10,5 Liter.

Leichtigkeit

Mit welcher Leichtigkeit der VW nach vorne prescht, den Gasbefehl umgehend in Vortrieb umsetzt, stets die richtige Übersetzung aus dem sehr komfortabel schaltenden Acht-Gang-Getriebe zaubert und mit seinen irren 800 Newtonmeter Drehmoment sehr kurzweilig auf 240 km/h marschiert, ist in höchstem Maße fesselnd.

Technische Daten
Marke und Modell Toyota Land Cruiser V8 Diesel VW Touareg V8 TDI
Ausstattungsvariante
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.950/ 1.970 / 1.865 4.795/1.940/1.709
Radstand (mm) 2.850 2.893
Wendekreis (m) 11,8 11,9
Leergewicht (kg) 2.655 2.297
Kofferraum (Liter) 655 - 2.320 580 - 1.642
Bereifung Testwagen 285/50R20 k.A.
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 4.461 / V8 4.134 / V8
Leistung KW (PS) 210 (286) 250 (340)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 650 / 1.600 - 2.800 800 / 1.750 - 2.750
Antriebsart permanenter Allradantrieb permanenter Allradantrieb
Getriebeart 6-Gang-Automatik 8-Gang-Automatik
Verbrauch
Krafstoffart Diesel Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 10,2 9,1
CO2-Emissionen (g/km) 270 239
AS24-Verbrauch (l/100km) 13,4 10,5
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 8,2 5,8
AS24-Sprint 0-100km/h (s) 9,5 6,3
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k.A. k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 210 242
Preise
ab (Euro) 72.600 72.860
Empfohlene Extras 3. Sitzreihe für 2.300 Euro
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Zudem untermalt der akustisch insgesamt sehr zurückhaltende Motor mit Hightech-Sirren und einem dumpfen Grollen seinen leistungstechnischen Vorsprung. Der ebenfalls sehr kultiviert arbeitende Toyota-V8 wirkt akustisch träger, klingt sogar noch leicht nach klassischem Diesel.

Kurvenkünstler Touareg

Kann man mit dem Touareg V8 selbst potente Sportwagen auf Distanz halten, fährt man im fast schon gemütlich anmutenden Land Cruiser V8 auf dem Niveau starker Kompakter. Eine Hauptschuld an diesem behäbigen Fahrverhalten trägt die Sechs-Gang-Automatik, die zwar sehr sanft ihre Gänge wechselt, aber auch unnötig oft herunterschaltet und ohnehin mit weniger Übersetzungsstufen auskommen muss.

Nicht nur hinsichtlich Vortrieb gibt sich der Touareg wesentlich agiler, auch seine präzise Straßenlage bei Top-Speed und in Kurven machen fast vergessen, dass man einen hochbauenden 2,3-Tonner bewegt. Zielgenaue Lenkung, wenig Wankneigung, packende Bremsen – fast möchte man mit dem Touareg ab auf die nächste Rennstrecke. Im recht komfortabel dahin schaukelnden Land Cruiser macht man lieber einen großen Bogen darum oder begibt sich am besten auf den allerdirektesten Weg zum Ziel, also quer durch die Pampa.

Toyota geht durch dick und dünn

Während der VW auf der Autobahn noch klar die Nase vorn hat, bewegt sich der Land Cruiser im schwierigen Gelände mit Grandezza. Extrasteife Leiterrahmen-Konstruktion, hydropneumatische Niveauregulierung, Starrachse hinten, Allradantrieb, variables Torsen-Differenzial - Hardware-seitig ist der Land Cruiser bereits besser bestückt. Hinzu kommen reichlich elektronische Helferlein wie Antriebs-Schlupfregelung, Kriech-Funktion, Berganfahrhilfe, dynamische Fahrwerkskontrolle.

Bisweilen nette Funktionen, die das Leben im Gelände leichter machen. Doch auch ohne diese kleinen Heinzelmännchen kann man im Offroad-Einsatz dem Land Cruiser wesentlich mehr als dem Touareg zumuten. Doch selbst der feine Touareg, mit einer ebenfalls absurd langen Liste an elektronischen Unterstützern, scheut vor Offroad-Etappen nicht zurück, wirkt bei Kletterpartien aber vergleichsweise ungelenk.

Mit jeweils gut 73.000 Euro sind beide wahrlich keine Schnäppchen. Und in beiden Fällen bekommt man für diesen Kurs nicht einmal die Top-Ausstattung. So muss man für unseren Test-Toyota, in der Ausstattung Executive und mit dritter Sitzreihe (2.300 Euro), rund 86.000 Euro investieren. In etwa diesen Preis erreicht auch der Touareg V8 TDI, wenn man ihn auf ein etwa vergleichbares Ausstattungsniveau wie dem Toyota hievt. In beiden Fällen ist also ein souveräner Kontostand gefragt.

Fazit

Der Touareg V8 TDI ist der modernere, drahtigere Technik- und Luxus-Tempel. Dagegen scheint der Land Cruiser V8 Diesel fast schon wie ein urzeitlicher Klops. Doch bietet der Toyota drei deutliche Vorteile: Platzangebot und Variabilität sind überragend und meistert er Ausflüge ins Gelände mit besonderer Souveränität. Wer ein Familien- und Abenteuer-Mobil wünscht, für den sollte der Land Cruiser erste Wahl sein.

Der Touareg ist hingegen der Softroader, der sich auf Autobahnen und schnellen Kurven besonders wohlfühlt und dabei noch mit feinstem Luxus verwöhnt. Wer lieber als Überholspur-Potentat auf Autobahnen wildern will, sich von eindrucksvoller Fahrwerks-, Antriebs- und Infotainment-Technik verwöhnen lassen will, sollte sich für den Touareg entscheiden. Investieren muss man hier wie dort einen ohnehin hohen Preis.

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