Erster Test: VW Eco Up und Up Fünftürer – 100 Kilometer für drei Euro

Erst seit Ende 2011 ist der VW Up im Markt und fährt schon mit Volldampf auf der Erfolgsspur. VW zeigt sich sogar überrascht über die guten Verkaufszahlen und zeigt sich der kleine VW in der Tat schon erstaunlich oft im Straßenbild.

Jetzt legen die Wolfsburger nach und bringen zwei für die Kunden besonders interessante Varianten: Den praktischen Fünftürer und die bei den Spritkosten besonders vorteilhafte Erdgas-Version Eco Up, Zwar ist im Kleinwagen-Segment der Preis ein besonders sensibler Punkt, doch die 475 Euro Zusatzkosten für die Fondtüren sollte man für den mindestens 9.850 Euro teuren Up unbedingt investieren, erleichtern diese den Autoalltag doch deutlich. Vor allem wer mit kleinen Kindern und Kindersitz unterwegs ist, wird sich über den direkten Zugang durch die sich im weiten Winkel öffnenden Portale zum Fond erfreuen. Ein weiterer Vorteil ergibt sich durch die deutlich kürzeren Türen für Fahrer und Beifahrer, die das Einsteigen in engen Parklücken erleichtern.

Der Einstieg nach hinten ist angesichts der nur knapp über 3,50 Meter langen Karosserie erstaunlich fürstlich, wie auch das Platzangebot selbst. Es muss nicht unbedingt der Nachwuchs sein, der in der zweiten Reihe verweilt, selbst Erwachsene kommen hier gut unter. Und für das Gepäck bietet der Up dann ebenfalls noch ein gediegenes Stauvolumen: Die normal 251 Liter lassen sich übrigens durch umlegen der Rückbanklehne auf maximal 951 Liter erweitern, bei einer zudem noch fast ebenen Ladefläche.

Sparzwänge

Optisch fallen die Fondtüren nicht mal unangenehm ins Auge. Der auffällige, kecke Knick nach oben bei den Fondfenstern des Dreitürers fällt weg und wirkt die seitliche Linie des Fünftürers damit etwas pragmatischer und nicht ganz so schwungvoll aus, doch kommt auch diese Variante im Straßenbild gut an. VW hat mit dem Up einfach ein beeindruckend gefällig auftretenden Kleinstwagen auf die Räder gestellt, der angenehm freundlich wirkt. Einziger Wermutstropfen: Die Scheiben der Fondtüren sind nicht versenkbar, sondern wie beim Dreitürer lediglich ausstellbar, was also nur eine kleine Spalt-Öffnung ermöglicht.

Beim Up ist eben vieles kostenoptimiert, wie auch die beiden Benzinmotoren, die 60 beziehungsweise 75 PS mobilisieren. Logisch, dass hier die längsdynamischen Freuden von eher verhaltener Natur sind, doch dafür muss man beim Tanken keine allzu bösen Überraschungen hinnehmen. Laut Bordcomputer bewegten sich auf unseren Testfahrten mit dem Fünftürer die Verbrauchswerte zwischen fünf und sechs Liter, ohne das wir dabei bewusst spritsparend fuhren. Im Gegenteil: Mit der stärkeren Variante sind wir eine längere Distanz möglichst flott Autobahn gefahren und zeigte der Bordcomputer hernach lediglich fünfeinhalb Liter an. Hinsichtlich Topspeed und Durchzug kann der 75-PS-Up übrigens erstaunlich gut mithalten, fühlt man sich zumindest im Ein-Personen-Betrieb keineswegs untermotorisiert.

Der 79-Gramm-Up

Beide Motorvarianten gibt es optional mit Blue-Motion-Technology, also mit einer gut funktionierenden Start-Stopp-Automatik und einer Bordnetz-Rekuperation. Beim 60-PS-Motor sinkt so der Normverbrauch von 4,5 auf 4,1 Liter pro 100 Kilometer, was 96 Gramm CO2 pro Kilometer entspricht. Wer noch weniger CO2 emittieren will, muss sich noch bis zum Sommer 2012 gedulden, denn dann folgt der Eco Up, der mit einem CO2-Wert von lediglich 79 Gramm unter den Pkws mit Verbrennungsmotor eine neue Bestmarke setzt.

79 Gramm entspricht einem Erdgas-Verbrauch von 2,9 Kilogramm auf 100 Kilometer, was bei einem Kilopreis von rund einem Euro theoretische Spritkosten von etwa drei Euro bedeutet. In der Praxis lag der Verbrauch laut Bordcomputer allerdings zwei Kilogramm über dem Normwert, was immer noch günstige fünf Euro pro 100 Kilometer verursacht. Praktisch wird man also gut drei Euro pro 100 Kilometer bei den Spritkosten im Vergleich zum Basisbenziner sparen. Rechnet sich das? Ein genauer Preis steht derzeit noch nicht fest, doch dürfte VW mindestens 2.000 Euro mehr verlangen und sich so der Eco Up wohl frühestens ab 70.000 Kilometer Gesamtlaufleistung amortisieren.

Technische Daten
Marke und Modell VW Up
Version / Ausstattung 1.0 60 PS, Fünftürer
Motor
Hubraum (ccm) / Bauart 999 / R3-Benziner
Leistung (kW / PS) 44 / 60
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 95 / 5.000 - 6.000
Antriebsart Frontantrieb
Getriebeart manuelle Fünf-Gang-Schaltung
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 3.540 / 1.645 / 1.489
Radstand (mm) 2.420
Wendekreis (m) 9,8
Leergewicht (kg) 929
Kofferraum (Liter) 251 - 951
Bereifung Testwagen 165/70 R 14
Verbrauch
Krafstoffart Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km) 4,5 (4,1 mit Start-Stopp)
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 105 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) 4,5
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 14,4
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 160
Preise
ab (Euro) 9.850,00
Empfohlene Extras Blue-Motion-Technology-Paket mit Start-Stopp-Automatik (400 Euro)
VergrößernVerkleinern
## Drei Tanks
Das Packaging des Eco Up hat VW clever gelöst, denn die beiden insgesamt elf Kilogramm Erdgas fassenden Unterflurtanks verkleinern nicht den Innenraum. Praktisch bieten die Erdgas-Tanks knapp über 200 Kilometer Reichweite, was angesichts des immer noch weitmaschigen Erdgas-Tankstellennetzes nicht sonderlich komfortabel ist. Deshalb verfügt der Eco Up außerdem noch über einen 10-Liter-Benzinreservetank, der die praktische Reichweite um weitere 200 Kilometer vergrößert. Grundsätzlich verbrennt der Eco Up Erdgas und wechselt bei leeren Gastanks automatisch in den Benzinmodus. Das geschieht auch bei Kaltstarts bei zweistelligen Minusgraden und nach frischer Erdgasbetankung. Nach wenigen Sekunden wechselt der Antrieb auch hierbei automatisch wieder in den Erdgas-Verbrennungsmodus.

Dieser sorgt für einen etwas verhaltenen Vortrieb, mobilisiert der im Verhältnis 11,5:1 höher verdichtende und mit verstärkten Ventilen und Sitzringen ausgestattete Dreizylinder lediglich 68 PS und 90 Newtonmeter. Damit ermöglicht der etwas rauer laufende Ein-Liter-Otto eine Sprintzeit von 15,8 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 168 km/h. Vor allem von unten heraus ist die Kraftentfaltung doch recht verhalten, aber ebenfalls für alle Verkehrssituationen ausreichend. Wie die beiden Benziner ist der Eco Up mit einer manuellen Fünf-Gang-Schaltung gekoppelt, und zwar alternativlos.

Automatisiertes Schaltgetriebe

Für die beiden Benziner hingegen will VW noch in 2012 ein rund 700 Euro teures, automatisiertes Schaltgetriebe anbieten. Das lediglich 30 Kilogramm leichte Komfortgetriebe soll längsdynamisch zwar etwas von der Spritzigkeit schlucken, dafür aber durch optimierte Schaltzeitpunkte im Gegenzug den Spritkonsum im Automatikmodus leicht reduzieren. Laut VW wechselt die Automatik etwa doppelt so oft die Gänge, wie dies ein Fahrer beim manuellen Getriebe tun würde. Wem das viele Rauf- und Runterschalten allerdings lästig wird, kann alternativ auch in einen manuellen Modus wechseln. Wer beim Up auf das großartige DSG gehofft hat, wird enttäuscht. Dieses ist laut VW zu schwer und zu teuer für einen Kleinstwagen wie dem Up. Der Up ist erst wenige Monate und mit nur wenigen Varianten im Markt und bereits ein echter Verkaufsschlager. Das clevere und sympathische Kleinwagen-Konzept kommt also an. Dabei steht die Up-Baureihe erst ganz am Anfang und werden bereits in den nächsten Wochen spannende Zusatzalternativen angeboten, die den Absatz zusätzlich ankurbeln dürften.

Die Wichtigste ist dabei die fünftürige Karosserievariante, die den Autoalltag vor allem für Familien mit kleinen Kindern deutlich erleichtert. Die Mehrinvestition von 475 Euro lohnt sich aber auch für alle anderen Nutzer. Entsprechend erwartet VW beim Verkaufsmix für den Fünftürer einen Anteil von stolzen 80 Prozent.

Wohl nicht ganz so groß dürfte der Anteil des Eco Up am Verkaufskuchen werden, der mit seinem Erdgas-Antrieb bei einem zugegeben etwas hohen Aufpreis ein langfristig ordentliches Sparpotenzial bei den Spritkosten bieten dürfte. Allerdings ist die Erdgas-Reichweite in der Praxis eher mäßig, der Motor etwas schlapper und auch rauer im Lauf. Dafür bietet der Eco Up die derzeit niedrigste CO2-Einstufung bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Ebenfalls etwas sparsamer und vor allem komfortabler ist man mit dem automatisierten Schaltgetriebe unterwegs. Der Fahrspaßfaktor fällt zwar geringer aus, dafür hat man den Komfort einer Automatik für recht günstige 700 Euro.

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