Erster Test: Volvo V60 DRIVe – Auf nach Langweiler

Sechszig-sechszig – auf diesen Zahlenzwilling lässt sich eine aktuelle Erfolgsgeschichte von Volvo reduzieren. Denn die 60er-Familie (XC60, S60 und V60) machte in 2010 gut 60 Prozent aller Volvo-Verkäufe in Deutschland aus.

Damit das eigentlich sportlich akzentuierte Mittelklasse-Duo S60/V60 künftig auch Sparfüchse anspricht, bietet Volvo beide nunmehr auch als DRIVe-Varianten an. Mit 115 PS starkem 1,6-Liter-Diesel und einigen Techniktricks soll sich der von uns getestete Lifestyle-Kombi mit 4,5 Liter begnügen. Theoretisch.
Zur Markteinführung der S60/V60-Baureihe in 2010 stellte Volvo in seiner Werbekampagne die dynamischen Eigenschaften in den Vordergrund. Vernunft, Sicherheit, nordisch kühles Ambiente? Volvo kann auch anders, so die Botschaft. Ein Werbespot zum S60 versprach fahrdynamische Freuden, die vor allem die mehr als 300 PS starke Top-Version real auch eindrucksvoll vermitteln kann.

Doch mit der DRIVe-Version entsagt sich die Mittelkasse-Baureihe dieser lustbetonten Wertewelt. Statt dessen gibt es einen kleinen 1.6er-Diesel, der in seiner jüngsten Auflage 115 PS leisten soll. Begeisterungsstürme dürfte dieses ausschließlich an ein manuelles Sechs-Gang-Getriebe gekoppelte Aggregat bei der PS-Fraktion nicht auslösen. Untermotorisiert, das konnten wir auf einer ersten Ausfahrt feststellen, ist man damit aber nicht.

Keineswegs untermotorisiert

Der drehfreudige, laufruhige und gut abgekapselte Selbstzünder vermittelt mit seinen immerhin 270 Newtonmeter Drehmoment, die von 1.750 bis 2.500 Umdrehungen anliegen, ein ausreichend spritziges Fahrgefühl. Das Turboloch stört kaum, erst bei Bergauffahrten geht dem Vier-Zylinder etwas die Puste aus. Zwar wird man nie in die Sitze gepresst, doch immerhin ist der 100-km/h-Sprint mit 11,3 Sekunden angenehm kurzweilig. Auch die 190 km/h Top-Speed reichen für alle Lebenslagen aus, kann man auf der Autobahn die Tachonadel sogar dauerhaft jenseits der 200 km/h halten.

Neben dem kleinen Motor helfen noch das vergleichsweise lang ausgelegte Getriebe, eine Schaltempfehlung, eine per Knopfdruck deaktivierbare Start-Stopp-Automatik und eine Bremsenergie-Rückgewinnung, den Verbrauch zu senken. Wer normal und nicht betont spritsparend den V60 DRIVe bewegt, wird zwar die 4,5 Liter Normverbrauch nicht erreichen, doch laut Volvo-Sprecher Michael Schweitzer ist ein Verbrauchswert mit einer Fünf vor dem Komma ein realistisches Alltags-Szenario.

Auf nach Langweiler

Angespornt von dieser Aussage wollten wir eigentlich einen Wert unterhalb von fünf Litern erreichen; doch trotz einer sehr zurückhaltenden Fahrweise und viel Landstraße auf dem Weg von Frankfurt in den Hunsrück nach Langweiler (ja, der Ort heißt wirklich so) wies die Verbrauchsanzeige im Kombiinstrument überraschend hohe 6,2 Liter aus. Auch bei Kollegen anderer Redaktionen lagen laut Bordcomputer die Verbrauchswerte jenseits der Sechs-Liter-Marke.

Das Kuriose: Auf der Rückfahrt am nächsten Tag von Langweiler nach Frankfurt erreichten wir die zuvor von den Volvo-Offiziellen angekündigten Werte. Bei sogar etwas flotterer Fahrweise zeigte am Ende der Bordcomputer nur noch 5,2 Liter an; ein Ergebnis, das wiederum von anderen Kollegen bestätigt wurde. Eine Erklärung für die unterschiedlichen Verbrauchswerte von Hin- und Rückfahrt könnte das Streckenprofil liefern. Denn zwischen Frankfurt und Langweiler beträgt der Höhenunterschied über 400 Meter. Am zweiten Tag ging es also meistens bergab und nur selten bergauf.

Viel Ausstattung fürs Geld

Angesichts der Fahrleistungen, dem Gewicht (1.648 Kilogramm), der Nebenverbraucher (Navi/Klima waren aktiv) sind beide Werte respektabel. Zumal das Spritspar-Technikpaket nicht sonderlich umfangreich ist. Mit überschaubaren Technik-Maßnahmen kann der V60 DRIVe also das Sprit-Budget recht niedrig halten. Die Hürde der Erstinvestition ist allerdings hoch: Die S60 Limousine kostet rund 28.000 Euro, für den V60 in der DRIVe-Version verlangt Volvo mindestens 29.150 Euro.

Immerhin bekommt man für dieses Geld einen kurvenfreudigen, etwas straff abgestimmten und schicken Kombi, dessen Transporttalente zwar unterdurchschnittlich sind, der dafür aber in der Basis eine bereits umfassende Ausstattung bietet. Serie sind ein CD-Radio mit Farbdisplay, elektrische Fensterheber, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und die Auto-Stopp-Funktion.

Technische Daten
Marke und Modell Volvo V60
DRIVe 1.6 D
Motor
Hubraum (ccm) / Bauart 1.560 / R4
Leistung (kW / PS) 84 / 115
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 270 / 1.750 - 2.500
Antriebsart Frontantrieb
Getriebeart manuelles Sechs-Gang-Getriebe
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.628 / 1.865 / 1.484
Radstand (mm) 2.776
Wendekreis (m) 11,3
Leergewicht (kg) 1.648
Kofferraum (Liter) 430 - 1.261
Bereifung Testwagen 215/55 R 16
Verbrauch
Krafstoffart Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 4,5
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 119 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) k .A.
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 11,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 190
Preise
ab (Euro) 29.150,00
Empfohlene Extras
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## Umfangreiche Sicherheitsausstattung
Besonders umfangreich ist zudem die Sicherheitsausstattung. Bei den passiven Systemen ist die Basisversion lückenlos und vorbildlich bestückt, zudem verfügt jeder V60 über aktive Techniken wie ESP mit diversen Unterfunktionen und die so genannte City-Safety-Technologie zur Vermeidung von Auffahrunfällen. Optional lässt sich der V60 über Ausstattungspakete oder den zahlreichen Einzeloptionen in punkto Luxus und Sicherheit noch sehr umfangreich aufrüsten.

Der Volvo V60 DRIVe liegt damit preislich auf gehobenem Niveau, wirklich teuer ist er allerdings nicht. Zum Vergleich: Ein VW Passat Variant 1.6 TDI Bluemotion kostet in der Basisversion nur 27.400 Euro, doch vieles, was beim V60 bereits Serie ist, kostet beim Wolfsburger Aufpreis und ist der Spritspar-Volvo ausstattungsbereinigt sogar das günstigere Angebot.

Fazit

Emotional, sicher, nutzwertig und vor allem effizient – in der DRIVe-Variante des V60 vereint Volvo viele attraktive Eigenschaften. Der schicke Schwede ist ordentlich motorisiert und kommt in der Praxis dennoch mit fünf bis sechs Litern Diesel pro 100 Kilometer aus. Beim Beschleunigen zaubert der Kombi dem Fahrer zwar kein Grinsen ins Gesicht, doch dürfte dieser angesichts der seltenen Besuche an der Zapfsäule dennoch gut gelaunt durchs Leben brausen.

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