KTM 990 RC R (2026) im Test: Supersport is back

Die KTM 990 RC R (2026) auf einen Blick
Was uns gefällt
Kraftvoller Motor und präzises Fahrverhalten.
Was wir vermissen
Etwas mehr Stauraum unter der Sitzbank.
Ideal wenn …
… man ein Sportgerät für Straße und Rennstrecke sucht.
Die Alternativen
Ducati Panigale V2 S, Yamaha R9
Stärken
- Gelungenes Supersport-Design
- Kraftvoller und laufruhiger Motor
- Präzises Fahrverhalten
Schwächen
- Wenig Komfort
- Eingeschränkte Alltagstauglichkeit
- Elektronik-Pakete aufpreispflichtig
Rennsport-DNA lässt grüßen
Mit ihrer optisch deutlichen Ähnlichkeit zur MotoGP-Maschine aus der aktuellen Motorrad-Weltmeisterschaft macht die neue KTM 990 RC R vom ersten Moment an klar, worum es hier geht. Vor allem die Front mit den Winglets und dem an der Stelle des Lufteinlasses sitzenden LED-Scheinwerfer erinnert stark an das Rennmotorrad. Zahlreiche weitere Elemente wie die Unterbodenverkleidung und der Deflektor im hinteren Bereich tragen zur Optimierung der Aerodynamik bei. Mit der optional erhältlichen Abdeckung für den Soziussitz kann der Racing-Look noch zusätzlich verstärkt werden.
Die Form des 15,7-Liter-Tanks ist voll und ganz darauf ausgelegt, den Fahrer bestmöglich ins Motorrad zu integrieren. Die Geometrie an der Front sorgt zugleich für ein stabiles Vorderrad und ein direktes Ansprechverhalten beim Einlenken. Der Stahlrohrrahmen mit hoher Verwindungssteifigkeit ermöglicht in Kombination mit der flexiblen Schwinge eine satte Straßenlage. Die spezielle Konstruktion des Aluminium-Heckrahmens ist auf optimale Gewichtseinsparung ausgelegt. Die KTM 990 RC R bringt vollgetankt gerade einmal 195 Kilogramm auf die Waage.
Bildergalerie: KTM 990 RC R (2026)

Motor und Fahrwerk auf Top-Niveau
Die KTM 990 RC R wird von einem Zweizylinder-Reihenmotor mit 947 cm³ Hubraum angetrieben. Das Triebwerk mit der Bezeichnung LC8c leistet 128 PS (94 kW) bei 9.500 U/min und liefert ein maximales Drehmoment von 103 Nm bei 6.750 U/min. Damit hat man leistungsmäßig gegenüber der direkten italienischen und japanischen Konkurrenz die Nase vorn. Für den Sprint von null auf Tempo 100 vergehen knapp über drei Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit von 239 km/h ist vor allem für freie deutsche Autobahnen und die Rennstrecke relevant.
Beim Fahrwerk setzt der Supersportler aus Mattighofen auf feinste Ware aus dem eigenen Haus. Vorne ist eine voll einstellbare WP APEX Open Cartridge-Gabel mit 48 mm Standrohrdurchmesser und 147 mm Federweg verbaut, hinten kommt ein voll einstellbares WP APEX Federbein mit 134 Millimetern Federweg zum Einsatz. Das Fahrwerk funktioniert im Test bereits in der Werkseinstellung sehr gut, könnte lediglich hinten bei Straßenunebenheiten etwas feinfühliger ansprechen. Auch die serienmäßigen Aluminium-Fußrasten sind einstellbar und können zur noch sportlicheren Auslegung 25 Millimeter weiter hinten und 17 Millimeter höher fixiert werden.
Supersportlich auf der Straße
Nach dem Aufsteigen auf die KTM 990 RC R bestätigt sich der sportliche Eindruck. Der auf einer Höhe von 845 Millimetern positionierte, leicht nach vorne geneigte Sitz und die niedrige Lenkerposition schaffen eine in Richtung Vorderrad orientierte Sitzposition, die bestens zu diesem Motorrad passt. Man sitzt zwar sportlich nach vorne gebeugt, aber bei weitem nicht mehr so extrem wie bei früheren Supersportlern. Durch die schmale Bauform ist ein enger Knieschluss möglich. Auch der Kniewinkel fällt naturgemäß sportlich aus, ohne dabei übertrieben unkomfortabel zu wirken.
Legt man dann während der Fahrt noch die Ellenbogen am Tank an, neigt sich der Oberkörper automatisch noch ein wenig weiter nach vorne und man hat für unsere Begriffe die optimale „Ready to Race"-Sitzposition gefunden. Fahrer und Motorrad verschmelzen so regelrecht zu einer Einheit. Selbst bei Tempo jenseits der 200-km/h-Marke beweist das flache Windschild im Test optimalen Windschutz – mit dem Risiko, dass wir ständig dazu neigen, die gefahrene Geschwindigkeit zu unterschätzen.
Zu diesem Gefühl trägt auch die seidenweiche und mühelose Kraftentfaltung des Zweizylinders bei, der bereits ab einer Drehzahl von 2.000 U/min ohne Ruckeln kraftvoll beschleunigt. Ab 5.000 U/min geht es dann richtig zur Sache und begleitet von kernigem Motorsound stürmt die KTM 990 RC R vehement nach vorne. Dank des Quickshifters kann beim Schalten auf das Kuppeln verzichtet werden. Beim Herunterschalten und im Schiebebetrieb entweicht der Auspuffanlage dabei gelegentlich ein lustvolles Brabbeln.
Gebremst wird vorne mit hochwertigen Brembo Hypure-Bremssätteln, die die beiden 320-mm-Bremsscheiben kräftig in die Zange nehmen. Die Bremswirkung ist gut dosierbar und erfordert selbst für eine starke Verzögerung nur eine geringe Handkraft. Über den radialen Handbremszylinder ist die Einstellung des Hebelverhältnisses in drei Stufen möglich. Zudem bieten vier unterschiedliche ABS-Modi zahlreiche Einstellmöglichkeiten, von straßentauglich bis supersportlich.
Der serienmäßige Michelin Power Cup 2 ist ein Rennreifen mit Straßenzulassung, der nach ausreichender Anwärmphase hervorragenden Grip liefert. Aufgrund der geringen Laufleistung von nur rund 2.000 Kilometern und des schwachen Nässegrips ist diese Bereifung nicht besonders alltagstauglich. Ganz anders sieht es beim Verbrauch der KTM 990 RC R aus: Bei sportlicher Fahrweise sind 5,2 Liter auf 100 Kilometern angesichts der gebotenen Leistung ein guter Wert. Bei moderater Fahrweise sind auch weniger als fünf Liter möglich. Mit dem 15,7-Liter-Tank ergibt sich daraus eine Praxisreichweite von rund 300 Kilometern.
Cockpit und Elektronik ganz großes Kino
Das Cockpit der KTM 990 RC R ist hinsichtlich Größe, Auflösung und Funktionen ein echtes Statement. Der 8,8 Zoll große TFT-Touchscreen kann sowohl über den Joystick auf der linken Lenkerarmatur als auch direkt bedient werden. Die Eingabe am Display ist vor Beginn der Fahrt eine praktische Sache, um zum Beispiel eine Adresse ins Navi einzutippen. Der Split-Screen lässt sich praktischerweise in fünf Größenvarianten gut einstellen. So kann man für das Navi drei Segmente, die restlichen zwei für Drehzahlmesser, Tacho und Ganganzeige verwenden und hat damit stets alle wichtigen Daten im Blick. Vermisst haben wir in dieser Ansicht nur die Tankanzeige, die man auf längeren Strecken gerne im Auge behält.
Das Navigationssystem der KTM 990 RC R hat den großen Vorteil, dass es Offline-Kartenmaterial verwendet, das im Motorrad gespeichert ist. Daher funktioniert es ganz ohne Smartphone und App. Wenn man in einem Bereich außerhalb der gespeicherten Karten navigieren möchte, wird eine WLAN-Verbindung erforderlich. Nach Eingabe des Ziels wird durch Antippen eine der vorgeschlagenen Routen ausgewählt. Neben der Zielführung auf der Karte helfen auch detaillierte Abbiegehinweise bei der Orientierung.
Optional stehen für die KTM 990 RC R äußerst umfangreiche und ebenso fortschrittliche Elektronikpakete zur Verfügung. Ein spezielles Paket für die Rennstrecke umfasst unter anderem den zusätzlichen Fahrmodus „Track", eine neunstufige Traktionskontrolle mit Schlupfanpassung, Launch Control sowie eine fünfstufige Anti-Wheelie-Kontrolle, mit der die Höhe des Wheelies eingestellt werden kann. Aber auch Komfort-Features wie Tempomat oder Heizgriffe können zusätzlich bestellt werden.
Fazit 8,4/10
Nach den großen Turbulenzen im Unternehmen, die beinahe zum Aus des Motorradherstellers geführt hätten, setzt KTM mit der 990 RC R ein kräftiges Lebenszeichen. Der für die Rennstrecke geborene Supersportler macht auch auf der Landstraße mächtig Freude. Die Komforteinbußen halten sich in Grenzen und so ist man dank des kraftvollen Antriebs und des Top-Fahrwerks stets bestens aufgehoben. Modernste Elektronik und die leistungsstarke Bremsanlage sorgen zudem für die entsprechenden Sicherheitsreserven.
Der Grundpreis der KTM 990 RC R liegt in Österreich bei 17.699 Euro. In Deutschland geht es bei 15.985 Euro los. Nach dem Kauf des Motorrads sind im sogenannten Demo Mode alle elektronischen Features auf den ersten 1.500 Kilometern freigeschaltet. Um danach den vollen Umfang weiterhin nutzen zu können, werden für das Tech Pack 989 Euro fällig. Wer nicht alle Funktionen benötigt, kann auch einzelne Pakete daraus erwerben. (Text und Bild: Armin Hoyer)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.

