Kurztest Land Rover Defender Octa (2026): Der Koloss von Solihull

Mit seinem 635 PS starken 4,4-Liter-V8 soll der Land Rover Defender Octa die wildeste Ausbaustufe des britischen Geländewagens sein. Doch im Kurztest zeigt sich: Der Koloss von Solihull taugt zwar für die lange Reise, aber liefert ausgerechnet dort zu wenig Drama, wo man es am meisten erwartet.

Der Land Rover Defender Octa auf einen Blick


Was uns gefällt

Der durchaus martialische Außenauftritt.

Was wir vermissen

Besonders im Octa-Modus ordentlich was auf die Ohren.

Ideal wenn ...

... man schon den dritten G 63 hat und was Neues ausprobieren will.

Die Alternativen

Mercedes-AMG G 63, Porsche Cayenne Turbo, Range Rover Sport SV


Stärken

  • Viel Platz
  • Komfortables Fahrwerk
  • Leistungsstarker Antrieb

Schwächen

  • Sehr hohe Anschaffungskosten
  • Hoher Verbrauch
  • Träges Infotainment

land-rover-defender-octa-2026-front

Mit freundlicher Unterstützung von BMW

Er ist dann doch ein ganz ordentliches Viech, dieser Land Rover Defender Octa. Selten kommt es vor, dass wir ein Auto erklimmen müssen, aber dieser Landy will schon beim Einsteigen klarmachen, dass er ein ganz harter Junge ist. Unter der Haube arbeitet demnach auch kein braver Sechszylinder-Diesel, sondern BMWs Kronjuwel in Form des 4,4-Liter-V8-Twin-Turbo namens S68. BMW-Fans werden nun anmerken, dass dieser 635 PS und 750 Newtonmeter starke Brocken einst im M5 CS zu Hause war.

Geht man nun durch die Preisliste von Land Rover, wird der Achtender schlicht als P635 V8 Mild-Hybrid bezeichnet. Nun denn, man hätte ihn wohl besser in einem BMW belassen sollen. Freilich schafft er es, den Koloss von Solihull binnen vier Sekunden auf Landstraßentempo zu beschleunigen. Aber für das, was er sein will, ist der deutsche Achtzylinder, der im österreichischen Steyr gefertigt wird, beinahe schon zu brav. Zu kultiviert ohnehin und nach aktuellem Gesetzesstand auch schlicht zu leise.

land-rover-defender-octa-2026-cockpit

Der Defender Octa ist für die Langstrecke gebaut

Dabei hätten sie im Land-Rover-Regal ja weiterhin den 5,0-Liter-Kompressor herumliegen, der einst im Verbund mit Jaguar entwickelt und gebaut wurde. Der kommt zwar noch bei den regulären Landy-V8-Modellen zum Einsatz, schafft aber wohl nicht mehr die Abgasnorm EU7. Von dem her scheint es verständlich, dass der Defender Octa auf diesen doch etwas fiesen, rotzigen und wohlklingenden Gänsehaut-Motor verzichten musste. Eine Sache übrigens, die uns im Octa eher nicht überkommen hat. Das mag auch daran liegen, dass der auf dem 5,02 Meter langen 110er-Chassis aufbauende Kraftprotz stolze 2.600 Kilogramm auf die Waage bringt und gar nicht erst versucht, sie zu verleugnen.

Jetzt könnte man meinen, dass das „6D Dynamics“-Fahrwerk, also Land Rovers Interpretation einer aktiven Wankstabilisierung, den Octa im Zaum hält. So ganz überzeugt hat uns das Highend-Luftfahrwerk während des GTEST2026 anlässlich des diesjährigen German Car of the Year Award allerdings nicht. Das ist dann schon eher ein ausgewachsener Reisewagen denn ein Kurvenjäger, wobei auch die Lenkung alles andere als direkt ausfällt.

land-rover-defender-octa-2026-detail

Gediegen, nicht prollig soll er sein

Da schlägt sich so ein Mercedes-AMG G 63 halt deutlich besser. Vielleicht insgesamt ein bisschen steifer, aber lustvoller - vor allem, was den Auspuffklang angeht. Laut Land Rover wollen die Kunden das prollige V8-Gebrabbel angeblich nicht. Doch warum kauft man sonst im Jahr 2026 ein Achtzylinder-SUV ab 187.600 Euro? Im Falle des Landys höchstwahrscheinlich nicht wegen des äußerst reaktionsschnellen und selbsterklärenden Infotainment-Systems und leider auch nicht wegen einer herausragenden Materialqualität.

Während zwar Semianilinledersitze und gehäckseltes Carbon in den Türen gereicht werden, bestehen die Schaltpaddles aus durchsichtigem Plastik. Generell erschließt sich uns nicht, wie das Octa-Logo, das sich von einem Rohdiamanten herleiten soll, derart profan ausfallen konnte. Bei Swarovski hätte man sicherlich noch den einen oder anderen Einfall gehabt. Das nichtssagende Symbol prangt leider auch am Schlüssel statt des Land-Rover-Schriftzugs. So richtig angeben lässt sich damit nicht, ist aber wohl ebenfalls nicht gewünscht.

land-rover-defender-octa-2026-heck

Erstes Fazit

Nun klingt dieser Text nach einem ziemlichen Verriss eines eigentlich ziemlich guten Autos. Daher wollen wir am Ende auch einmal klarstellen: Während der Defender Octa in unseren Augen am Ziel vorbeischießt, hat uns etwa der 300er-Diesel ziemlich gut gefallen. Auch am kurzen Kompressor-V8 kann man hängenbleiben, wenn es etwas verrückter sein darf. Beim Octa wünschen wir uns dagegen mehr Drama aus dem Antriebstrakt - dann könnten wir über einen Durchschnittsverbrauch weit jenseits der 20 Liter ebenso hinwegsehen wie über die Tatsache, dass er fahrdynamisch hinter den Erwartungen zurückbleibt. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat gilt seine besondere Leidenschaft klassischen Fahrzeugen - sein Traumwagen bleibt der Audi RS 6 Avant C5 in Goodwood Grün.

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