Harley-Davidson Sprint 440 (2027) im Test: Kompakter Cruiser für Stadt und Land

Das Wichtigste zuerst
Die in Kooperation mit der Hero MotoCorp in Indien gefertigte Harley-Davidson Sprint 440 wird von einem luft- und ölgekühlten Einzylindermotor mit 440 cm³ Hubraum angetrieben. Dieser leistet 27,6 PS (20,3 kW) und entwickelt ein maximales Drehmoment von 38 Nm. Damit ist der kompakte Cruiser A2-tauglich. Das fahrfertige Gewicht beträgt 189 Kilogramm, die Sitzhöhe liegt bei niedrigen 679 Millimetern. Der neun Liter große Tank sorgt bei einem Normverbrauch von 3,1 Litern für eine Reichweite von knapp 300 Kilometern. In Österreich startet die Harley-Davidson Sprint 440 bei 6.699 Euro. In Deutschland kann man den Einzylinder bereits ab 5.700 Euro zuzüglich Nebenkosten fahren.
Stärken, Schwächen, Alternativen
Was uns gefällt
Dass es jetzt auch eine echte Einsteiger-Harley gibt.
Was wir vermissen
Einen etwas spritzigeren Motor.
Ideal, wenn …
… man für wenig Geld eine echte Harley-Davidson fahren möchte.
Die Alternativen
Benda Chinchilla 300, CFMoto 450CL-C, Royal Enfield Meteor 350
Stärken
- Original Harley-Design
- Agiles Fahrverhalten
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Schwächen
- Überschaubare Motorleistung
- Nicht einstellbarer Bremshebel
- Geringe Schräglagenfreiheit
Klein, aber zweifelsfrei eine echte Harley
Die Harley-Davidson Sprint 440 ist auf den ersten Blick als Mitglied der amerikanischen Motorradfamilie aus Milwaukee zu erkennen. Dafür sorgen der tropfenförmige Tank, die niedrige Cruiser-Silhouette und der kurze, im Bobber-Stil gehaltene hintere Kotflügel mit dem senkrecht stehenden Kennzeichenhalter. Die Materialanmutung ist wertig, anstelle von Kunststoff dominieren solide ausgeführte Metallteile. Die 10-Speichen-Leichtmetallgussräder mit gefrästen Akzenten unterstreichen den edlen Look. Moderne LED-Lichttechnik ist serienmäßig mit an Bord.
Dass Harley-Davidson mit seinem kleinsten Modell auch ein wenig die Leichtigkeit des Seins und Spaß am Motorradfahren zelebrieren möchte, zeigt eine Sprint-Grafik am Seitendeckel mit einem humorvoll gestalteten Hasenmotiv. Gleichzeitig ist die Sprint 440 von Beginn an auf Individualisierung ausgelegt. Sie ist so konstruiert, dass sich zahlreiche Bauteile einzeln austauschen lassen und sich damit vielfältige Möglichkeiten zum Customizing eröffnen. Damit ist der kompakte Cruiser nicht nur optisch eine echte Harley-Davidson, sondern folgt auch der Tradition, Motorräder der Kult-Marke nach eigenen Vorstellungen gestalten zu können.
Die bereits im November bei den Händlern erwartete Harley-Davidson Sprint 440 ist in drei Farben erhältlich. Die Basisfarbe ist das im Test gefahrene Dark Billiard Gray. Gegen einen Aufpreis von 280 Euro in Österreich und 240 Euro in Deutschland stehen weiters das klassische Vivid Black und ein in der Sonne glitzernder blaugrüner Farbton mit der Bezeichnung „Teal Thunder“ zur Auswahl.
Bildergalerie: Harley-Davidson Sprint 440 (2027)

Gutmütiger Einzylinder mit Laufkultur
In der Harley-Davidson Sprint 440 arbeitet ein luft- und ölgekühlter Einzylindermotor mit 440 cm³ Hubraum, der 27,6 PS (20,3 kW) bei 6.000 U/min leistet. Das maximale Drehmoment von 38 Nm liegt bereits bei 4.000 U/min an. Damit liefert der Langhuber schon im niedrigen Drehzahlbereich einen brauchbaren Durchzug, wobei man angesichts der geringen Leistung und des fahrfertigen Gewichts von 189 Kilogramm keine fahrdynamischen Wunder erwarten darf. Im Test beschleunigt die Harley ab 2.000 U/min sehr harmonisch und ohne jegliches Ruckeln. Zwischen 3.000 und 5.000 U/min fühlt sie sich am wohlsten und bietet dabei ausreichend Leistung zum entspannten Cruisen. Bei Bedarf läuft die kleine Harley bis zu 129 km/h schnell.
Die leichten Vibrationen des Motors sind keineswegs unangenehm und passen ausgezeichnet zum Charakter des Motorrads. Mit Hilfe der leichtgängigen, mechanischen Anti-Hopping-Kupplung lässt sich das Sechsganggetriebe präzise durchschalten. Die Kraftübertragung an das Hinterrad erfolgt mittels Kette – eher untypisch für Harley-Davidson, wo in der Regel auf Riemenantrieb gesetzt wird. Die Gasannahme erfolgt über Ride-by-Wire mit elektronischer Drosselklappensteuerung. Eine Traktionskontrolle ist nicht vorhanden.
Handlichkeit sorgt für Fahrspaß
Die Sitzposition auf der Harley-Davidson Sprint 440 ist richtig angenehm. Man nimmt tief auf der angenehm gepolsterten Sitzbank Platz, die aus mehreren Teilen zusammengenäht ist und daher hochwertig wirkt. Die Sitzmulde bietet guten Halt und sorgt bei einer Körpergröße von rund 180 Zentimetern für einen optimalen Abstand zum Lenker, um entspannt aufrecht zu sitzen. Mit einer Sitzhöhe von 679 Millimetern ist die kleine Harley für nahezu jede Körpergröße geeignet. Dazu erleichtert die nach vorne hin schmäler werdende Sitzbank, mit den Füßen den Boden zu erreichen. Mit optional verfügbaren Sitzbänken für Klein- und Großgewachsene sowie einer Monositzbank findet jeder das richtige Gestühl.
Die niedrig und mittig angeordneten Fußrasten bieten guten Komfort und ein sicheres Fahrgefühl, haben jedoch den Nachteil, dass die Schräglagenfreiheit dadurch cruisertypisch eingeschränkt ist. Dies macht sich im Test vor allem im kurvenreichen Umland von Barcelona bemerkbar. Die Harley-Davidson Sprint 440 lenkt auch mit 19-Zoll-Vorderrad bereitwillig ein und gibt durch ihre stabile Kurvenlage viel Vertrauen. Ihre Agilität und Handlichkeit lassen uns zeitweise vergessen, auf welcher Art von Motorrad wir sitzen. Alles in allem ein richtig spaßiges Gerät.
Fahrwerk und Bremsen souverän
Beim Chassis setzt die Harley-Davidson Sprint 440 auf einen Stahlrohrrahmen, bei dem der Motor als mittragendes Element integriert ist. An der Front arbeitet eine Upside-down-Gabel mit 43 Millimetern Standrohrdurchmesser und 130 Millimetern Federweg. Hinten kommen zwei Federbeine mit externen Ausgleichsbehältern zum Einsatz, deren Federvorspannung einstellbar ist. Der Federweg beträgt hier 76 Millimeter. Im Test zeigt sich die Fahrwerksabstimmung äußerst ausgewogen. Selbst die unbeliebten Lärmschutzschwellen überwindet die kleine Harley unbeeindruckt und ohne unangenehme Auswirkungen auf den Fahrer.
Auch im Stadtverkehr von Barcelona zeigt die Sprint ihre Qualitäten. Durch das stabile Fahrverhalten und die für einen Cruiser fahraktive Sitzposition kommt selbst beim engen Vorbeifahren an langen Autoschlangen nie ein unsicheres Gefühl auf. Ganz im Gegenteil – auch diese Situation lässt sich nahezu spielerisch meistern. Die Verzögerung funktioniert einwandfrei und ausreichend kraftvoll. Vorne reicht dazu eine 320-mm-Bremsscheibe mit Zweikolben-Schwimmsattel, hinten sind es 240 Millimeter mit Einkolben-Schwimmsattel. Zur Betätigung der mit ABS ausgestatteten Bremsanlage reicht ein Finger aus. Etwas nachteilig erweist sich dabei der nicht einstellbare Bremshebel. Dieser ist etwas weit vom Lenker entfernt, wodurch die Erreichbarkeit mit kleineren Händen etwas problematisch werden kann.
Display mit allen wesentlichen Infos
In das klassische Rundinstrument der Harley-Davidson Sprint 440 ist ein rechteckiges 3,5-Zoll-TFT-Farbdisplay integriert. Zudem sind außerhalb noch einige Kontrollleuchten angebracht. Das gut ablesbare Instrument bietet neben der zentralen Geschwindigkeits- und Ganganzeige im oberen Bereich einen Drehzahlmesser und unten eine Tankanzeige. Über eine Taste an der linken Bedieneinheit kann zwischen zusätzlichen Fahrinformationen durchgeschaltet werden. Eine Verbindung mit dem Smartphone ist nicht vorgesehen. Das Aufladen desselben ist über einen USB-C-Ladeanschluss möglich, der links neben dem Zündschloss angebracht ist.
Während der 137 Kilometer langen Testfahrt in und rund um Barcelona leert sich der neun Liter fassende Tank der Harley-Davidson Sprint 440 laut Tankanzeige um nahezu die Hälfte. Die angezeigte Restreichweite von 182 Kilometern wirkt dabei zwar etwas zu optimistisch, die Werksangabe von insgesamt knapp 300 Kilometern sollte jedoch durchaus realistisch sein. Damit ist man im urbanen Bereich lange unterwegs und hat auch für ausgedehntere Touren genügend Sprit im Tank.
Erstes Fazit
Die Harley-Davidson Sprint 440 ist eine durchaus gelungene Einsteiger-Harley, die es verdient, in die große Biker-Familie aufgenommen zu werden. Der kompakte Cruiser versteht es mit klassischem Harley-Davidson-Design, hochwertigen Materialien und einer angenehmen Sitzposition zu überzeugen. Dazu kommen der kultivierte Einzylinder und das ausgewogene Fahrwerk, die zu entspanntem Cruisen einladen. Mit ihrem vergleichsweise günstigen Preis macht die Harley-Davidson Sprint 440 die kultige Marke für eine breitere Zielgruppe zugänglich, ohne dabei ihren typischen Charakter zu verlieren. (Text: Armin Hoyer | Bilder: Hersteller)
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Harley-Davidson Sprint 440
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