Corvette C8 Z06 im Test: Der Ferrari aus Kentucky

Die Corvette C8 Z06 attackiert mit 645 PS aus einem 5,5-Liter-V8-Sauger besonders den Porsche 911 GT3 (RS). Im Test begeistert sie durch ihr erstaunlich kontrollierbares Fahrverhalten - ist aber längst kein günstiger US-Geheimtipp mehr.

Das Wichtigste zuerst

AutoScout24-Bewertung: 8,1 von 10 Punkten.

Die Corvette C8 Z06 ist kein günstiger US-Sportwagen mehr, sondern ein ernsthafter Mittelmotor-Supersportler mit 645 PS starkem 5,5-Liter-V8-Sauger, Flat-Plane-Kurbelwelle und 8.600 U/min Drehzahlgrenze. Mit Z07-Paket, Cup-2-R-Reifen und Carbon-Felgen liefert sie brachialen Grip und ein deutlich sortierteres Fahrverhalten als die Stingray. Der Preis startet in Deutschland bei 209.900 Euro, voll ausgestattet nähert sich die Z06 250.000 Euro. Negtativ aufgefallen ist besonders der hohe Verbrauch, die unnötig komplizierte Bedienung sowie die mäßige Übersicht.


Stärken, Schwächen, Alternativen

Was uns gefällt

Dass Chevrolet mit dem LT6 einen der aufregendsten V8-Saugmotoren der Gegenwart gebaut hat.

Was wir vermissen

Ein rundes Lenkrad, bessere Übersicht und eine Bedienung, die nicht erst nach einem Informatikstudium verständlich wird.

Ideal, wenn …

… ein Porsche 911 GT3 (RS) zu naheliegend ist und es etwas mit V8 sein soll.

Die Alternativen

Porsche 911 GT3 (RS), McLaren 750 S, Mercedes-AMG GT63 Pro


Stärken

  • Fantastischer V8-Saugmotor
  • Sehr gutes Handling
  • Wertiger Innenraum und bequeme Sportsitze

Schwächen

  • Teuer in der Anschaffung
  • Unübersichtlich - auch bei der Bedienung
  • Hoher Verbrauch

corvette-c8-z06-front

Kein Schnäppchen mehr

Es ist jetzt natürlich etwas schwierig, in Freudentaumel auszubrechen. Mit Blick auf die beiliegenden Preisinformationen soll die vorgeführte Corvette C8 Z06 in Deutschland dann doch mindestens 209.900 Euro kosten. Spielt man den Konfigurator einmal durch, stehen auch beim Ami knapp 250.000 Euro auf dem Zettel. Im Vergleich hat sich da der Porsche-Verkaufsberater beim 911 GT3 RS erst so richtig warmgerechnet, aber zu einem echten „Schnapper“ taugt die 474 kW / 645 PS starke Corvette Z06 dann halt ebenfalls nicht mehr.

Was sie aber beweist, ist, dass es doch noch sehr taugliche Alternativen zum Allerweltssportwagen aus Stuttgart-Zuffenhausen gibt. Mehr denn je wurde die Corvette nach ihrem Generationswechsel Ende 2019 auf europäische Standards hin entwickelt (beinahe geprügelt), was sicherlich nicht jedem (amerikanischen) Enthusiasten geschmeckt hat. Breiter Flachbau, Mittelmotor-V8 hinter den Passagieren und an allen Ecken aerodynamisch zu Ende optimiert - da ging einiges an grobschlächtigem Südstaaten-Flair verloren. Wir mochten sie, die C7, ganz besonders als handgeschaltete Grand Sport. Für ihre Verhältnisse fein und gewollt äußerst sparsam zu fahren sowie im Auftritt einfach klassenlos.

corvette-c8-z06-seite-heck

Auffallen ist jetzt Pflicht

Das ist jetzt vorbei: Mit der C8 irgendwo unerkannt aufzukreuzen, ist nicht möglich. Noch dazu, wenn die Z06 in Competition Yellow lackiert ist. Neben der im Vergleich zur Stingray um 9,4 Zentimeter verbreiterten Karosserie ist die Z06 durch das optionale Z07-Paket auch mächtig beflügelt. Und für den extra Leichtbauspaß (-18,6 kg) gibt es für 10.000 Euro Aufpreis Räder aus Kohlefaser im Format 20 x 10 J vorne und 21 x 13 J hinten. Hinter ihnen versteckt sich ebenfalls nicht gerade schüchtern die Carbon-Keramik-Hochleistungsbremse. Kostenpunkt: zusätzliche 6.723 Euro, wenn das Z07-Paket bestellt wird. Beim Porsche 911 GT3 RS hätten die Stuttgarter dafür gerne 9.186,90 Euro gehabt. Die Vergangenheitsform schreiben wir bewusst, da das Vorfacelift-Modell des 992 GT3 RS mittlerweile vergriffen ist.

Zurück zur Corvette Z06: Ihre amerikanische Art wurde ihr derweil nicht nur optisch, sondern in gewisser Weise auch beim Antrieb genommen. Unter der gläsernen Einhausung im Heck versteckt sich nicht etwa ein 6,2 Liter großer Pushrod-V8 (LT4), sondern ein komplett neu entwickelter 5,5-Liter-V8-Saugmotor mit Flat-Plane-Kurbelwelle. Der „LT6“ setzt auf vier obenliegende Nockenwellen, 32 Ventile, 350 bar Einspritzdruck und dreht bis zu 8.600 Touren - für einen amerikanischen V8 ist das schon eine kleine Sensation.

corvette-c8-z06-motor

Ein Achtzylinder wie aus einem Ferrari

Seine 645 Euro-PS liegen damit erst bei 8.400 U/min an, das maximale Drehmoment von 595 Nm bei 6.300 U/min. Damit setzt die Z06 weniger auf den klassischen amerikanischen Hubraum-Dampf aus dem Keller, sondern benötigt vor allem Drehzahl. Entsprechend exotisch fällt auch die Geräuschkulisse aus. Da wollte man in Bowling Green wohl definitiv einen auf Maranello machen (angeblich stand ein Ferrari-V8 aus dem 458 Pate). Und wahrlich, die Z06 klingt mit Verlaub ziemlich geil. Das ist jetzt definitiv nichts für die Neubausiedlung um sechs Uhr morgens, weil einfach immer laut, aber es berührt dann vor allem das Herz des Petrolheads.

Doch nicht nur klanglich ist dieser Achtzylinder ein Erlebnis. Er spricht fein an, dreht gierig und liefert auf Wunsch eine geradezu beängstigende Menge Vortrieb. In etwa 3,1 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 304 km/h erreicht. Das sehr passend schaltende Achtgang-Transaxle-Doppelkupplungsgetriebe von Tremec hält den LT6 dabei zuverlässig bei Laune und verteilt dessen Kraft ohne großes Nachdenken an die Hinterräder. Sind die Michelin Sport Cup 2 R ZP auf Temperatur, klebt die fahrbereit etwa 1.700 Kilogramm schwere Z06 regelrecht am Asphalt. Fahrwerksseitig hat Chevrolet offenbar ebenfalls viel getan: Die C8 wirkt im Grenzbereich deutlich sortierter und weniger nervös, als wir das bei der Basis-Corvette erlebt haben.

corvette-c8-z06-cockpit

Das Lenkrad bleibt ein Ärgernis

Ganz ohne Supersportwagen-Macken geht es aber auch bei der Z06 freilich nicht. Der Spritverbrauch liegt mit etwa 18 Litern auf 100 Kilometern deutlich über der Schmerzgrenze, Lkw-Spurrillen mag sie ebenso wenig wie schlechte Straßen. Ein echtes Ärgernis bleibt zudem das beinahe hexagonale Lenkrad. Wir ertappen uns oft dabei, es eher wie das Steuerhorn eines Flugzeugs zu halten - es liegt einfach nicht gut in der Hand.

Und dann wäre da auch die Übersichtlichkeit, die in keine Richtung gegeben ist und durch starke Reflektionen der Windschutzscheibe und der hinteren Verglasung auch nachts zu wünschen übriglässt. Ein weiteres Thema ist die fehlende Ergonomie in der Corvette. Alles in diesem Auto ist kompliziert zu bedienen, Untermenüs sind teils unlogisch aufgebaut und auch das neue UX-Design seit dem Modelljahr 2026 ohne massive Schalterleiste zwischen Fahrer und Beifahrer hat diesem Umstand keinen Abbruch getan.

corvette-c8-z06-bremse

Fazit

Trotz gewisser Schwierigkeiten bei Ergonomie und Bedienung schafft es die Corvette C8 Z06, das Sportwagenherz höher schlagen zu lassen. Ihr 5,5-Liter-V8-Saugmotor ist eine Wucht, das Handling für einen Mittelmotor-Renner beinahe narrensicher und wer nicht gerade wie ein Irrer im Rennstreckensetting über Landstraßen bügelt, behält sogar die Bandscheiben da, wo sie hingehören - was auch am überwiegend bequemen Gestühl liegt. In Deutschland ist die Corvette C8 Z06 allerdings kein günstiger Geheimtipp mehr, und auch ihr Unterhalt ist weit von dem entfernt, wofür die Corvette einst bekannt war: ein erschwinglicher Sportwagen für jedermann zu sein. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

AutoScout24 Scores

Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.

Score
8,1
Design
8,5
Bedienbarkeit
6,5
Komfort
8,0
Alltagstauglichkeit
7,5
Fahreigenschaften
9,0
Antrieb
9,5
Effizienz
7,0
Preis-Leistungs-Verhältnis
7,5
Ausstattung
8,5
Sicherheit
8,5

FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Corvette C8 Z06

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vogelhuber.avif

Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat fährt er eine Mercedes-Benz S-Klasse S 450 4Matic W221.

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