Herausragend anders: Fahrbericht RAM 1500 Classic Laramie

Der RAM 1500 Classic Laramie wartet mit allerhand klassischen Pickup Tugenden auf. Groß ist er sowieso, reichhaltig ausgestattet ebenso und auf Wunsch, quasi ab Werk, mit einer Gasanlage bestückt. Was der große Ami sonst noch auf dem Kerbholz hat - unser Fahrbericht gibt Antworten.

Bevor wir einsteigen, in den wörtlich genommen, ausladenden Fahrbericht, erst einmal eine Klarstellung: Ja, wir fahren hier den „alten“ RAM, der in den USA aber weiterhin vom Band läuft und derzeit sozusagen die Einstiegsdroge darstellt – in die einzig wahre Pickup-Welt. Vergessen sie Kleinstwagen vom Format Ford Ranger, VW Amarok oder „Mercedes Navara“. Die US-amerikanische Pritschen-Urgewalt RAM überragt sie alle und kostet hierzulande vollausgestattet gute 67.000 Euro. Dabei heißt „voll“, dass der Dodge und RAM Generalimporteur AEC Europe neben der reichhaltigen Serienausstattung bereits eine 98 Liter (netto) fassende Prins Gasanlage und eine ziemlich klanggewaltige Klappenauspuffanlage von NAP am 5,92 Meter langen RAM 1500 installiert hat. Selbstverständlich ist der Wagen nach aktuellen europäischen Normen homologiert und wurde durch AEC zusätzlich noch einmal hohlraumversiegelt. Obendrauf und im Preis inkludiert: Ein Unterbodenschutz und 24 Monate Comfort Garantieschutz.

RAM-1500-Classic-Laramie-Front

Auf Wunsch mit Gasanlage

Gerade die Gasanlage ist ein Teil, welches hierzulande den Genuss am Truckfahren weiter fördern kann, kostet LPG mit Stand Juli 2019 lediglich um 0,62 Euro pro Liter. Ansonsten und auf regulärem Benzin gefahren genehmigt sich der 5,7 Liter große HEMI zwischen 12 und 15 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Werte, die nun keinen begeistern, welche für die stattlichen Abmessungen und das Eigengewicht von 2,6 Tonnen aber beinahe wieder in Ordnung gehen. Schließlich darf man nicht vergessen, dass der RAM 1500 ein ausgewachsenes Arbeitstier ist, das nicht nur eine Pritschengröße von 1,71 auf 1,69 Meter zu bieten hat, sondern auch bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast bewältigen kann.

RAM-1500-Classic-Laramie-Tacho

NAP Abgasanlage mit tollem Klang

Bevor wir zum eigentlichen Fahrkapitel kommen noch der Hinweis zur Klappenanlage: Sie ist für wahre V8-Fans schlicht ein Muss! Der 401 PS starke HEMI klingt bei aller Offenflutigkeit nach purem Rennwagen, knallt schon mal durch und erschreckt nicht nur kleinere Hunde. Sozialverträglichkeit sieht in den Augen vieler freilich anders aus, doch wenigstens der Auspuff lässt sich per Klappe ruhiger stellen. Die herausragenden Abmessungen des RAM wegzudiskutieren gelingt dagegen weniger gut. Doch stört seine Opulenz beim Rangieren eher selten und schon gar nicht auf der normalen Straße. Natürlich muss die Parklücke größer und breiter sein – man gewöhnt sich allerdings sehr schnell daran.

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Trotz der Größe kein LKW-Feeling

Der große Wagen, im Kern ist er ein ganz normaler PKW. Die Lenkung, typisch amerikanisch, eher weich ausgelegt, das Fahrwerk komfortabel und die ZF-8-Gang-Automatik ein Traum an Sanftmütigkeit. Doch kann der RAM durchaus auch durch Kurven getrieben werden, angsterfüllte Blicke aller Entgegenkommenden inklusive. Es ist halt ein wenig Wanken und Schwanken dabei, auf nasser Fahrbahn verliert der normalerweise hinterradgetriebene (sperrbarer 4WD zuschaltbar) 1500er schon einmal das leichte Heckabteil – es bleibt aber alles im Rahmen. Zentrales Lustobjekt ist jedoch klar der bärige Antrieb. 401 Pferdestärken und maximal 555 Newtonmeter Drehmoment schieben schon sehr vehement nach vorne und zwar derart, dass es auf der Autobahnauffahrt abermals ungläubige Augenblicke mit anderen Verkehrsteilnehmern gibt.

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Nichts für Parkhäuser

Etwas ungläubig sind wir auch ob der Höhenangaben so mancher innerstädtischen Tiefgarage. So misst unser Testfahrzeug nach oben stolze 1,97 Meter, wobei gerade Münchner Kellerparkhäuser meist eine ausgewiesene Höhe von etwas mehr als zwei Meter haben. Zu wenig Spielraum für ein wohliges Einfahrtsgefühl und so parken wir auch stets unter freiem Himmel. Ob man überhaupt mit derlei Fahrzeug in eine dicht befahrene Innenstadt fahren muss, dass soll jeder (noch) selbst entscheiden. An der Übersichtlichkeit soll es im urbanen Goßstadtdschungel allerdings nicht scheitern. Die mächtigen Außenspiegel geben beispielsweise viel Sicht nach hinten. Ihnen fehlt allerdings der Blick für den Toten Winkel. Und auch durch die großen Fensterpartien lässt sich der umliegende Verkehr bestens überblicken - man sitzt ohnehin meist auf Grußhöhe zu Fahrern von 7,5-Tonnern.

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Im Innenraum einfach gestrickt

Trotz des ziemlich guten Preisgefüges bei der Chrysler Tochter RAM: Gerade im Innenraum merkt man dann eben doch die Nutzfahrzeugherkunft. Nichts knarzt, nichts scheppert, aber die extreme Plastiklandschaft ist halt auch nicht das, was man Premium nennen würde. Die Holzeinlagen geben sich nicht einmal Mühe, ihren Kunstdruck zu verschleiern und so manchem Teil würde etwas mehr Passgenauigkeit zum Besten stehen. Mehr Luxus gibt es erst ab der nächst höheren Ausstattungsvariante im RAM. Uconnect Multimediasystem (inklusive EU-Kartenmaterial) und Alpine-Soundanlage sind dagegen im serienmäßigen Umfang enthalten, funktionieren, stechen insgesamt aber auch nicht sonderlich hervor.

RAM-1500-Classic-Laramie-Interior

Großzügiger Reisewagen

Anders als die Platzverhältnisse und Ablagemöglichkeiten. So entpuppt sich der RAM 1500 Classic Laramie durchaus als Familienauto mit Platz für Kind, Kegel und reichlich Gepäck. Auf der Ladefläche eh klar, aber wer die teilbare Hinterbank aufklappt, bringt selbst hier viele Utensilien unter. RAM gibt daher auch ein Kofferraumvolumen von 1.300 Liter an. Ohne Koffer sitzen vier Erwachsene recht locker und ziemlich gut gepolstert in der Doppelkabine. Cupholder und Staufächer gibt es reichlich und so auch USB- sowie Stromanschlüsse. Auf der großflächig dimensionierten Mittelkonsole lässt es sich zugleich auch fürstlich Dinieren. Und sei es nur, um das wohlschmeckende á la carte Menü des lokalen Schachtelwirts stilecht zu genießen.

RAM-1500-Classic-Laramie-Rearseat

Fazit

Gewaltige Abmessungen, gewaltiger Sound, gewaltig fairer Preis! Der RAM 1500 Classic Laramie hat sich bei uns einen Platz im Automobil-Olymp gesichert. Er ist einfach, er ist ehrlich und trotz seiner Größe kein Auto, das hierzulande die Sozialneider auf den Plan ruft. Im Gegenteil: Ihm werden viel Sympathie und Interesse entgegengebracht und bei manch einem setzt gar der inständige Haben-Will-Blick ein. Wer sich für so viel Auto, für vergleichsweise gutes Geld entscheidet, dem ist im Zweifel auch so manche Schwäche bei der Verarbeitung egal. Die von AEC Europe angebotene Gasanlage, sozusagen ab Werk, sollte man sich für den langfristigen Spaß am Ami-Pickup dafür näher anschauen. Die heftige NAP-Klappenanlage sowieso! (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

Technische Daten*

  • Modell: RAM 1500 Classic Laramie
  • Motor: Achtzylinder-V-Motor, 5.654 ccm
  • Leistung: 401 PS (295 kW) bei 5.600 U/min
  • Drehmoment: 555 Nm bei 3.590 U/min
  • Antrieb: 2WD/4WD mit Sperre, 8-Gang-Automatik
  • Verbrauch: 14,9 l S /100 km
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): 7,8 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h (abgeregelt)
  • Abmessungen (L/B/H): 5,92 m/2,09 m/1,97 m
  • Gewicht ca: ca. 2.600 Kg
  • Tankvolumen: 98 l

*Herstellerangaben

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