Detailarbeit: Erste Fahrt im neuen VW Passat GTE und Alltrack

Der VW Passat ist neben dem Golf der ewige Kassenschlager im Angebotsregal der Wolfsburger. Zwar legen die hauseigenen SUVs im Absatz kräftig zu, doch bleiben Kombis in Deutschland weiterhin beliebt. Und schließlich hat man selbst beim Passat eine Art SUV im Programm. Der höhergelegte und robust beplankte Alltrack bildet auch nach der Modellüberarbeitung die Speerspitze in der Wolfsburger Mittelklasse. Er startet hierzulande bei 47.800 Euro, bietet sehr viel Fahrkomfort und setzt weiterhin serienmäßig auf den Allradantrieb 4Motion. Im Preis inkludiert ist zudem die adaptive Fahrwerksregelung DCC, die nun beinahe stufenlos zu regeln ist.
Passat Top-Version mit 272 PS
Wir waren im VW Passat Variant Alltrack zunächst mit der 272 PS starken Top-Motorisierung unterwegs, die vor allem jene begeistern wird, die regelmäßig flotter unterwegs sind. Der 2.0 TSI geht äußerst dynamisch ans Werk, harmoniert bestens mit dem serienmäßigen 7-Gang-DSG und stellt selbst bei höherem Tempo immer ausreichend Power zur Verfügung. Wer derlei häufiger abruft bekommt die Quittung spätestens an der Zapfsäule. Zwar sind einstellige Verbräuche vor dem Komma auf der Langstrecke durchaus zu realisieren, zum Spritsparen gibt es jedoch andere Modelle. Der Bi-Turbo-TSI geht zudem, nach oben ausgedreht, recht kernig an die Sache, was aber gleichzeitig einen Hauch von Sportlichkeit in den Familienkombi bringt.
GTE mit mehr Reichweite
Flüsterleiste geht dagegen der neue VW Passat GTE an den Start, beginnt immer im lokal emissionsfreien E-Modus und soll laut Angabe von Volkswagen nun 55 Kilometer (nach WLTP) rein elektrisch bewältigen können. Ob jene Reichweite alltagsnah ist konnten wir auf der kurzen Fahrt durchs hessische Rheingau freilich nicht erfahren, die Kombination aus dem 85 kW E-Motor und dem bekannten 115 kW (156 PS) starken 1,4 Liter TSI scheint aber zunächst geglückt. Unmerklich gestaltet sich das Umschalten zwischen beiden Antrieben, die Handhabung gelingt einfach und VW hat endlich auch das Bedienmenü kräftig aufgeräumt.
Hybridfahren wird einfacher
So hat der Fahrer im neuen GTE maßgeblich die Wahl zwischen dem rein elektrischen E-Modus und dem Fahrzustand Hybrid. „Battery Hold“ und „Battery Charge“ wurden dagegen entfernt, wobei das Lademanagement des Passat GTE weitestgehend automatisch errechnet, wann es Sinn macht, die 13,0 kWh Batterie über den Verbrenner zu laden oder keinen weiteren Strom in den Antriebsstrang fließen zu lassen. Wer dennoch Einfluss auf den Batterieladestand nehmen möchte kann dies weiterhin über eine Infografik im zentralen Display tun. VW selbst gibt allerdings an, dass der Hybrid-Modus des neuen GTE so gut sei, dass manuelle Eingriffe kaum mehr notwendig seien.
Trotz Batterie: Keine Einbußen beim Kofferraum
Richtig Action kommt übrigens in den Antriebsstrang des Passat GTE, drückt man neben dem Automatikwählhebel auf den Knopf „GTE“. Nun agieren Verbrenner und E-Motor als eine Einheit, sorgen für maximalen Vortrieb und kredenzen eine Systemleistung von gut 160 kW (218 PS) und satte 400 Nm Drehmoment. Im Zaum gehalten werden jene Pferdestärken durch ein speziell entwickeltes 6-Gang-DSG, wobei nur die Vorderräder angetrieben werden. Erfreulich für jene, die mit dem Hybrid nicht nur lokal emissionsfrei unterwegs sein wollen, sondern auch Zuladung brauchen: Das nutzbare Kofferraumvolumen reduziert sich durch die Batteriepacks nur minimal und auch nur in der kaum genutzten Ersatzradmulde. Beim herkömmlichen Variant mit Verbrenner stehen weiterhin zwischen 650 – 1.780 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Die umgelegten Sitze ergeben selbstredend eine ebene Ladefläche.
Bedienung des MIB 3 hat Luft nach oben
In Sachen Infotainment haben die Wolfsburger den Passat zum Technologieträger erkoren. Er ist der erste Volkswagen mit dem neuen MIB 3-System, wobei das Hauptaugenmerkt auf Konnektivität und eine Immer-Online-Funktion gelegt wurde. So verfügt jeder neue VW Passat über eine integrierte SIM-Karte, das Angebot an nutzbaren Diensten in der ebenfalls neuen WE-Connect-Welt ist jedoch abhängig von der gewählten Ausstattung. Beim ersten Test gestaltete sich die Bedienung des MIB 3 allerdings oftmals sehr kleinteilig und gerade die in Teilen neu gestaltete Navigationskarte wirkte auf uns unübersichtlich. Zudem gelingt das Verstellen der einzelnen Parameter weiterhin nur mittels Touchscreen oder Sprachbedienung. Letztere versteht Kommandos aber nicht immer reibungslos. Die Rückkehr des echten Lautstärkenreglers erteilte Volkswagen ebenfalls eine Abfuhr.
Mit dem Travel Assist teilautomatisch unterwegs
Bleibt noch ein Blick auf die Assistenzsysteme. Das Zauberwort beim Passat Update lautet hier: „Travel Assist“. Dahinter versteckt sich die Kombination aus dem Abstandsregeltempomaten ACC, dem Lane Assist und einer kamera- sowie navigationsgestützten Schilder- und Fahrbahnerkennung. Der Travel Assist ermöglicht, wie auch der Stauassistent, ein teilautomatisiertes Fahren der Stufe 2 und das bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h. Die Systeme halten jedoch nicht nur Spur und Abstand, sie wissen auch ob die nächste Kurve im gewählten Tempo durchfahren werden kann und reduzieren im Bedarfsfall selbstständig die Geschwindigkeit. Gleiches gilt auch bei Kreisverkehren oder Ortseinfahrten. Durch das neue kapazitive Lenkrad muss der Fahrer auch nicht mehr durch eine kleinen Lenkbewegung signalisieren, dass er noch bei der Sache ist – es reicht, die Hände auf dem Lenkrad anliegen zu haben.
Erstes Fazit
Trotz, dass Volkswagen beim neuen Passat ein regelrechtes Technik-Feuerwerk abbrennt: am Grundrezept des variablen Allrounders hat Wolfsburg nicht gerüttelt. Es gibt weiterhin eine gesunde Auswahl an Diesel-Motoren, die Benziner können sportlich und wer gerne den Schritt in die Zukunft wagen will, ist beim Hybrid GTE mit seiner gesteigerten E-Reichweite bestens aufgehoben. So gesehen bietet VW beim Passat die beste und ausgereifteste Technik, die der Konzern derzeit zu bieten hat. Mit MIB 3 wagt man allerdings einen großen Schritt in Richtung der Konnektivität von morgen – das muss einem gefallen. Genauso wie die Preise. Sie sind, will man am technologischen Fortschritt teilhaben, nämlich ganz und gar nicht volksnah. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber | Weitere Bilder: Hersteller)
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