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Awo

Der Modelle von AWO markieren den Anfang des Motorradbaus in der DDR

Mit der Teilung Deutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lagen die Produktionsanlagen der Fahrzeugindustrie in Ost und West zumeist in Trümmern. Viele große Unternehmen, die einst in den östlichen Landesteilen ihren Firmensitz hatten, bauten ihre Produktion und Zentralen in Westdeutschland wieder auf. Aber auch in der DDR arbeiteten die Verantwortlichen daran, die technischen Voraussetzungen für den Neuanfang der Fahrzeugbauindustrie zu schaffen. In der Regel geschah das an den aufgegebenen Standorten von Auto Union, BMW oder Daimler-Benz. Die Nutzungsrechte an den traditionsreichen deutschen Markennamen hatten die nun in Westdeutschland ansässigen Unternehmen, sodass die in den 1950er Jahren etablierten volkseigenen Betriebe in Ludwigsfelde, Karl-Marx-Stadt, Zwickau, Eisenach oder Suhl bald Motorräder, Pkw und Nutzfahrzeuge unter neuen Markennamen vom Band laufen ließen. Dafür lieferte das unter sowjetischer Beteiligung im Jahre 1945 gegründete Unternehmen Awtowelo (russisch für Kraftrad) ein Beispiel. Die unter der Namensabkürzung AWO angebotenen Modelle markierten im Jahr 1950 den Beginn der Motorradproduktion in der DDR.

Die Tankplakette gibt Auskunft über das Baujahr eines AWO Motorrads

Als Standort für die Motorradproduktion wählte Awtowelo die Fertigungsstätten des traditionsreichen Thüringer Zweiradproduzenten Simson in Suhl. Das dort gebaute Premierenmodell kam im Jahr 1950 zunächst unter dem neu eingeführten Markennamen AWO auf den Markt. In den ersten Jahren ihrer Bauzeit zeigte das Label auf dem Tank der Maschinen den Buchstabencode sowie die Herkunftsbezeichnung Suhl. Nach der ab 1952 eingeleiteten Überführung von Awtowelo in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) waren auf der Plakette am Tank der Markenname AWO, ein zum Blitz stilisiertes rotes S, der Zahlencode 425 aus der Kombination von Zylinderanzahl und Hubraum sowie der Herstellerhinweis VEB Simson-Suhl zu sehen. Diese Unterschiede in der Gestaltung des Markenzeichens waren später ein wichtiger Hinweis für Käufer, die ein gebrauchtes AWO Motorrad einer bestimmten Bauphase zuordnen wollten.

Ende der 1950er Jahre wird aus der AWO 425 eine Simson

Ab dem Jahr 1958 verschwand das AWO-Markenzeichen dann von den Motorrädern. Dennoch waren später gebrauchte AWO der Baujahre 1958/9 bis 1961 zu finden, die eigentlich als Originale gelten durften. Die Motorräder der letzten Bauphase waren zwar konstruktionstechnisch nicht mehr mit dem Premierenmodell AWO 425 T identisch. Doch sie basierten auf dem 1957 vorgestellten Nachfolger AWO 425 S. Eine weitere Neuerung gab es durch die Umstellung der Modellbezeichnung kurz nach Einführung der zweiten AWO-Generation. Ab dem Jahr 1958/9 wurden die 425 S unter dem Namen Simson angeboten, bevor die Produktion schwerer Motorräder in Suhl Anfang der Sechzigerjahre schließlich eingestellt wurde. Der Hintergrund: Im Zuge einer Neuorganisation der DDR-Zweiradindustrie sollten sich die Thüringer auf kleinere Motorräder und Roller der 50er und 125er Klasse konzentrieren. So verschwanden die letzten AWO aus dem Programm von Simson.

Als Neufahrzeug und Classic Bike haben AWO-Motorräder Kultstatus

Ähnlich wie die 60er Jahre Mopeds und Motorroller von Simson im Zuge der Ostalgiewelle als Szenebikes wiederentdeckt wurden, erlangten die AWO-Modelle als seltene Typen aus der Frühzeit des Zweiradbaus der DDR auf dem Markt für gebrauchte Motorräder als Classic Bikes Kultstatus. Während die kleineren Simson Krafträder bei den Zeitgenossen jedoch erst einmal als alltägliches Transportmittel wahrgenommen wurden, profitierten die 250er Maschinen von AWO bereits als Neufahrzeuge von ihrem hohen Prestigefaktor. Denn die AWO 425 galt als Aushängeschild der neu entstehenden DDR-Motorradproduktion und als das leistungsstärkste Zweirad eines ostdeutschen Herstellers in den 50er Jahren.

Die AWO 425 T kommt als Tourer und Gespann mit Beiwagen auf die Straße

Ihre Rolle als Flaggschiff im Programm der DDR-Motorradhersteller konnte die AWO vor allem deshalb ausfüllen, weil sie bei ihrer Markteinführung im Jahr 1950 zu den wenigen Zweirädern eines heimischen Produzenten gehörte, für die die Konstrukteure einen Viertaktmotor einsetzten. Konkurrenz kam in dieser Klasse eigentlich nur aus Eisenach, wo das dortige Motorenwerk mit früherer BMW-Technik eine Vierzylindermaschine der 340 ccm Hubraum entwickelte. AWO trat mit seinem Vierzylindermodell hingegen in der 250er Klasse an. Aus ihren 250 ccm Hubraum bezog die AWO 425 T eine Leistung von bis zu 9 kW (12 PS). Damit kamen die AWO auf eine Höchstgeschwindigkeit von gut 100 Stundenkilometern.

Technische und optische Merkmale der AWO 425 T

Technische Besonderheiten der Tourer waren der verbaute Kardanantrieb anstelle des sonst noch weit verbreiteten Antriebs über eine Kette sowie die Hydraulik-Telegabel. Der robuste Eisenrahmen der Touringversionen machte die AWO 425 auch als Gespann geeignet, sodass Beiwagen unterschiedlicher Hersteller montiert werden konnten. Optisch lehnte sich die 425er von AWO eng an Vorkriegskonstruktionen an. Feinspeichenräder, ein schlanker Tank in Tropfenform und ein großer Rundscheinwerfer mit Chromeinfassung bestimmten den Auftritt der 250er Motorräder aus Suhl. Ebenfalls klassisch war der in Sattelform gestaltete Einzelsitz, der tief montiert war und das weit über das Hinterrad geführte Schutzblech prominent in Erscheinung treten ließ.

Mit der 425 S zeigt AWO im Jahr 1957 eine Sportversion mit technischen Neuerungen

Während die als Reisemaschinen ausgelegten 425 Tourer in mancherlei Hinsicht noch Konstruktionsdetails aufwiesen, die aus der Vorkriegszeit stammten, brachte AWO mit dem Sportmodell 425 S im Jahr 1957 eine modernere Version seiner Vierzylinder auf den Markt. Neben mehr Leistung sollten die 425 S vor allem besseren Komfort bringen. Dazu verbaute der Hersteller an den hinteren Rädern eine Schwingarmfederung und anstelle des Sattelsitzes bekamen die AWO eine gepolsterte zweiteilige Sitzbank, die in der letzten Bauphase durch eine durchgehende Bank ersetzt wurde. Und auch in der Leistung legte die AWO 425 S zu: In den ersten beiden Baujahren mobilisierte der Vierzylinder 10,3 kW (14 PS). Nach der Umbenennung liefen die Maschinen ab dem Jahr 1959 bis zur Einstellung der Produktion 1961 als Simson 425 S mit einer Leistung von bis zu 11,4 kW (15,5 PS) vom Band.

Die Rolle der AWO Motorräder auf dem Gebrauchtmarkt

Insgesamt entstanden zwischen dem Produktionsbeginn im Jahr 1950 und dem Ende der Fertigung der AWO/Simson 250er in Suhl mehr als 120.000 Motorräder der Typen T und S. Damit gehörten die Vierzylindermotorräder nicht unbedingt zu den seltensten Zweirädern früher DDR-Produktion. Auf dem Markt für gebrauchte Motorräder nahmen sie dennoch eine besondere Position ein. Gesucht waren insbesondere unverbaute Originale der Jahre bis 1958. Angeboten wurden jedoch auch zahlreiche Custom-Varianten, die im Laufe der Zeit als persönliche Umbauten der AWO entstanden waren.

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