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Moskvich

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Moskvich laufen in verschiedenen Modellreihen von 1945 bis 2003 vom Band

Die Konsolidierungsprozesse in der US-Autoindustrie der 1920er Jahre waren noch nicht ganz abgeschlossen, da sahen sich die Großunternehmen der Branche schon in Europa nach Kandidaten um, die für Übernahmen oder Lizenzpartnerschaften infrage kamen. Für den Autopionier Ford rückte dabei neben seinem Engagement in Deutschland der vom motorisierten Individualverkehr noch weitgehend unberührte Markt der Sowjetunion in den Vordergrund. Für den Aufbau der dortigen staatlichen Fahrzeugbauindustrie lieferte Ford Anfang der 1930er Jahre Know-how und Bausätze für die Lizenzfertigung von Pkw und Nutzfahrzeugen. Aus dieser schon wenige Jahre später aufgegebenen Zusammenarbeit entwickelte sich das Moskauer Automobilwerk, wo nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Jahr 2003 unterschiedliche Modellreihen unter dem Markenamen Moskvich vom Band liefen.

Die Moskvich kommen als Neuwagen auch nach Westeuropa

In der Sowjetunion zählte ein Moskvich zu den hochwertigsten Fahrzeugen aus Eigenproduktion. Das lag vor allem an seiner als robust eingeschätzten und leicht zu wartenden Technik, die an die besonderen Anfordernisse der russischen Infrastruktur angepasst war. Obwohl die technische Entwicklung später nicht mehr mit der westlichen Konkurrenz mithalten konnte, wurden die Moskvich der unterschiedlichen Baujahre bis in die Achtzigerjahre durchaus noch in einem größeren Umfang in einigen Märkten Westeuropas über Importeure angeboten. Zu den Hauptabnehmern gehörten die skandinavischen Länder oder die Beneluxstaaten. Aber auch in Großbritannien tauchten die Moskvich Limousinen und Kombis auf den Straßen auf. Deutlich prominenter waren die Fahrzeuge des Moskauer Automobilwerks naturgemäß in den osteuropäischen Ländern sowie in der DDR präsent, wo ein Moskvich bis zur Wiedervereinigung Deutschlands als Luxusmodell und Statussymbol galt.

Gebrauchte Moskvich gelten als Klassiker russischer Produktion

Die Moskvich-Exportpolitik der Sowjetunion hatte später auch Auswirkungen auf den Gebrauchtwagenmarkt. Extrem selten waren dort gut erhaltene Modelle aus den 40er und 50er Jahren, die als russisches Classic Car oftmals zu Liebhaberpreisen gehandelt wurden. Dominiert wurde der Markt für gebrauchte Moskvich jedoch von den Limousinenbaureihen, die das Moskauer Automobilwerk im Zeitraum der Siebziger- bis Achtzigerjahre produziert hatte. Da die Produktionszahlen mit der wirtschaftlichen Öffnung Russlands und der Verfügbarkeit modernerer Fahrzeuge in den 90ern stetig sank, waren Moskvich der letzten Bauphase bis zum Ende der Fertigung im Jahr 2003 schon sehr viel seltener. Die meisten Gebrauchtwagenangebote für einen Moskvich kamen aus Osteuropa sowie aus dem Gebiet der ehemaligen DDR. Einen kleinen Boom erlebten die russischen Klassiker im Zuge der Ostalgiewelle, die den Moskvich der unterschiedlichen Baureihen bei Fans von Classic Cars oder Youngtimern aus Ostproduktion eine bevorzugte Stellung verschaffte.

Für die ersten Moskvich nutzt der Hersteller Technik deutscher Herkunft

In der staatlich gelenkten Planwirtschaft der UdSSR spielte der Aufbau einer modernen Autoindustrie nach 1945 durchaus eine maßgebliche Rolle. Und einer der Hauptakteure dabei war das Moskauer Automobilwerk, wo mit dem Moskvich 400 im Jahr 1947 der erste Nachkriegs-Pkw vom Band lief. Besonderheit des 400er: Er entstand auf beschlagnahmten und nach Russland gebrachten Produktionsanlagen, auf denen vor dem Krieg der Opel Kadett produziert worden war. Der Moskvich 400 wurde als viertürige Limousine und als Cabriolet 4-Türer gefertigt und sollte in der Sowjetunion die Rolle eines Volkswagens übernehmen. Optisch beinahe unverändert blieb das Nachkriegs-Premierenmodell unter der Bezeichnung Moskvich 401 bis zum Jahr 1956 im Programm. In dieser Generation gab es zudem Kombis und zweitürige Transporterversionen des 401.

Die Moskvich der 50er und 60er Jahre werden als Limousine und Kombi gebaut

Die Vielfalt der Karosserieformen behielt der Hersteller nach der Einführung der Moskvich 402 im Jahr 1956 bei. Auf Basis der im typischen Design der Fünfzigerjahre vorfahrenden Generation entstanden Fahrzeuge, die je nach Bauphase unter verschiedenen Typennamen bekannt wurden. So trugen die Kombis der Baureihe anfangs die Zahlencodes 423 und 411, die in den 60ern zu den 424ern wurden. Ihre Limousinen stellten die Russen im Jahr 1958 in einer überarbeiteten Variante vor, die als Moskvich 407 zu den Kunden kam. Besonderheit bei den Moskvich der Fünfziger- und Sechzigerjahre: Von den Limousinen und Kombis produzierte der Hersteller höhergelegte Varianten wie den 410 und 411, die mit einem Allradantrieb ausgestattet wurden. Da von 1957 bis 1961 kaum 10.000 Exemplare dieser Bauart gefertigt wurden, galten diese Moskvich Crossover später auf dem Gebrauchtwagenmarkt als die Exoten-Modelle der Marke.

Die klassischen Moskvich laufen im Jahr 1965 erstmals vom Band

Weiter verbreitet waren die Moskvich, die in Russland in den Jahren von 1965 bis 1986 vom Band liefen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Typenbezeichnung von Moskvich 408 über 412 zu 2140 bei den Limousinen und vom Moskvich 426 zu 427 und 2137 bei den Kombis weiter. Optisch jedoch änderte sich mit dem Wechsel der Namen kaum etwas. Was den Zeitgenossen als Stillstand erschien und den Exporterfolg der Moskvich in westliche Abnehmerländer bedrohte, sahen Fans russischer Oldtimer später als Glücksfall an. Sie konnten auf dem Markt für Gebrauchtwagen Moskvich finden, die in den 80er Jahren gebaut worden waren und deren Karosserie dennoch die Stilmerkmale der Sechzigerjahre zeigte. Dazu gehörte eine nüchtern wirkende kantige Ausformung von Kotflügeln, Front und Heck sowie Chromschmuck für Kühlergrill und Stoßfänger. Nur die Form der Scheinwerfer deutete den Generationswechsel bei den klassischen Moskovich an: Mit dem Übergang in die 70er Jahre wurden die vormals runden Frontleuchten durch Rechteckscheinwerfer ersetzt. Eine wichtige Neuerung hielten die Russen für ihren Klassiker jedoch parat. Und das betraf die Motorisierung.

Der Moskvich 1500 wird 1967 das Spitzenmodell der 400er-Baureihe

Mit ihren in den Ursprüngen noch auf Opel-Entwicklungen zurückgehenden Motorisierungen waren die Moskvich nicht gerade für PS-starke Antriebe und rasante Fahreigenschaften bekannt gewesen. Im Vergleich zu den Pkw osteuropäischer Hersteller fiel das jedoch lange nicht auf. Da die Marke Moskvich allerdings weiter im Westen als Devisenbringer eingesetzt werden sollte, mussten sich die Russen etwas einfallen lassen, um den dortigen Standards etwas entgegensetzen zu können. Dazu entwickelten sich einen Leichtbaumotor aus Aluminium, der erstmals im Moskvich 412 des Baujahres 1967 zum Einsatz kam. Der Vierzylinderbenziner bedeutete im Zusammenhang mit seiner Viergangschaltung eine deutliche Modernisierung und nahm zu den parallel weitergebauten Moskvich mit den alten Motoren die Rolle des Spitzenmodells im Programm ein. Das Flaggschiff kam je nach Verkaufsland auch als Moskvich 1500 oder 2140 SL auf den Markt, die in den 1980er Jahren durch die Modelle 2141/2 abgelöst wurden.

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