Test: Alfa Romeo Brera 2.0 JTDM 16V – Für Herz und Verstand

Mit Emotionen geizt er nicht, dafür aber beim Verbrauch. Der Alfa Brera hat einen neuen Zwei-Liter-Diesel, der trotz manierlicher Trinksitten mit 170 PS ordentlich Dampf bietet.

Das Euro-5-fitte Aggregat geht eine allerdings nicht in allen Punkten harmonische Hochzeit mit dem Mittelklasse-Adonis ein.
Mal ehrlich: Ein VW Scirocco verfolgt ein sehr ähnliches Rezept wie der Brera. Statt mit praktischer Alltagstauglichkeit wollen beide Coupés mit Emotionen locken. Doch im direkten Vergleich zum Brera wirkt das Wolfsburger Spaßmobil optisch eher plump und dröge. Das zweitürige Alfa-159-Derivat spielt hingegen mit seiner ausdrucksstarken Front das große Kino der Gefühle. Allerdings überzeugt der Italiener trotz seiner herrlich schlitzartigen Heckleuchten und vier verchromten Auspuffendrohren nicht auf ganzer Linie. Das rundliche Heck wirkt etwas pummelig, die Überhänge fallen groß aus und die 17-Zoll-Räder mit Winterreifen stören ebenfalls das ansonsten sehenswerte Gesamtkunstwerk.

In den nur 1,34 Meter flachen Brera muss man tief einsteigen und dabei einen großen Wulst der linken Seitenwange überwinden, um den enganliegenden Fahrersitz zu entern. Für ungelenke Zeitgenossen artet das fast schon in Arbeit aus. Innen bietet der Brera ein ebenfalls sehr durchgestyltes Ambiente. Rotes Leder, diverse Metallakzente und großflächige Blenden in Karbon-Optik sorgen für sportliches Flair mit einer eigenwilligen, etwas schwülstigen Alfa-Note. So gibt es keine verstellbaren Kopfstützen, das Dach kommt bereits durchschnittlich großen Passagieren bedenklich nah, praktische Ablagen sind Mangelware und die Verarbeitungsqualität verlangt nach Toleranzbereitschaft beim Käufer.

Licht und Schatten

Zudem entspricht so manche Bedienlogik nicht immer den gängigen Standards. So lässt sich das Navisystem nicht wirklich intuitiv bedienen. Etwas zurückweisend wirken hier auch die grobe Grafik und der leicht bestimmende Tonfall der Ansagerin, so als hätte die Dame aus dem Navi eine verruchte Domina-Vergangenheit. Was im schwarzen Alfa mit seinen engen, roten Sitzen wiederum ein stimmiges Gesamtbild erzeugt. Hat man sich mit den verschiedenen Eigenarten angefreundet, geht im Brera alles recht locker von der Hand.

Trotz der relativen Enge: Der Brera ist sogar alltagtauglich. Eine Kleinfamilie oder ein Baumarkteinkauf lassen sich hier sogar unterbringen. Auf der hinteren, beengten Sitzbank können zwei Kinder problemlos mitreisen. Alternativ kann man dank der geteilt umlegbaren Rückbanklehne auch sperrige Gegenstände in den normal 300 Liter fassenden Kofferraum einladen. Die Raumökonomie kann mit kompakten Steilheckmodellen zwar nicht mithalten, die Variabilität ist immerhin guter Standard. Unpraktisch sind allerdings eine absurd hohe Ladekante und riesige C-Säulen, die den Schulterblick nahezu erübrigen. Gut, dass der Brera bereits serienmäßig über Parkpiepser verfügt.

Auf Wunsch mit viel Ausstattung

Bei der Komfortausstattung kann der Brera selbst gehobenen Ansprüchen gerecht werden. Neben dem Super-Navi zeichnet sich unser Testexemplar noch durch diverse Extras aus. Hierzu gehören ein großes Glas-Panoramadach mit elektrisch verstellbarem Sonnenrollo, beheizte und elektrische verstellbare Sitze, ein richtig gut zur Hand liegendes Sport-Lederlenkrad mit Bedientasten für Audioanlage und Telefon. Außerdem sind Alu-Pedale, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Licht- und Scheibenwischer-Automatik, Tempomat sowie ein Start-Stopp-Knopf an Bord. ESP und sieben Airbags sorgen zudem für ein gehobenes Sicherheitsniveau.

Etwas übertrieben hat es Alfa allerdings bei der Gestaltung der dem Fahrer zugewandten Mittelkonsole. Hier sollen nämlich drei zusätzliche Rundinstrumente Sportlichkeit vermitteln. Doch sind diese Anzeigen so deplatziert wie überflüssig. Denn die Tankanzeige sollte sich unbedingt im Kombiinstrument und damit im Blickfeld des Fahrers befinden und über den Ladedruck des Turbodiesel muss dieser ganz sicher nicht informiert werden. Dass mal wenig und mal viel Druck vorhanden ist, kann man auch wunderbar fühlen.

Druckvoll, genügsam

Vor allem das Turboloch ist beim 2.0 JTDM recht ausgeprägt, so dass man manches Mal beim Anfahren gefühlt fast gar nicht von der Stelle kommt. Erst ab knapp unter 2.000 Touren sorgt der Zwei-Liter-Turbodiesel für einen ordentlichen Punch. Immerhin 360 Newtonmeter liegen bei 1.750 Umdrehungen an, maximal 170 PS werden bei 4.000 U/min mobilisiert. Trotz dieser Power kämpft der Wagen dank eines elektronischen Sperrdifferenzials nicht mit Traktionsproblemen und stört beim Beschleunigen in Kurven kein Zerren in der Lenkung. Unter neun Sekunden dauert der Sprint, rund 220 km/h Spitze sind möglich.

Das leicht hakelige, manuelle Sechs-Gang-Getriebe ermöglicht es, mit relativ niedrigen Drehzahlen zu fahren. Trotz guter Fahrleistungen bleibt der Verbrauch des 1,6-Tonners so auf angenehm niedrigem Niveau. Zum Normverbrauch von 5,4 Litern kam bei uns ein Praxisaufschlag von gut zwei Litern obendrauf. Wer zurückhaltender fährt, sollte problemlos auch mit sechs Litern hinkommen. Allerdings wird dieses Effizienz-Niveau mit einer eher unfeinen Dieselakustik erkauft, die sich nicht so recht in Einklang mit der sportlichen Eleganz eines Alfa Brera bringen lassen will.

Schnellfahrer haben ihre Freude

Wesentlich stimmiger scheint da der ausgewogene und sportlich abgestimmte Unterbau. Querfugen, Bodenwellen und andere Unebenheiten werden meist geschmeidig ausgeglichen und ist so ein alltagstauglicher Restkomfort geboten. Nur gelegentlich dringen Stöße bis zu den Passagieren durch. Selbst bei Top-Speed auf der Autobahn liegt der Wagen recht gelassen auf der Straße. Lediglich die Windgeräusche zerren dann etwas an den Nerven. Viel wichtiger jedoch: Der 2+2-Sitzer lässt sich ambitioniert um Ecken und durch enge Kurven zirkeln. Trotz des schweren Dieselaggregats wirkt der Wagen nicht zu kopflastig und neigt in schnellen Kurven erst spät zum Untersteuern. Den guten Gesamteindruck unterstreicht eine angemessen verhärtende und präzise arbeitende Lenkung. Und: Die Sitze halten selbst bei hurtiger Kurvenfahrt den Fahrer in tadellos aufrechter Position.

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Technische Daten
Marke und Modell Alfa Brera 2.0 JTDM 16V
Ausstattungsvariante
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.410/ 1.830 / 1.341
Radstand (mm) 2.528
Wendekreis (m) 10,7
Leergewicht (kg) 1.555
Kofferraum (Liter) 300 - 600
Bereifung Testwagen 225/50 R17 98 H Pirelli Sottozero
Motor
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart) 1.956 / 4, Reihe
Leistung (PS) 170
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 360 / 1.750
Antriebsart Frontantrieb
Getriebeart manuelles 6-Gang-Getriebe
Verbrauch
Krafstoffart Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 5,4
CO2-Emissionen (g/km) 142
AS24-Verbrauch (l/100km) 7,2
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 8,8
AS24-Sprint 0-100km/h (s) k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 218
Preise
ab (Euro) 33.400
Empfohlene Extras Bi-Xenon-Scheinwerfer (870 Euro) und Bluetooth-Freisprecheinrichtung Blue&Me (360 Euro)
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33.400 Euro für den 2.0 JTDM 16V klingt nicht wirklich nach Schnäppchen. So bietet ein VW Scirocco mit 170-PS-Diesel einen weitgehend ähnlichen Zuschnitt für allerdings 7.000 Euro weniger. Ausstattungsbereinigt verringert sich der Abstand auf immerhin noch gut 4.000 Euro. Allerdings baut der Brera auf der Plattform des Mittelklasse-Modells 159 auf. Vergleicht man den Brera etwa mit Audi A5 oder BMW 3er Coupé, so bietet der Italiener einen Preisvorteil von mehreren tausend Euro. Bereits die Basisversion des Brera bietet eine recht üppige Ausstattung, doch wer den ganzen Luxus will, kann den Preis auf deutlich über 40.000 Euro treiben.

Fazit

Der neue Diesel 2.0 JTDM im Alfa Brera überzeugt mit guten Fahrleistungen bei angemessen niedrigem Verbrauch. Die ausgeprägte Anfahrschwäche und die unfeine Dieselakustik sind jedoch die Kehrseiten dieser Motorisierung. Das wirklich sehenswerte Auto verlangt eigentlich nach einem wild pulsierenden Benziner, der auch klanglich Emotionen vermittelt. Ansonsten ist der Brera ein ungewöhnliches Design-Statement, das mit gewissen Einschränkungen sogar alltagstauglich ist. Einige Kleinigkeiten stören zwar, doch ist ein Alfa ohne Schwächen wie Suppe ohne Salz.

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