Ciao Bella! Erstkontakt mit der Alfa Romeo Giulia (Quadrifoglio) 2019

Alfa Romeo schickt die schöne Giulia in das Modelljahr 2019. Wir durften einige Motorvarianten zur Probe fahren, sind aber vor allem beim wilden Kleeblatt hängengeblieben. Das eigentlich geplante Speed-Date endete sogleich in einem ausgewachsenen Fahrbericht. Vero amore eben.

Die Giulia wurde hübsch gemacht für das neue Modelljahr 2019 und wirkt mehr denn je wie die Spezialität des edlen Italieners um die Ecke. Dabei kann man viel von dem was die Giulia ausmacht auf die Welt um Pizza, Pasta und Gelato übertragen. Zunächst stimmen die Zutaten: Alfa bestellt nicht beim Discounter, sondern handverlesen im Feinkostladen. Antriebswelle aus Kohlefaser, viele Karosserieteile aus Leichtbaumaterialien, Brembo-Bremsen mit einem integrierten Bremssystem (IBS) von Continental sowie ein Achtgang-Getriebe von ZF. Alles serienmäßig und in der normalen Giulia bereits ab rund 37.000 Euro zu haben.

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Kerniger Multijet-Diesel

Ok, der 190 PS starke 2,2-Liter Multijet-Diesel könnte auch im Modelljahr 2019 etwas mehr Würze vertragen, wühlt er sich dröge wummernd durch die Gänge und kommt nie so richtig in Fahrt. Die 280 PS starke Giulia Veloce Ti (Turismo Internazionale) steht da schon besser im Futter. Aber so richtig erfährt man die Bella Macchina freilich erst, wenn man das Kleeblatt aus der Menüempfehlung wählt. Das Sportabzeichen Quadrifoglio bleibt im Deutschen ein Zungenbrecher und gleichermaßen verschlagen einem auch die Leistungsdaten der stärksten Alfa Romeo Giulia die Sprache: 510 PS, 600 Nm Drehmoment und eine 0 – 100 km/h Beschleunigung in 3,9 Sekunden sind eine deutliche Ansage.

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Von oben nach unten gebaut

Doch erzählen jene Papierwerte nur sehr wenig davon, wie sich der Wagen in Reinkultur bewegen lässt. Und da kommt noch einmal kurz der Multijet-Diesel ins Spiel: Fährt man diesen übers Land, so fragt man sich früher oder später, wieso der Wagen so gierig einlenkt, so straff auf der Straße liegt und überhaupt so viel Bühne, für so wenig Theater bietet. Die Antwort ist einfach: Alfa Romeo hat die Giulia von oben nach unten entwickelt. Von leistungsstark nach leistungsschwach. Grundlegend stand die Idee im Raum, einen Mitbewerber zu M3, C 63 und RS 4 zu schaffen und nicht in den breitgeschlagenen Vertretermarkt einzusteigen.

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Giulia mit neuen Ausstattungslinien

Die, ab dem neuen Modelljahr 2019 erhältlichen, Ausstattungsvarianten Business und Lusso (für Gewerbetreibende) zielen zwar genau auf jene Zielgruppe ab – nicht weniger als 20 Prozent aller bisherigen Alfa Romeo Giulia Kunden haben sich jedoch für den 510 PS Renner entschieden. Und das zu Recht! Man muss kein Alfisti sein um zu verstehen, was diese geschmackvolle Komposition so besonders macht. Sollen die Deutschen weiterhin ihr Einheitshack mit reichlich Bratensoße tunen – der Italiener ist hier weiter, serviert nicht nur sichtbar das Feinste vom Getier, sondern achtet auch auf eine stilvolle Inszenierung. So ist das Blech- und Kohlefaserkleid der Giulia von derart hinreißender Pracht, dass wir auf der kurzen Ausfahrt im Münchner Umland mehr als einmal strahlende Blicke von Passanten geerntet haben.

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Mit freundlichen Grüßen aus Maranello

Gut, vielleicht lag die erhöhte Aufmerksamkeit auch an den vier Fanfahren am Heck, die das Quadrifoglio-Menü stets akustisch begleiten. Es faucht, es rotzt, es brabbelt – Gänsehautfeeling bereits ab dem Druck auf den Startknopf! Kein Wunder, standen beim feudalen 90° V6-Triebwerk doch die Schwestern und Brüder von Ferrari Pate. So ist der 2,9-Liter-Sechszylinder-Biturbo ein Wahnsinns-Motor geworden, sowohl klanglich als auch leistungstechnisch. Das Aggregat hängt brachial am Gas, zieht rasant bis auf Tempo 307 und versägt damit ohne mit der Wimper zu zucken die württembergische und bayerische Konkurrenz.

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Infotainment bleibt auch 2019 veraltet

Bei derlei Höchstgeschwindigkeit kann ab Werk nur noch annähernd der amerikanische Cadillac ATS-V folgen – der, aus unserer Sicht, stilistisch überhaupt der bessere Konkurrent zur italienischen Grazie darstellt. Eine Sache stört dann aber doch. Passt nicht zu den fahrdynamischen Raffinessen und lässt sich im Alltag leider nicht wegdiskutieren. Das gesamte Infotainmentsystem der Giulia war schon grausam als es 2016 neu war und wird Monat für Monat einfach nur noch leidvoller. Das 8,8-Zoll-Display bleibt grob aufgelöst, die Bedienung ist eher nicht der Hit und die Kartendarstellung bisweilen unterirdisch. Ja, man braucht das Mäusekino nicht so oft, das Radio tönt auch so und wer die Giulia Quadrifoglio fährt hat meist anderes im Sinn, als sich medial berauschen zu lassen.

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Tolle Sitze, griffiges Lenkrad

Aber es wäre das i-Tüpfelchen gewesen, was diesen Alfa hätte perfekt machen können. Vielleicht ist es dem Italiener aber auch zuwider, etwas perfekt und endgültig zu machen. Denn ist etwas fertig, ist es tot. Die Perfektion im Unvollkommenen zu sehen? Ja, das sollte man mit Bezug auf den Firlefanz oberhalb der Klimabedienung tun. An anderer Stelle belohnt einen dafür das Fahrergestühl im Quadrifoglio (und in der Giulia generell), welches eine derart großartige Sitzposition bietet, dass man kaum mehr weichen möchte. Und auch das Sportlenkrad ist mit seinen massiven Aluminium-Paddels nicht nur eine Augenweide, es liegt außerdem ziemlich griffig in der Hand.

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RACE Mode on!

Griffigkeit ist zugleich das, was der Fahrer braucht, lässt er sich (unvernünftig wie er ist) ein, den „D.N.A.-Schalter“ mit ein paar Sekunden Verzögerung auf „RACE“ zu stellen. Die Alfa Fahrerlebniskunde erhellt zugleich so manches gelbe Warnsymbol im teildigitalen Tacho. Kurzum: Es ist alles aus, was den Spaß am hemmungslosen Kurvenjagen auch nur ansatzweise stören könnte. Jetzt macht obendrein das aktive Hinterachsperrdifferenzial samt Torque Vectoring Sinn, das brettharte (aber nicht unkommode) Adaptivfahrwerk und manches Mal auch die sündhaft teure Brembo-Carbon-Ceramic Bremsanlage (nicht am Fotofahrzeug verbaut). Sie beißt vehement mit 6-Kolben und 390er Scheiben vorne, sowie mit 4-Kolben und 360er Scheiben hinten zu.

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Quadrifoglio mit aktiver Aerodynamik

Für ein sicheres Fahrgefühl bei hohen Geschwindigkeiten auch nicht gänzlich unerheblich: Eine sichere Straßenlage mit einem spürbar guten Kontakt zum Asphalt. Bei der Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio unter anderem durch aktive Aerodynamik erreicht. Der Frontsplitter senkt sich ab 100 km/h um drei Zentimeter gen Boden, verändert den Luftstrom unterhalb des geschlossenen Fahrzeugbodens und erzeugt so einen höheren Anpressdruck. Und das funktioniert umso besser, je schneller man fährt. Die Verwandtschaft nach Maranello – sie bleibt weiterhin spürbar. Gleichermaßen wichtig: Die Gewichtsverteilung der Giulia liegt bei 50 zu 50 Prozent. Überdies erhält das fliegende Kleeblatt eine (im schnellen Fahrtwind flatternde) Kohlefaser-Motorhaube und ein Dach aus demselben Material.

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Fazit

So viel Text - und das beim Erstkontakt? Ja, die Alfa Romeo Giulia (Quadrifoglio) hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und zwar, obwohl der Autor dieser Zeilen ihr durchaus skeptisch gegenüberstand. Wer eine sportliche Alternative zum Einerlei deutscher Küche sucht, der ist bei der Alfa Romeo Giulia (Quadrifoglio) betont an der richtigen Adresse. Sie sieht nicht nur großartig aus, sondern ist auch geschmackvoll abgestimmt und bietet so manche technische Raffinesse. Einen faden Beigeschmack hinterlassen derweil die Dieselantriebe und das betagte Infotainmentsystem. (Bild und Text: tv)

Technische Daten*

  • Modell: Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio
  • Motor: Sechszylinder-V-Biturbo, 2.891 ccm
  • Leistung: 510 PS (375 kW) bei 6.500 U/min
  • Drehmoment: 600 Nm bei 2.500 U/min
  • Antrieb: Hinterradantrieb, Achtgang-Automatikgetriebe
  • Verbrauch (kombiniert): 9,2 l Super/100 Km
  • Emissionsklasse: Euro 6 d-Temp
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): 3,9 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 307 km/h (abgeregelt)
  • Abmessungen (L/B/H): 4,64 m/1,86 m/1,43 m
  • Leergewicht: ca. 1.580 Kg
  • Grundpreis in Deutschland: ab 79.000 Euro

*Herstellerangaben

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