Audi Q4 e-tron Facelift (2026) im Test: Fast wieder ein richtiger Audi

Das Audi Q4 e-tron Facelift 2026 auf einen Blick
Was uns gefällt
Das neue Cockpit als digitale Bühne.
Was wir vermissen
Die gute alte Audi-Qualität beim Interieur.
Ideal, wenn …
... man beim Dienstwagen Steuern sparen will.
Die Alternativen
Skoda Enyaq, VW ID.4/ID.5, BMW iX1, Mercedes-Benz EQB
Stärken
- Ausgewogenes Fahrverhalten
- Fein abgestimmte Assistenten
- Gute Raumausnutzung
Schwächen
- Schwache DC-Ladeleistung
- Hoher Basispreis
- Zu viel Plastik im Innenraum
Warum Franzosen das Wort etron nicht mögen
Was die Bezeichnungen ihrer Elektroautos angeht, so waren die meisten Autohersteller nicht unbedingt erfinderisch. ID heißen sie bei VW, angeblich bedeutet die Abkürzung „Intelligentes Design“. Mercedes setzte auf EQ, was so viel wie „Electric Intelligence“ bedeutet. Bei Kia steht EV schlicht für „Electric Vehicle“ und bei Audi verständigte man sich auf den Zusatz e-tron. Ein Begriff, der an Elektron erinnert, oder an die Science-Fiction Trilogie „Tron“, in der sich digitale und reelle Welt auf dramatische Art und Weise vermischen.
Einen kleinen Fauxpas haben sich die Ingolstädter mit diesem Ausdruck allerdings in Frankreich geleistet. Da steht étron für das, in das man am besten nicht hineintritt auf der Straße. Vier e-trons hat Audi im Programm. Der Q4 ist zwar der kleinste im elektrischen Quartett. Und doch sticht er alle anderen. Der kompakte Stromer ist nämlich ihr erfolgreichstes Elektro-Modell, sagt Audi. Und damit das auch so bleibt, haben die Ingolstädter dem Q4 nach fünf Jahren ein Facelift verpasst, das umfangreich ausfällt.
Neues Cockpit mit drei Bildschirmen
Im Angebot bleiben nach wie vor die beiden Karosserievarianten. Also der normale SUV und der elegantere coupéhafte Sportback, den allerdings nur ein Drittel der Kundschaft kauft. Identisch ist bei beiden Modellen der neue Kühlergrill, der in der Wagenfarbe lackiert ist und der Fahrzeugfront mehr Präsenz verleiht. Der Heck-Diffusor wurde leicht überarbeitet, dazu das optionale hochauflösende OLED-Licht – das war es dann schon in Sachen frischere Optik. Gänzlich neu ist das Interieur. Im Cockpit setzt Audi auf die von anderen Fahrzeugen schon bekannte „digital stage“. Die digitale Bühne wird bestückt mit einem 11,9 Zoll großen Tacho, einem 12,8 Zoll großen Infotainment-Bildschirm und (optional) mit einen 12-Zöller für den Beifahrer.
In der Mittelkonsole kann man jetzt zwei Smartphones kabellos laden, der Akku wird dabei gekühlt. Dass der Innenraum neu gedacht wurde, bemerkt man auch an einem kleinen Detail. In den Türtafeln gibt es neue integrierte Getränkehalter - und zwar auf Lenkrad-Höhe. Dadurch kann man Flaschen und Dosen leichter holen und auch wieder verstauen, ohne den Blick allzu lange von der Straße abzuwenden. Die Materialqualität ist mitunter leider immer noch nicht so wie es die Audi-Kundschaft gewöhnt ist und wie es auch der hohe Preis vermuten lässt. Als Beispiel sei hier nur die durchgehende silberfarbene Spange auf dem Armaturenbrett genannt. Mit Edelmetall hat sie freilich nichts zu tun und wenn man draufklopft, dann klingt es dumpf und hohl nach Kunststoff.
Weshalb selbst parken, das kann der Q4 auch alleine
Einer der Stars auf der digitalen Bühne ist zwar nicht zu sehen, aber zu hören. Der Audi Assistant wird von Künstlicher Intelligenz (KI) gesteuert und soll sogar dazulernen. Gepowert wird er von ChatGPT. Aufgerüstet hat Audi auch bei den elektronischen Assistenzsystemen. So lässt sich der Q4 auch mit dem Smartphone einparken. Das Auto kann sogar komplizierte Rangier-Manöver lernen und dann selbstständig umsetzen. Dazu gibt es das übliche Heer an Fahrassistenten, die je nach Geldbeutelinhalt sogar den Spurwechsel auf der Autobahn selbst vollziehen.
Vorne sind Raumgefühl und die tatsächlichen Platzverhältnisse gut, hinten geht es ein wenig knapper zu. Das ist nicht anders als beim Vorgänger, denn schließlich hat sich am Radstand mit 2,77 Metern beim 4,60 Meter langen Q4 nichts Entscheidendes getan. Das trifft auch auf den Kofferraum zu. 515 Liter sind es beim SUV, erweiterbar auf 1.487 Liter, wenn man die teilbare Rücksitzbank umlegt. Auf ähnliche Werte kommt der Sportback.
5,4 Sekunden von 0 auf 100: Quattro Performance als Kraftbursche
Um den Q4 e-tron halbwegs wettbewerbsfähig zu halten, hat Audi großen Wert auf die Weiterentwicklung des Antriebs gelegt. Das Ergebnis ist eine neue E-Maschine auf der Hinterachse. Sie läuft unter der Bezeichnung App 350 und ist in zwei Leistungsstufen mit 150 kW / 204 PS und mit 210 kW / 286 PS erhältlich. Das Basismodell Q4 e-tron (Sportback) spurtet damit in 8,1 Sekunden von 0 auf 100, die Performance-Variante legt die Messlatte mit 6,6 Sekunden schon deutlich höher. Bei den Quattros kommt ein zweiter Elektromotor auf der Vorderachse ins Spiel. Dadurch steigen die Systemleistung auf 220 kW / 299 PS und 250 kW / 340 PS (Performance).
Die Sprintzeiten fallen dafür auf 6,2 respektive 5,4 Sekunden. Audi verspricht mit der neuen Motorengeneration einen geringeren Verbrauch und damit höhere Reichweiten. Während das Basismodell mit einer 59 kWh großen Batterie (netto) nur 440 Kilometer weit kommt, soll der heckgetriebene Performance-Q4 mit dem größeren 79-kWh-Akku (netto) bei knapp unter 600 Kilometern landen. Wir lagen bei unseren recht dynamischen Testfahrten auf kurvigen und leicht hügeligen Landstraßen bei knapp 18 kWh. Im Mix mit einem größeren Stadtanteil dürfte dieser Wert noch um ein paar Prozent sinken. Unserer Erfahrung nach muss man beim Einstiegsmodell nach rund 350 Kilometern an die Zapfsäule.
Mit V2H wirft Audi einen Blick in die Zukunft
Dort geht es recht mittelprächtig zur Sache. Zwischen 160 und 185 kW fließen maximal durch die Leitung – im Idealfall muss man sich 27 Minuten Zeit vertreiben, bis von zehn auf 80 Prozent geladen ist. Mit Plug & Charge kann man auf eine Ladekarte verzichten, weil sich die Säule automatisch verbindet und über Audi abrechnet. Außerdem gibt es eine V2L-Funktion, mit der externe Geräte wie etwa ein E-Bike mit Energie (bis 3,6 kW) versorgt werden können.
Damit ist Audi auf der Höhe der Zeit. Etwas voraus ist man mit V2H: Das heißt, das Auto ist darauf vorbereitet, als Batteriespeicher für das Haus zu fungieren. Überschüssiger Strom aus der Photovoltaikanlage kann für eine spätere Nutzung aufgehoben oder in die öffentlichen Netze zurückgespeist werden. Letzteres ist aber noch Zukunftsmusik.
So fährt sich das Audi Q4 e-tron Facelift
Und so fährt sich der neue Q4 e-tron. Wir waren mit dem Basismodell unterwegs und ganz verblüfft über den hohen Unterhaltungsfaktor. Klar, Heckantrieb macht immer Spaß, aber wie die 204 Pferdestärken mit den knapp 2,2 Tonnen Gewicht umgehen. Respekt! Überholen auf der Landstraße? Entspannt! Beim Slalom durch die Kurven spielt Audi seine größten Trümpfe aus. Die feine und präzise Lenkung und das stramme und exakte Fahrwerk lassen Freude aufkommen. Natürlich spürt man das Gewicht, aber nicht so stark wie wir uns das vorgestellt haben. Auch bei den Bremsübergängen von elektronisch auf mechanisch, dem sogenannten Blending, lassen die Audi-Ingenieure nichts anbrennen. Man merkt keinen Übergang.
Mit der in verschiedenen Stufen einstellbaren Rekuperation fuhren wir auch gut – auf Wunsch bis zum Stillstand im One-Pedal-Modus. Noch ein Wort zu den Assistenzsystemen. Normalerweise schalten wir die Spurhaltehilfe sofort aus. Dieses Mal haben wir es vergessen. Und das war gut so. Die Eingriffe waren dezent und unaufdringlich, nicht so grobmotorisch wie bei anderen Herstellern. Hier merkt man auch einen Klassenunterschied, der sich natürlich im Preis manifestiert. Das Basismodell kostet ab 47.500 Euro, beim Quattro Performance fängt es bei knapp 60.000 Euro erst an.
Erstes Fazit
Operation gelungen, Patient lebt. Und das noch länger. Der Audi Q4 e-tron kann in der aufgefrischten Variante gut mitmischen in einem Markt, der sich technologisch ziemlich dynamisch entwickelt. Mit kleinen Abstrichen beim Laden, aber das ist dem 400-Volt-System geschuldet, und der teilweise immer noch mangelnden Materialqualität. Audi fahren ist wie so oft ein echter Genuss. Wer davor oder danach in ein Produkt des 14-Marken-Konzerns Stellantis steigt oder in ein China-SUV, der merkt den Unterschied sofort. Und der will bezahlt sein. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Tobias Sagmeister / Hersteller).
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