Audi Q9 vs. Mercedes-Benz GLS vs. BMW X7: Der XL-Luxus-Dreikampf der deutschen Flaggschiffe

Mit dem neuen Q9 steigt Audi spät, aber selbstbewusst in das Segment der großen Luxus-SUV ein. Der Ingolstädter trifft auf den Mercedes-Benz GLS und den BMW X7. Er ist größer, setzt auf viel Platz und Komfort, startet in Europa aber nur mit einem Diesel. Reicht das, um im Boomsegment aufzuholen?

In Nordamerika, China und den Arabischen Emiraten gilt bei Luxus-SUVs seit jeher eine einfache Regel: Je größer, desto besser! Während BMW mit dem X7 und Mercedes-Benz mit dem GLS das Feld der majestätischen Full-Size-Schlachtschiffe seit Jahren unter sich aufteilen, zieht Ingolstadt nun endlich nach. Wir haben die Daten des neuen Ringe-Flaggschiffs gegen die etablierte Konkurrenz aus Stuttgart und München gestellt.

Auf einen Blick

  • Neuer Herausforderer: Audi stößt mit dem spektakulären Q9 erstmals in das Segment der Fünf-Meter-Plus-Luxus-SUVs vor und trifft dort auf die modellgepflegten Schwergewichte Mercedes-Benz GLS und BMW X7.
  • Der Raumkönig: Mit beeindruckenden 5,31 Metern Gesamtlänge übertrifft der Audi Q9 den Mercedes GLS um 10 Zentimeter und den BMW X7 sogar um 16 Zentimeter.
  • Das Europa-Dilemma: Zum Verkaufsstart im November 2026 rollt der Audi Q9 in Europa vorerst nur als 299 PS starker V6 TDI an, während der 600 PS starke SQ9 V8 zunächst den USA vorbehalten bleibt.
  • Technik & Luxus: Mercedes zieht digital mit dem MBUX Superscreen und KI-Funktionen alle Register, während BMW mit der aktiv geregelten Wankstabilisierung die Dynamik-Krone verteidigt.
  • Preise auf Augenhöhe: Die Tarife der drei deutschen XL-Cruiser bewegen sich geschlossen knapp oberhalb der 100.000-Euro-Schwelle.

Abmessungen & Platzangebot: Der Audi Q9 sprengt die Maße

Schon auf dem Papier macht der neue Audi Q9 klare Ansagen. Mit einer schier gewaltigen Länge von 5,31 Metern und einem Radstand von rund 3,15 Metern lässt er selbst seine stattlichen Mitstreiter im Rückspiegel schrumpfen. Er übertrifft den Mercedes GLS (5,21 Meter) um glatte zehn Zentimeter und den BMW X7 (5,15 Meter) sogar um 16 Zentimeter.

Audi Q9

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Alle drei Modelle bieten sechs oder sieben Sitzplätze. Der Audi Q9 kommt serienmäßig als Siebensitzer. Optional gibt es sechs elektrisch verstellbare Einzelsitze, wobei besonders die beiden Sitze in der zweiten Reihe auf Business-Class-Atmosphäre zielen. Auf allen drei Plätzen der zweiten Reihe lassen sich Kindersitze montieren. Für Familien ist das ein handfester Vorteil.

Mercedes-Benz GLS

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Der Mercedes GLS ist traditionell stark beim luxuriösen Langstreckenkomfort. Auch er bietet sieben Sitze und kann mit hochwertigen Fondoptionen, Rear-Entertainment und aufwendiger Dämmung aufgerüstet werden. BMW bietet den X7 ebenfalls serienmäßig als Siebensitzer an. Optional gibt es Einzelsitze in der zweiten Reihe, die den Zugang zur dritten Reihe erleichtern.

BMW X7

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Beim Raumgefühl dürfte der Audi vorn liegen. Seine Länge, das aufrechte Heck und das größte je in einem Audi verbaute Panorama-Schiebedach schaffen ein sehr großzügiges Ambiente. Das Glasdach misst mehr als 1,5 Quadratmeter und kann optional in neun Segmenten abgedunkelt werden. Dazu kommen erstmals in einem Audi elektrische Türen mit Umfeldsensorik. Sie öffnen und schließen automatisch und stoppen, wenn ein Hindernis erkannt wird.

Cockpit & Digitalisierung: Von klassisch-solide bis KI-Superscreen

Bei der Digitalisierung verfolgen die drei Marken deutlich unterschiedliche Philosophien:

  • Audi Q9:

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Vertraut auf das neue MMI-Panoramadisplay inklusive Head-up-Display, wie man sie ähnlich aus dem Q7 kennt. Das Bedienkonzept überzeugt haptisch und ergonomisch auf hohem Niveau, wirkt beim reinen Display-Spektakel im Vergleich zu Mercedes jedoch eine Spur zurückhaltender.

  • Mercedes-Benz GLS:

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Zieht mit dem neuen MBUX Superscreen digital alle Register. Drei 12,3-Zoll-Monitore ruhen unter einer durchgehenden Glasfläche. Betrieben wird das System von MB.OS, dessen KI-Sprachassistent tief mit ChatGPT, Google und Microsoft vernetzt ist.

  • BMW X7:

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Setzt auf das bewährte BMW Curved Display (12,3 Zoll Instrumente + 14,9 Zoll Touchscreen), das sich leicht zum Fahrer neigt. Die Steuerung gelingt dank iDrive-Controller, Touch und Sprachbedienung gewohnt intuitiv.

Antriebe: Audis Europa-Dilemma & die V8-Klasse

Bei den Antrieben wird man hingegen stutzig, denn hier unterscheiden sich die drei Kontrahenten gewaltig. Besonders in Europa.

Zum europäischen Verkaufsstart im November 2026 steht Audi vor einem kleinen Antriebsdilemma: Der Q9 rollt auf unserem Kontinent zunächst ausschließlich mit einem 3.0 V6 TDI (299 PS / 630 Nm) an. Der brachiale SQ9 mit 4.0-Liter-V8-Biturbo und 600 PS bleibt vorerst den Märkten in den USA und China vorbehalten. Erst 2027 schiebt Audi einen V6-Benziner (ca. 435 PS) sowie einen Plug-in-Hybriden nach.

Mercedes-Benz bietet beim GLS von Beginn an die breiteste Palette. Vom kultivierten Reihensechszylinder-Diesel (313 und 367 PS) über den 450-Benziner mit Reihensechszylinder und 381 PS plus EQ-Boost bis hin zum mächtigen GLS 580 mit 4.0-Liter-V8-Biturbo (537 PS) und den 612 PS-starken Maybach 680- und AMG 63-Modellen ist alles bestellbar.

BMW setzt im X7 konsequent auf Mild-Hybrid-Technologie (48 Volt). Neben dem durchzugsstarken Reihensechszylinder-Diesel xDrive40d (352 PS) und dem Benziner-Derivat mit 381 PS markiert der X7 M60i mit 4,4-Liter-V8-Biturbo (530 PS) die Spitze. Einen Stecker-Hybrid (PHEV) suchen BMW-Kunden beim X7 allerdings vergeblich.

Fahrwerk & Dynamik: Gleiten oder Kurven räubern?

Beim Fahrwerk wollen alle drei XL-SUVs die physikalische Wucht ihrer Karosserien kaschieren, offenbaren auf der Straße dennoch ihren ganz eigenen Charakter:

  • Mercedes-Benz GLS:

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Mercedes verfolgt den stärksten Komfortansatz. Die E-Active Body Control analysiert die Fahrsituation permanent und kann Feder- und Dämpferkräfte an jedem Rad separat regeln. Dazu kommt eine intelligente Dämpferregelung, die cloudbasierte Car-to-X-Daten nutzt, um Dämpfer bereits im Voraus auf Unebenheiten einzustellen, die andere Fahrzeuge gemeldet haben.

  • BMW X7:

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BMW setzt im X7 auf ein adaptives Zweiachs-Luftfahrwerk und optional auf Executive Drive Pro mit aktiver Wankstabilisierung. Der X7 gilt seit seiner Einführung als fahraktivste Alternative in diesem Segment. Er fühlt sich nicht klein an, aber präziser und verbindlicher als viele Wettbewerber dieser Größe. Wer selbst fährt, dürfte sich im BMW am ehesten zuhause fühlen.

  • Audi Q9:

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Geht den Mittelweg aus souveränem Langstreckenkomfort und Dynamik. Audi setzt im Q9 serienmäßig auf adaptive Luftfederung mit variabler Dämpfung. Optional gibt es ein sportlicheres Luftfahrwerk und Allradlenkung. Die Hinterräder können bis zu fünf Grad einschlagen. Das hilft beim Rangieren und erhöht bei höherem Tempo die Stabilität. Gerade bei 5,31 Metern Länge ist das fast Pflicht.

Die technischen Daten im Vergleich

Parameter Audi Q9 Mercedes-Benz GLS (Mopf) BMW X7 (LCI)
Länge / Radstand 5,31 m / ca. 3,15 m 5,21 m / 3,14 m 5,15 m / 3,11 m
Fertigungsort Bratislava (Slowakei) Tuscaloosa (USA) Spartanburg (USA)
Sitzplätze 6 oder 7 Sitzplätze 6 oder 7 Sitzplätze 6 oder 7 Sitzplätze
Infotainment 3 Screens + HUD MBUX Superscreen (3x 12,3") BMW Curved Display (12,3" + 14,9")
Basis-Diesel (EU) 3.0 V6 TDI (299 PS / 630 Nm) 3.0 R6 Diesel (313 PS bis 367 PS) xDrive40d (352 PS / 720 Nm)
Top-Benziner (V8) SQ9: 600 PS / 800 Nm (US-First) GLS 680/GLS 63 AMG: 612 PS / 850 Nm M60i: 530 PS / 750 Nm
Plug-in-Hybrid (PHEV) Folgt 2027 (ca. 435 PS) Nein (nur 48V Mild-Hybrid) Nein (nur 48V Mild-Hybrid)
Fahrwerk-Highlight Luftfederung, Hinterachssperre E-Active Body Control 2-Achs Luft + Wankstabilisierung
Einstiegspreis (DE) ab 108.400 € (Start Nov 2026) ab ca. 108.100 € ab ca. 106.500 €

Fazit

Der neue Audi Q9 bringt frischen Wind in die royale Luxus-Klasse. Er kommt zwar spät, aber entsprechend gewaltig. Mit seinen 5,31 Metern Länge ist er der unangefochtene Raum- und Präsenzkönig im Feld und punktet mit pfiffigen Features wie den elektrischen Türen. In Europa bremst ihn zum Verkaufsstart allerdings die recht zurückhaltende Motorenauswahl etwas ein.

Der Mercedes GLS bleibt der etablierte Luxusliner. Er bietet die breiteste Motorenauswahl, sehr hohen Federungskomfort und mit MBUX Superscreen sowie MB.OS das modernste Infotainment.

Der BMW X7 bleibt die Wahl für Selbstfahrer. Er ist etwas kürzer, wirkt dafür fahraktiver und bietet mit dem xDrive40d einen starken Langstrecken-Diesel sowie mit dem M60i einen charismatischen V8. Sein Cockpit ist nicht so theatralisch modern wie das von Mercedes, aber ergonomisch sehr überzeugend. (Text: an | Titelbild: KI-generiert, Bilder: Hersteller)

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Alexander Nocker

Alexander Nocker verstärkt seit 2026 das AutoScout24 Magazin als freier Redakteur mit Fokus auf Antriebstechnologien. Er bringt langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus mit und beschäftigt sich vor allem mit neuen Technologien und aktuellen Mobilitätsthemen. Auch klassische Fahrzeuge kennt und schätzt er. Privat schlägt sein Herz für sportliche Klassiker - sein Traumwagen ist ein BMW M3 E30 Sport Evolution. Aktuell fährt er einen VW ID.3 GTX Fire & Ice.

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